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Gemeinden, gesetzliche Regelung der Pensionsverhältnisse der Communal- beamten, den Wohnungsgeldzuschuß für Lchrer höherer Unterrichtsan­stalten städtischen Patronats, die Vermehrung der Loose der Klassen- lotterie, Aufhebung des Brückenzolles bei Wittenberg, Bau des Weser- Elbekanals nach Magdeburg und Abänderung des Gesetzes über Erhe­bung der Gebäudesteuer.

— Dortmund, 21. Dezbr. Auf der Zeche Hardenberg stürzte heute in Folge des Bruches eines Seiles der Förderkorb in den Sumpf; bis jetzt hat man 20 Todte zu Tage gefördert.

— Gera, 17. Dezbr. Gestern stand der 70jährige Fabrikant Stöhr aus Zeulenroda vor dem hier tagenden Schwurgericht. Stöhr hatte einen jungen Menschen wegen einer Birne, die er im Garten Stöhr's von einem Baume gepflückt, todtgeschossen. Das Schwurgericht verurtheilte den Thäter zu 5 Jahren Gefängniß.

— Stuttgart, 21. Dez, (Fr. Jl.) Das Wahlergebniß ist eine furchtbare Niederlage der Demokratie. Sämmtliche Führer, Karl Mayer, Dr. Payer, Schott und Retter sind durchgefallen. In Stuttgart selbst ist Oberbürgermeister Hack über den Demokraten Ehni mit erdrückender Majorität Sieger geblieben.

— Wien, 21. Dezbr. Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffent­licht eine ministerielle Verordnung, betreffend die vom 1. Januar 1883 ab noch zulässigen Arten des Veredelungsverkehrs mit dem deutschen Zollgebiete.

— Brüssel, 20. Dezbr. In der Repräsentantenkammer gab der Finanzminister heute eine Uebersicht über die Finanzlage und konstatirte, daß das Defizit pro 1881 6 Millionen, das Defizit pro 1882 14 Mill, und dasjenige pro 1883 25 Mill. Frcs. betrage. Diese Defizits seien hauptsächlich entstanden durch die Ausgaben zu Zwecken des öffentlichen Unterrichts, durch die Verminderung der Einnahmen und durch die Um­gestaltung der Eisenbahnen Die E nnahmen der Bahnen seien um 12 Mill. Frcs. hinter dem Voranschläge zurückgeblieben.

— Paris, 20. Dezbr. Die Finanziers Bontoux und Feder wur­den heute zu je fünf Jahren Gefängniß, 3000 Francs Geldbuße und zur gemeinschaftlichen Tragung der Kosten verurtheilt, und zwar wegen falscher Angaben in den Generalversammlungen durch singirte Schrift­stücke, wegen Börsenoperationen mit Fonds der Gesellschaft, sowie we­gen Errichtung eines fiktiven Börsenmarktes zum betrügerischen Treiben der Course.

— Paris, 20. Dez. Im Senat sagte heute Löon Say über das außerordentliche Budget: die Arbeiten seien ursprünglich auf 40-Milliar­den sestgistellt und später auf 8 Milliarden ausgedehnt worden; er halte es für das beste Mittel, dieselben fortzusetzen, aber mit den Eisenbahn­gesellschaften zu unterhandeln. Redner betonte die Nothwendigkeit, die schwebende Schuld zu verringern. Senator Chesnelong, von der Rech- ten, kritisirt die Finanzpolitik der Regierung. — Laut einem in den Journalen veröffentlichten Schreiben der Kaiserin Eugenie schenkt die­selbe der Stadt Marseille das Schloß, welches die Stadt ehemals Na­poleon III. zum Geschenk gemacht, die Stadt aber inzwischen wieder an sich nehmen wollte. In dem Briefe heißt es: da die Gerichte das Recht der Kaiserin anerkannt hätten, so glaube sie jetzt in dem Geiste des Kai­sers und des Kaiserlichen Prinzen zu handeln, indem sie der Stadt Marseille dieses Geschenk mache. — Von den Opfern der Explosion auf dem Mont Valerien sind bis jetzt 15 gestorben.

Lyon, 21. Dez. Fürst Krapotkin ist nunmehr gestern in Tho- non verhaftet und hierher ins Gefängniß gebracht worden.

— London, 20. Dezbr. Der Bischof von Truro, Dr. Benson, ist zum Erzbischof von Canterbury ernannt worden.

— St. Petersburg, 21. Dezbr. Dem „Golos" zufolge hat der Senat am 19. d. M. dem Ansuchen einiger jüdischer Apothekenbe­sitzer entsprechend beschlossen, die von dem ehemaligen Minister des In­nern, Grafen Jgnatieff, im März d. J. erlassene Verfügung auszuhe­ben, durch welche den jüdischen Provisoren außerhalb der den Juden angewiesenen Theile des Reichs verboten war, Apotheken zu besitzen oder zu verwalten.

— Rew-Dork, 20. Dezbr. Die Dampfer „Italic" von der Rational-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messings^ ist hier einge- troffen.

Lokales.

Hanau, den 22. Dezember 1882.

— Der gestrige Vortrag im K unstindu strie - V erein, des an- stehenden Festes wegen schwach besucht, war ein sehr anziehender; denn der Redner (der leider einen anderen Tag nicht gewähren konnte) Fer­dinand Groß aus Wien, erwies sich darin als den liebenswürdigen Plauderer, wie ihn seine pikanten Feuilletons in der Wiener Allgemeinen Zeitung dem größeren Publikum schon lange bekannt gemacht haben. Er besprach in ebenso geistreicher, als delikater Weise den Naturalis mus in der modernen Literatur, indem er selbstverständlich dem gesunden Realismus, der di- Wahrheit in der Kunst sucht, das Wort redete, dessen unnatürliche Auswüchse aber als verwerflich brandmarkte. Er belegte das einerseits mit Lessing, Shakespeare, Goethe, Schiller, G.

Freitag u. A. und andererseits mit den Franzosen von H. Balzac, Flaubert, A. de Vigny an bis auf Daudet, die Brüder Moncourt und den Hauptrepräsentanten der Richtung E. Zola durch treffende Betrach­tungen ästhetischer Art und vielfache Citate. Einzelne Partieen — auch über die moderne Oper — waren voll köstlichen Humors. — Den nächsten Vortrag hält Prof. Kugler aus Tübingen am 6. Januar.

— Der Rein Ertrag der dramatisch musikalischen Abendunterhaltung beträgt 600 Mk. 2 Pf., davon sind dem Herrn Oberbürgermeister R a u ch für die Wasserbeschäöigten der Stadt 300 Mk. 2 Pf., dem Herrn Land­rath v. Schrötter für die Landbevölkerung des Kreises 300 Mark überwiesen worden, v. Schlegell, Major?

— Ueber den diesjährigen Weihnachtsverkehr in hiesiger Stadt sprechen sich die Geschäftsleute im Allgemeinen nicht lobend aus; wenn auch in Kleinigkeiten das Geschäft befriedigender ist, so werden gegen die Vorjahre diesmal weniger Gegenstände von Werth verlangt und qe- kauft.

— Für heute. Hanauer Stadttheater: „Hamlet", Trauerspiel in 5 Akten von Shakespeare; Anfang 7 Uhr.

— Nach dem „Amtsblatt" beabsichtigt König!. Regierung zu Kassel von Neujahr 1883 an viermal im Jahre, und zwar jedesmal am ersten Mittwoch des Quartals, der betreffenden Nummer des Amtsblatts als Beilage ein „Schulverordnungsblatt" mitzugeben, welches außer der Schul Personalchronik die zur Veröffentlichung geeigneten Verfügun­gen von allgemeinem Interesse enthalten wird.

— In Folge einer Ministerialverfügung sind die Stationsvorstände der preußischen Staatsbahnen angewiesen, auf größere Sorgfalt und Vor­sicht bei V-rladung des Reisegepäcks in die Packwagen seitens der Ge­päckträger zu halten und besonders darüber zu wachen, daß heftiges Schleudern der Gepäckstücke vom Perron aus in den Wagenraum, wobei Beschädigungen der Gepäckstücke und deren Inhalts unausbleiblich sind, vermieden wird. Auch die Betriebs- und Verkehrskontroleure sind an­gewiesen, bei ihren Reisen ein besonderes Augenmerk auf die Behand­lung des Gepäcks beim Ein- und Ausladen zu richten.

— Salmünster, 20. Dez. Bei der hier stattgehabten Neuwahl eines Bürgermeisters wurde der seitherige Stadtsekretär Gustav Schnei­der einstimmig zum Bürgermeister auf acht Jahre gewählt.

— Kassel, 21. Dezbr. Wie wir hören, hat der seitherige Lehrer an der Kunstgewerbeschule zu Kaiserslautern, Herr von Kramer, die Direktorstelle an der hiesigen kunstgewerblichen Zeichenschule erhal­ten. , (K. Tpst.) '

— Marburg, 21. Dezbr. Dieser Tage verstarb auf der Irren- heilanstalt das etwa neunjährige Mädchen eines daselbst Bediensteten unter heftigen Schmerzen an den Folgen einer Blutvergiftung, welche sich das Kind dadurch zugezogen hatte, daß in eine am Fuße entstandene kleine Wunde von den rothen Strümpfen, welche das Kind trug, giftige Bestandtheile in den Körper eingetreten waren. (M. T.)

— Hofgeismar, 19. Dezbr. Dem durch die Vagabonden ver­wundeten Schmied in Sielen geht es besser. Er hat das Bett zwar verlassen, aber er befindet sich noch lange nicht im Stande, seine Arbeit wieder auszunehmen. Der beim Attentat verhaftete ältere Vagabond — eine in der Verbrecherwelt bekannte Größe — sitzt nunmehr in Kassel hinter Schloß und Riegel. Aber auch den jüngeren Vagabonden hat inzwischen das gleiche Schicksal ereilt. Dieser ist unlängst bei Ahlen, Provinz Hannover, ergriffen und nach Kassel abgeliefert worden. Was wird das für ein freudiges Wiedersehen von Vater und Sohn sein — dieses Vcrwandtschaftèverhältniß soll wirklich bestehen —, wenn sie sich vor den Schranken des Gerichts finden, um ihre wohlverdiente Strafe entgegenzunehmen! Ihr Name ist Venator. (K. I.)

Ans der Umgegend.

— Frankfurt a. M, 21 Dezember. Gärtner sen ist auf Requisition der Staatsanwaltschaft nach Colmar überführt worden. Die hiesige Staatsanwaltschaft hatte ihren Haftbefehl gegen eine Caution von 20 000 M aufgehoben, diejenige in Colmar nicht. — Welche Forde­rungen von den durch Hochwasser Beschädigten an das Hülfscomitö ge­stellt werden, zeigt folgender Fall: Ein Hausherr verlangt, daß man ihm seinen Privatweinkeller, aus dem 18 Flaschen Wein durch das Wasser vernichtet worden seien, wieder ergänze. Wenn Jemand sich Wein in den Keller legen kann, so hat er doch jedenfalls keine Unter­stützung nothwendig. — Ein linsmainer Wirth warf einen durch seinen Gesang mißliebig gewordenen Gast zur Thüre hinaus. Der Hinausge­worfene fiel mit dem Kopf gegen das Treppengeländer und verletzte sich derart, daß er chirurgische Hülfe in Anspruch nehmen mußte. — Ein eigenthümlicher Fund wurde am 23. v. M. in einem mit der Bahnpost Frankfurt Kassel eingegangenen Briefbeutel gemacht, nämlich die gericht­liche Abschrift eines Testaments ohne Aufschrift und ohne einen Brief­umschlag. (G.-A.)

— Das große Gruppenbild der hiesigen Börseumitglieder von Maler Michaelis ist in dem Schaufenster der Kunsthandlung von F. A. Prestel auf dem Roßmarkt ausgestellt. — In voriger Woche passirten । von Mailand aus zwei Waggons italienische Ochsen unsere Stadt, welche