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Nr. 290. Mittwoch den

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Amtliches.

Die Geschäfte des Stellvertreters des Standesbeamten in Groß­auheim hat der Beigeordnete Johannes Mayer daselbst übernommen.

Hanau am 4. Dezember 1882.

Philipp Schneider zu Windecken ist als Beschauer zur Unter­suchung des Schweinefleisches auf Trichinen widerruflich bestellt und ver­pflichtet worden.

Hanau am 7. Dezember 1882.

Die mit der Nachweisung über die zur Zwangsvollstreckung über- wiesenen Gemeinde- und Schulabgaben noch rückständigen Ortsvorstände werden an sofortige Einreichung dieser Nachweisungen pro Oktober mit der Verwarnung erinnert, daß die am 19. d. Mts. früh noch nicht eingegangenen Verzeichnisse bezw. Anzeigen durch expresse Boten auf Kosten der Säumigen abgeholt werden würden, außerdem eine Ordnungs­strafe von 10 Mark von Letzteren eingezogen werden wird.

Hanau am 13. Dezember 1882.

Der Landrath.

Gefunden: Ein gelbes Ohrringchen.

Verloren: Ein goldener Fingerring mit weißer Perle. Auf dem Wege vom Diebacher-Wald bis Rückingen eine gelbe Pferdedecke mit rothen und blauen Streifen; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 13. Dezember 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Taftesschau. t Die Einigkeit der Liberalen.

Es ist eine Ironie des Schicksals, daß die namentlich im vergan­genen Sommer so lebhaft hervorgetretenen Bestrebungen, alle liberalen Schattirungen möglichst unter einen Hut zu bringen, zu einer Spaltung innerhalb der Fortschrittspa'.tei geführt haben, welche aller Wahrschein­lichkeit nach zu den vorhandenen drei Gruppen des Liberalismus eine vierte hinzugesellen wird.

Gerade Wahlvorgänge sind es, welche diese Wendung herbeigeführt haben. In Schleswig-Holstein hatte Herr Hänel, einer der Führer der Fortschrittspartei, seinen Einfluß für ein Zusammengehen aller liberalen Elemente bei den Wahlen geltend gemacht und eine darauf bezügliche Verabredung mit den leitenden Persönlichkeiten der anderen liberalen Gruppen der Provinz getroffen. Wie man sich erinnern wird, wurde dieses Abkommen von Herrn Eugen Richter verworfen. Nach der Auf­fassung dieses Herrn hatte der radikale Liberalismus so große Chancen bei den Wahlen, daß er der unterstützenden Mitwirkung der wie Herr Virchow sagte Dämmerungsliberalen entbehren zu können glaubte. Üeberdies glaubt Herr Richter keinem anderen Führer seiner Fraktion ein selbstständiges Vorgehen und den Abschluß einer Uebereinkunft gestatten zu können, welche er nicht gebilligt hatte.

Diese Differenz der beiden Führer ist jetzt indirekt Gegenstand der Berathung und Entscheidung in den Fortschrittsfraktionen des Landtags und des Reichstags geworden. Anträge von gemäßigter Seite (inner­halb der Fortschrittspartei) wollten im Sinne Hänels auf ein gemein­sames Vorgehen der drei liberalen Gruppen im Parlament selbst hin­wirken Und hier stellte sich nun heraus, daß die Fortschrittspartei im Abgeordnetenhause in ihrer Mehrheit ganz anderen Sinnes ist als im Reichstage. In der Fortschrittsfraktion des Landtags siegte die Hänel'- sche Verständigungs- und Einigungspolitik, in Folge dessen der geschlagene Herr Eugen Richter sich grollend zurückzog und seinen Genossen so zu sagen in aller Form den Rücken kehrte; in der Fortschrittspartei des Reichstags dagegen fand die Richter'sche Politik die Zustimmung der Mehrheit, in Folge dessen Herr Hanelsich seine Beschlüsse für die Zukunft vorbehalten" zu wollen erklärte.

Im Reichstage ist also von der Fortschrittspartei formell die Un­einigkeit, im Abgeordnetenhause die Einigkeit der Liberalen beschlossen worden; in beiden Körperschaften aber ist die Fortschrittspartei in sich uneinig.

Welche praktischen Folgen diese Disharmonie haben wird, bleibt

13. Dezember 1882. abzuwarten. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß trotz dieser Formalitäten, die in persönlichen oder in parlamentarischen Ettiquettesragen ihren Ur­sprung haben mögen, sich in der Praxis bei den Abstimmungen sehr oft oder vielleicht sogar regelmäßig das alte Verhältniß zeigen wird, d. h. daß die feindlichen Brüder des Fortschritts mit den Sezessionisten Hand in Hand gehen und von den Nationalliberalen nicht unterstützt werden Das wird im Abgeordnetenhause, wo man die Einigkeit proklamirt hat, ebenso sein, wie im Reichstage, wo die Uneinigkeit gestattet oder sogar beschlossen ist.

Mit anderen Worten: die Versuche zur Einigung werden trotz aller Bemühungen und Fraktionsbeschlüsse nicht gelingen, weil es an der Uebereinstimmung der Geister in den obersten Principienfragen wie an einer gleichen Auffassung bezüglich der praktischen Anwendung der Prin­cipien sehlt. Je mehr die Frage der Einigung zu lösen versucht wird, desto mehr Uneinigkeit und Verwirrung wird es geben.

Die Vorgänge in der Fortschrittspartei, welche ja stets als die Vertreterin des reinen unverfälschten Liberalismus angesehen und noch neulich von Herrn Lasker wegen ihrer für die Sache der Freiheit seit dem Jahre 1866 geleistetenVorpostendienste" belobt wurde, zeigen in eklatanter Weise, daß die Gründung der Einigkeit dec Liberalen ein schwieriges Werk ist und daß die conservativen Parteien dieselbe ruhig mit ansehen können. Wenn schon in allen wesentlichen Principienfragen so übereinstimmende, nur verschieden veranlagte Charaktere, wie die Herren Richter und Hänel, sich nicht einigen und versöhnen können, dann wird auch der formelle Beschluß der Fortschrittsfraktion des Ab­geordnetenhauses, mit Secessionisten und Nationalliberalen Fühlung zu unterhalten, nicht im Stande sein, eine liberale Phalanx von ausschlag­gebender Bedeutung begründen zu helfen.

Berlin, 12. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag gegen 11 Uhr militärische Meldungen und darauf die Vorträge des Chefs der Admiralität, Generals der Infante­rie von Stosch und des Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants von Albedyll, entgegen und ertheilten Nachm. 2 Uhr dem Oberst-Kömme- rer Grafen von Redern eine Audienz.

Berlin, 12. Dezember. Se. Majestät der Kaiser bewilligte für die durch Hochwasser beschädigten Bewohner der Rheinprovinz aus seiner Schatulle 15 000 Mk.

Berlin, 12. Dezbr. In der heutigen (15.) Sitzung des Hau­ses der Abgeordneten ward, nach demF. I.", das Hundesteuergesetz, bezüglich dessen man eine größere Debatte erwarten durfte, zur weiteren Erörterung der Agrar-Commission überwiesen. Bei der Berathung des Bau-Etats kam auch das Submissionswesen zur Sprache. Minister Maybach nahm dasselbe in Schutz, ohne jedoch nothwendigen Aenderun­gen entgegentreten zu wollen. Abg. Berger brachte einen Gegenstand zur Sprache, auf welchen in letzter Zeit die Aufmerksamkeit mehrfach gelenkt wurde und dem eine sehr große Wichtigkeit nicht abgesprochen werden kann, nämlich die Organisation eines Nachrichtendienstes bei Wassersgefahr namentlich bezüglich der kleineren Flüsse. Man darf es freudig begrüßen, daß vom Ministei tische aus eine Erledigung der An­gelegenheit zugesagt wurde. Beim Extraordinarium des Bau-Etats ka­men die Regulirung des unteren Rheines und der Bau des Rhein-Maas- Canals zur Sprache. Bezüglich des Canals konnte der Regierungskommissar keine Mittheilungen machen, da die Verhandlungen mit Holland noch schwebten. In Betreff der Rheinregulirung zwischen Mainz und Bingen indeß gab Minister Maybach die erfreuliche Erklärung, daß, nachdem in den letzten Tagen das Reich sein Einverständniß mit dem Vertrage zwischen Preußen und dem Großherzogthum Hessen ausgesprochen habe, dieser Vertrag dem Hause demnächst zur Genehmigung zugehen werde. Angesichts dieser Sachlage beschloß, trotzd m der Abg. Thilenius zur Vermeidung jeder Verzögerung auf Bewilligung des betr. Postens drang, das Haus, diesen Posten jetzt abzulehnen.

Berlin, 12. Dez. Das Aeltesten-Collegium der Kaufmann- schaft beschloß alle deutschen Handelskammern zu einer Delegirtenkonfe- renz am 14. Dezember über die gemeinschaftlichen Schritte gegen den v. Wedell'schen Börsensteuer-Entwurf hierher einzubcrufen und 'zugleich eine Aeußerung des am Sonnabend hier tagenden deutschen Handelstages