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Nr. 2. Donnerstag den z^^mt^m^^

Bekanntmachungen Königl. LandrathsaKrts.

Der Beigeordnete Balthasar Puth zu Fechenheim fungirt bis auf Weiteres als zweiter Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Fechenheim.

Hanau am 27. Dezember 1883

Der komm. Landrath

Bake.

Gefunden: Ein silberner Fingerring. Ein wollener und ein Glacehandschuh. ' Ein Paar s. g. Eishandschuhe.

Hanau am 3. Januar 1884.

Aus Königl. Landrathsamt.

t Europa im Jahre 1883.

Die Klippen, über welche das Friedentjahr 1883 hinweggeglitten ist, haben der Mehrzahl nach so tief unterhalb des politischen Meeres­spiegels gelegen, daß nähere Auskunft über dieselben allein von denje­nigen ertheilt werden könnte, die am Steuer gesessen haben. Wir Mit­reisende können höchstens die einzelnen höherragenden Punkte bezeichnen, an denen wir vorübergesegelt sind und die der glücklich zurückgelegten Fahrt ihren Charakter gegeben haben; die uns zu Gesichte gekommenen Kriegswolken lagen oder liegen noch gegenwärtig im fernen asiatischen Südosten und im afrikanischen Süden, d. h. in Weltgegenden, die für unsere westlichen Nachbarn, die Franzosen und Engländer, ungleich mehr in Betracht kommen, als für die Bewohner Mitteleuropas.

Die Haupterlebnisse Frankreichs sind während der ersten sechs Monate des scheidenden JahreS der Tod GambettaS, die Kundgebung des Prinzen Napoleon, die damit im Zusammenhang stehende Aus­schließung der Prinzen aus der französischen Armee, die Bildung der Regierung FerryS, die Verwandlung der üprocentigen Rente in eine 41/äprccentige Rente, daS Zustandekommen der Gesetze über die zeitweilige Absetzbarkeit der Richter und über die Exilirung rückfälliger Verbrecher und die viel besprochenen Verträge mit den fünf großen Eisenbahnge­sellschaften gewesen, welcher die Herrschaft über das französische Ver­kehrswesen in Händen halten. Beim Einbruch deS Herbstes starb der Graf von Chambord, dessen Tod die erwartete politische Bedeutung bis jetzt nicht gehabt hat. Das Jahr schließt unter dem Eindruck der über Frankreich herringebrochenen finanziellen Schwierigkeiten, der Verände­rungen, welche in dem Ministerium deS Krieges, des Unterrichts und der Auswärtigen Angelegenheiten stattgefunden haben und deS anscheinend unvermeidlich gewordenen Krieges mit China. Bon den verschiedenen in Aussicht genommenen französischen Socialreformen ist nur eine, die Abschaffung der obligatorischen Arbeitsbücher, zu Stonde gekommen. Jenseits deS Canals haben die irländischen Schwierigkeiten und die mit dieser zusammenhängenden revolutionären Umtriebe in den größeren Städten deS Landes die Hauptrolle gespielt. Die beabsichtigt gewesene Zurückberufung der in Egypten stationirt gebliebenen britischen Truppen hat nicht in Ausführung gebracht werden können, weil ein im westlichen Sudan ausgebrochener religiös-nationaler Ausstand die Sicherheit der Südgrenzen des egyptischen Staates gefährdet. Das Projekt der Er­bauung eines zweiten SuezkanalS, über welches die Verhandlungen noch fortdauern, hat die eminente Wichtigkeit neu bescheinigt, welche Egypten für England und dessen indischen Besitz hat.

Im Leben der osteuropäischen Völker bildeten die im Januar 1883 zu Stande gekommene russisch-römische Verständigung über die Wieder- besetzung der Bischofsstühle in Polen und Litthauen, die Umgestaltung der russischen Cavallerie, die Moskauer Kaiserkrönung und die Aufnahme einer Rentenanleihe im Betrage von 50 Millionen Rubeln dir wich­tigsten Ereignisse deS Jahres. Die großen Veränderungen, die sich während der letzten Monate innerhalb der panslowischen Welt vollzogen, haben die Sicherheit deS europäischen FriedenS unberührt gelassen. Fürst Alexander von Bulgarien sah sich im September dieses Jahres zur Ent- lassung der beiden russischen Minister Sobolew und Kaulbars und zu einer gleichzeitigen Verfussungsveränderung veranlaßt, die in Rußland anfangs Befremden erregte; Serbien, dessen Regierung eine folgenreiche Veränderung der kirchlichen Verhältnisse durchgesetzt hatte, wurde im Spätherbst zum Schauplatz eines AusstandeS, den die bei den Wahlen siegreich gewesene radikale Partei entzündet hette, um die monarchische Ordnung in Belgrad umzustürzen und das sreuuoschastliche Verhältniß König Milans zur österreichischen Regierung zu lösen. Dem energischen

3. Januar 1884,

Vorgehen des Ministeriums Christicz ist es gelungen, dieser gefährlichen Bewegung Herr zu werden.

Die Regierung Oesterreich-Ungarns, der durch den Hader der Nationalitäten in C sleithanien, der durch die Wirren in Croatien und die Reibungen zwischen den Magyaren und Slaven Ungarns wiederholte ernste Schwierigkeiten bereitet worden waren, darf dem abgelaufenen Jahre manche wichtige Errungenschaft nachrühmen. Bosnien und die Herzegowina haben sich in die neuen Verhältnisse mehr und mehr hinein­gefunden, Serbien ist der Verbündete des Kaiserstaats geblieben, die durch die Neuregelung der Donauschifffahrtsverhältnisse erzeugten Ver­stimmungen Rumäniens sind glücklich ausgeglichen worden und ein am 9. Mai d. I. zu Wien abgeschlossener Vertrag sichert den Anschluß des Balkan-Eisenbahnnetzes an die österreichisch ungarischen Linien und die Herstellung der wichtigen Schienenverbindung mit Saloniki. Die Reform des Westösterreichischen Schulgesetzes und der Erlaß eines Unter­richtsgesetzes für die Länder der ungarischen Krone sind zum Abschluß gebracht worden und an die Revision der Westösterreichischen Gewerbe­ordnung hat sich die Ausarbeitung des Gesetzentwurfs betr. die Unfall­versicherung der Arbeiter geschlossen. Wir dürfen hoffen, daß dieses wichtige Werk gelingen und den Ausgangspunkt einer Socialreform in dem unS so eng befreundeten Kaiserstaate bilden werde.

Deutschlands Beziehungen zum Auslande find trotz einzelner von mißleiteten Fanatikern des Westens und Ostens unternommenen Verhetzungsversuche während des gesummten Jahres durchaus freundliche gewesen. Mit Italien, das sich den beiden mitteleuropäischen Kaiser­reichen bereits früher angeschlossen hatte, und mit Spanien, dessen Mo­narch als Gast Kaiser Wilhelms an den Herbstmanövern d. J. Theil nahm, sind Handelsverträge abgeschlossen worden, den Kaiser Franz Joseph hatte unser Kaiser in Jschl aufgesucht, die Könige von Rumänien und Serbien, sowie die Erben der britischen und der österreichisch unga­rischen Krone sind Gäste unseres Hofs gewesen.

Den Schluß dieser Reihe freundschaftlicher Berührungen zwischen den gekrönten Häuptern des mittleren und des südlichen Europa haben endlich die Besuche gebildet, welche unser Kronprinz den Königen von Spanien und Italien und dem Papste erstattete und deren glänzender Verlauf allenthalben Hoffnungen auf ein dauernd friedliches und freund­schaftliches Einvernehmen zwischen den Kulturvölkern des Welttheils ge- weckt hat.____________________________________________________________

Tagesschau.

Berlin, 2. Jan. Se. Maj. der Kaiser empfing Vormittags die Deputation der Halloren, welche bereits gestern gelegentlich der Fa- milientafel im kaiserlichen Palais die herkömmlichen Neujahrsgeschenke überreicht hatte. Im übrigen brächte das kaiserliche Paar den heutigen Sterbetag deS Königs Friedrich Wilhelm IV. in stiller Zurückgezogen- heit zu. Der Kronprinz hatte gestern Nachmittag den Botschaftern sowie deren Gemahlinnen und Graf Moltke Gratulationsbesuche abge« stattet.

Berlin, 1. Jan. Wie dieVoss. Ztg." hört, hat die Gene­ral-Lotterie Direktion an die Untereinnehmer, welche namentlich in kleine­ren Städten und auf dem Lande eher einen Einblick in die Verhältnisse ihrer Spieler haben, eine Verfügung ergehen lassen, durch welche diese zu Berichten darüber aufgefordert werden, welchen Ständen und Vermö­gensklassen die Spieler meist angehören, ob dieselben die Einsatzbeträge zum Nachtheil ihrer wirthschaftlichen Verhältnisse leisten, sich dadurch mit Schulden belasten u. s. w., endlich ob von dem Lotteriespiel eine demo- ralisirende Wirkung zu verspüren sei.

Berlin, 2. Jan. Die Mitglieder der neuen Stadtverord­netenversammlung wurden heute nach einer einleitenden Rede v. Forcken- beck's durch Handschlag an Eidesstatt in Gegenwart sämmtlicher Mit­glieder des'Magistrats vereidigt. v. Forckenbeck brächte darauf ein Hoch auf den Kaiser aus, worin alle Anwesenden stehend begeistert einstlmm- ten Die Wahl des Bureaus der Stadtverordneten findet Sonnabend, am 5. Januar, statt. -

DerR. u. St.-A. Nr. 1 veröffentlicht die allerhöchste Ver­ordnung, betreffend tue Gebührenfreiheit in dem Verfahren vor dem Reichsgericht, vom 24 Dezember 1883.

ImR. u. St.-A." Rr. 1 findet sich abgedruckt: Allgemeine Verfügung des Justizministers vom 21. Dezember 1883, betreffend die Aussonderung und den Verkauf von unorauchbaren Alten der Justizoe- Hörden.