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Nr. 236. Dienstag den 10. Oktober
1882.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Mit den Mittel- und Süd amerikanischen Ländern Guatemala, Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa-Rica, Columbien und Ecuador ist der telegraphische Verkehr nach Herstellung von Kabelverbindungen an der Westküste Amerika's eröffnet worden.
Die Wortgebühr beträgt für Telegramme nach Libertad in Salvador.....5,30 Mk.
den übrigen Anstalten Salvadors . . .1
Guatemala.......> 5,50 „
Honduras.......)
San Juan del Sur in Nicaragua . . . 6,35 „
den übrigen Anstalten Nicaraguas . . .1 R
Costa-Rica......./ »
Buenaventura in Columbien . 8,60 „ den übrigen Anstalten Columbiens . . . 8,75 „
Ecuador.......9,60 „
Gleichzeitig ist die Wortgebühr für die auf dem neuen Wege nach Lima und Callao in Peru zu befördernden Telegramme auf 11,30 Mk. festgesetzt worden.
Berlin W., 6. Oktober 1882.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
In Vertretung:
__________M ießner. _____________________
Fünfhundert Mark
Belohnung zahlt die Special-Direktion der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn demjenigen, welcher der unterfertigten Behörde solche Beweismittel an die Hand liefert, daß der Thäter der bei der Station Hainstadt — Linie Hanau-Seligenstadt — in der Nacht vom 21./22. September l. Js. stattgehabten Loslösung der Schienen unter sich, wie von den Bahn- schwellen, ermittelt und zur Strafe gezogen werden kann.
Darmstadt am 5. Oktober 1882.
Großherzogliche Staatsanwaltschaft. _____________________Haller, Staatsanwalt.____________________
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Der Herbstaufenthalt unseres Kaisers in Baden-Baden, welcher ursprünglich nur bis zum 8. Oktober in Aussicht genommen war, ist den neueren Dispositionen gemäß bis zum 14. Oktober verlängert worden. Der Gesundheitszustand des greisen Monarchen ist fortgesetzt ein vortrefflicher und unternimmt der Kaiser vor oder nach Erledigung der laufenden Geschäfte täglich Ausfahrten oder macht Promenaden.
Die Vorboten der wieder beginnenden Thätigkeit auf dem Gebiete der innern Politik haben sich bereits eingestellt, indem die Ausschüsse des Bundesrathes in vergangener Woche wieder zusammengetreten sind, während das Plenum desselben am 15. Oktober seine Verhandlungen wieder aufnehmrn wird. Was die Einberufung des Reichs- und des preußischen Landtages anbelangt, so dürfte hierüber in einer am 5. Oktober stattgefundenen Sitzung des Staatsministeriums ein definitiver Beschluß gefaßt worden sein. Nach den ursprünglichen Dispositionen sollte bekanntlich der Reichstag am 30. November zur Fortsetzung seiner in diesem Frühjahr eröffneten Session zusammentreten, doch wird vielfach angenommen, daß der Reichstag früher zusammentreien werde, um den Monat November nicht gänzlich unbenutzt vorüberstreichen zu lassen. Bezüglich der Einberufung des Landtages waren noch sehr widersprechende Gerüchte verbreitet, es dürfte aber in Hinblick auf die erwähnte Minister- sitzung hierüber baldigst Aufschluß von der Regierung erfolgen.
Je mehr sich der Wahlkampf der Entscheidung nähert, desto zahlreicher erscheinen jetzt die Wahlausrufe der einzelnen Parteien. Den beiden confervativen Fraktionen ist die Centrumspartei mit zwei Ausrufen gefolgt, von denen der eine sich an die gesammte katholische Wählerschaft Preußens wendet und ziemlich gemäßigt gehalten ist, während der andere speciell an die katholischen Wähler der Rheinlande gerichtet ist und eine weit schärfere Sprache führt. Ferner sind jetzt auch dre Secessionisten
mit einem Wahlmanifest vor die Wählerschaft getreten, welches sich im Sinne der von dem am 6. Mai d. J zu Berlin stattgefundenen seces- sionistischen Parteitage gefaßten Beschlüsse ausspricht. Außerdem ist auch in Düsseldorf ein Wahlaufruf erschienen, unterzeichnet von angesehenen Mitgliedern der freiconservativen Partei, in welchem zur Vereinigung der Mittelparteien aufgefordert wird.
Die Reichstagsnachmahl im 14. Württembergischen Wahlkreis (Ulm-Heidenheim Geislingen) hat folgendes Endresultat geliefert: Hähnle (Demokrat) 7067, Magirus (freiconservativ) 7043, Bebel (Social Demokrat) 300 Stimmen; es hat demnach eine Stichwahl zwischen Hähnle und Magirus stattzufinden.
(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich hat sich die Aufregung über die Judenexcesfe in Preßburg und deffen Umgebung wieder gelegt, besonders, nachdem durch die eingeleitete Untersuchung erwiesen worden ist, daß die Berichte über diese Vorgänge sehr übertrieben worden sind. Es haben weder Brandstiftungen stattgefunden, noch hat Jemand bei den Excessen sein Leben eingebüßt; trotzdem ist in manchen Ortschaften sehr übel gehaust worden, so daß die von der ungarischen Regierung angeordnete Verhängung des Standrechtes über das ganze Preßburger Comitat allerdings als eine gerechtfertigte Maßregel erscheint. Die Untersuchung soll ferner bereits sestgestellt haben, daß sich an den Excessen hauptsächlich die slovakische Bevölkerung, weniger die ungarische, betheiligt hat und daß die ganze Bewegung von Socialisten eingeleitet worden ist.
(Frankreich.) Für die Franzosen, namentlich aber für die Pariser, bildet die in diesen Tagen bevorstehende Ankunft der Madagassischen Gesandtschaft in Paris einen Gegenstand des lebhaftesten Jnteresfes, vor welchem selbst die politischen Tagesfragen augenblicklich zurücktreten. Die Gesandtschaft soll im Namen der Königin von Madagaskar, Ra- navola II., verschiedene streitige Punkte zwischen Frankreich und Madagaskar regeln. Dieselben datiren meist aus den Zeiten, in denen sich die Franzosen auf Madagaskar — dieser reichen, schönen, ca. 10 700 Quadratmeilen großen Insel an der Ostküste Afrikas — festzusetzen versuchten und laufen die Forderungen des französischen Cabinets im Wesentlichen darauf hinaus, Frankreich seinen früheren Besitzstand und womöglich vergrößerten Einfluß auf Madagaskar wieder zu verschaffen.
(England.) Das englische Cabinet hat sich noch immer nicht bewogen gefühlt, die Welt mit seinen Plänen bezüglich Egyptens bekannt zu machen, indessen verbreitet sich hierüber trotz dieses hartnäckigen Schweigens einiges Licht. Ein dem „Temps" aus London zugegangenes Telegramm meldet, daß die englische Regierung beabsichtige, die Controle über die egyptische Finanzverwaltung auszuheben, den Umfang der Be- fugnisie der Kasse für die öffentliche Schuld aber zu erweitern. Ersteres würde darauf hindeuten, daß England geneigt sei, der egyptischen Regierung in den Finanz-Angelegenheiten eine gewisse Selbstständigkeit zu gewähren; hiermit würde auch die Nachricht in Einklang stehen, daß der frühere englische Finanzkontroleur Colvin, welcher sich auf der Rückreise nach Egypten befindet, von seiner Regierung angewiesen worden ist, die Funktionen als Generalkontroleur wieder aufzunehmen. Zieht man ferner die Versicherung der „Times" in Betracht, daß England Egypten nicht annektiren, sondern nur für das „gemeinsame" Wohl verwalten wolle, so scheinen die englischen Pläne bezüglich Egyptens gerade nicht den egoistischen Charakter zu tragen, welchen man ihnen vielfach zuschreibt.
(Italien.) Die königlichen Dekrete, durch welche die itaienische Deputirtenkammer ausgelöst wird und die Neuwahlen für dieselbe auf den 29. Oktober und 5. November festgesetzt werden, sind nunmehr erschienen. Gleichzeitig ist auch eine Bekanntmachung erfolgt, wonach der Senat uno die neue Kammer zum 22. November einberufen sind. In Anbetracht der nur noch kurzen Frist bis zu den beiden Entscheidungstagen wird der Wahlkampf in Italien bald seinen Höhepunkt erreichen; mit besonderem Interesse sah man aber schon seit längerer Zeit der Rede entgegen, welche Ministerpräsident Depretis vor seinen Wählern in Stradella am 8. Oktober zu halten gedachte und von welcher Aufschlüsse über die innere und äußere italienische Politik erwartet werden.
(Türkei.) Sultan Abdul Hamid hat nunmehr die Ernennungen des Schecks Refkune zum Großscherif von Mekka und des Schecks Abillah zum Scheil-ul-harem oder Wächter des Heiligthums (der großen