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Nr. 244.
Donnerstag den 19. Oktober
1882.
Amtliches.
Die etwa 11 Jahre alte Maria Bensing, Tochter des Schmieds Georg Bensing von hier, welche in eine Erziehungs-Anstalt abgeführt werden soll, treibt sich seit mehreren Monaten obdachlos und bettelnd auf den Ortschaften in der Nähe von Hanau umher.
Es wird ersucht nach derselben zu recherchiren und im Betretungsfalle hierher abzuliefern.
Hanau am 16. Oktober 1882.
Der Landrath.
Ausschreiben.
Frau Charlotte Baumann von hier, gemüthskrank, wird seit dem 10. d. Mts. Nachmittags vermißt.
Ich bitte um telegraphische Nachricht, falls ihr Verbleib ermittelt oder ihre Leiche gefunden resp, geländet werden sollte.
Signalement: 41 Jahre, mittlere Größe, schmal, blond, blaue Augen, grau-grünliches Kleid, schwarzes Tuchmäntelchen, brauner Strohhut mit brauner Feder, Trauring, gravirt 30. März 1864 R. B.
Frankfurt a. M., 13. Oktober 1882.
Der Polizei-Präsident, (gez.) Hergenhahn.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 15. Oktober 1882.
Der Landrath.
Tagesschau.
Warnung vor einem neuen Gründungschwindel.
Die Lehre von der Vereinigung mehrerer zu einem gemeinnützigen Unternehmen, zu dessen Gründung und Förderung die Kraft des einzelnen nicht ausreicht, ist so alt, wie die Welt steht; sie ist der Fundamentalsatz für alle Verbindungen, durch die man größeres erreichen will, als der einzelne zu erreichen im Stande ist, und geradezu widersinnig würde es sein, wenn man aus Furcht vor schwindelhaften Gründungen principiell gegen alle Associationen Front machen wollte, die den Zweck haben, durch kleinere Geldsummen ein großes Kapital zu gewinnen, um ein demselben entsprechendes großes Werk ins Leben zu rufen. Mit allen dergleichen Unternehmungen ist gewöhnlich ein Risiko verknüpft, und sonach gehört gewissermaßen einiger Muth dazu, sein Kapital hinzugeben, wenn die Möglichkeit des Verlustes nicht ausgeschlossen ist. Fehlte dieser Muth allen, so würde manches, was sich später als gemeinnützig herausgestellt hat, nicht geschaffen worden sein; eine Entmuthigung der Gesellschaft wäre sonach ein Fehler, dessen sich die Presse nicht schuldig machen darf. Wir gehen nun noch einen Schritt weiter, indem wir meinen, daß etwaigen Verlusten gegenüber die Aussicht auf einen’ höheren Gewinn, als den des gewöhnlichen Zinses ganz am Platze ist, und daß man den Leuten, welche ihr Geld wagen, die Prämie des Risiko nicht mißgönnen darf.
Nachdem wir dies vorausgeschickt haben, wird man uns nicht des principiellen Negirens beschuldigen, wenn wir unsere Leser vor gewissen Unternehmungen warnen, die schon in der allernächsten Zeit an die Gesellschaft herantreten werden; wir meinen die sogenannten Lichtgesell- schäften, welche bereits in England und Frankreich ihr unheimliches Wesen treiben und einen Gründungschwindel schlimmster Art ins Leben gerufen haben.
Damit unsere Leser ein Bild von diesem Treiben gewinnen können, verweisen wir auf die Mittheilungen eines Londoner volkswirth- schaftlichen Blattes, des „Economist", nach denen im Laufe dieses Jahres in England eine große Menge von Aktiengesellschaften ins Leben gerufen worden ist, welche die Erzeugung von Licht und Kraft mittels Elektricität bezwecken, im Grunde genommen aber nur dazu dienen, das Pu- blikum in der raffinirtesten Weise auszubeuten. Die erste derartige Gesellschaft wurde mit 2^2 Millionen Lstrl. aufgelegt; aber schon in 14 Tagen ist dieser Betrag durch das Auftreten von Concurrenzgesellschaften, 16 an der Zahl, mehr als verdoppelt worden. Von diesen Gesellschaften besitzen nicht weniger als 10 das Patent der „Brush- Company", deren Prospekt besagt, das Licht sei „seiner Helligkeit, Stetigkeit und Gleichförmigkeit, sowie feiner Sparsamkeit wegen das beste von allen."
Selbstverständlich haben die übrigen Gesellschaften diesen Vorzug
nicht zugegeben, und so ist ein Reklamenstreit entstanden, der ebenso widerwärtig wie mitunter lächerlich erscheint. Der eine schwört auf die Vorzüge dieses, der andere auf die Vorzüge jenes Lichterzeugungsystems und opfert, um seiner Behauptung den gehörigen Nachdruck zu geben, seine Ersparnisse.
Bezüglich der Kennedy'schen dynamo-elektrischen Maschine heißt es in dem Prospekt, die Concurrenzproben hätten ergeben, daß dieselbe sparsamer und verläßlicher als andere sei und dabei vortheilhafter zu bedienen, weil die für ein bestimmtes Quantum Licht erforderlichen Pferdekräfte bei weitem geringer seien. Eine andere Gesellschaft behauptet wieder, die Maxim-Lampe sei die beste und besitze Vorzüge von höchster kommercieller Bedeutung vor allen, noch eine andere, die Pilsen- Lampe soll sich ihrer Stetigkeit und absoluten Einfachheit wegen vor allen übrigen auszeichnen und beträchtlich billiger betrieben werden können. Die Joel-Lampe wurde in Paris mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet; von der Fitz-Gerald-Lampe heißt es, daß sie sich vor allen anderen durch ihre Dauerhaftigkeit auszeichne, während von noch anderer Seite betont wird, daß nichts die Chertemps-Lampe, die von der französischen Regierung patronisirt wird, übertreffen könne. Ferner hat die „British incandescent".Lampe die befriedigendsten Resultate im Hauptpostgebäude und in Trentham erzielt, während das Gulcher- System sich durch Billigkeit, Helligkeit, Stetigkeit und Sicherheit hervorthun soll. Außerdem ist noch die Edison'sche Electric Light Company zu erwähnen, welche die Concession an verschiedene Distrikt-Gesellschaften übertragen hat, die ebenfalls in den Anzeigespalten der Blätter in den letzten Tagen zu Aktienzeichnungen aufgefordert haben.
Die Aktienzeichnungen erfolgen so schnell, daß die Bewegung fast wie ein Fieber erscheint, so daß dem Courstreiben der vollste Spielraum gegeben worden ist. Der hinkende Bote kommt allerdings ebenso schnell nach, ohne indessen die Leute einzuschüchtern. Am Morgen des 16. Mai — so wird registrirt — war das eingezahlte Kapital der Anglo-Ame- rican Brush-Company im Betrage von 238 000 Lstrl. thatsächlich 1 721 000 Lstrl. werth, jedoch ist der Londoner Markt so unbeständig, daß dasselbe drei Tage darauf schon wieder 600 000 Lstrl. im Werthe eingebüßt hatte. Aehnlich ging es mit den Aktien der Hammond-Gesellschaft, die vor etwa zwei Monaten gegründet worden ist. Das eingezahlte Kapital (45 000 Lstrl.) repräsentirte am 16. Mai einen Marktwerth von 387 000 Lstrl., drei Tage später nur noch von 240 000 Lstrl.
In Frankreich ist das Aktienfieber auf Lichterzeugung womöglich noch größer. Seitdem John Law 1719 seinen großen Mississippi- Aktien- Schwindel ins Werk gesetzt hat, bei dem die über 500 Livres lautenden Aktien bis auf 15 000 Livres getrieben wurden, ist Aehnliches nicht dagewesen.
Daß es sich bei einem derartigen Schwindel gar nicht mehr um Lichterzeugung, sondern nur noch darum handelt, die Taschen der Gründer zu füllen, liegt klar auf der Hand. Hoffen wir nur, daß man in Deutschland vorsichtiger ist und der Spekulation auf den Geldbeutel der Dummen aus dem Wege geht, für die heute schon in einzelnen Börsenblättern lebhaft Propaganda gemacht wird. (Sttsb.-Ztg.)
— Berlin, 18. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König haben, wie der „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, wegen eines leichten Unwohlseins vorgestern und gestern das Zimmer nicht verlassen. — Ihre Majestät die Kaiserin und Königin unternahm gestern eine Spazierfahrt. — Für heute wurde der Besuch Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden erwartet.
— Berlin, 17. Oktbr. Alle Nachrichten über ein bevorstehendes Arrangement zwischen Frankreich und England betreffend Egypten werden als verfrüht angesehen. Es fragt sich sogar, ob für die Times ein genügender Grund vorgelegen ist, bereits von der Aussicht auf ein solches Arrangement zu sprechen. Bisher ist über die Negotiationen Englands und dessen Versuche, die Mächte für seine Absichten zu gewinnen, so gut wie nichts in die Oeffentlichkeit gelangt. Doch walten nunmehr unstreitig Pourparlers, über die jedoch vollständiges Stillschweigen beobachtet wird, ob. Man scheint in London überzeugt zu sein, daß wenn nur erst ein Einverständniß mit Frankreich erzielt sein wird, auch alle weiteren Schwierigkeiten schwinden werden. Am wenigsten Sorge glaubt man sich wegen der Haltung der Pforte machen zu müssen. (Fr. Jl.)
— Berlin, 18. Oktbr. Gegenüber einer Meldung der Crefelder