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Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fei rtoge, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz

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Nr. 270. Montag den

Amtliches.

Steckbrief.

Gegen Jvscph Ginsberg er, geboren zu Jügesheim, Großher- zogthum Hessen, 26 Jahre alt, Israelit (pflegt sich mangels jüdischen Aussehens je nachdem es ihm paßt auch als Christ auszugeben), kräf­tiger Bursche mit röthlichem Haar, etwa 1'/- in groß, ist die Unter­suchungshaft wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports, hochverräthe- rischem Unternehmen und Majestätsbeleidigung erkannt und werden alle Behörden und Beamten, insbesondere diejenigen des Polizei- und Sicher­heitsdienstes, dringend ersucht, eifrigst auf denselben sahnden, ihn im Betretungssalle festnehmen und Nachricht hierher geben zu lassen.

Darmstadt am 16. November 1882.

Großherzogl. Hess. Staatsanwaltschaft.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 18. November 1882.

Der Landrath.

Ausschrriben.

Am 14. November cr. wurde im Rheine dahier eine z. Z. unbe­kannte männliche Leiche gelandet, welche ca. vier Monate im Wasser ge­legen haben mag.

Der Verlebte stand im mittleren ManneSalter, hatte noch sehr wenig dunkle Haare, schwarzen Backenbart; bes. Kennzeichen: trug ein rechtsseitiges Bruchband und war nur mit stark genagelten Schnürschuhen und braunen wollenen Strümpfen bekleidet.

Eine nähere Beschreibung kann der sehr weit vorgeschrittenen Ver­wesung halber nicht angegeben werden.

Um Nachricht über den Verlebten wird ergebens! ersucht.

Mainz, den 15. November 1882.

Großherzogl. Hess. Polizei-Commissär.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 18. November 1882.

___________________________Der Landrath.

Äusschr eibëm

Am 10. l. Mts. wurde im Rheine dahier die Leiche eines neu­geborenen Kindes, weiblichen Geschlechts, gelandet, welche ca. 3 Wochen im Wasser gelegen haben mag.

Dieselbe war vollständig nackt.

Ich bitte um Anstellung geeigneter Recherchen nach der Mutter des Kindes. Festnahme derselben und Nachricht vom etwaigen Resultate.

Mainz, den 16. November 1882.

Großh. Hess. Polizei-Commissär.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 18. November 1882.

__________Der Laudrath.

f Die Wiedereröffnung der französischen Lämmern bezeichnet den Beginn eines neuen wichtigen Abschnitts in der Geschichte der französischen Republik.

Der um die Wiederherstellung Frankreichs hochverdiente verstorbene Thiers, grundsätzlich Anhänger der constitutionellen Staatssorm, ent­schied sich für die Republik, weil er es im Angesicht dreier manarchischer und einer zahlreichen republikanischen Partei für unmöglich hielt, auf andere Weise den Bürgerkrieg zu vermeiden und auf ein Zusammen­wirken der patriotischen Männer aller Richtungen hinzuwirken. Diese Republik sollte einconservative" und (wie Thiers einmal gesagt hatte) vonNicht-Republikanern" regierte Republik sein, der sich gemäßigte Conservative und Monarchisten in Anerkennung ihrer Unvermeidlichkeit anschließen könnten.

In dem 1871 gewählten Parlamente waren die extremen Parteien von Rechts und Links so zahlreich vertreten, ^daß es den Monarchisten mit Hilfe geschickt abgeschlossener Alliancen im Mai 1873 gelang, Herrn Thiers zu stürzen. Unter seinem Nachsolger, dem Marschall Mac Mahon, kam es zunächst zu einem Versuch, die bourbonische Dynastie wieder herzustellen; nachdem dieses Unternehmen gescheitert war, wurde

20. November 1882.

im Februar 1875 die definitive Republik eingerichtet, mit verschiedenen Ministerien experimentirt, endlich im Mai 1877 der Anlauf zur Ein­richtung eines streng-conservativen und zugleich klerikalen Parteiregiments gemacht und dadurch eine Leidenschaftlichkeit der Gegensätze entzündet, die erst zur Ruhe kam, als die Wahlen vom Herbst 1877 den Repu­blikanern zum Siege verhalfen.

Damit und mit der Entlassung des conservativ-klerikalen Mini­steriums vom 17. Mai 1877 begann ein neuer Abschnitt: die Regierung kam in die Hände der eigentlichen Republikaner. So lange die gemäßigte Gruppe derselben herrschte, walteten ruhige, wesentlich befriedigende Zustände ob, an denen auch durch den im Februar 1879 erfolgten Präsidenten-Wechsel nichts geändert wurde. Von Dauer sollte das in­dessen nicht sein. Der zum Präsidenten der Deputirtenkammer erwählte Herr Gambetta suchte durch Amnestirung der Commune.Verurtheilten die radicalen Elemente an sich zu ziehen, der Gesetzgebung eine Richtung zu geben, welche den Radicalismus befriedigen, die gemäßigte Partei zurückdrängen und von den Conservativen trennen sollte. Diese Absicht wurde so vollständig erreicht, daß von den fünf Ministerien, die während der Dauer des zweiten Parlaments amtirten, sich keines zu behaupten vermochte und daß ,der Kammerpräsident als eigentlicher Herr der Situation, je nach seinen wechselnden Anschauungen und Interessen, die Ministerien ein- und absetzte. Man nahm an, definitive Zustände würden erst geschaffen werden können, wenn Herr Gambetta selbst die Leitung der Geschäfte übernehme. Sein Versuch durch Veränderung des Wahl­systems eine Grundlage für die allendliche Befestigung seiner Stellung zu gewinnen, scheiterte indessen an dem Widerspruch beider Kammern, denen die Auflösung des bisherigen Abgeordnetenhauses auf den Fuß folgte.

Die Neuwahlen vom Herbst v. I. ergaben ein für Herrn Gam­betta wesentlich günstiges Resultat; daß die radicale Partei nicht ver­söhnt, sondern im Gegentheil erschlossen sei, den Führer der bürgerlichen Demokratie bis aufs Messer zu bekämpfen, stellte sich aber schon damals deutlich heraus. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch das Mißgeschick, welches Herrn Gambettas kaum dreimonatliche Amtsführung begleitete. Das von ihm empfohlene neue Wahlsystem kam abermals zu Falle, seine auswärtige Politik stieß im Auslande auf Mißtrauen und Wider­spruch, in Sachen Aegyptens lehnte die englische Regierung seine Vor­schläge ab und als er am 29. Januar d. J. zurücktrat, um Herrn v. Freycinet Platz zu machen, schien es mit seiner Allmacht ein Ende zu haben.

Mächtig genug, um keine andere Regierung dauernd im Besitz der Macht zu lassen, blieb Herr Gambetta indessen. Von den Gambcttisten in der ägyptischen Angelegenheit im Stiche gelassen, mußte Herr v. Freycinet im August d. J. abdanken und Herrn Duclerc Platz machen, der sich um die Wiederherstellung des Friedens zwischen den verschiedenen Gruppen der bisherigen republikanischen Mehrheit eifrig gemüht, Wesent­liches indessen nicht ausgerichtet hat. Inzwischen haben die beständigen Regierungswechs l, die Ausschließung Frankreichs von jedem ferneren Einfluß auf die ägyptische Angelegenheit und die Erbitterung der Con­servativen und der Socialisten über die Einseitigkeit und Unbeständigkeit des bisherigen Regimentes ihre Früchte zu tragen begonnen. Ermuthigt durch die Zerfahrenheit der Kamimrmehrheit hat die Socialdemokratie ihr Haupt neu erhoben und über die herrschenden Klassen einen panischen Schrecken gebreitet; die Conservativen aber machen aus ihrer Ver­stimmung über das neue Schulgesetz und die beabsichtigte Umgestaltung des Richterstandes schon lange kein Hehl mehr und reden offen davon, daß die Republik abgewirthschrftet' habe. Um einen geringeren Preis als denjenigen der Unterwerfung unter Herrn Gambetta "ist der häusliche Friede unter den republikanischen Parteien nicht zu haben, diesen Preis aber wollen sehr zahlreiche Republikaner nicht zahlen, weil sie neue Zugeständnisse an den Radicalismus und außerdem eine gefährliche auswärtige Politik fürchten. Aber selbst wenn diese Bedenken beseitigt und eine regierungsfähige Mehrheit hergestellt werden sollte, erscheint höchst fraglich, ob es möglich sein werde, den Widerstand der Feinde der bestehenden Ordnung und insbesondere die Aufsässigkeit der Social­demokratie zu besiegen. Ein großer Theil der Bevölkerung hat das Vertrauen zu der repüblikanischen Partei verloren und die Zersetzung ist