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Die Sspalt. geile 20 Big.
Die Sjpalligegcile
30 Psz
Nr. 7.
Mittwoch den 9. Januar
1884.
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Tagesschau.
— Berlin, 8. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König conferirten heute mit dem Admiralitätschef von Caprivi.
— Berlin, 8. Januar. In dem Antwortschreiben des Kaisers auf das Reujahrs-Glückwunschschreiben des Berliner Magistrats hebt der Kaiser hervor, daß es ihm vergönnt gewesen sei, das Denkmal auf dem Niederwald als ernstes Wahrzeichen für die erstarkte, wehrhafte Macht des geeinten deutschen Reiches zu enthüllen; nicht minder werde ihm die Lutherfeier, wozu sich die gesammte evangelische Christenheit mit dem Kaiser vereinigte, stets eine erhebende Erinnerung bleiben. Der Jahreswechsel vollziehe sich unter Verhältnissen, welche die Hoffnung auf eine ruhige, ungetrübte Zeit begründen. In dem Antwortschreiben an die Stadtverordneten sagt der Kaiser, er hoffe, daß die mit den fremden Fürsten gepflegte Freundschaft der Wohlfahrt und Sicherheit des Landes förderlich sein würde.
— Berlin, 7. Jan. Zum Befinden des Fürsten Bismarck erfährt ein Correspondent der „Vosst Ztg," von Personen, die sich als Gäste in Friedrichsruhe befanden, daß sich der Reichskanzler den Anordnungen seines jetzigen Arztes, des Dr. Schwenninger, nicht nur hinsichtlich der Diät, sondern auch in Bezug auf seine ganze Tageseintheilung vollkommen untergeordnet hat. Im Widersprüche mit seinen früheren Gewohnheiten pflegt Fürst Bismarck neuerer Zeit sich Abends ohne Ausnahme frühzeitig (gegen 9 Uhr) hinzulegen und sitzt des Morgens schon regelmäßig um 7 Uhr bei der Arbeit. Hierzu tritt, wie verlautet, ein täglicher Spaziergang von 2 Stunden. Die Folge ist, daß der Reichskanzler nach seiner eigenen wiederholten Erklärung sich wohler fühlt, als seit langer Zeit und voraussichtlich wieder an den Verhandlungen des Reichstags lebhaften Antheil nehmen kann.
— Berlin, 8. Januar. In der heutigen (20.) Sitzung setzte das Abgeordnetenhaus die Berathung des Etats beim Etat der direkten Steuern fort, welcher Posten ohne erhebliche Debatte genehmigt wurde. Weiter bewilligte das Haus nach kurzer Debatte und mit unwesentlicher Abänderung den Etat der indirekten Steuern, sowie debatteloS den Etat der allgemeinen Finanzverwaltung.
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— Berlin, 8. Jan. In der heutigen Conferenz der Vertreter der Regierung mit denjenigen der Berlin-Hamburger Bahn wurde von Seiten der Regierung keine Offerte gemacht; es fanden nur Besprechungen statt über die finanziellen und Verkehrsverhältnisse der Bahn.
— Der „Magdeburgischen Zeitung" wird aus Hannover geschrieben: Wenn die zu Weihnachten umgesetzten Summen einen Maßstab für die wirthschaftliche Lage abgeben, so kann unsere Stadt mit einer gewissen Befriedigung in die nächste Zukunft blicken. In allen Geschäftskreisen lautet das Urtheil dahin, daß die Weihnachtseinnahmen theils befriedigend, theils gut ausgefallen sind. Ist dies ein sicheres Symptom der allgemein besser werdenden wirthschaftlichen Zustände, so liegen anderseits auch positive Daten dafür vor. Wie aus dem Berichte des Gewerberathes für unsere Provinz hervorgeht, hat die Arbeiterzahl in den Fabriken der Provinz bedeutend zugenommen. Alle Industrie- zweige heben sich; die Fabriken sind, wenn auch vorläufig noch zu niedrigeren Preisen, doch vollauf beschäftigt.
— Dem „Deutschen Wollengewerbe" wird aus Aachen berichtet: Der allgemeine Geschäftsgang in der Tuchbranche war für das Jahr --^3 wohl ein zufriedenstellender zu nennen und scheint auch für die ' i)emuu ^WNe Saison nicht ungünstiger zu werden.....Auch ist das Exportlt DWschäft sowohl in glatten Streichgarnen, sowie besonders in ®amm- qwmen lijerWcksarbig und wollfarbig) wieder sehr lebhaft, und wird der Morkr in ht X™ Sachen drüben hauptsächlich von England und Deutschland bebf-rrMiieÄz Frankreich ist daselbst momentan sehr desavouirt. Vor- läusta kann m?d^N wohl noch mit Bestimmtheit die Kammgarn-Musterung „.t.Ä. nde hinstellen.
— 2 ^urf eines Act i enge setz eS ist bekanntlich vom Bun< ^higen Ausschüssen übergeben worden. Die Berathung desselben ist ^L "^^sgefetzt worden, bis die betreffenden Bundesbevoll- mücbrinren hns .«„Möchten ihrer. Regierungen über den Entwurf erhalten S We Regierungen haben den Entwurf den commer- Ä ÄS ?«- *«•* « ich-"' «U °b di- k.
treffenden Erhebungen dem Abschluß nahe seien. Im Königreiche Sachsen haben sich die commerziellen Körperschaften bereits sämmtlich darüber geäußert, und auch in den süddeutschen Staaten dürften kaum noch weitere Aeußerungen zu erwarten sein. Bemerkenswerth bei den bisher abgegebenen Gutachten ist der Umstand, daß die dem Entwurf zu Grunde gelegten Prinzipien im Allgemeinen volle Billigung erfahren haben. Bei den gemachten Einwänden haben die betheiligten wirthschaftlichen Körperschaften meist nur minder wesentliche Dinge beanstandet.
— Dresden, 8. Jan. Die Petitions-Deputation der ersten Kammer beantragte, die Petitionen gegen den Osficlerconsumverein, unter Anerkennung der vollen individuellen Freiheit des Officiers in der Wahl seiner Bezugsquellen, auf sich beruhen zu lassen.
— München, 8. Jan. Der Landtagsabgeordnete Oberst Berg ist gestern Abend, als er das Stenogramm der von ihm Vormittags gehaltenen Rede revidiren wollte, vom Schlage getroffen worden und alsbald gestorben.
— In Cannstatt wurde am 3. ds. ein Handwerksbursche verhaftet, welcher in einer Nacht ca. 40 Mk. für Champagner und feine Speisen verbrauchte. Ohne Zweifel hatte er die Summe gestohlen.
— Paris, 8. Januar. Das „Journal des Mbats" sagt, daß die Regierung erst nach Ostern die Vorlage bezüglich der Verfassungsrevision einbringen werde, und zwar zunächst im Senat.
— Paris, 8. Jan. In der Kammer appellirte der Alterspräsident Guichard an den Patriotismus der Kammer, um die politischen Spaltungen zu verwischen. Das Land bedürfe vor allem der Eintracht. Die Kammer begann die Präsidentenwahl.
— Das Effektiv der stehenden Armee Frankreichs für das Jahr 1884 beträgt nach dem Budget: aktive Armee 491 916 Mann, Gendarmerie 26 726 Mann, im Ganzen 518 642 Mann. Die Zahl der Pferde ist 113 334. Im Vergleich mit 1883 zeigt das Effektiv dieses Jahres eine Vermehrung von 2397 Mann und 1002 Pferde. — In Algier stehen 53 306 Mann und 16 812 Pferde. Es bleiben also für Frankreich : 465 336 Mann und 97 522 Pferde.
— London, 8. Jan. Die Times meldet aus Philadelphia, im Repräsentantenhause sei gestern eine Bill eingebracht worden, wonach der Präsident, wenn eine fremde Regierung den Import amerikanischen Pöckelfleisches verbietet, befugt sein soll, die Einfuhr von Wein, Liqueur und anderer Erzeugnisse dieses Landes in die Vereinigten Staaten zu verbieten und das Verbot aufrechtzuerhalten,,bis die erwähnte Beschränkung wieder aufgehoben ist.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Die Bestechung eines Beamten kann, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 5. November d. I., nicht nur durch Gewährung und Annahme von Vermögensvortheilen, sondern auch durch Gewährung und Annahme sinnlicher Genüsse erfolgen.
Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.
Hanau, den 9. Januar 1884
K. (Kinderheilanstalt Elisabethhaus.) Die letzte Nummer der Gartenlaube enthielt einen sehr lesens- und beherzigens- werthen Aufsatz: Die Scrophulose eine sociale Krankheit. — Wie derselbe zufällig zusammentrifft mit der im Gang befindlichen einmäligen Collecte zu Gunsten der Kinderheilanstalt Elisabethhaus in Bad Nau- Heim, welche sich ja die Bekämpfung der Scrophulose zur eigentlichen Aufgabe stellt, dürfte es von Interesse sein einige Stellen des Artikels hier wiederzugeben:
„Armuth und Noth sind die Hauptursachen der Scrophulose, die dem Streben des Arztes, wenigstens in feinem engeren Kreise zu helsen, fast unübersteigliche Hindernisse bieten. — Social ist aber nicht blos die Entstehung, sondern auch die Tragweite der Krankheit, welche jährlich ganz in der Stille und ohne das lärmende Aussehen von Epidemien Tausende von jugendlichen Individuen vorzeitig dem Gemeinwesen entzieht, Tausende, als hilfsbedürftig und halb invalid, seiner Unterstützung aufbürdet. Verringerung der Zahl und des Werthes an Arbeits- und Wehrkräften, directe Kosten für den Staat — Alles dies find die letzten Consequenzen einer derartigen Krankheit, nach welcher