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Nr. 298. Freitag den

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Amtliches.

Gelandet: Den 21. d. M. am reckten Mainufer nächst der Eisenbahnbrücke ein Quantum Scheitholz nebst ca. 12 Säcke mit Tann­äpfel; Empfangnahme bei Johann Adam Henn zu Kleinsteinheim.

Gefunden: Ein Geldstück. Ein städtischer Steuerzettel. Ein HeftDeutsche Sprachschule".

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Verloren: Ein Zwanzig-Markschein.

Hanau am 22. Dezember 1882.

__Aus Königl. Landrathsamt.

Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Schreinerlehrling Karl Deubert von Gelnhausen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu vtrhasten und in das Landgerichts- Gefängniß zu Hanau abzuliefern. (I. 2618/82.)

Hanau, den 19. Dezember 1882.

Königliche Staatsanwaltschaft.

Dr. Hengsberger.

Beschreibung: Aller: 15 Jahre; Statur: klein und schmal; Haare: blond; Nase: spitz; Gesichtsfarbe: blaß; Kleidung: grauen Rock und desgl. Hose, braune Pelzmütze.

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser ist von seinem jüngsten Erkältungsleiden erfreulicherweise fast vollständig wiederhergestellt und gedenkt in diesen Tagen die gewohnten Ausfahrten wieder aufzunehmen.

Das Zeichen des Christbaumes beherrscht in dieser Woche nicht nur das bürgerliche, sondern auch das politische Leben, namentlich, da mit der am vergangenen Dienstag eingetretenen Vertagung des Abgeord­netenhauses welche bis zum 9. Januar (incl.) n. I. währt auch die parlamentarische Thätigkeit einstweilen gänzlich ruht. Es ist ja auch gerade das Weihnachtsfest so recht geeignet, den Blick von dem politischen Tageèstrome, der ja zu dieser Zeit ohnehin schwächer fluthet als sonst, einmal abzuleuken und sich dem Zauber hinzugeben, welchen das schönste Fest des Jahres auf aller Herzen ausübt. Zumal bei uns Deutschen macht sich dasselbe in seinem vollsten Glanze geltend und nirgends ist auch die Feier der Geburt Christi von einem solchen Reize umgeben als beim deutschen Volke, in welchem der lichterstrahlende Tannenbaum seine Wurzeln hat. Denn wo auch der Deutsche seinen Fuß hinsetzen mag, überall pflanzt er den geschmückten Weihnachtsbaum, sei er gleich im fernsten Westen des amerikanisch n Urwaldes, und diese schöne Sitte beginnt sich oftmalig ihren Weg auch unter fremde Völker zu bahnen. Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, in welcher der Weihnachtsbaum allen civilisirten Nationen als ein gemeinsames Symbol der Liebe, des Friedens und der Versöhnung leuchtet, und so miDe er auch diesmal seine Strahlen aussenden, sriedeverknndend und freudespendend!

Die Ausbeute an politischen Neuigkeiten in dieser Woche ist, wie schon angedeutet, eine geringe, auch die letzten Verhandlungen des Ab­geordnetenhauses bieten keinen Stoff zu eingehenderen Betrachtungen dar. Dieselben waren der Hauptsache rach der Fortsetzung der Etatsberathung gewidmet, wobei nur die Debatte in der Dienstagssitzung bezüglich der Specialberethung des Etats für die Staatsarchive h-rvorgehoben zu werden verdient. Abg. Majunke (C-ntrum) verlieh derselben einen fast sensationellen Charakter, als er, ankrüpsend an die bekannte Poschinger'- sche Brochüre über die Vertretung Preußens im Bundesrathe, das Schlagwort vomevangelischen Karserthum" wieder vorbrachte. Schließt- lich v-rstieg sich der genannte Abgeordnete sogar zu einer Kritik der Po­litik des Reichskanzlers, indem er aussührte, b^fj die heutige Politik des Fürsten Bismarck Oesterreich gegenüber nur eine Rückkehr zu den groß­deutschen Ideen bedeute und hätte Fürst Bismarck diese Politik früher verfolgt, so wären uns zwei blutige Kriege und der gejammte Cultur­kampf erspart geblieben. Diffe Auffassung begegnete bei der Majorität des Hauses lebhaftem Widerspruch, wobei sich an der hierüber entstehen, den Debatte namentlich die Abgg. Löwe (Salbe), Windlhost, v. Eynern und v. Heeremann betheiligten. Die Debatte endete mit einer ganz un-

22. Dezember 1882.

gewöhnlichen Fluth persönlicher Bemerkungen seitens der betreffenden Abgeordneten.

Bei der am 15. Dezember im Wahlkreise Flatow Schlochau statt­gefundenen Nachwahl eines Reichstagsabgeordneten erhielt der b sherige Vertreter des Kreises v. Tepper-Laski (cenf.) 6481 Stimmen, während auf v. Komierowèki (Pole) 5361 und auf Wilkens (nat.-lrb.) 2666 Stimmen fielen. Zwischen den beiden ersten hat daher eine Stichwahl stattzufinden. Auch in Metz, dessenZeitheriger Vertreter im Reichstag, Bezanson, gestorben ist, hat sich eine Nachwahl nothwendig gemacht, bei welcher im Stadtkreis Metz der Candidat der Protestpartei, Antoine, die große Mehrzahl der Stimmen erhielt; die Resultate aus dem Landkreise Metz stehen dagegen noch aus.

Tagesschau.

Berlin, 21. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Mittag um 12 Uhr militärische Meldungen entgegen, ar­beiteten darauf mit dem Kriegsminister und dem Chef des Milttärkabi- nets und machten um 2V» Uhr eine Ausfahrt.

Berlin, 21. Dez. Die Bevollmächtigten zum Bundesrath, Königlich bayerischer Ministerialrath Herrmann, Königlich bayerischer Ober-Regierungsrath Schmidtkonz und Königlich sächsischer Geheimer Finanzrath Golz sind von Berlin wieder abgereist.

DieDorf Ztg." schreibt: Fürst Bismarck hat sehr genau ge­wußt, was er that, als er neulich die Welt wissen ließ, Deutschlands Bündniß mit Oesterreich sei in aller Form zu Schutz und Trutz abge­schlossen. Wer gegen Deuischland und Oesterreich anlaufen wolle, habe es mit beiden, mit Deutschland und Oesterreich zu thun. Frank eich hat die Warnung verstanden und sehr prompt geantwortet. Das Jour­nal des Debats in Paris, das Sprachrohr des Ministerpräsidenten Duclerc, antwortet:Wir glauben, daß unsere Regierung gut berathen war, als sie bei allen Aeußerungen ihrer auswärtigen Politik die zwischen den beiden Großmächten von Mitteleuropa getroffenen Abmachungen in Rechnung zog, und der Augenblick scheint uns nicht gekommen, wo Frankreich aus der außerordentlichen Zurückhaltung herausgehen könnte." In Petersburg scheint der Bismarck'sche Wasserstrahl den Eintritt des deutschfeindlichen Jgnatieff in die Regierung verhindert zu haben.

Das Kriegsministerium hat kürzlich eine Beifügung erlassen, welche nicht verfehlen wird, das lebhafteste Interesse zu erregen. In der bezüglichen Verfügung heißt es, wie dieWestfäl. Ztg." kundgibt, daß in den vorjährigen Berichten über die hohe Zahl der alljährlich unter den Mannschaften während der activen Dienstzeit vorkoinmenden Lungenschwindsuchts Eikrankungen und Todesfälle wesentliche Meinungs­verschiedenheiten über die Ursachen dieser Erscheinung nicht zu Tage ge­treten sind. Dann wird die Nothwendigkeit erkannt, den der Disposi­tion zu Lungenschwindsucht Verdächtigen oder an den Anfangserscheinun­gen chronischer Lungenleiden Erkrankten eine noch größere Fürsorge zu­zuwenden und dadurch die Zahl der Schwindsüchtigen in der Armee zu verringern. Die Maßregeln, welche zu diesem Zwecke angeordnet wer­den, sind so umfassend, verrathen ein so hohes Interesse für Erreichung des beabsichtigten Zweckes und zeigen eine so richtige Erkenntniß über diese weit verbreitete Krankheit und ihre Beziehungen zur Armee, daß die wohlthätigen Folgen nicht ausbleiben können. Nicht nur, daß ein Militärpflichtiger schon bei der Aushebung als zu Lungenkrankheiten dis- ponirt erkannt und gar nicht als Soldat eingezogen wird, oder daß der Rekrut daraufhin ganz besonders untersucht und deshalb sorgsamer be­handelt wird, ohne daß unter Umständen eine frühere E. tlassurg ein- tritt: es ist auch mit Sicherheit zu erwarten, daß die Erfahrungen, welche in dieser Beziehung in der deutschen Armee reichlich gesammelt und sorgsam verwerthet wurden, mit der Zeit auch für nichtmilitärische Kreise ein schätzbares Material für eine erfolgreiche Bekämpfung dieser tückischen Krankheit liefern müssen.

Tas eben erschienene dritte Verzeichniß der bei dem Hause der Abgeordneten eingegangenen Petitionen enthält deren 110 Dieselben beziehen sich auf das Verbot von Handwerkerarbeiten in Zuchthäusern und Gefängnissen, auf die Verschärfung der Sonntagsruhe, dre Ordnung des öffentlichen Submissionswesens, Einführung geheimer Abstimmung bei Communal- und Landlagswahlen, Belassung der Hundesteuer bei den