Einzelbild herunterladen
 

Abonneme«!»-

Preis:

Jährlich 9 Mari. Halbj. 4M. 50Pfg

Vierteljährlich t Mark 25 Pfg. für auswärtige

Abonnenten mit dem betreffen­den Postaufschlag. Die einzelne Num­mer 10 Psg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und ^ei rtoge, mit beiletriftifd)« Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correipondenz.

JnsertionS«

Preis:

Die ispaltige Barmondzeile ob. deren üianm io Pfg.

Die 2fpalL Zeile 20 Pfg.

DieSspaltigeZeile 30 Psg

Nr. 280, Freitag den

A«8K^MZ»^WiZ^M!8L^'M^AM?7WSSMM^WWAB!MÄk. ;£^OKi

Amtliches.

Nachdem in mehreren, in der Nähe von Frankfurt a. M. gele­genen Ortschaften des Kreises Hanau die Masern ausgebrochen sind und sich mit großer Schnelligkeit in denselben zu großen Epidemien entwickelt haben, so ersuche ich die Herren Bürgermeister des Kreises ergebens!, die erforderlichen Maßregeln treffen zu wollen, damit der Weiterverbreitung der Krankheit thunlichst Einhalt geboten und dieselbe, wenn möglich, von den nicht befallenen Ortschaften fern gehalten werde.

Es liegt die Vermuthung nahe, daß die Seuche von Frankfurt a. M. eingischleppt worden ist und es handelt sich daher wesentlich um den Schutz der mit dieser Stadt sowie mit den bis jetzt befallenen Ort­schaften: Preungesheim, Ginnheim und Seckbach am meisten im Verkehr stehenden Orte des Amtsgerichts Bockenheim und Bergen sowie um das Dorf Dörnigheim.

Da die Masern sich erfahrungsgemäß cm meisten in den Schulen verbreiten, so ist in erster Linie die Fernhaltung aller masernkranker und aller der Verschleppung dieser Krankheit verdächtigen Kinder von dem Schulbesuche ins Auge zu fassen.

Es ist deshalb in den genannten Ortschaften die Polizei-Verord­nung der Königlichen Regierung vom 4. August 1876 wiederholt be­kannt zu machen und namentlich den sämmtlichen Lehrern deren strikteste Befolgung ans Herz zu legen. Am sichersten wird die Ausschließung aller von der Krankheit ergriffenen und aller der Verschleppung derselben verdächtigen Kinder von dem Schulbesuche erreicht, wenn die resp. Herren Lehrer jeden Morgen vor dem Beginne der Schulen in diesen nament­liche Umfrage bei den Kindern halten, und hierdurch fest stellen, welche Schüler etwa an Masern oder an den Vorboten dieser Krankheit (Schnupfen mit Husten, Thränen der Augen, Lichtscheu, Fieber re.) lei­den und ob etwa in den Familien von Schulkindern und eventuell in welchen sich Masernkranke oder der Masern Verdächtige befinden, und nach dem Ergebniß dieser Untersuchung alle an der Krankheit leidenden oder derselben oder der Verschleppung derselben verdächtigen Schüler sofort vom Schulbesuche ausschließen.

Seitens der Bevölkerung ist darauf zu achten, daß die Krankheit, welche sich durch Ansteckung verbreitet, durch dritte Personen von Kran­ken auf Gesunde übertragen werden können, ohne daß der Träger der Ansteckung selbst zu erkranken braucht.

Die Krankheit wird am sichersten verhütet durch das Vermeiden des Zusammenkommens mit den Kranken und mit den in nähere Be­rührung mit den Erkrankten gekommenen Personen und Effekten, ferner daß alle Kranken und Verdächtigen thunlichst abgesondert und der Zu­tritt Fremder zu den Kranken und deren Umgebung thunlichst vermieden; endlich daß überall auf größte Reinlichkeit gesehen werde.

Sobald Erkrankungsfälle bekannt werden, ist alsbald Anzeige anher zu erstatten.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, diese Verfügung den Herren Lokal-Schul Inspektoren zur Einsicht vorzulegen.

Hanau am 23. November 1882.

Der Landrath.

Rundschau.

ß- F. (Deutsches Reich.) Unser politisches und parlamen­tarisches Leben hat mit dem am Donnerstag den 30. November nach sechsmonatlicher Pause erfolgten Wiederzusammentritte des Reichstages einen neuen Impuls erhalten. Außerdem steht noch im Laufe des De­zember der Zusammentritt der Landtage einer Reihe von Einzelstaaten bevor und da auch das Abgeordnetenhaus in seinen Berathungen vor­läufig keine größere Pause zu machen gedenkt, so stehen wir nun mitten in der Hochfluth des parlamentarischen Lebens. Selbstverständlich be­anspruchen unter den Verhandlungen all' unserer Volksvertretungen die­jenigen des Reichstages, als des obersten deutschen Parlamentes, das allgemeinste Interesse, indessen wird der Reichstag nach einer Mittheilung, welche Präsident v. Köller in der Dienstags-Sitzung des Abgeordneten­hauses machte, vorerst nur wenige Plenarsitzungen abhalten, um dann den Commissionen Zeit zur Erledigung ihrer Arbeiten zu lassen. Auf der Tagesordnung für den 30. November stand u. A. die dritte Lesung des Antrages der elsäff. Abgeordneten Guerber, Winterer und Gen. auf

1. Dezember 1882.

Abänderung des Bundesrathsbefchlusses, betreffend die Einführung der deutschen Sprache und der Oeffenttichkeit der Verhandlungen bei den Sitzungen des elsaß-lothringischen Landes-Ausschusses.

Der Bundesrath hielt am Dienstag eine Plenarsitzung ab, in wel­cher er neben Vorlagen von mehr untergeordnetem Interesse verschiedene Ausschußberichte, u. A. über den Entwurf eines Gesetzes wegen Fest­stellung des Reichshaushaltsetats pro 1883/84 und 1884/85, entgegen- nahm.

Das Abgeordnetenhaus beschäftigt sich noch mit der Spezialberathung des Etats, die bis jetzt im Allgemeinen sachlich und ruhig verlaufen ist, indem die einzelnen Etatstheile fast ohne erhebliche Diskussion bewilligt wurden. Eine etwas lebhaftere Färbung nahmen die Verhandlungen am Dienstag an, so bei dem Etat der Lotterie-Verwaltung, da hierbei von verschiedenen Seiten auf den schädlichen Einfluß der Lotterien auf das Volk hingewiesen und dabei die Frage wegen ev. Vermehrung der Loose hervorgehoben wurde. Schließlich bewilligte indesf-m das Haus sämmtliche Positionen dieses Etats, ebenso eine ganze Reihe werterer Etats, wie die der Münzverwaltung, der Ober-Rechnungskammer, des Disciplinarhofes u. s. w. Bei Berathung des Etats der Landgensdar- merie kam auch das überhand nehmende Vagabundenwesen zur Sprache, wobei man von den Rednern der einzelnen Fraktionen allerdings sehr verschiedene Meinungen über die Ursachen dieser bedauerlichen Erschei­nung vernehmen konnte. Bei Berathung des Etats des Ministeriums des Innern nahm Minister v. Puttkamer Gelegenheit, dem Hause Mit­theilungen über die erschütternden Nachrichten bezüglich der Wessersnoth am Rhein zu machen. Der Minister gab hierbei auch dem Hause Kennt­niß von einer Depesche J. Maj. der Kaiserin aus Coblenz an Se. M. den Kaiser, in welcher die Wasiersnoth in-dieser Stadt als höchst be­denklich geschildert wurde. Herr V. Puttkamer sprach den Entschluß aus, sofort um eine Audienz beim Kaiser nachzusuchen und feine Befehle ent- gegenzunehmen, was vom Hause mit allseitigem Beifall entgegengenom­men wurde. Am Mittwoch setzte das Abgeordnetenhaus die Spezialbe­rathung des Etats fort.

(Schluß in der Beilage.)

Tagesschau.

Se. Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht: Aller- höchstihren seitherigen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft, General der Infan­terie â la suite der Armee von Roeder von dem Posten in Bern ab­zuberufen und, seinem Anträge entsprechend, in den Ruhestand zu ver­setzen.

Berlin, 30. November. Se. Kaiserlich Königliche Hoheit der Kronprinz Erzherzog Rudolf von Oesterreich ist heute Vormittag und Se. Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg heute Mittag hier einge­troffen und im Königlichen Schlosse abgestiegen.

Berlin, 30. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants svon Albedyll, und des Staatsministers Maybach und empfingen um 11 Uhr Se. Kaiserliche Königliche Hoheit den Kron­prinzen Rudolf von Oesterreich auf dem Anhalter Bahnhöfe.

Berlin, 30. Nov. (Reichstag, 21. Plenarsitzung.) Auf der Tagesordnung steht die 3. Berathung des von den Abgg. Germain, Goldenberg und Winterer eingebrachten Antrags, betr. die Erlaubniß zum Gebrauch der französischen Sprache im Landesausschuß zu Elsaß- Lothringen. Nach längerer Diskussion wird der Antrag mit 153 gegen 119 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten, nach demF. I.", das Centrum mit den Polen, Welfen und Elsaß Lothringern, außer­dem die beiden Dänen, die Volkspartei, die Sozialdemokraten und ver­einzelte Fortschrittler und Sezeffwnisten.

Darauf wird die Vertagung der Sitzung beantragt und angenom- men. Nächste Sitzung Somstag 11 Uhr.

Berlin, 30. Nov. In der heutigen (11.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten theilte der Präsident dem Hause den gestern erfolgten Tod des Abg. Schiebler (Wahlkreis Celle) mit Das Haus ehrte das Andenken befftlben in der üblichen Weise und trat darauf in die Be­rathung des allein auf der Tagesordnung stehenden Etats der Justizver-