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Nr. 255. Donnerstag den 2. November 1882.
Bekanntmachung.
Veranlagung der Klassensteuer für 1883/84 betr.
Amtliches.
In Beziehung auf die Erhebung der nach dem Gesetze vom 20. Mai d. I., betreffend die Fürsorge für die Hinterbliebenen der unmittelbaren Staatsbeamten, zu zahlenden Witwen- und Waisengelder wer- den nachstehende höhere Bestimmungen zur Kenntniß der Empfangs- Berechtigten gebracht:
Wenn Witwen- und Waisengeldberechtigte ihren Wohnort verändern und das Witwen- und Waisengeld aus einer anderen als der bisherigen Kasse zu empfangen wünschen, so haben
a) die Hinterbliebenen der aktiven Beamten und Wartegeldempfänger aus denjenigen Ressorts, für welche Provin zial. Verwaltungen b estehen, ihre Anträge an die Kasse zu richten, welche ihnen bisher ihre Bezüge gezahlt hat, oder bis auf Weiteres auch direkt an die für den Bezirk des derzeitigen Wohnorts der Berechtigten zuständige Provinzialbehörde desjenigen Ressorts (in der Justizverwaltung die Borstandsbeamten des Königlichen Oberlandesgerichts), welchem der betreffende Beamte oder Wartegeldempfänger während seiner aktiven Dienstzeit zuletzt angehört hat;
b) die Hinterbliebenen der aktiven Beamten und Wartegeldempfänger, welche ihre Bezüge aus dem Fonds einer Verwaltungsbehörde in einem Dienstzweige erhal- ten, für welchen keine Provinzialbehörden bestehen, ihre Ueberweisungs. Anträge ausschließlich an die Kasse einzureichen, aus welcher die Witwen- und Waisengelder bisher gezahlt worden sind, und
c) die Hinterbliebenen der Pensionäre die Ueberweisungs-An- träge entweder an die Kasse, aus welcher sie ihre Bezüge empfangen, oder direkt an die unterzeichnete Regierung zu richten.
Kassel den 17. Oktober 1882.
___________________Königliche Regierung.___________________
Bekanntmachung.
Postpacketverkehr nach Belgien.
Zu Postpäckereisendungen nach Belgien sind fortan drei gleichlautende Z oll-Jnhaltserklärungen in Französischer Sprache erforderlich. Bei Sendungen mit Werthpapieren genügt jedoch die Beigabe von zwei Zoll-Inhaltserklärungen.
Berlin W., 28. Oktober 1882.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
___Steph an._______________________
Bekanntmachung.
Austausch von Postpacketen mit Portugal.
Vom 1. Dezember ab findet, außer im Verkehr mit Lissabon, auch mit den Hauptorten Süd-Portugals, mit der Insel Ma- deira und den Azoren ein Austausch von Postpacketen ohne Werthangabe bis 3 kg durch Vermittelung der Reichspost und der Königlich Portugiesischen Posten statt. Der einheitliche Portosatz beträgt 1 Mark 80 Pfennig bei Sendungen nach dem Festlande Portugals, 2 Mark 20 Pfennig nach Madeira und 2 Mark 60 Pfennig nach den Azoren. Die Beförderung erfolgt auf dem Wege über Hamburg mittelst Deutscher Schiffe bis Lissabon oder, auf Verlangen des Absenders, durch Elsaß-Lothringen über Bordeaux. Die Sendungen müssen frankirt und bei der Beförderung über Hamburg von zwei, bei der Beförderung über Bordeaux von drei Zoll-Inhaltserklärungen in Französischer Sprache begleitet sein.
Für alle Packetsendungen nach Portugal, welche den Bedingungen für Postpackete nicht entsprechen, imgleichen für Packetsendungen jeder Art nach den übrigen Orten Portugals bleiben die bisherigen Versendungsvorschriften in Kraft.
Das namentliche Verzeichniß der zunächst an dem Austausche Theil nehmenden Po«ugiesischen Postorte ist bei den Reichs-Postanstalten einzusehen.
Berlin W., 28. Oktober 1882.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
St ephan.
Behufs Veranlagung der Klassensteuer für das Steuerjahr 1883/84 findet im Monat November d. J. eine allgemeine Aufnahme des Personenstandes statt. Dieselbe ist nach dem Stande vom 12. November d. I., als dem von dem Herrn Finanz-Minister festgesetzten Normaltermine, zu bewirken.
Zu diesem Zwecke werden jedem Hauseigenthümer bezw. dessen Stellvertreter im hiesigen Stadtbezirke schon mehrere Tage vorher die benöthigten Formulare eingehändigt werden, um deren genaue Ausfüllung bezüglich des Personenstandes in jedem Hause mit Zubehör am 12. November d. J. hiermit ersucht wird.
Zugleich darf ich wohl die Erwartung aussprechen, daß das be- theiligte Publikum sowohl im eigenen Interesse, als insbesondere zur Förderung der Veranlagungs-Arbeiten darauf Rücksicht nehmen wird, daß der rechtzeitigen Abholung der vorschriftsmäßig ausgefüllten und unterschriebenen Personenstandslisten kein Hinderniß entgegensteht.
Hanau, am 30. Oktober 1882.
Der Oberbürgermeister Rauch.
Tagesschau.
— Berlin, 1. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski, nahmen militärische Meldungen entgegen und empfingen den Staats minister Bitter.
— Berlin, 1. Novbr. Die in Nr. 229 des „R. u. St.-A." erwähnten Vorlesungen über Preußisches Eisenbahnrecht, die Nationalökonomie der Eisenbahnen, insbesondere das Tarifwesen, den Betrieb der Eisenbahnen und die Verwaltung der Preußischen Staatseisenbahnen werden in Berlin vom 9. November d. J. ab in Auditorien der Universität gehalten werden. Ueber die Zeit der einzelnen Vorträge und über die Stelle, an welcher die Anmeldungen entgegen genommen werden, gibt ein Anschlag in der Universität nähere Auskunft.
— Berlin, 1. Novbr. Nach einer wohl sehr der Bestätigung bedürfenden Mittheilung soll. int Zusammenhang mit der in Aussicht genommenen Erhöhung der Gehälter der preußischen Beamten seitens der Regierung beabsichtigt werden, durch Gesetz festzustellen, daß die Beamten, welche bis jetzt nur zur Zahlung der halben Communalsteuer verpflichtet sind, in Folge der Erhöhung des Gehalts die ganze Communalsteuer wie die anderen Staatsbürger tragen sollen. — Wie man von verläßlichster Seite hört, wird der Architekt Herr Wallot in den nächsten Tagen schon mit der Umarbeitung des Projekts für das Reichstagsgebäude mit Berücksichtigung der gewünschten Abänderungen seines ursprünglichen Planes fertig sein und dasselbe der Akademie des Bauwesens überreichen.
— S. M. S. „Hertha", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See von Kall, ist am 29. Oktober in Kiel eingetroffen.
— Der vor einigen Tagen verstorbene Professor Ob«.rnier hat testamentarisch bestimmt, daß sein am Rhein gelegenes Wohnhaus mit den darin enthaltenen Kunstwerken, sowie ein Kapital von 150 000 Mk. der Stadt Bonn zur Begründung und Unterhaltung eines Museums zu- sallen solle. Das eben im Umbau vollendete Haus enthält eine große Zahl meist moderner guter Oelbilder, sowie sonstige Kunstschätze, welche einen hübschen Stamm für den Plan des großmüthigen Erblassers bilden. Derselbe hat durch diese Schenkung wiederum bekundet, welch lebhaftes Interesse ihn allezeit für seine Vaterstadt beseelte.
— Weimar, 30. Oktober. Nach Erklärung des Medizinal- Raths Dr. Pfeiffer, der zur Zeit noch in Heinrichau weilt, kann die „Weim. Ztg." mittheilen, daß bei der Großherzogin die diphtheritische Erkrankung zum glücklichen Abschluß gekommen ist und eine baldige Rekonvalescenz in Aussicht steht.
— Paris, 31. Oktober. Der seitherige Gesandte im Haag, Graf Lefebvre de Behaine, ist zum Botschafter beim Vatikan, Desmichels zum Botschafter in Madrid und der frühere Deputirte Legrand zum Gesandten im Haag ernannt worden.