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Nr. 277. Dienstag den
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Amtliches.
Nachdem in mehreren, in der Nähe von Frankfurt a. M. gelegenen Ortschaften des Kreises Hanau die Masern ausgebrochen sind und sich mit großer Schnelligkeit in denselben zu großen Epidemien entwickelt haben, so ersuche ich die Herren Bürgermeister der Kreises ergebenst, die erforderlichen Maßregeln treffen zu wollen, damit der Weiterverbreitung der Krankheit thunlichst Einhalt geboten und dieselbe, wenn möglich, von den nicht befallenen Ortschaften fern gehalten werde.
Es liegt die Vermuthung nahe, daß die Seuche von Frankfurt a. M. eingeschleppt worden ist und es handelt sich daher wesentlich um den Schutz der mit dieser Stadt sowie mit den bis jetzt befallenen Ortschaften: Preungesheim, Ginnheim und Seckbach am meisten im Verkehr stehenden Orte des Amtsgerichts Bockenheim7,und Bergen sowie um das Dorf Dörnigheim.
Da die Masern sich erfahrungsgemäß am meisten in den Schulen verbreiten, so ist in erster Linie die Fernhaltung aller masernkranker und aller der Verschleppung dieser Krankheit verdächtigen Kinder von dem Schulbesuche ins Auge zu fassen.
Es ist deshalb in den genannten Ortschaften die Polizei-Verordnung der Königlichen Regierung vom 4. August 1876 wiederholt bekannt zu machen und namentlich den sämmtlichen Lehrern deren strikteste Befolgung ans Herz zu legen. Am sichersten wird die Ausschließung aller von der Krankheit ergriffenen und aller der Verschleppung derselben verdächtigen Kinder von dem Schulbesuche erreicht, wenn die resp. Herren Lehrer jeden Morgen vor dem Beginne der Schulen in diesen namentliche Umfrage bei den Kindern halten, und hierdurch feststellen, welche Schüler etwa an Masern oder an den Vorboten dieser Krankheit (Schnupfen mit Husten, Thränen der Augen, Lichtscheu, Fieber rc.) leiden und ob etwa in den Familien von Schulkindern und eventuell in welchen sich Masernkranke oder der Masern Verdächtige befinden, und nach dem Ergebniß dieser Untersuchung alle an der Krankheit leidenden oder derselben oder der Verschleppung derselben verdächtigen Schüler sofort vom Schulbesuche ausschließen.
Seitens der Bevölkerung ist darauf zu achten, daß die Krankheit, welche sich durch Ansteckung verbreitet, durch dritte Personen von Kranken auf Gesunde übertragen werden können, ohne daß der Träger der Ansteckung selbst zu erkranken braucht.
Die Krankheit wird am sichersten verhütet durch das Vermeiden des Zusammenkommens mit den Kranken und mit den in nähere Berührung mit den Erkrankten gekommenen Personen und Effekten, ferner daß alle Kranken und Verdächtigen thunlichst abgesondert und der Zutritt Fremder zu den Kranken und deren Umgebung thunlichst vermieden; endlich daß überall auf größte Reinlichkeit gesehen werde.
Sobald Erkrankungsfälle bekannt werden, ist alsbald Anzeige anher zu erstatten.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, diese Verfügung den Herren Lokal-Schul Inspektoren zur Einsicht vorzulegen.
Hanau am 23. November 1882.
Der am 3. Oktober 1871 zu Praunheim geborenen Charlotte Sophie Launhard ist gestattet worden, in Zukunft den Familien- Namen „Solzer" zu führen.
Hanau am 21. November 1882.
An Stelle des aus dem Amt geschiedenen Abraham Reinhardt in Wachenbuchm ist Leopold Strauß daselbst als Aeltester der dasigen Synagogen-Gemeinde bestellt und verpflichtet.
Hanau am 23. November 1882.
Der Landrath.
Im Laufe des gestrigen Tages und heute Morgen sind bei Kgl. Landrathsamte hier nachstehende Depeschen eingelaufen :
Schweinfurt, 27. Nov., 11 Uhr 55 Min. Vorm. Seit gestern Abend keinen Regen. Wasserstand 450 cm, wächst in der letzten Stunde nicht unerheblich. Magistrat: Schultes.
Gelnhausen, 27. Nov., 12 Uhr 3 Min. Wasser sällt. Landrath Trott.
28. November 1882.
Aschaffenburg , 28. Novbr, Morgens 8 Uhr. Wasser fällt langsam.
Aschaffenburg, 28. Novbr., 9 Uhr 45 Min. Vormittag?. Wasserstand Lohr früh 8 Uhr 5,74 über Niederwasser. Im Steigen. Aschaffenburg 5,45 Meter, im Fallen. Stadtmagistrat.
Wochenschau.
K F. (Deutsches Reich.) Die Generaldebatte im preußischen Abgeordnetenhause über den Etat am Mittwoch und Donnerstag ist ohne besondere Ueberraschungen zu Ende gegangen. Die Redner der verschiedenen Fractionen legten ihren Standpunkt namentlich bezüglich des Steuererlasses in maßvoller Weise dar; daß Herr Büchtemann, der Sprecher der Fortschrittspartei, und Herr Rickert, als Redner der Secessionisten, sich entschieden gegen den Steuererlaß äußerten, durfte in Anbetracht der stricten Opposition, welche der vorgeschrittene Liberalismus der Regierung macht, nicht überraschen. Die Redner der beiden conservativen Parteien, v. Tiedemann und v. Minnigerode, erklärten sich ^dagegen ebenso entschieden für die Aufhebung der vier untersten Klassensteuerstufen; der Sprecher des Centrums, Herr v. Schorlemer- Alst, meinte, daß vor allen Dingen die politischen Rechte der von der Steuer zu Befreienden gewahrt werden müßten. Sehr reservirt äußerte sich Herr v. Benda Namens der Nationalliberalen über den Steuererlaß, doch konnte man seiner Rede entnehmen, daß die nationalliberale Partei eine Aenderung des bisherigen Steuersystems nicht wünscht und einer solchen nur im Falle der unbedingten Nothwendigkeit zustimmen würde. Im Uebrigen endete die Generaldebatte über den Etat mit der Ueber- Weisung verschiedener Positionen an die Budgetcommission, wie dies seit Jahren gebräuchlich ist. Am Donnerstag gelangte ferner noch die Vorlage, betreffend die Vertretung des Lauenburgischen CommunalverbandeS zur Berathung; die Debatte hierüber wurde am Freitag fortgesetzt; schließlich überwies das Haus die Vorlage an eine Commission von 14 Mitgliedern. Am Sonnabend trat das Haus in die zweite Berathung des Etats ein, deren Erörterungen von den bereits bei der ersten Berathung bekannt gewordenen Gesichtspunkten nicht wesentlich abwichen. In den späteren Budgetdebatten ist als ganz besonders bedeutsam noch die Rede des neuen Abgeordneten Professor Wagner hervorzuheben, indem Professor Wagner die Steuerreform durchaus von keinem Parteistandpunkte, sondern vom nationalen aus dahin weitergeführt zu sehen wünschte, daß die indirekten Steuern zur Hebung der Reichseinnahmen und Verbesserung des Loses der ärmeren Klassen vermehrt, im Uebrigen aber die Steuerreform eine organische, auch das direkte Steuersystem in Anspruch nehmende Umgestaltung sein soll.
Die Thätigkeit des Bundesrathes wird zur Zeit in hohem Maße durch die Vorbereitung der Specialetats des Reichsbudgets in Anspruch genommen, da bekanntlich der Reichstag am 30. November seine Berathungen wieder aufnimmt. Dazwischen widmet der Bundesrath seine Thätigkeit aber auch anderen wichtigen Gegenständen. So stand in den letzten Tagen wieder die Vorlage einer neuen Prüfungsordnung für die Aerzte auf der Tagesordnung des Bundesrathes und wird diese schwierige, schon seit Jahren schwebende Neuordnung wahrscheinlich während der Dauer der bevorstehenden Reichstagssession ihre Erledigung finden.
Tagesschau.
— Berlin, 27. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag den Vortrag des Chefs des Civilkabinets und nahmen darauf militärische Meldungen entgegen, empfingen Mittags 12^2 Uhr den Botschafter von Schweinitz vor seiner demnächst erfolgenden Rückkehr nach St. Petersburg, und um 1'/« Uhr den Erbgroßherzog von Oldenburg, Königliche Hoheit.
— Berlin, 27. Nov. In der heutigen (8.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten zeigte der Präsident den Eingang einer Denkschrist des Ministers für Landwirlhschast, bctr. die Flußregulirung im Interesse der Landeskultur an. Das Haus setzte hierauf die Berathung des Forstetals fort, welcher Titel mit den Ausgaben des Extraordinariums, ebenso die Renten und der Zuschuß zur Rente des Kronfideifonds, sowie der Erlös aus den Ablösungen von Domänengefälle, der Etat der Gestütsverwaltung, des Reichs- und Staatsanzeigers, des Kriegsministeriums rc. genehmigt werden.