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Nr. 261.

1882.

Donnerstag den 9. November

Amtliches.

An die Herren Bürgermeister der Landgemeinden, .

zu Windecken und die Herrn Ortspolizei-Ver-

Walter des Kreises.

Die Personenstands Aufnahme zum Zwecke der Veranlagung der Klassensteuer für das Etatsjahr April 1883/84 hat ausnahmslos a m 1 3. November d. J. stattzufinden.

Es sind hierfür, sowie für die nachfolgende Einschätzung die Vor­schriften der Instruktion vom 29. Mai 1873 Amtsblatt S. 85, vom 19. Juli 1875 Amtsblatt S. 205, ferner vom 3. Januar 1877 Amtsblatt S. 34, sowie die Geschäfts Anweisung vom 16. März 1877 maßgebend. Für eine gleichmäßige den gesetzlichen und sonstigen Vorschriften entsprechende Veranlagung ist Sorge zu tragen.

Die seitherige Einrichtung der d o p p e l t e n Ausstellung der Klassen­steuer-Rollen und der einfachen Ausfertigung der Einkommens-Nach­weisung wird beibehalten. Das erforderliche Formular wird geheftet, mit blauem Umschläge versehen an Sie hiernächst abgesandt werden.

Die Herren Bürgermeister wollen die Rollen und Einkommens- Nachweisungen möglichst selbst ausstellen, damit in den Angaben der sämmtlichen Einwohner der Gemeinde und des Personenstandes (vergl. §. 2 der Jnstr. vom 29. Mai 1873) nicht gefehlt wird.

Bis zum 20. November cr. müssen mir die vorbereiteten Rollen und Einkommens-Nachweisungen zur Einsicht vorliegen.

Die KlassensteuerEinschätzungsCommissionen bestehen:

1) in Langenselbold außer dem Ortsvorstand in 7 Mitgliedern,

2) in Stadt Windecken und in den übrigen Landgemeinden aus 5 Mitgliedern,

3) in den Gutèbrzirken aus 3 Mitgliedern.

Der Termin zur Wahl der Commissionen, sowie zur Vornahme der Einschätzung wird später von mir bestimmt werden.

Hanau am 23. Oktober 1882.

Zimmermeister Wilhelm Schmalz zu Windecken ist als Amts­taxator zu Zwecken der General. Brandkasse in Kassel an Stelle des ver­storbenen Jakob Lotz in Windecken bis auf Weiteres bestellt.

I Hanau am 2. November 1882.

Der Landrath.

Zugelaufen: Ein schwarzer Hund mit langer Ruthe, märnl. Geschl., trägt ein ledernes Halsband mit gelben Knöpfen; Empfang­nahme bei Jobs. Zimmermann zu Großkrotzenburg.

Gefunden: Eine gedruckte Schürze. Ein Gesinde-Dienstbuch für Elisabeth Günther aus Wirtheim.

Verloren: Auf dem Wege von Langenselbold bis Hanau eine lederne Pferdedecke. Ein Privat-Pfandschein Nr. 3900.

Hanau am 9. November 1882.

__Aus Königl. Landrathsamt. _____________________ Bekanntmachung.

Veranlagung der Klassensteuer für 1883/84 betr.

Behufs Veranlagung der Klassensteuer für das Steuerjahr 1883/84 findet im Monat November d. I. eine allgemeine Aufnahme des Perso- . nenstandes statt. Dieselbe ist nach dem Stande vom 12. November d. I-, als dem von dem Herrn Finanz-Minister festgesetzten Normaltermine, zu bewirken.

Zu diesem Zwecke werden jedem Hauseigenthümer bezw. dessen Stellvertreter im hiesigen Stadtbezirke schon mehrere Tage vorher die benöthigten Formulare eingehändigt werden, um deren genaue Ausfüllung bezüglich des Personenstandes in jedem Hause mit Zubehör am 12. No­vember d. J. hiermit ersucht wird.

Zugleich darf ich wohl die Erwartung aussprechen, daß das be- theiligte Publikum sowohl im eigenen Interesse, als insbesondere zur Förderung der Veranlagungs-Arbeiten darauf Rücksicht nehmen wird, . daß der rechtzeitigen Abholung der vorschriftsmäßig ausgefüllten und unterschriebenen Personenstandslisten kein Hinderniß entgegensteht. Hanau, am 30. Oktober 1882.

Der Oberbürgermeister

Rauch.

^'MiMMiia»w«Si<w«^t^ni»iMi.ip.ilmi»iMiiin»^r^iKg»«mMMM»^ë.' Fürst Bismarck und der weitere Ausbau des Reichs.

AusZwanzig Jahre 18621882." Von Ludwig Hahn.

Schon am Anfänge des Jahres 1873, als Fürst Bismarck aus dringenden Gründen seiner leidenden Gesundheit zeitweise das preußische Minister-Präsidium an seinen Kollegen und alten Freund, den Kriegs­minister Graf von Roon abgab, hatte der Kaiser ihm geschrieben:

Zehn inhaltschwere Jahre liegen hinter uns, seit Sie Meiner Berufung, an die Spitze der preußischen Verwaltung zu treten, Folge leisteten. Schritt sür Schritt hat Ihr Rath und Ihre That Mich in den Stand gesetzt, Preußens Kraft zu entwickeln und Deutschland zur Einigung zu führen. Ihr Name steht unauslöschlich in der Geschichte Preußens und Deutschlands verzeichnet, und die allerhöchste Anerkennung ist Ihnen von allen Seiten gerecht zu Theil geworden."

Gewöhnlich", sagte damals Fürst Bismarck,und in allen größeren Staaten wenigstens nimmt die Aufgabe eines auswärtigen Ministers die volle Arbeitskraft eines Mannes in Anspruch, und es dürste in keinem großen Staate den Fall geben, daß man von dem Träger der auswärtigen Geschäfte auch nur eine anhaltende und ein­greifende Mitwirkung in den inneren Angelegenheiten erwartet. Die auswärtigen Geschäfte des deutschen Reiches sind, dank sei es unseren guten Beziehnngen zu allen Regierungen, im Augenblick friedliche, aber diesen Frieden nach allen Seiten hin zu wahren und zu pflegen, ist eine Ausgabe, die die Arbeit eines Mannes erfordert."

Die Zusammengehörigkeit der Aufgaben im Reiche und in Preußen brachte es vor Allem mit sich, daß Fürst Bismarck bei dem Rücktritt des Grafen von Roon aus dem Staatsdienst überhaupt, auch den Vorsitz im preußischen Staatsministerium wieder übernahm, während ihm jedoch in den laufenden Geschäften eine Erleichterung durch Ernen­nung eines Vizepräsidenten des Staatsministeriums gewährt wurde.

Noch in demselben Jahre gab der im Reichstage gestellte Antrag, die geheimen Fonds zu verweigern, Anlaß grade zu einem ausdrücklichen Vertrauensvotum für den Fürsten Bismarck. Namens der Mehrheit wurde dasselbe mit den Worten begründet:

Wenn derselbe Eindruck eben bei dem Herrn Vorredner und seinen Freunden nicht vorhanden ist, so ist der Grund hiervon, daß sie in diesen Dingen auf einem ganz anderen Boden stehen, als die Mehrheit unserer Nation und die entscheidende Mehrheit dieses Reichs­tages. Sie haben die Politik des Kanzlers mißbilligt vom ersten Augenblicke an, sie haben Alles gethan, was in ihren Kräften lag, das Zustandekommen des norddeutschen Bundes, des deutschen Reiches zu hindern; sie werden auch nicht aushören, soweit sie glauben, daß ihre Kräste dazu reichen, diese Politik auch später zu hindern. Aber, meine Herren, gerade diese erbitterten und leidenschaftlichen Angriffe gegen die Person des Reichskanzlers, als den Träger unserer deutschen Politik, werden von Tag zu Tag mehr dazu beitragen, diese Politik zu festigen, das Vertrauen der Nation und der Mehrheit dieses Reichstages zu dem Träger dieser Politik zu stärken und gerade dazu dienen, dasjenige nicht zu erreichen, vielmehr zu zerstören, was der Herr Vorredner und seine Freunde wollen."

Als dann einige Jahre später (1877) der Kanzler in Folge seiner durch die anstrengende und aufreibende Thätigkeit erschütterten Gesund­heit den Abschied erbat, erklärte der Kaiser in voller Uebereinstimmung mit den Kundgebungen der öffentlichen Meinung, ihm jede zeitweise nöthig erscheinende Entbindung von den Geschäften zugestehen zu wollen, nimmer aber in seinen Rücktritt zu willigen. Der Kaiser und das deutsche Volk könne und wolle sich nicht mit dem Gedanken vertraut machen, daß der Staatsmann, aus dessen gewaltigem Denken und Schaffen die Gestaltung unseres nationalen Gemeinwesens hervorgegan­gen war, und der die Entwickelung desselben seither durch alle Schwie­rigkeiten von Stufe zu Stufe glücklich durchgeführt hatte, seine Hand von der weiteren Leitung desselben zurückziehen sollte, so lange drese Hand nicht wirklich erlahmt und erschlafft ist; der Kaiser konnte aber zu der stets bewährten treuen und patriotischen Hingebung des Kanzlers das Vertrauen hegen, daß er, ungeachtet der schweren Erschütterung sei­ner Gesundheit, auf den Rücktritt von seinem erhabenen Beruse verzich­ten würde, so lange diese Hoffnung begründet erschiene, daß er die un­erläßliche Erfrischung und neue Stärkung zu weiterem Wirken und Schaffen ohne jene volle Entsagung wiedergewinnen werde.