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Nr. 259.

Dienstag den 7. November

1882.

ßäsääBEsw-v

Amtliches.

Gefunden: Ein Kragen- und Manschettenmuster. Ein Notiz­buch. Ein Korallenkettchen mit goldenem Schloß. Eine Weiße Schürze.

Zugelaufen: Ein gelber Pinscher, m. Geschl.

Hanau am 7. November 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser, welchem die neu­lichen Hofjagden bei Ludwigslust im Allgemeinen gut bekommen find, gedenkt demnächst einen etwas Weilern Jagdauèstug zu unternehmen. Das Ziel desselben ist der Fürstenwald bei Ohlau in Schlesien, wo der hohe Herr am 10. und 11. d. M. zu jagen beabsichtigt.

Durch königliche Verordnung sind die beiden Häuser des Land­tages auf Diestag den 14. November einberufen, wohin die bisherige Annahme, daß der Zusammentritt des Landtages am 13. d. M. erfolgen werde, zu berichtigen ist. Ueber die Vorlagen, welche dem Landtage zugehen werden, herrscht noch Ungewißheit; daß der Etat dem Abgeord­netenhause zugehen wird, erscheint selbstverständlich. Ueber die Dauer der Session, resp, die eventuelle Vertagung des Landtages verlautet ebenfalls noch nicht das Geringste. Da der Reichstag am kommenden 30. November wieder zusammentreten soll, so ist eine Collision zwischen beiden parlamentarischen Körperschaften unvermeidlich; hoffentlich wird sich jedoch das Nebeneinandertagen von Reichstag und Landtag nur auf eine kurze Zeit beschränken.

Die Frage, ob es der Regierung gelingen werde, eine ihren Zielen entsprechende Majorität im Abgeordnetenhause zu finden, drängt sich jetzt, wo die neue Landtagssession vor der Thür steht, immer entschiedener auf. Daß die Regierung der Conservativen nicht entbehren kann, ist klar, aber wenn auch letzter gesonnen sein sollten, die Regierungspolitik in allen Stücke» zu fördern, so bilden sie selbst nach Hinzurechnung der Freiconservativen die absolute Majorität noch nicht. Es erscheint daher erklärlich, daß die Regierung nach einer weitern Stütze sucht und diese sucht sie, wie man aus einem neuerlichen Artikel derNordd. Allg. Ztg." entnehmen kann, bemerkenèwerther Weise unter den Gemäßigt-Liberalen. DieN. A. Z." ermahnt in dem betreffenden Artikel die Conservativen, mit den Nationalliberalen eine Majorität, aber keine neue Fraktion zu bilden. Mit ihren Wahlsiegen hätten die Conservativen eine große Ver­antwortung übernommen; das Land erwarte eine von Partei- Uebertrei­bungen freie, stetige Entwickelung und werde sich, wenn hierin getäuscht, von den Conservativen wieder abwenden. Die Conservativen möchten Thiers' Mahnwort an seine Freunde beherzigen:Vor Allem dürfen wir keine Fehler machen."

Das Reichsgericht hat das freisprechende Urtheil des Landgerichts II Berlin in dem Beleidigungèprozeffe, den Fürst Bismarck gegen den Reichstagsabgeordneten Mommsen angestrengt hatte, auf Revision der Staatsanwaltschaft kassirt. Die ganze Angelegenheit ist an die erste Instanz zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen worden, so daß dieser Prozeß hierdurch vermuthlich nur noch mehr Auf­sehen, namentlich in den parlamentarischen Kreisen, erregen wird.

(Oesterr eich- Ung arn.) Die Erklärungen, welche sich der öster­reichische Minister des Auswärtigen, Graf Kalnoky, in dem ungarischen Delegationèauèschusse für das Auswärtige neulich zu geben genöthigt fah, bilden für die österreichische Presse noch immer einen Gegenstand lebhafter Erörterungen. Es ist dies sehr erklärlich, da diese dem Mi­nister von den Delegirten abgeforderten Erklärungen verschiedene wunde Punkte der auswärtigen Politik Oesterreichs betrafen, wie das Verhält- niß zu Italien und zu Montenegro. Die Offenheit, mit welcher Graf Kalnoky die Gründe darlegte, welche Kaiser Franz Josef eine Reise nach Rom gegenwärtig nicht räthlich erscheinen lassen, verdient alle Anerken­nung. Zugleich beobachtete Graf Kalnoky Italien gegenüber die Lie­benswürdigkeit, zu erklären, daß der vertagte Gegenbesuch des österreichi­schen Herrschers in Italien einen störenden Einfluß weder auf die herz­lichen Beziehungen zwischen den Höfen von Rom und Wien, noch der beiderseitigen Staaten ausgeübt habe. Viel zurückhaltender drückte sich der Minister über das eigenthümliche Verhältniß Oesterreichs zu Mon­tenegro aus, was aber vielleicht gerade dafür spricht, daß in den Be­ziehungen der österreichischen Monarchie zu ihren unruhigen Nachbarn in den Schwarzen Bergen Vieles, wenn nicht Alles, faul ist. Der Um­

star d, daß mehrere in Montenegro internirt gewesene bosnische Jnsur- rektionschefs plötzlich entflohen sind, dürfte nicht dazu beitragen, diese Beziehungen zu verbessern.

(Frankreich.) Die anarchistische Bewegung in Frankreich weist noch immer bedenkliche Zuckungen auf. Vor einigen Tagen wurden in Paris zahlreiche revolutionäre Plakate voll der wildesten Drohungen gegen die besitzenden Klassen und mit der Ueberschrift: Internationales revolutionäres Exekutiv- Comitä Sektion Frankreich, an die Mauern angeschlagen. Zwar ist es der Polizei gelungen, einige Individuen beim Ankleben der Plakate zu verhaften, doch durften die Verhafteten nur untergeordnete Werkzeuge der revolutionären Liga sein, so daß ihre Ver­haftung schwerlich zur Entdeckung der Urheber dieser bluttriefenden Ma­nifeste führen wird. Jedenfalls darf sich die französische Regierung durch das Bewußtsein, die Haupträdelsführer der Bewegung von Mont- ceau-les- Mines in Händen zu haben, in ihrer Wachsamkeit gegen die von den anarchistischen Elementen drohenden Gefahren nicht einschläfern lassen.

(England.) Im englischen Unterhause hat der Premier Glad­stone in den Verhandlungen über die Reform der Geschäftsordnung einen bedeutenden Erfolg davongetragen. Nach dreitägiger Debatte verwarf am Donnerstag das Haus das Amendement des Oppositiosmitgliedes Gibson, wonach der Schluß der Debatte nur dann erfolgen kann, wenn 2/s der Deputirten sich dafür aussprechen, mit 322 gegen 238 Stimmen. Die Bedeutung dieses Erfolges liegt weniger darin, daß ein der Regie­rung ungünstiges Amendement abgelehnt wurde, sondern vielmehr darin, daß die Iren gegen dasselbe und also indirekt für die Regierung stimm­ten. Man erklärt diese Schwenkung der irischen Partei dadurch, daß Gladstone derselben für ihre Unterstützung in derCloture-Frage" die Einbringung neuer Vorlagen zu Gunsten Irlands in der nächsten Ses­sion versprochen habe.

(Italien.) In Italien zeigt man sich etwas verletzt darüber, daß Graf Kalnoky in dem Ausschüsse der ungarischen Delegation so rückhaltslos die Gründe dargelegt hat, welche den österreichischen Kaiser veranlaßten, von . einem Gegenbesuche in Rom vorläufig abzustehen. DerÄersagliere" meint sogar, daß es Pflicht der Rathgeber König Humberts gewesen wäre, denselben nicht eher nach Rom reisen zu lassen, bis nicht vorher der Gegenbesuch des Kaisers in Rom sichergestellt ge­wesen sei. Indessen müssen auch die italienischen Blätter stillschweigend zugeben, daß irredentistische Anschläge gegen Kaiser Franz Joses während dessen Anwesenheit in Italien nicht zu den Unmöglichkeiten gehört hät­ten, so daß sich die Verschiebung der Reise wohl erklärt. Nach den nunmehr ermittelten Wahlresultaten wird die neue italienische Deputir- tenkammer aus 320 Ministeriellen, 40 Mitgliedern der Rechten, 58 Fusionisten, 32 Dissidenten und 40 Radikalen bestehen.

(Rußland.) Aus dem Czarenreiche signalisirt man den bevor­stehenden Sturz des Ministers des Innern, Grafen Tolstoi. Ueber die Ursachen, die den eventuellen Rücktritt des Grafen Tolstoi beeinflussen, ist noch nichts Genaueres bekannt. Petersburger Berichte über diese Angelegenheit versichern aber eifrigst, daß jedenfalls Graf Jgnatieff keine Aussicht habe, wieder an die Spitze der Geschäfte berufen zu werden. Vorläufig bedarf die ganze Sache noch sehr der Aufklärung.

(Türkei.) Auf der hohen Pforte zeigt man sich wegen der egyptischen Mission Lord Dufferins fortdauernd sehr besorgt. Der tür­kische Botschafter in London, Musurus Pascha, erklärte Lord Granville, daß die Sendung Lord Dufferin's in dem Augenblicke, wo die Pforte mit England zu einer Verständigung bezüglich Egyptens zu gelangen suche, eine ungünstige Wirkung hervorrufen müßte; schließlich ersuchte Musurus Pascha wenigstens um Aufschub der Abreise Lord Dufferin's. Während aber Lord Granville den türkischen Botschafter mit irgend­welchen nichtssagenden Erklärungen abgespeist hat, ist Lord Dufferin bereits am vergangenen Donnerstag auf derAntilope" nach Egypten abgereist.

(Egypten.) Die egyptische Regierung trifft endlich Vorkehrun­gen, um dem unangenehmenfalschen Propheten" auf den Leib zu rücken. Ein Expeditionskorps nach dem Sudan, über welches der egyp­tische Gouverneur am Rothen Meer, Alaiddin Pascha, den Oberbefehl übernehmen wird, ist in der Bildung begriffen und soll auf dem See­wege nach Suakim am Rothen Meere abgehen. Ueberdies werden sich unverzüglich drei englische Offiziere nach dem Sudan begeben, um über