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die Kinder, wenn sie ihr nicht frühzeitig erliegen, zu untüchtigen, hülfebedürftigen Menschen heranwachsen und ganze Geschlechter entarten, wenn nicht sehr günstige Lebensverhältnisse und gesunde Ehen der Nach­kommen diese Spuren wieder vertilgen."

Diese Anschauungen und Grundsätze, die jetzt durch die Garten­laube in weitere Kreise getragen werden, sind genau dieselben, welche in einem Kreis von hiesigen Männern vor einigen Jahren den Ent­schluß reiften: alljährlich kostenfrei eine Anzahl scrophulöser Kinder un­bemittelter Eltern von hier zur Heilung nach Bad Nauheim zu senden. — In den letzten Jahren waren es jedes Mal 15—2u kranke Kinder, welchen diese Wohlthat zugewendet werden konnte. Nach den schrift­lichen Gutachten der hiesigen Herren Aerzte, die sämmtlich mit großem Interesse der Sache sich annehmen, hätten die Badekuren den erfreulichen Erfolg, die Kinder entweder geheilt oder doch sichtlich gebessert in den Schooß ihrer Familien zurückkehren zu sehen.

Möge deshalb die im Gange befindliche Collecte in allen Kreisen unserer Bürgerschaft öffne Herzen und öffne Hände finden.

— (Vor trag.) Am Montag den 14. d wird der Schriftsteller Dr. Otto Brahm von Berlin im Kunst in dustri e-V er ein über Heinrich von Kleist sprechen. Wir machen auf diesen Vortrag aus dem Grund aufmerksam, weil der Verein für deutsche Literatur an Dr. Brahm für dessen trefflichen Essay über den genannter Dichter den ersten Preis von Mk. 4000 ertheilt hat.

— (Frühlingsboten?) In den letzten Tagen wurden uns zu verschiedenen Malen lebende Schmetterlinge überbracht, die, verführt durch die abnorme gelinde Witterung, das verderbenbringende Wagniß eines Ausflugs unternommen haben.

Versteigerungs- und BerpachtungS- rc. Kalender für Donnerstag den 10. Januar.

Schriftliche Angebote zur Uebernahme der Lieferung der Verpfle­gungsbedürfnisse und der Reinigungsarbeiten, sowie zum Ankauf der Küchenabgänge, Knochen- und Brodreste des hiesigen Garnisonlazareths für das Jahr 1884/85 sind bis spätestens vor dem um 10 Uhr Vor­mittags statlhabenden Termine im Geschäftszimmer des Garnisonlaza­reths einzureichen (s. Nr. 6 „Han. Anz."). — Vormittags 10 Uhr wer- den an der Maininsel bei Großwelzheim 91 deutsche Pappeln an Ort und Stelle verkauft (s. Nr. 5 „Han. Anz."). Nachmittags 3 Uhr wird durch Herr Gerichtstaxator M. Ullrich in der Brehm'schen Wirthschast hier erster Termin zum Verkauf des dem verstorbenen Johannes Guth gehörigen Hauses (Langstraße Nr. 90) abgehalten. — Ebenfalls Rachm 3 Uhr soll im „Kurhessischen Hof" zu Eckenheim die dortige, 370 ha haltende Gemeindejagd verpachtet werden (s. Nr. 303 „Han. Anz." von 1883).

— Für heute. Hanauer Kunstverein: Abends 6 Uhr im unte­ren Sitzungszimmer des Rathhauses: Generalversammlung; Tagesord­nung : Jahresbericht, Rechnungsablage, Vorstandswahl, Statutenabände­rung. — Hanauer Stadttheater: Zum Benefice für Herrn Regisseur A. Naud: „Am Altar", Schauspiel in 5 Aufzügen nach Werner's gleich­namiger Erzählung von C. Anders (MN'* das Stück kommt nur dies eine Mal zur Aufführung); Anfang 7 Uhr. — Abends 9 Uhr: Spritze Rr. 1 und 5 im „goldenen Herz"; Steiger- Corps bei Beck.

— (Versetzung.) Der bisherige Zweite Lehrer Meister von der Präparandenanstalt zu Quedlinburg ist unter Ernennung zum ordent­lichen Seminarlehrer an das Schullehrer - Seminar zu Homberg versetzt worden.

— Der Gemeinde Lahrbach im Kreise Gersfeld ist durch Aller- höchste Ordre vom 24. v. M. zur Erwerbung derjenigen Grundstücke, welche behufs der Verlegung der im Orte Lahrbach belegenen Strecke des von Nüsterrasen nach der Rhönstraße zwischen Hilders und Tann führenden Landweges nach dem Nordende von Lahrbach erforderlich sind, das Enteignungsrecht verliehen worden.

— (Zuckerrübenbau) Man berichtet aus Berlin: „Berichte aus dem Regierungsbezirk Kassel lassen erkennen, daß auch dort der Zuckerrübenbau und die Rübenzuckerindustrie an Ausdehnung gewinnen. Bei der diesjährigen Ernte hat die Zuckerrübe, welche erst seit zwei Jah­ren im Bezirk in größerem Umfange gebaut wird, eine bessere Ernte er­geben, als man erwartete. Da die Landwirthe bei dem Körnerbau nicht mehr durchkommen zu können glauben, so ist der Anbau der Rüben ge­eignet, die Lage der Grundbesitzer zu verbessern. Auch ist der Vortheil nicht zu unterschätzen, daß der Rübenbau eine weit sorgfältigere Bear­beitung des Bodens nothwendig macht, die bisher viel zu wünschen übrig ließ. Die Zuckerfabrik in Wabern erfreut sich, wie in den beiden vor­hergehenden ersten Jahren des Betriebs, eines flotten Ganges. Ihre Prosperität hat bewirkt, daß zwei neue Fabriken in Aussicht genommen sind. Hier und da wird jedoch die Befürchtung laut, diese Industrie werde eine so große Ausdehnung gewinnen, daß die alsdann schärfer hervortretende Konkurrenz erhebliche Rückschläge bezüglich der Prosperi­tät zur Folge haben könnte.

— Fulda, 8. Jan. Die „Fuld. Ztg." schreibt: Dem Verneh­men nach beabsichtigt eine Anzahl hiesiger Gewerbetreibender sich in ei­ner Jmmediateingabe an den Kaiser zu wenden, um die für unsere Ver­

hältnisse enorme Erhöhung der Gewerbesteuer womöglich noch rückgängig zu machen. Wir wünschen diesen Bestrebungen den besten Erfolg.

— Schweinsberg, 7. Jan. In hiesiger Gegend zeigen sich schon Frühlingsboten Vorige Woche brächte eine Botenfrau aus War- bürg deutlich ausgebildete, im Freien gepflückte Kirschenblüthen mit. Auch aus dem Gartenlande ausgesetzte Topfpflanzen fangen bereits zu treiben an. — In einem benachbarten Dorfe hat sich ein Mann dadurch, daß ihm Anilinfarbe in eine Wunde kam, eine Blutvergiftung zugezo­gen, so daß er hoffnungslos darniederliegt. ES geschah dadurch, daß er sich beim Aufziehen eines Seiles die Hand verwundete, und da eS kalt war, kurz darauf einen mit Anilinfarbe gefärbten wollenen Handschuh anzog, wodurch die Farbe in die noch feuchte Wunde kam. (T. u. A.)

— Frankfurt a. M, 8. Januar. Ein sehr beleibter und vom Podagra geplagter Börsianer L. soll sich nach Vorschrift seines ArzteS viel körperliche Bewegung machen. Der dicke Herr kann sich aber gar nicht dazu entschließen. „Machen Sie eS so" — sagte ihm der Doktor — „lassen Sie sich von Ihrem Wagen nach dem Zoologischer Garten fahren und sagen Sie dem Kutscher dann, er soll Sie an der Börse wieder erwarten " Der Commerzienrath thut wie ihm geheißen. Aber nachdem sein Wagen ihn am Zoologischen Garten verlassen hat, ruht er sich einige Minuten aus und — steigt dann in einen Trambahn­wagen, um zur Börse zu fahren. — Zu der erledigten Stelle eines Stadtbibliothekars haben sich dem Vernehmen nach 70 Bewerber ge­meldet. Darunter befindet sich auch ein Prokurist eines hiesigen Bank­hauses, der zu seinen Gunsten anführen soll, er sei ein großer Bücher­freund. — Der Knecht eines hiesigen Fuhrmannes, welcher aus den Lehmgruben an der Festeburg vorgestern gemeinsam mit einem Tage­löhner Lehm holen sollte, wurde bei dem Ausgraben des Materials durch eine plötzlich herabstürzende Lehmmasse vollständig verschüttet. Erst nach Aufwendung großer Mühe gelang es dem Taglöhner, den Kopf des Verschütteten frei zu machen. Der Mann wurde sodann mit Hilfe anderer Personen völlig herausgegraben, mußte darauf aber sofort nach hier in das Hospital verbracht werden, da ihm beide Beine — das rechte Bein war gebrochen — verletzt waren. (Fr. I)

— (Arbeiter-Colonie) Die General-Versammlung behufs Gründung einer Arbeiter-Colonie für Hessen-Nassau und das Großher« zogthum Hessen, wird Montag den 14 d. M., Vormittags 11 Uhr, in der Rosenau dahier tagen. Zunächst soll, soweit jetzt feststeht, die Bil«' dung eines definitiven Comites, die Beschaffung der nöthigen Mittel, die technische Auswahl deS Grundstückes und die Anstellung des Perso- nals in Anregung gebracht und darüber beschlossen werden Im Groß- herzogthum Hessen ist bereits ein Verein in der Bildung begriffen, wel­cher die auf Hessen-Darmstadt entfallenden Antheile an den Erwerbungs« und sonstigen Unkosten auszubringen bestrebt ist. — Sämmtliche Aus- gangSthüren der Hauptsynagoge in der Bornheimerstraße müssen auf polizeiliche Anordnung nach Außen aufgehend eingerichtet werden, mit welcher Arbeit man eben beschäftigt ist. (G.-A )

— Frankfurt a. M., 9. Januar. Der Ausläufer eines hiesi­gen Geschäftes, welcher in Offenbach und Umgegend mit dem Einkassiren von Rechnungen beschäftigt war, ist mit den einkassirten Geldern ver­schwunden. — Zwei Handelsleute, die einen Trödelhandel gemeinschaft­lich betrieben, überwarfen sich und lösten das Compagniegeschäft auf. Nach erfolgter Auflösung ergab sich, daß ein Posten von M. 10, den der eine Socius vereinnahmt hatte, noch zu begleichen war; er schickte das Geld, abzüglich 20 Ps. Bringerlohn durch einen Dritten feinem früheren Compagnon zu, dieser verweigerte jedoch die Annahme von 9 M. 80 Pf. und verlangte volle 10 M. Da er letzteren Betrag nicht erhielt, klagte er ihn ein. Im Termin bot wiederholt der Beklagte 9 M. 80 Ps. an, der Kläger beharrte aber auf der vollen Zahlung, und zum Beweise dafür, daß die Differenz von 20 Pf. ihm zu gut käme, benannte er eine Reihe von Zeugen. Der Beklagte benannte hierauf Gegenbeweiszeugen, so daß die Differenz von 20 Pf. dem unter­liegenden Theile theuer zu stehen kommen dürfte. (Fr. Nachr.)

— Offenbach, 9. Jan. (Vom Brückenbau.) Heute Morgen trafen die ersten Arbeiter hier ein und begannen mit Aufstellung einer Bohrmaschine zur Sondirung deS Grundes, auf welchen die Pfeiler ge­baut werden sollen. (O. M.Z^

— Hungen, 4. Jan. In der gestrigen Versammlung Errichtung einer Zuckerfabrik in der Gegend zwischen Hun-ee-nno^ Stockheim wurden über 1700 Morgen gezeichnet, so daß / Unter* nehmen als gesichert angesehen werden kann. Die Platzsr blieb un- f erledigt. $

— Eine Consequenz des Decimalsystems, so t das in Görlitz I erscheinende „Handelsblatt für ManufacturwaarerUs, deren Durch. | führung nur Lässigkeit und die leidige Macht Gewohnheit bisher e verhindert haben, ist die Ausdehnung dieses S i» auf die Stückzahl J bei den Verkaufsätzen. Würde statt nach Du und Groß nur nach Zehn und Hundert verkauft, so brauchten bie4er nur die betreffen- 1

den Zifferstellen abzuschneiden, um die St^st sofort zu haben. f