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Nr. 245. Freitag den

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesehes vom 21. Oktober 1878.

Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefähr­lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nicht periodische Druckschrift: 1. Flugschrift der auswärtigen Propaganda. Aufhebung des Sozialistengesetzes? Ein Wort zur Taktik der deutschen Sozialdemokratie. Von Sartur. HottingewZânch. Kom­mission der Volksbuchhandlung 1882, nach §.11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten verboten worden ist.

Berlin den 14. Oktober 1882.

,_______Der Königliche Polizei-Präsident. von Madai.__________ Bekanntmachung.

Zur Verdingung der directen Lieferung von Brot und Fourage an die Truppen der Garnison Hanau pro 1883 im öffentlichen Aus­bietungs-Verfahren haben wir auf den 30 Oktober, Vormittags 9 Uhr, in das Rathhaus zu Hanau Termin anberaumt.

Geeignete Unternehmer, welche sich über ihre Lieferungsfähigkeit und Zuverlässigkeit im Termine genügend ausweisen können, werden aufgefordert, ihre Offerten verschlossen, mit der AufschriftSubmission auf Brot- (Fourage-) Lieferung pro 1883 für die Garnison Hanau" versehen, portofrei bis zur Terminsstunde in das Terminslokal einzu­liefern.

Die Lieferungsbedingungen, in welchen auch die speziellen Vor­schriften für die Form der Offerten und das Verdingungs-Verfahren selbst enthalten sind, liegen in unserm Bureau, bei den Proviantämtern in Mainz und Bockenheim, sowie im Geschäftsbureau des Herrn Ober­bürgermeisters zu Hanau aus.

Kassel, den 16. October 1882.

Königliche Intendantur 11. Armee-Corps.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Der Herbstaufenthalt unseres Kaisers in Baden-Baden neigt sich seinem Ende zu, doch sind über die Abreise noch keine definitiven Bestimmungen getroffen. Es heißt zwar, daß als Tag derselben der 21. d. M in Aussicht genommen sei, doch hängt dies noch ganz von den persönlichen Entschlüssen des Kaisers ab. Bald nach seiner Rückkehr nach Berlin gedenkt der Monarch einer Ein­ladung des Grafen von Stolberg-Wernigerode zu Hochwildjagden im Harz zu folgen.

Die am vergangenen Montag abgehaltene Plenarsitzung des Bundes­rathes ist die erste nach dessen Sommer-Ferien gewesen, womit also die parlamentarische Thätigkeit wieder eingeleitet ist. In der erwähnten Sitzung, zu welcher sich übrigens nur wenige auswärtige Mitglieder des Bundesrathes eingefunden hatten, nahm derselbe die Aufstellung der Reichs.Einnahmen und -Ausgaben des vergangenen Etatsjahres 1881/82 entgegen. Aus der Reichshaushaltsrechnung für diese Rechnungsperiode ergibt sich ein recht günstiges Bild der Reichsfinanzen, denn während sich die Gesammt-Einnahmen auf die Summe von 726119 431 Mark belaufen, betragen die Gesammt-Ausgaben nur 701 042 326 Mark, so daß ein Ueberschuß von 25 077 105 Mark verbleibt. Was die Ein­berufung des Reichstages anbelangt, so scheint es, daß man an leitender Stelle in Berlin an dem ursprünglich hierzu in Aussicht genommenen Termin, also dem 30. November, festhalten wird. Indessen würde sich, wie verlautet, das Plenum alsbald wieder vertagen, um den verschiede­nen Ausschüssen Zeit zur Beendigung ihrer Arbeiten zu lassen.

Der Großherzog von Baden ist von seinem längeren Leiden völlig hergestellt und hat nunmehr die Regierung wieder übernommen. Ein Handschreiben des Großherzogs an den Erbgroßherzog, d. d. Mainau, 15. Oktober, dankt letzterem für dessen Stellvertretung und ein zweites Schreiben an Staatsminister Turban spricht dem Staatsministerium den großherzoglichen Dank für den dem Erbgroßherzog geleisteten Beistand aus.

(Schluß in der Beilage.)

20. Oktober 1882.

Tagesschau.

Berlin, 18. Oktbr. Der von dem VereinConcordia" für die beste Lösung der Frage überdie rationellste Anlage und Errichtung von Wohnhäusern für je eine Arbeiterfamilie" ausgesetzte Preis von 1200 Mark ist dem Architekten I. Schmölcke in Holzminden zuerkannt worden.

Das Kaiserliche Vize-Konsulat in Adra (Spanien) ist aufge­hoben.

Köln. Vor einigen Tagen traf hierselbst ein Schiff mit russischem Roggen ein. Die Frucht enthielt so bedenklich viel Mutter­korn, daß das Hafenkommissariat Veranlassung nahm, die Polizei davon in Kenntniß zu setzen. Diese ordnete die Reinigung des Roggens an.

Die Kieler Handelskammer hat in ihrer letzten Sitzung den vom Centralverein für Handelsgeographie neulich empfohlenen Gedanken im Prinzipe adoptirt,einen Ausschuß zu bilden, der sich die Unterbringung junger, begabter, gut empfohlener Leute an fremden, namentlich über­seeischen Plätzen, sowie eine ständige Verbindung mit denselben und eine Art von Ueberwachung über sie zum Ziele setzt." Die Handelskammer empfiehlt die Ausführung nicht allein aus allgemeinen nationalen Rück­sichten, sondern auch infolge der besonderen lokalen Verhältnisse der Stadt Kiel. Es wurde vorläufig ein Ausschuß gewählt, der die Gründung eines Vereins, wie ein solcher schon seit 10 Jahren in Stettin besteht, vorbereiten soll.

Eine in Leipzig verstorbene Frau Monds hat ihr Vermögen von 56 Millionen Mark dem Staate vermacht. Dieser hat bestimmt, daß die Hälste der Zinsen zur Unterstützung von Personen des Arbei­terstandes, die andere Hälfte zur Unterstützung von Wittwen und Töch­tern aus gebildeten Ständen verwendet werden.

Wien, 19. Oktbr. DasFremdenblatt" vernimmt, das Fi­nanz-Ministerium habe die Staatsschulbenkommission ermächtigt, den No­vember-Coupon der einheitlichen Staatsschuld, ca. 14 Millionen Fl., vom 20. d. M. ab zinsenfrei einzulösen. Das Blatt erblickt darin ein erfreuliches Zeugniß für die Abundanz in den Staatskassen und ein dan- kenswerthes Entgegenkommen gegenüber dem kommerziellen Geldbe- darfe.

St. Petersburg, 19. Oktober. Wie dieNeue Zeit" mel­det, ist in der heiligen Synode vor Kurzem unter dem Vorsitz des Erz­bischofs von Warschau, Leontius, eine Kommission niedergesetzt worden zur eingehenden Berathung der Frage über die Theilnahme der Geist­lichkeit an der Volkserziehung und zur Auffindung von Mitteln behufs Sicherstellung dieser Theilnahme.

Ueber eine versuchte Brandlegung im Theater zu Riga schreibt die dortige Ztg.: Ein Bubenstück unerhörter Art ist am Montag Abends in unserem Jnterimstheater begangen worden. Nach­dem der in seinen Ursachen noch nicht aufgeklärte Brand vom 14. Juni unser Stadttheater in eine Ruine verwandelt hat, ist jetzt der seiner Vollendung entgegenschreitende Jnterims-Theaterbau von einem gleichen Schicksal bedroht gewesen. Es war gegen halb 7 Uhr Abends. Der Bau-Ausseher war eben dabei, die tägliche Kontrole über die beim Bau beschäftigten und denselben verlassenden Arbeiter auszuüben, als während dieser Thätigkeit ein Feuerschein in dem Versenkungsraum der Bühne bemerkt wurde. Ein Arbeiter, der, um sein Werkzeug zu holen, in den Raum hinabgestiegen war, scheint der Erste gewesen zu sein, der die Flamme wahrnahm. Ohne Bedenken und mit selbstverleugnendem Muthe warf er sich auf die emporlodernde Flamme und es glückte ihm, sowie einigen gleichzeitig durch den Hellen Schein aufmerksam gewordenen und hinzugeeilten Bauleuten, das weitere Umsichgreifen des Brandes zu ver­hüten. Als hierauf die Brandstelle untersucht wurde, fand man, daß in rasfinirter Weise alle Anstalten zu einer sich möglichst sicher vollziehen­den Vorbereitung des Brandes getroffen waren: Hobelspäne und Bretter übereinandergelegt und mit Petroleum übergossen, ferner Schießp.llvw (im Ganzen 3 bis 4 Pfund) in 2 Blechdosen und einem Paket, schließ­lich Papier und Lappen mit Petroleum getränkt. Das Feuer muß eben angelegt worden sein, als der erwähnte Arbeiter es bemerkte. Die Ent­rüstung über dieses Bubenstück ist allgemein.

Kairo, 19. Okt. Gestern fand zu Ehren der englischen Osfi- ziere ein Diner und eine Soirèe bei Riaz Pascha statt. Riaz brachte