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Nr. 260.

Mittwoch den 8. November

1882.

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Tagesschau.

Berlin, 7. Novbr. Se. Majestät der Kaiser haben im Na­men des Reichs an Stelle des auf seinen Antrag entlassenen Konsuls Eisentohr den Kaufmann Wilhelm Bleeck zum Konsul in Kalkutta zu ernennen geruht.

Berlin, 7. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König trafen, wie derR. u. St.-A." meldet, gestern Nachmittag 44/z Uhr mit dem Grafen zu Stolberg - Wernigerode aus dem Jagdrevier Hasserods wohlbehalten wieder in Wernigerode ein. Se. Majestät erlegten 4 Hirsche, 3 Rehe und 23 Sauen. Das Frühstück wurde im Jagdzelt eingenommen; an demselben nahmen auch die Gräfin Otto Stolberg, die Prinzessin Reuß und die Gräfin Udo Stolberg Theil. Um 7 Uhr fand ein Galadiner statt, zu welchem auch die Generale Graf von Bose, Frhr. von Lyncker und von der Chevallerie geladen waren. Für heute früh war ein Treibjagen auf Hasen in Aussicht genommen. Um 12 Uhr sollte ein Däjeuner dinatoire eingenommen werden, und um 4 Uhr ge­dachten Se. Majestät nach Berlin zurückzukehren.

Berlin, 7. Novbr. Der deutsche Botschafter in Paris Fürst Hohenlohe ist heute früh nach Varzin gereist, wohin dem Vernehmen nach sich demnächst auch der deutsche Botschafter in London, Graf Münster, von Hannover aus begeben wird.

Auf das dem Fürsten Bismarck zu seinem 20jährigen Mini- sterjubiläum von den Odessaer Deutschen übersandte Ehrengeschenk er­hielt, wie wir der Odessaer Z. entnehmen, Hr. Wilhelm Wagner in Odessa von dem Fürsten folgendes Schreiben:Euer Wohlgeb. und der Herren Mitunterzeichner freundliche Worte und das so eigenartig ge­schmackvolle Kunstwerk, welches sie begleiten, habe ich erhalten. Es ge­reicht mir zur hohen Befriedigung, bei meinen Landsleuten im Buslande eine so warme Anerkennung zu finden, und ich nehme den Ausdruck der­selben gern entgegen als ein Zeichen dafür, daß das Band der gemein­samen Liebe zum Kaiser und zum Vaterlande die Deutschen in der Fremde mit der Heimath und unter einander verbindet. Seien Sie ge­wiß, daß ich bei dem Anblick der reichen und kunstvollen Arbeit einer dem befreundeten Nachbarlande eigenthümlichen Industrie der freund­lichen Geber stets mit herzlichem Danke gedenken werde. Varzin den 7. Okt. 1882. v. Bismarck."

DasFr. I." schreibt: In Bezug auf den Handelsvertrag zwischen Deutschland und Spanien können wir melden, daß der gegen­wärtige Stand der Verhandlungen nicht nur zu Befürchtungen keinen Anlaß gibt, sondern vielmehr gegründete Hoffnung vorhanden ist, daß diese Verhandlungen zu einem für beide Theile befriedigenden Abschluß führen werden.

t Die in mehreren Blättern enthaltenen Nachrichten über den beabsichtigten Ankauf von Oedländereien Seitens der Staatsverwaltung sind dahin richtig zu stellen, daß nachdem durch den letzten Etat größere Mittel für den Ankauf und die Aufforstung von Oedländerei auf den Vorschlag der Staats-Regierung bewilligt worden sind, nunmehr zur Ausführung dieses Planes mit Erfolg vorgegangen wird. Es sind für die östlichen Provinzen und für Schleswig-Holstein Auffmstungèpläne im Landwirthschaftlichen Ministerium ausgearbeitet worden und je nach der sich bietenden Gelegenheit werden Ankäufe eingeleitet. Nach dem bisherigen Gang der Verhandlungen ist vorauszusehen, daß die ausge­setzten Fonds völlig zur Verwendung gelangen werden.

Ein Industrieller schreibt derNordd. Allg. gfg." : Zu dem Kapitel der höheren Arbeitslöhne kann ich Ihnen melden, daß eine große Menge niederländischer Arbeiter wegen zu geringer Löhne in ihrem Lande über die Grenze gekommen ist, um in den Fabriken des Münsterlandes von unseren höheren Löhnen zu piofitiren!

, t Wie wir erfahren, ist die Anordnung getroffen, daß den kcuho- *;Wn Geistlichen die ihnen widerruflich überwiesene Einnahme aus der Abhaltung von Binations- Frühmessen bei Ausbesserung ihres Einkom­mens auf 1600 bezw. 1800 M. fernerhin nicht mehr in Anrechnung gebracht werden soll.

, , ~ S. M. AvisoZielen", 4 Geschütze, Kommandant Korvetten- Kcchckän Barandon, ist am 5. November er. in Plymouth eingetroffen.

Kronstadt, 6. Novbr. Der Schiffahrtsverkehr mit St. Pe­tersburg ist in Folge Treibeises unterbrochen: die Schiffahrt ist als be­endet anzusehen.

München, 6. Nov. Der König hat das Abschiedsgesuch des

Präsidenten des Generalauditoriats, General-Lieutenants Grafen Tatten- bach genehmigt und zu seinem Nachfolger den General-Major Frhrn. von und zu der Tann-Rathsamhausen ernannt.

München, 7. Nov. Beim Abtragen einer Villa in einer Straße der Vorstadt wurden fünf Menschen verschüttet, wovon zwei todt blieben und einer schwer verwundet wurde.

In dem letzten unter des Kaisers von Oesterreich Vorsitz ab­gehaltenen Ministerrath wurde die Hülfeleistung für die von Ueber- schwemmungen heimgesuchten Alpenländer im doppelten Sinne beschlossen: einmal sollen die Geldmittel zur Abhilfe der dringendsten Noth ver­größert werden, sodann aber sollen durchgreifende Flußregulirungen aus Reichsmitteln erfolgen.

Rom, 6. Novbr. Die amtliche Zeitung veröffentlicht den am 1. Januar k. I. in Kraft tretenden Handelskodex.

London, 7. Novbr. Offiziell. Lord Seymour ist unter dem Titel eines Lord Alcester, General Wolseley unter dem Titel eines Lord Wolseley of Kairo in den Pairèstand erhoben worden.

Die Zahl der außerhalb des russischen Reiches weilenden Ni­hilisten beträgt an dreitausend, von denen zweitausend auf Frankreich entfallen. (D.-Z.)

Kopenhagen, 6. Nov. Gestern Nacht und heute Vormit­tag richtete ein orkanartiger Sturm an Häusern, Wäldern und den Hä­fen im ganzen Lande großen Schaden an. Mehrere Seeunfälle werden gemeldet.

Riga, 7. Novbr. Der Konvent der livländischen Ritterschaft beschloß, den Ordnungsrichtern zur Verstärkung der Mittel für die Poli­zei einen Kredit bis zu 16 000 Rbl. zu eröffnen, bis die Reorganisation der Kreispolizei durchgeführt ist.

St. Petersburg, 7. Nov. Die Verbindung zwischen Kron­stadt und Oranienbaum ist gänzlich unterbrochen, die Rheden sind voll Eis. Bei Schlüsselburg ist auf der ganzen Breite der Newa Eisgang. 6 Grad Kälte. Norstostwind.

Konstantinopel, 7. Novbr. In Folge des Thronwechsels in Tunis beauftragte die Pforte Essad Pascha rücksichtlich der Jnvesti- turfrage dem französischea Kabinete die Prüfung jener Punkte vorzu­schlagen, welche das französisch türkische Einvernehmen erheischen könnten. Duclerc lehnte absolut ab, in eine Diskussion einzugehen und begründete die Weigerung damit, daß die Unabhängigkeit Tunesiens stets unter allen Regierungen von Frankreich zugegeben worden sei. Die Psorte ist ge­neigt, zu protestireu.

Alexandrien, 7. Nov. Die für die egyptische Gensdarmerie angeworbenen Schweizer beklagen sich lebhaft über das ungenügende Traktement. Die Regierung beschloß deshalb, dieselben auf ihre Kosten nach der Schweiz zurückzusenden. Die Rückreise erfolgt schon morgen.

Mexiko, 6. Novbr. Der Regierung ist die Nachricht zuge­gangen, daß der Gouverneur und Staatssekretär von Tabasco ermordet worden sei.

New-Jork, 6. Novbr. Morgen ist der Wahlen wegen hier Feiertag.

Triest, 6. Novbr. Der LloyddampferEspero" ist heute Vormittag mit der ostindisch - chinesischen Ueberlandpost aus Alexan­drien hier eingetroffen.

New - Nork, 6. Novbr. Die Dampfer des Norddeutschen LloydElbe" undGeneral Werder" sind hier eingetroffen.

New-A ork, 6. November. Der DampferErin" von der National-Dampfschiffs- Compagnie (C. Messingsche Limes ist hier einge­troffen.

Lokales.

Hanau, den 8. November 1882.

Im Laufe des Monats Oktober 1882 wurden in hiesigem Schlachthause geschlachtet:

118 Ochsen mehr gegen den Monat Oktbr. 1881 2 Stück

99 Kühe

17

57 Rinder weniger

68

775 Schweine mehr

ff ff

58

284 Kälber weniger

65

193 Hämmel

ff ff

ff

71

ff