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Haninm Adriger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Nr. 282. Montag den

Amtliches.

Es ist in letzterer Zeit wiederholt Klage geführt worden, daß jugendliche und ältere Arbeiter, ohne ihr Arbeitsbuch von den Arbeit­gebern mitzunehmen, ihre Arbeit verlassen, sich dann ein neues Ar­beitsbuch ausstellen lassen und anderwärts in Arbeit treten.

Unter Hinweis auf die im Regierungs. Amtsblatt veröffentlichte Anweisung vom 14. November 1878 Nr. XII (Seite 388) bezüglich der Ausstellung neuer Arbeitsbücher an Stelle früher benutzter, werden die Herren Ortsvorstände des Kreises zur strengen Befolgung dieser Vorschriften aufgefordert. In allen Fällen, wo auswärtige Arbeiter zuziehen und die Ausstellung eines Arbeitsbuchs beanspruchen, sich aber nicht darüber ausweisen können, in welcher Weise sie sich bisher be­schäftigt haben, ist zunächst mit der Ortspolizeibehörde des Orts, wo der Antragsteller zuletzt einen längeren Aufenthalt genommen hat, sich ins Benehmen zu setzen, ob der Nachsuchende nicht bisher schon im Besitze eines Arbeitsbuchs gewesen ist, oder denselben zur Einlieferung einer entsprechenden Bescheinigung zu veranlassen.

Hanau am 29. November 1882.

Der Landrath Schrötter.

Zugelaufen: Ein großer gelber Hund und eine Gans.

Hanau am 4. Dezember 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

Die Reichstagsabstimmung am 30. November.

Zwölf Jahre sind seit dem 30. Nov. 1870 vergangen, dem Tage, an welchem jenes denkwürdige Ringen der Württemberger, Sachsen und Pommern vor Paris gegen die ungeheure französische Uebermacht be­gann. Man durfte wohl mit bangem Herzen an jene blutigen Opfer zurückdenken, wenn es sich nun, nach 12 Jahren, im deutschen Reichs­tage darum handelte, mit Mühe einen Beschluß abzuweisen, der den Franzosen eine, wenn auch schwache Hoffnung gegeben hätte, einst wieder in Besitz zu bekommen, was in jenen Schlachttagen mit der Preis des Ringens gewesen ist. Unsere westlichen Nachbarn mochten, wenn nicht standhaft jeder kleine Versuch, über unser volles deutsches Eigenthums- recht einen Zweifel zu lassen, abgeschlagen wurde, hoffen, daß der Geist der Erhebung schon wieder verflogen sei, in welchem unser Gut einst zurückverlangt und zurückgeholt wurde. Solche Hoffnungen sind jetzt vereitelt. Der Reichstag hat am 30. Nov., indem er den Antrag der Elsäßer zu Gunsten der französischen Sprache ab lehnte, wieder gut gemacht, waS er am 16. Juni in der Uebereilung der Stunde vor dem Auseinandergehen versäumt hatte. Unter den Abgeordneten haben nun­mehr die Ultramontanen denn sie stehen hinter der ganzen Sache nur noch eine Minderheit gefunden. Und selbst die Herren vom Zen­trum haben das Bedürfniß gefühlt, durch ihren Führer erklären zu lassen, daß auch sie den deutschen Besitzstand in Elsaß Lothringen auf­recht erhalten wollen. Die Mehrheit des Reichstags hat aber nicht zu­geben wollen, daß es hiefür ein richtiges Mittel fei, in der elsässischen Landesvertretung Jeden, der Lust hat, mit der französischen Sprache, als dem Zeichen der inneren Zugehörigkeit zu Frankreich, sich brüsten zu lassen. In diesem Fall hat selbst ein großer Theil der Fortschritts­partei es gut gefunden, sich nicht der klerikalen Führung hinzugeben. Von den Sezesswnisten hat sich nur ein Einziger gefunden, v. Stauffen- berg, der, in nationalen Fragen so deutsch sonst denkend, als irgend einer, doch den Elsässern das übergroße Vertrauen entgegenbrachte, ihrem gefährlichen Wunsch zu willfahren. Er that eS in Konsequenz seines früheren Verhaltens, da er im Juni für den elsässischen Antrag nicht blos gestimmt, sondern auch gesprochen hatte; eine Konsequenz, die ihm selbst seine nächsten Freunde nicht nachgemacht haben. So haben denn die Verhandlungen des Reichstags unter einem guten Stern wieder begonnen. ES ist von Werth, daß das Ausland, wenn es an Deutsch- land denkt, nicht blos des eisernen Kanzlers, sondern auch der deutschen Volksvertretung, als eines Horts des deutschen Wesens, sich erinnere.

(Schw. Merk.)

Zur Feier der silbernen Hochzeit des deutschen Kronprinzen, so

4. Dezember 1882. schreibt man demD. Mont.-Bl." aus Petersburg, beabsichtigen die in Rußland lebenden Deutschen ein großes Asyl für Personen deutscher Nationalität zu gründen, welche ohne eigenes Verschulden in Rußland beschäftigungslos geworden sind. Es soll sich dabei nur um zeitweise Aufnahme dieser Personen handeln, denen der Vorstand des Asyls außer­dem behülflich sein wird, Arbeit zu verschaffen. Wie verlautet, ist die obrigkeitliche Genehmigung zu dieser Stiftung bereits erfolgt und ebenso die Erlaubniß, in allen Städten des Reichs Sammellisten aufzulegen.

Berlin, 2. Dezember. Nachdem der seitherige Gesandte bei der schweizerischen Eidgenossenschaft, General von Roeder, von diesem Posten abberufen und in den Ruhestand getreten ist, werden die Ge­schäfte der Gesandtschaft bis auf Weiteres von dem Legations - Sekretär von Tümpling als Geschäftsträger wahrgenommen.

Berlin. Der deutsche Reichstag beschäftigte sich in seiner 22. Sitzung vom Sonnabend zunächst mit der Erledigung mehrerer Petitionsberichte, bet welcher Gelegenheit der Kriegsminister v. Kameke die Erklärung abgab, daß die Arbeiten für ein Militärstrafgesetz und -Strafprozeßordnung fortgesetzt würden, daß aber eine schnelle Erledigung der Schwierigkeiten wegen nicht möglich sei, welche in der Aufgabe lä­gen, den hervorragenden Grundsätzen der bürgerlichen Strafprozeßordnung Rechnung zu tragen und zugleich die zur Erhaltung der militärischen Disciplin dienenden Bestimmungen aufrechtzuerhalten Die Interpella­tion der Abgg. Dr. Lasker und Dr. Hänel wege» der Wahlagitation im 3. Danziger Wahlkreise gab Veranlassung zu einer sehr langen Dis­kussion, welche an die Beantwortung der Interpellation durch den Staatssekretär v. Bötticher geknüpft wurde. Herr v. Bötticher erklärte, daß die Regierung den Vorgängen in Danzig, welche die Interpellation berühre, völlig fern stehe, daß von hier aus keinerlei amtliche Weisung nach Danzig ergangen sei und daß der Oberingenieur Deede nichts weiter gethan habe, als den Arbeitern Aufklärung über die Ziele der kaiser­lichen Regierung gegeben. Auf eine sich hieran knüpfende Diskussion er­klärte Staatssekretär v. Bötticher, daß die Regierung sich durch die Diskussion nicht geschlagen fühle und daß sie fortfahren werde, nach den Grundsätzen der allerhöchsten Botschaft vom 4. Januar d. J. zu han­deln. An diese Interpellation schloß sich die Anfrage des Abg. Schulze (Delitzsch) wegen der verheißenen Novelle zum Genossenschaftsgesetze, welche der Staatssekretär v. Schelling dahin beantwortete, daß die von betheiligten Seiten für diese Reform eröffneten neuen Gesichtspunkte den Erlaß eines neuen Genossenschaftsgesetzes nothwendig machten, daß ein vorläufiger Entwurf im Reichs-Justizamt bereits ausgearbeitet und in Berathung genommen sei, daß aber der Zeitpunkt, wann die Vorlage erfolgen werde, sich noch nicht bestimmen lasse. An diese Vorlage knüpfe sich ebenfalls eine Besprechung, die sich indessen lediglich um spe­zielle Fragen für diese Gesetzgebung drehte. Darauf vertagte sich das Haus bis Dienstag, ohne daß der Antrag Dr. Philipps wegen der Ent­schädigung unschuldig Verurtheilter zur Erledigung kam. (Sttsb.-Ztg.)

Der Verein deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller hatte sich bei der kaiserlichen Admiralität dahin verwendet, daß größere von der Marineverwaltung bestellte Lieferungen auf Eisen und Stahl nicht ledig­lich auf den Marinestationen in WilhelmShafe», Danzig und Kiel auf die Qualität geprüft würden, sondern daß diese Prüfung auch auf den Hüttenwerken vorgenommen werden könnte, sobald letztere die dazu er­forderlichen Apparate besitzen und sich zur Tragung der den Marinebe­hörden erwachsenden Mehrkosten bereit erklären. Es töxne vorkommen, daß von einer Lieferung der größere Theil probehaltig befunden wird und abgenommen werden kann, während ein kleiner Theil vorher unbe­kannte Qualitätsfehler zeigt und deshalb ausgeworfen werden muß. Erfolgen diese Prüfungen auf den Hüttenwerken, so wird für die nicht probehaltigen Artikel nicht blos die Fracht gespart, sondern den Werken selbst, deren Beamten und Arbeitern die Möglichkeit gewährt, sich per­sönlich von der Qualität ihrer Arbeitsleistungen zu überzeugen. Der Minister v. Stosch ist auf das Gesuch des Vereins der Eisenindustriellen eingeganaen und hat angeordnet, daß größere Lieferungen für die kai­serliche Marine bereits auf den Hüttenwerken auf ihre Qualität geprüft werden können.

Münster, 2. Dezbr. Der Oberpräsident von Kühlwetter ist heute Vormittag 9 Uhr gestorben.