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Nr. 274. Freitag den
Amtliches.
Bekanntmachung.
Zu dem Steckbrief gegen Joseph Ginsberger aus Jügesheim sei nachträglich bemerkt, daß derselbe sich längere Zeit unter dem Namen Emil Hermann Hugo Baermann aus Berlin umher getrieben, jedenfalls noch eine Reihe anderer falfcher Namen geführt hat, denn obwohl er selber bei dem Herrn Untersuchungsrichter in Berlin am 25. Mai 1881 Vorbestrafungen in Frankfurt a. M., Stuttgart, Oppenheim, Hannover und Wiesbaden angegeben hat, konnten Acten hierüber unter seinem wirklichen Namen nicht aufgefunden werden.
Außer der auf Baermann's Namen lautenden Reiseroute führte er noch ein Arbeitsbuch auf den Namen Peter Weisenberger bei sich.
Am 2. August d I. wurde rc. Ginsberger in der Strafanstalt Plötzensee mit Zwangspaß nach Frankfurt a. M. entlasten.
Darmstadt, am 18. November 1882.
Großherzogl. Staatsanwalt Haller.
Wird veröffentlicht.
Hanau, am 22. November 1882.
Der Landrath Schrötter.
Bei hiesigem Königl. Landrathsamte sind folgende Telegramme eingelaufen:
Aus Gelnhausen: Hochwasser fortwährend im Steigen.
Landrathsamt.
Aschaffenburg, 24. Nov., 9 Uhr 20 Min. Vorm. Wasserstand Lohr gestern Nachmittag 3.73 m; Aschaffenburg heute früh 8 Uhr 3.87 m; starkes Steigen.
Stadtmagistrat Medicus.
Gefunden: Ein Zollstock. Ein Bohrer. Ein kleiner grauer Pelzkragen. Eine Halskette mit hellblauen Perlen. Eine Kriegsdenk- münze von 1870/71.
Verlor en: Ein weißes Körbchen mit Inhalt.
Hanau am 24. November 1882.
____________________Aus Königl. Landrathsamt. __
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) Als ein hervorstehendes und na- mentlich für unsere auswärtige Politik wichtiges Ereigniß muß der Besuch bezeichnet werden, den der russische Minister des Auswärtigen, Herr von Giers, auf seiner Durchreise nach Italien unserem leitenden Staats- manne in Varzin Anfang dieser Woche gemacht hat. In dem Verhältnisse zwischen Deutschland und Rußland haben sich im Laufe der letzten Jahre verschiedene dunkele Punkte gezeigt, die, wenn auch keine ernstliche Gefährdung, so doch eine zeitweilige Trübung unserer Beziehungen zu dem mächtigen Czarenreiche verkündeten. Namentlich zur Zeit der Sko- beleff'schen Brandreden gegen Dentschland und Oesterreich erschien die Wolke der Mißverständnisse zwischen Deutschland und Rußland dunkeler als je, aber der Weisheit und Mäßigung der beiderseitigen Regierungen gelang eS, diese Wolke wieder zu zerstreuen. Wenn aber noch ein Rest von Mißtrauen auf beiden Seiten zurückgeblieben sein sollte, so wird auch dieser durch die Unterredung zwischen unserem Reichskanzler und Herrn von Gies beseitigt werden und wir können daher den Varziner Abstecher des russischen Staatsmannes nur als ein friedliches Symptom begrüßen. Was den ferneren Verlauf der Reise Herrn von Giers an- belangt, so traf dieser am Montag von Varzin in Berlin ein, wo er vom Kaiser und dann auch vom Kronprinzen empfangen wurde. Am Mittwoch früh setzte dann Herr v. Giers seine Reise, zunächst nach Wien, fort.
Am Montag fand eine Sitzung des Staatsministeriums statt. Ueber das Ergebniß derselben heißt es, daß über die Vorlage, betreffend den Steuererlaß für die vier untersten Stufen der Klassensteuer, endgültig Bischluß gefaßt worden sei. Man glaubt, daß die betreffende Vorlage dem Landtage spätestens in nächster Woche zugehen werde.
Das Abgeordnetenhaus hat seine Arbeiten nach viertägiger Pause wieder ausgenommen und die Generaldiskussion über den Etat eröffnet.
24. November 1882.
Dieselbe dürfte, nach früheren Erfahrungen zu urtheilen, mehrere Tage in Anspruch nehmen, da bei derartigen Anlässen sich die Redner auch über andere Themata als den in Rede stehenden Gegenstand zu verbreiten pflegen.
Die Mittheilungen verschiedener Blätter, wonach innerhalb der Fortschrittssraktion des Abgeordnetenhauses Verhandlungen wegen des bekannten Richtcr-Hänel'schen Konfliktes stattgefunden hätten, werden von der „Voss. Ztg." als blanke Erfindungen bezeichnet. Diese Vorgänge gehörten, nach der Versicherung des genannten fortschrittichen Organs, vielmehr vor das Forum der gesummten Fortschrittspartei.
(Oesterreich-Unq arn.) Mit dem am vergangenen Sonntag erfolgten Schluß der in Pest versammelt gewesenen Delegationen ist in dem parlamentarischen Leben Oesterreichs eine Pause eingetreten. Dieselbe wird indessen nicht von langer Dauer sein, da dem Vernehmen nach der Reichsrath bereits am 2. Dezember Zusammentritt. Die unmittelbar bevorstehende Eröffnung der Reichsrathsverhandlungen macht sich schon durch gewisse Anzeichen bemerkbar, wie durch die Wählerversammlungen, um den Reichsraths'Abgeordneten vor Beginn der parlamentarischen Campagne noch einmal Gelegenheit zu geben, sich des Vertrauens ihrer Wühler zu versichern. Eine derartige Wählerversammlung war von den vier Abgeordneten, welche die innere Stadt Wien zum Reichsrath entsendet, einberufen worden, und zwar auf vergangenen Sonntag. Indessen hatten sich hierzu nicht nur die Eingeladenen, die verfassungstreuen Wähler, sondern auch die Uneingeladenen, also auch Czechen, Demokraten, Clericale, ja, sogar große Ärbeitertrupps, eingefunden; die verschiedenen vorhandenen Gegensätze platzten natürlich bald heftig auseinander, so daß sich die Versammlung schließlich unter großem Tumulte auflöste.__________________________________________________°
Tagesschau.
— Berlin, 23. Nov. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ertheilte im Lanfe des gestrigen Vormittags dem bisherigen Generalkonsul in Alexandrien, Frhrn. von Saurma, Audienz. — Im Laufe des heutigen Vormittags fand die Uebersiedelung Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinzlichen Herrschaften vom Neuen Palais nach Berlin statt.
— Berlin, 23. Nov. In der heutigen (5.) Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde nach dem „Fr. Jl" die Diskussion über die erste Berathung des Staatshaushalts. Etats für 1883 84 geschlossen und es folgte eine Reihe persönlicher Bemerkungen der Abgg. Frhr. v Minnige- rode, Frhr. v. Schorlemer-Alst und Büchtemann. — Eine Anzahl von Kapiteln und Titeln des Ordinariums des Etats und das ganze Extra- ordinarium werden auf Antrag des Abg. v. Benda in die Budgetkommission verwiesen und der Rest des Etats verbleibt für die zweite Berathung im Plenum. — Durch Kenntnißnahme erledigte das Haus den Rechenschaftsbericht über die Ausführung des Gesetzes betreffend die Con- solidation preußischer Staatsanleihen. — Es folgt schließlich die erste und zweite Berathung der Verordnung vom 24. August 1882 betr. die Vertretung des lauenburgischen Landeskommunal-Verbandes. In dieser Verordnung wird bestimmt, daß an Stelle der am 1. Oktober 1882 außer Wirksamkeit tretenden Ritter- und Landschaft des Herzogthums Lauenburg eine Kreisversammlung treten soll.
— Der Kaiserliche Vize-Konsul H. Zelling in St. Nazaire (Frankreich) ist gestorben.
— S. M. S. „Leipzig", 12 Geschütze, Kommandant Korvetten- Kapitän Herbig, ist am 22 November d. J. in Madeira eingetroffen und beabsichtigte am 25. dess. Mts. die Reise fortzusetzen.
— Zwei Deutsche, Pogge und Wißmann, haben sich unter der glühenden Sonne Jnnerafrikas Lorbeeren erworben. Sie hatten sich die Erforschung des mittleren Kongogebiets zur Ausgabe gestellt. Pogge trennte sich am Lualaba (oberen Kongo) von seinem Reisegefährten und kehrte zur Westküste zurück, während dieser sich nach Osten wandte und glücklich nach Zanzibar durchdrang.
— Nürnberg, 21. Ncv. Hier hat sich eine größere Anzahl von Glaser-Meistern zu einer Glaser-Innung auf Grund des Innungs- Gesetzes vom Juli 1881 fonftituht.
—• Haag, 22. Nov. Der Minister des Auswärtigen vertheidigt sich in einer Zuschrift an die Zweite Kammer wegen der wiederholten Ablehnung des Handelsvertrages mit Frankreich. In dem Verhältniß