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Die lipattige Garmondzeile ob. deren ;)iaum io Pia.
Die 2!palt. Seite 20 Pig.
DicSspaltigeZcile 30 Pig
Nr. 254.
Dienstag den 31. Oktober
1882.
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Sesteüungen auf den Hanauer Anzeiger für die Monate November und Dezember nehmen alle Postanstalten sowie die Expedition (Waisenhaus, Hammergasfe Nr. 9) entgegen.
Amtliches,
Der Fabrikschreiner Jakob Reul aus Hanau fehlt seit dem 27. ds. Mts. und wird vermuthet, daß derselbe sich das Leben genommen hat.
Es wird ersucht hierher Nachricht zu geben, falls er irgendwo betroffen oder dessen Leiche aufgefunden werden sollte.
Signalement: 38 Jahre alt, ziemlich große Statur, rother Vollbart, dunkler Anzug; Rock und Hose von einem Stück.
Hanau am 30. Oktober 1882.
Der Landrath.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser begab sich am vergangenen Donnerstag, einer Einladung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin folgend, nach Ludwigslust, um den dortigen Hosjagden beizuwohnen, von denen der Kaiser am Sonntag im besten Wohlsein nach Berlin zurückkehrte.
Die Wahlkampagne ist durch die Abgeordnetenwahlen vom 26. Oktober zu ihrem definitiven Abschluß gelangt. Ein genauer Ueberblick über die Wahlresultate ist zwar noch nicht möglich, aber es läßt sich doch schon mit Bestimmtheit erkennen, daß die diesjährigen Abgeordnetenwahlen, entsprechend den Wahlmänner-Wahlen vom 19. Oktober, keine wesentliche Veränderungen in den Parteiverhältnissen des Abgeordnetenhauses zur Folge haben werden. Immerhin haben die Conservativen einen positiven Gewinn von 15—18 Sitzen zu verzeichnen, größtentheils auf Kosten der Fortschrittspartei; letztere hat sich freilich an den Natio- nalliberalen schadlos gehalten, aber dies ändert an der Thatsache nichts, daß der Liberalismus geschwächt aus den Wahlen hervorgegangen ist. Wenn man namentlich die Siegeshoffnungen betrachtet, mit denen die Fortschrittler zum Wahlkampfe auszogen — wollten sich doch diese Herren 70 Mandate erobern — so muß man allerdings gestehen, daß die diesmalige Wahlkampagne mit einer eklatanten Niederlage der Liberalen geendigt hat und dieses Geständniß findet man auch allenthalben in der liberalen Presse. Hervorzuheben ist hierbei hauptsächlich die entschiedene Zurückweisung, welche der Ansturm der radikalen Opposition auf die Regierungsposition erlitten hat und dies kann in Anbetracht einer gesunden Entwickelung unserer innern politischen Verhättnisse nur als eine erfreuliche Thatsache bezeichnet werden. Hoffentlich nützt die Regierung die ihr günstige parlamentarische Situation mit Weisheit und Mäßigung aus.
Nach einer Berechnung der „Post", welche wir nachträglich im Anschluß an unsere obigen Betrachtungen mittheilen, stellt sich das Wahlergebniß folgendermaßen heraus: Gewählt sind 129 Conservative, 55 Freiconservative, 100 Clericale (mit Einschluß dex Welfen), 70 Nationalliberale, 20 Secessionisten, 39 Fortschrittler (inclusive des in Frankfurt a. M. gewählten Demekraten Stern) und 20 Polen und Dänen, was mithin die Zahl 433, die Mitgliederzahl des Abgeordnetenhauses, ergibt. Doppelt gewählt sind die Abgeordneten Eugen Richter (fortschr.), Dr. Kropatschek (cons.) und Minister Maybach (cons.)
Der vergangene 29. Oktober war für die deutsche Nation ein denkwürdiger Tag, denn an ihm wurden es 25 Jahre, daß Graf Moltke an die Spitze des preußischen Generalstabes berufen wurde. Es ist wohl kaum nöthig, darauf hinzuweisen, was Moltke als Generalstabschef der Preußisch deutschen Armee geleistet hat, die Jahre 1870 und 71 sind ja noch in Aller Erinnerung und die glänzenden Thaten der deutschen Heere ln glorreichen Zeit reden besser für den berühmten Strategen, als e§ Worte zu thun vermögen. Boll inniger Dankbarkeit, voll freudiger Bewunderung schlagen darum Aller Herzen für den greisen Feldherrn;
möge es ihm noch recht lange vergönnt sein, an der Spitze des deutschen Heeres zum Ruhme Deutschlands weiter zu wirken.
(Oesterreich-Ungarn.j Die Ansprachen, welche die Präsidenten der in Pest versammelten österreichisch.ungarischen Delegationen bei ihrem Empfange durch den Kaiser am vergangenen Donnerstag an den Kaiser gerichtet haben, sind von allgemeinerem Interesse. Der Präsident der österreichischen Delegation, Smolka, hob in seiner Ansprache die Bereitwilligkeit der Delegation hervor, die nöthigen Zugeständnisse für die Instandhaltung und Steigerung der Wehrfähigkeit und Schlag- fertigkeit der Armee zu machen. Ludwig Tisza, der Präsident der ungarischen Delegation, sprach das Vertrauen aus, die Regierung werde verhindern, daß die Weiterentwickelung der Weltereignisse eine für die österreichische Monarchie ungünstige Wendung nehme, daß die Regierung auch ferner bestrebt sein werde, das Gleichgewicht im Staatshaushalte ohne Erhöhung der Steuern herzustellen, was außer der wachsamen Fürsorge für die Monarchie das eigentliche Ziel für die Legislative und die Regierung bilde. Tisza betonte ferner mit warmen Worten die Treue der Ungarn, welche zu den weitgehendsten Opfern bereit seien, wenn die Vertheidigung des Thrones und des Vaterlandes dies erheischen sollte. — Die Gesammtsumme des durch die Ueberschwemmungen in Südtyrol verursachten Schadens beträgt 1572 Millionen Gulden; eingegangen sind bis jetzt ca. 250 000 Gulden, ausschließlich der vom Kaiser gespendeten Summe von 100 000 Gulden.
(Frankreich.) Die öffentliche Meinung in Frankreich beschäftigt sich noch immer vorzugsweise mit der anarchistischen Bewegung in Mont- ceau-les-Mines und den darüber der Regierung zugegangenen Enthüllungen. Die aus der Provinz in Paris einlausenden Nachrichten nehmen einen mehr und mehr beunruhigenden Charakter an, die Dynamit-Attentate folgen sich häufiger, Angriffe auf Leben und Eigenthum in den unruhigen Distrikten sind etwas Gewöhnliches geworden und sogar die Gerichtsverhandlungen in Chalons-sür-Saone gegen die anläßlich der Unruhen in Montceau-les-Mines Verhafteten sind vertagt worden, da den Geschworenen Drohbriese zugegangen sind. Die französische Regierung selbst gesteht in ihren Organen zu, daß diese Vorgänge die öffentliche Meinung aufgeregt haben und daß jene von einer förmlichen Gesellschaft ausgehen, die ihre hauptsächlichsten Führer im Auslande habe. Die Regierung hat Beweise in Händen, daß über 20 anarchistische Comitö's, welche ihre Parole von einem in Genf befindlichen Central- Comit^ erhalten, über die hervorragendsten Jndustriebezirke Frankreichs zerstreut sind. Die Verhaftungen zahlreicher Personen, welche als die Urheber der Unruhen gelten, ist anscheinend gerade noch zu rechter Zeit erfolgt, um den Ausbruch einer allgemeinen socialistischen Bewegung in Frankreich zu verhindern. Hoffentlich gelingt es dem energischen Einschreiten der Regierung, die Ordnung baldigst wiederherzustellen.
(England.) Die beiden Häuser des englischen Parlaments haben in vergangener Woche warme Dankesvoten an die Armee und Flotte für die in Egypten geleisteten Dienste angenommen, worauf sich das Oberhaus bis zum 10. November vertagte. Das Unterhaus trat am Mittwoch in die Debatte über die Reform der Geschäftsordnung ein, doch dürften sich die Verhandlungen hierüber in die Länge ziehen, da sowohl die irischen Deputirten als auch die Conservativen den von der Regierung eingebrachten hierauf bezüglichen Gesetzentwurf heftig bekämpfen.
(Serbien.) Das Attentat auf König Milan von Serbien hat der serbischen Bevölkerung Gelegenheit gegeben, in stürmischer Weise ihre Anhänglichkeit an ihren Herrscher und Dessen Haus zu beweisen. Selbst die Radikalen können sich dieser allgemeinen Strömung nicht entziehen; der Vorstand der radikalen Partei hatte beim Könige eine besondere Audienz, in welcher er demselben die Versicherung der Ergebenheit der radikalen Partei überbrachte. Inwieweit diese Versicherung aufrichtig gemeint ist, mag dahin gestellt bleiben; bekanntlich wurden die serbischen Radikalen mit dem Attentate in Verbindung gebracht, doch scheint es in der That, als ob letzterem weniger politische, als vielmehr persönliche Motive zu Grunde liegen.
(Türkei.) Die Pforte hat einen ersten Schritt zur Ausiührung der schon seit so langer Zeit geplanten Reformen gethan. Nach 'einer Mittheilung des türkischen Regierungsblattes „Balit" sind vom Sultan