Einzelbild herunterladen
 

Abonnements-

Preis:

Jährlich 9 Mar!. Halbj.LM. 50Pfg

Vierteljährlich r Mark 25 Pfg. ^ür auswärtige Abonnenten Mit dein betreffen­den Postaufjchlag. Die einzelne Num­mer 10 Pfg.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fei rtage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

Jnfertions- Preis:

Die IjpaNigs Garmondzeile ob. deren Raum M Pi».

Die Sspalt. Zeile 20 Pfg.

DieSfpaltigeZeile 30 Pfg

Nr. 262.

Freitag den 10. November

1882

Amtliches.

Die 14^/4 Jahre alte Henriette Honzen von Hanau, welche ziemlich groß ist und hellblondes Haar hat, hat sich heimlich und ohne Legitimationspapiere am 28. v. Mts. aus dem elterlichen Hause entfernt und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. Es wird vermuthet, daß sich die­selbe zwecklos umhertreibt.

Ersucht wird, nach derselben zu fahnden.

Hanau am 8. November 1882.

__________________________Der Landrath. __________________________

Fürst Bismarck und der weitere Ausbau des Reichs.

AusZwanzig Jahre 18631882." Vail Ludwig Hahn.

(Sortierung.)

Das War die Ansicht des Reichstages vor einigen Jahren; es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Herr von Bennigsen damals der Wortführer der großen Mehrheit war, welche sich der Erfolge des jungen deutschen Reiches nicht blos in den auswärtigen Angelegenheiten, sondernauf weiten Gebieten", besonders auch in der Entwickelung der Verfassung freute, und als Aufgabe der nächsten Zukunft die Fragen der Finanzpolitik des Reiches, besonders die Erörterungen über Steuern, über die zu großen Lasten einzelner Kreise der Bevölkerung, über die Finanzschwierigkeiten der großen Bundesstaaten. Diese Aufgaben ver­tagte man ausdrücklich, um an ihre Lösung im nächsten Winter mit dem Kanzler zu gehen; man war weit davon entfernt, seine Autorität nur in auswärtigen völkerrechtlichen Dingen anzuerkennen, freudig gestand man vielmehr zu, daß auch die innere Entwickelung der letzten Jahre ihm vornehmlich zu danken war.

Er h^tte schon damals, wie wir des Näheren sehen werden, aus seinen Grundsätzen in Finanzsachen kein Hehl gemacht:er hatte es be­reits Jahre zuvor als sein Ideal bezeichnet, möglichst ausschließlich durch indirekte Steuern den Staatsbedarf aufzubringen; er hatte schon lange das Bestreben kundgegeben, die Steuern in einer Weise zu kombiniren, die auf der einen Seite Erleichterung, auf der anderen Seite neue Ein­nahmequellen schaffe, selbst seine Ansicht, daß der Tabak ein vorzüg­licher Gegenstand für die Besteuerung sei, war durchaus bekannt und er hatte schon ein Jahr zuvor laut erklärt, daß er die Steuerreform, von deren Nothwendigkeit er fest überzeugt sei, lieber noch ausgesetzt wissen wolle, als eine bloße Tabaksteuer mit mäßigem Ertrage hinzunehmen und die ganze Reform dadurch zu schädigen, daß man einen der besten Artikel vorläufig nicht genügend heranziehe, von dessen Schwimmkraft er erwarte, daß er andere vielleicht mittragen werde".

Wenn hiernach über die Richtung, in welcher Fürst Bismarck die Regelung der Finanzfragen des deutschen Reichs erstrebte, schon damals kein Zweifel obwalten konnte, und wenn der Reichstag trotzdem in Ausficht nahm, mit ihm und nur mit ihm diese Frage zu erledigen, so durfte und mußte er annehmen, daß sein Streben und Wollen eben nicht im Gegensatz gegen das In teresse der deutschen Nation liege, wie man jetzt, nachdem sich das Parteiwesen jener Pläne bemächtigt hat, glauben machen möchte.

Fürst Bismarck hat uns selbst erzählt, daß er sich von Hause aus um jene finanziellen und wirthschaftlichen Fragen wenig gekümmert, wie er feine Verantwortlichkeit nur dahin aufgefaßt habe, daß er den rechten Mann an die rechte Stelle gesetzt, und das sei nach der damali­gen Ü berzeugung Delbrück im eminentesten Grade gewesen. Er hat beim Rückiritt dieses Beamten versichert, daß zwischen demselben und ihm selbst niemals irgend eine größere Meinungsverschiedenheit zum Aus­druck gekommen sei, und daß er auch die bedeutendste Frage lieber ver­tagt haben würde, als dieselbe zum Anlaß des Rücktritts Delbrücks werden zu lassen.

Mit der Entfernung Delbrücks und dem Wegfall seines hohen Ansehens trat aber für Fürst Bismarck die Nothwendigkeit ein, schon um s iner Verantwortlichkeit willen sich mit jenen Dingen mehr direkt zu beschäftigen, und er that es natürlich in der Richtung, die er nach seiner Ueberzeugung als die heilsamste für das Reich erachtete.

Für die Stellung des Reichskanzlers, hatte er einst gesagt, ist vor allen Dingen die Erwägung eine entscheidende, ob die politische Lage des Reiches verbessert oder verschlechtert wird. Er hatte bei einer an­

WâMM-

deren Gelegenheit als das Schwerste und Aufreibendste in seinem Amte eben das Gefühl der Verantwortlichkeit für große Dinge und für In­teressen bezeichnet, die die Interessen von 40 Millionen Deutschen sind. Wer ein Herz für sein Land habe, den müsse dies packen.

Je mehr aber Fürst Bismarck mit eigener Beobachtung und Forschung in die wirthschaftlichen Dinge eindrang, desto klarer wurde es ihm, daß in der mit einer gewissen Einseitigkeit eingeschlagenen Richtung ein Fehler fei und er hielt sich verpflichtet, als Wächter des Reiches abhelfend einzuwirken. Als nun in jener Zeit der Kaiser jeden Ge­danken an Fürst Bismarcks Abgang zurückgewiesen und andererseits der Reichstag den Willen erklärt hatte, die Finanzsragen des Reiches grade mit ihm zu lösen, da stand es bei ihm fest, dieser Auf­gabe den Rest seines Lebens zu widmen. Er bezeichnete sich selbst als einenmüden Jäger", der um gewöhnlicher niederer Jagd willen nicht wieder zu erneuter Thätigkeit belebt werde; wenn ihm aber Gegenstände großer und schwieriger Jagd gezeigt werden und wenn er dazu willige Helfer finde, dann raffe er sich trotz aller Müdigkeit zu neuen Thaten auf. Dieser Vergleich, den man kurzweg als die Aeuße­rung von derSauhatz" bezeichnete, wurde in verschiedenen Lesarten wiedererzählt: das Gemeinsame war der Hinweis auf die großen wrrth- schaftlichen Reformprojekte, die er mit sich herumtrug, und für die er willige Helfer zunächst in seinen Kollegen, sodann nach dem vorläufigen Anschein im Reichstage zu finden hoffte.

Im besten Glauaen und mit kühnen Hoffnungen ging daher der Fürst der Aera der Wirthschaftsresorm entgegen.

_______________________________________(Schluß folgt)_____________________________________

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Das Allgemeinbefinden unseres greisen Kaisers ist sortdauernd ein günstiges, so daß derselbe auch in diesem Jahre an den gewohnten Herbstjagden Theil nehmen konnte. Nachdem der Kaiser den Hofjagden im Mecklenburgischen und im Harze im besten Wohlsein beigewohnt hat, beabsichtigt er, am 10. und 11. November im Fürstenwalde bei Ohlau in Schlesien zu jagen, wozu die hervorragendsten schlesischen Magnaten vom kaiserlichen Jagdherrn mit Einladungen beehrt worden sind.

Der Bundesrath hielt am Mittwoch, den 8. November, eine Ple­narsitzung ab. Auf der Tagesordnung standen u. A. die beiden Vor­lagen, betreffend den Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Militär-Pensions-Gesetzes vom 27. Juni 1871 und betreffend den Ent­wurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Reichsbeamten-Gesetzes. Auch das Staatsministerium hielt am vergangenen Montag eine Sitzung ab, in welcher dem Vernehmen nach über Fragen, die den Landtag berühren, Beschlüsse gefaßt worden sind.

Herr v. Radowitz, der neue deutsche Botschafter in Konstantinopel, ist in den ersten Tagen dieser Woche auf seinem Posten eingetroffen und hatte bald nach seiner Ankunft mit dem türkischen Minister des Aus­wärtigen, Said Pascha, eine mehrstündige Unterredung. Hoffentlich ge­lingt es auch Herrn V. Radowitz, die einflußreiche Stellung, welche Deutschland durch Graf Hatzfeldt am goldenen Horn errungen hat, zu behaupten und da Herr v. Radowitz als einer unserer schneidigsten Diplomaten, zugleich aber als einer der gründlichsten Kenner der orien­talischen Angelegenheiten gilt, so dürften sich die auf ihn gesetzten Hoff­nungen erfüllen.

(Oesterreich-Ung arn.) Das Interesse an den Angelegenheiten der österreichischen Monarchie concentrirt sich gegenwärtig ausschließlich auf die Verhandlungen der zu Pest versammelten Delegationen, in denen bereits mehrere wichtige Fragen zur Sprache kamen. Namentlich ist es die Angelegenheit des Gegenbesuches Kaiser Franz Josef's am italieni­schen Hofe, welche immer weitere Kreise zieht. Es ist eine offenkundige Thatsache, daß sich der österreichische Ministerpräsident, Graf Taaffe, durch die klerikale Partei hat bestimmen lassen, seinen ganzen Einfluß zur Verhinderung des Gegenbesuches Kaiser Franz Jofes's in Rom auf­zubieten. In den ungarischen Regierungskreisen, wo die klerikale Partei nichts weniger als Freunde zählt, hat diese Entdeckung sehr verschnupft und es ist nicht unmöglich, daß diese ganze Affaire zu einem Meinungs­austausch zwischen den Cabineten von Pest und Wien führen wird, zu­mal die klerikalen Abgeordneten in der österreichifchcn Delegation selbst die Angelegenheit der italienischen Reise des österreichischen Kaisers dem­nächst wieder aufwärmen wollen. Von besonderem Interesse waren auch