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Amtliches.
Die Auswanderungs-Agenten und Unter-Agenten sind nach Maßgabe des in Geltung befindlichen Erlasses des vorhinnigen Kurfürstlichen Ministeri des Innern vom 20. April 1865 Nr. 3055 zum Gebrauche von auf den Betrieb ihrer Auswanderung?. Agentur bezüglichen Aushängeschildern nicht befugt.
Ebenso ist das Aushängen derartiger Annoncen in Gasthäusern im Hinblick auf §. 15 der Kurhessischen Verordnung vom 22. Februar 1853 nicht zu dulden.
Die Herrn Ortsvorstände wollen darauf achten, daß diesen Vorschriften nachgekommen wird. Bei etwaigen Zuwiderhandlungen ist Anzeige hierher zu machen.
Hanau am 10. Oktober 1882.
Die Königliche Regierung hat unterm 25. August er. verfügt, daß neben den sonstigen Beschränkungen der Tanzbelustigungen, Tanzmusik- Gestattung keinenfalls für die ersten hohen Festtage zu ertheilen ist, welches zur Nachachtung veröffentlicht wird.
Hanau am 10. Oktober 1882.
Der Landrath.
Entlaufen: Ein Schaaf.
Gefunden: Ein Notizbuch.
Hanau am 13. Oktober 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Der Herbstaufenthalt unseres Kaisers in Baden-Baden hat eine abermalige Verlängerung erfahren, da, wie aus Baden-Baden berichtet wird, der Kaiser erst nach dem 18. Oktober nach Berlin zurückzukehren gedenkt. Das Befinden des greifen Monarchen läßt fortgesetzt nichts zu wünschen übrig und unternimmt derselbe täglich seine gewohnten Promenaden und Ausfahrten.
Der sich seiner Entscheidung nähernde Wahlkampf zieht jetzt unter den schwebenden Fragen unserer innern Politik die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Auch außerhalb Preußens verfolgt man den Wahlkampf mit Interesse, denn wenn derselbe auch in erster Linie eine preußische Angelegenheit ist, so kann doch der Ausfall der Neuwahlen zum preußischen Abgeordnetenhause für die andern deutschen Staaten nicht gleichgiltig sein, da hierdurch bis zu einem gewissen Grade die innere preußische und somit auch die deutsche Politik beeinflußt wird. Ueber den Ausgang des Wahlkampfes lassen sich indessen selbst noch jetzt nur Vermuthungen hegen, die sich auch innerhalb der einzelnen Parteien — sowohl auf konservativer, wie auf liberaler Seite — geltend machenden Gegensätze sind selbst angesichts der nahen Entscheidung noch nicht verschwunden und so darf man dem 19. Oktober, als dem Tage, an welchem die Wahl der Urwähler stattfindet, mit Spannung entgegensehen.
Die bayerisch-württembergische „Postwerthzeichenfrage" war am Montag der Gegenstand einer Besprechung, welche der Beirath der würt- tembergischen Verkehrsanstalten unter Vorsitz des Staatsministers v. Mitt- nachi in Stuttgart abhielt. Nach einer Mittheilung des „Staatsanzeigers für Württemberg" wurde folgender einstimmige Beschluß gefaßt: „Die Erhaltung der reichsverfassungsmäßig bestehenden financiellen und administrativen Selbstständigkeit der Württembergischen Postverwaltung liegt im Landesinteresse; deshalb kann Württemberg nur solchen Maß. nahmen der Abhilfe gegen die Mißstände, welche aus der Verschiedenheit der Postwerthzeichen hervorgehen, zustimmen, welche die Selbstständigkeit der Württembergischen Postverwaltung unberührt lassen. Der Beirath empfiehlt, daß mit Werthzeichen anderer deutscher Postverwaltungen versehene Postkarten unter geeigneten Maßnahmen künftig befördert werden." Es ist demnach die Abstellung wenigstens einer der verschiedenen Mißhelligkeiten, welche sich aus der Dreiheit der Postverwaltung rn Deutschland ergeben, in Aussicht genommen. Den Antrag eines Mitgliedes, den Umtausch anderer Werthzcichen gegen Württembergische bei den Postavstalten zu empfehlen, wurde mit 9 gegen 7 Stimmen abgelehnt.
(Oesterreich.) Mit dem Anfang dieser Woche erfolgten Zusam- mcntritte des ungarischen Abgeordnetenhauses hat auch in Transleithanien die parlamentarische Thätigkeit wieder begonnen. (Die Mehrzahl der
13. Oktober 1882.
Landtage der österreichischen Kronländer hat bekanntlich schon vor einigen Wochen die Sitzungen wieder ausgenommen.) Am Dienstag konstituirte sich das Haus und wählten die der liberalen Partei angehörenden Abgeordneten Kemeny und Szontagh zu Vicepräsidenten, auch bei der Kon- stituirung der Sektionen siegte überall die liberale. (Regierungs-) Partei. Das Haus hatte hierauf gleich Gelegenheit, eine Erklärung des Ministerpräsidenten Tisza betreffs der gegen die Juden im Preßburger Comitate begangenen Excesse entgegenzunehmen. Der Deputirte Mocsary brachte eine Interpellation hierüber ein, die in der Anfrage gipfelte, weshalb über Preßburg das Standrecht verhängt worden sei, ohne daß das Co- mitat diese Maßregel beantragt habe. Tisza erwiderte, daß der betreffende Erlaß deshalb erfolgt sei, um denselben, wenn nothwendig, sofort zur Anwendung zu bringen; im Uebrigen seien die Berichte über diese Excesse sehr übertrieben worden, was auch mit nachträglichen Berichten von dritter Seite übereinstimmt. — In Wien weilten in den letzten Wochen hohe Gäste, so König Albert von Sachsen und Prinz W lhelm von Preußen, welche einer Einladung des Kaisers Franz Josef zu den Jagden in der Steiermark gefolgt waren, ferner König Milan von Serbien und König Georg von Griechenland, denen sich in diesen Tagen der japanesische Prinz Arisugawa hinzugesellte, welcher vom Kaiser am Montag in feierlicher Audienz empfangen wurde. König Georg und Prinz Arisugawa gedenken noch einige Zeit in Wien zu verbleiben.
(Frankreich.) Die Übeln Erfahrungen, welche Frankreich bisher mit seiner Colonialpolitik gemacht hat, scheinen dieser Macht die Lust zu neuen Schritten behufs Ausdehnung der französischen Colonialmacht nicht verleidet zu haben. Die französische Regierung hat jetzt anscheinend die Annexion der großen Insel Madagascar (an der Ostküste Afrikas) ernstlich ins Auge gefaßt und hängt die Ankunft einer madagassischen Gesandtschaft in Paris jedenfalls mit diesem Projekte zusammen. Auch die Ausdehnung der französischen Besitzungen am Senegal, am Niger und andern Gegenden des westlichen Afrikas soll von der französischen Regierung beabsichtigt sein und sollen hierzu die Expeditionen Dr. Bayol's, Desbordes und Anderer nach dem Innern Afrikas den Weg bahnen. Namentlich von der Erschließung Inner-Afrikas durch Frankreich verspricht man sich an der Seine einen ungeheuern Absatz für die französischen Waaren. Wenn nur die Engländer durch diese so schöne Rechnung keinen Strich machen!
(England.) Das englische Cabinet hält noch immer an dem Gold des Schweigens hinsichtlich der ferneren Pläne Englands in Egypten fest. Es heißt allerdings, daß zwischen England und verschiedenen kontinentalen Mächten das Silber der officiösen Pourparlers über diese Frage hin- und herrollire und daß Frankreich sogar schon seine Zustimmung zu den englischen Plänen gegeben habe, doch klingen diese Mittheilungen wenig wahrscheinlich. Glaubwürdiger erscheint eher eine oifieiöfe Berliner Meldung, daß vor Ende Oktober von England keine Mittheilungen über die künftige Neugestaltung der egyptischen Verhältnisfe zu erwarten seien, da doch erst der Verwaltungsapparat, wenn auch nur provisorisch, wieder vollständig eingerichtet werden müsse.
(Italien.) Italien befindet sich vollständig im Gewühl des Wahlkampfes, welcher erst mit den am 29. Oktober und 5. November stattfindenden Neuwahlen zur Deputirtenkammer seinen Abschluß erhalten wird. Unter den vielen Wahlreden ist besonders diejenige hervorzuheben, welche der Ministerpräsident Depretis am 8. Oktober vor seinen Wählern in Stradella hielt. Herr Depretis beleuchtete die großen Fortschritte, welche Italien in den letzten Jahren auf den verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens gemacht habe; die auswärtigen Beziehungen Italiens stellte Depretis als die besten dar, namentlich aber hob er das warme Verhältniß des Landes zu England hervor; bezüglich der egyptischen Politik Italiens äußerte sich jedoch der Ministerpräsident sehr reservirt.
(Türkei.) Der türkisch.griechische Grenzstreit wird in diesen Tagen seine definitive Erledigung finden, da in vergangener Woche die türkischen Kommissare zur Uebergabe der vier streitigen Punkte an Griechenland nach den betreffenden Distrikten abgereist sind.
(Egypten.) Das Interesse an den egyptischen Angelegenheiten concentrirt sich jetzt hauptsächlich auf die Verhandlungen des Kriegsgerichts zu Kairo. Die Verhandlungen desselben und die mit den Angeklagten angestellten Verhöre haben aber bis jetzt nur geringe Resultate