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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fei-riage, mit belletristischer Beuage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correipondenz.

Nr. 230. Dienstag den

Amtliches.

Zu dem in Nr. 216 des Hanauer Anzeiger enthaltenen Verzeich- niß der im Kreise Hanau zu der Abgeordneten-Wahl ernannten Wahl­vorsteher und Stellvertreter ist zu vermerken, daß für die Gemeinde Bergen 2 Ur Wahlbezirke bestehen und für den 2ten Bezirk Nr. 27 als Wahlvorsteher der Gemeinderath Völp und als Stellvertreterder Gemeinderath Müller gewählt ist".

Hanau am 25. September 1882.

Der Landrath.

Gefunden: Ein leeres Portemonnaie. Ein Mehlbeutel. Ein weißes Kindertaschentuch. Ein Leihhauszettel Nr. 13511. Eine große runde Broche.

Verloren: Ein Päckchen mit schmalen Riemen. Ein Medaillon mit Granaten; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 3. Oktober 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Bekanntmachung.

Es wird, hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß die Abtheilungslisten der für den hiesigen Stadtbezirk gebildeten 16 Ur- wahlbezirke für die bevorstehende Wahl zum Hause der Abgeordneten vom 5. d. Mts. ab während drei Tagen in dem Dienstlokale des Steuer-Commissariats (Neustädter Rathhaus, 1 Stiege hoch, rechts) in den üblichen Dienststunden öffentlich ansgelegt sein werden.

Innerhalb dieser Frist steht es Jedem frei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Listen bei dem Unterzeichneten seine Einwen­dungen schriftlich anzubringen oder zu Protokoll zu geben.

Die Entscheidung darüber erfolgt durch den Stadtrath bezw. die Gemeinde-Verwaltungsbehörde dahier.

Hanau den 2. Oktober 1882.

Der Oberbürgermeister Rauch.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser hat auch in diesem Jahre seinen gewohnten Herbstaufenthalt in Baden-Baden genommen, wo er bereits seit vorigen Freitag weilt. In etwa 14 Tagen gedenkt der Kaiser nach Berlin zurückzukehren, womit dann die größeren Reisen desselben für dieses Jahr abgeschlossen sein dürften.

Die officielle Bekanntmachung des Wahltermins für die Landtags­wahlen ist nun endlich erfolgt. Der am 29. September ausgegebene Reichs-Anzeiger" enthält die Bekanntmachung des Ministers des Innern, v. Puttkamer, wonach die Wahl der Wahlmänner am 19. Oktober und diejenige der Abgeordneten am 26. Oktober stattfindet. Es ist selbstver­ständlich, daß in Anbetracht des nahen Wahltermins die Parteien alle Kräfte anspannen, um sich noch in letzter Stunde den Sieg streitig zu machen und darf man nun wohl auch den Wahlaufrufen derjenigen Par­teien, welche bis jetzt noch nicht, wie die beiden conservativen Fraktionen, mit ähnlichen Kundgebungen vor die Wählerschaft getreten sind, entge­gensetzen. Mit der Wahlbewegung wird naturgemäß jeder Vorgang auf dem Gebiete der innern Politik in näheren oder entfernteren Zusammen­hang gebracht.

Der Geh. Legationsrath im Auswärtigen Amte, Lothar Bucher, lange Zeit die rechte Hand des Fürsten Bismarck, wird demnächst aus seiner Stellung und wahrscheinlich auch aus dem Staatsdienste scheiden. Ueber die Gründe, welche Herrn Bucher zum Rücktritt bewegen, sind verschiedene Versionen im Umlauf, von denen wir nur die eine erwähnen wollen, nach welcher die in Aussicht stehende definitive Neugestaltung unseres Auswärtigen Amtes ein Verbleiben Bucherè auf seinem Posten nicht länger ermöglichen würde. Vielleicht kommen hierbei auch persön­liche Verhältnisse inS Spiel, denn schon seit drei Jahren hat Bucher Gunst und Einfluß beim Reichskanzler verloren gehabt.

In der Angelegenheit der Auflösung der Berliner Stadtverord- neten-Versammlung ist ein neuer Schritt noch nicht zu verzeichnen. Der Kaiser soll vor seiner Abreise nach Baden-Baden mit Herrn v. Putt-

3. Oktober 1882.

kamer über diesen Gegenstand längere Zeit konferirt haben und wird von, verschiedenen Seiten behauptet, es sei nicht leicht gewesen, die Ein­willigung des Kaisers zu der in Aussicht stehenden Maßregel zu er­langen.

(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich ist mit der Eröffnung von acht Landtagen das politische Leben wieder auf's Neue erwacht und wird auch nach Beendigung der Landtagssession srisch weiter pulsiren, da dann die gemeinsamen Delegationen unverzüglich zusammentreten werden. Auf dem böhmischen wie auf dem mährischen Landtage werden voraussichtlich die Czechen wieder eine ganze Litanei von Klagen und Beschwerden anstimmen, an denen es diesen Herren ja nie fehlt und ist die Rektor-Controverse in der Prager Landstube nur als ein Vorspiel hierzu zu betrachten. In Preßburg haben Excesse gegen die Juden stattgefunden, infolge dessen das Militair in den dortigen Kasernen mehrere Tage konsignirt war. Der Magistrat von Preßburg hat sich in Permanenz erklärt und einen Beruhigungsaufruf erlassen.

(Fr ankreich.) Der Zusammentritt der französischen Kammern ist nunmehr aus den 6. November festgesetzt worden und darf man ge­spannt sein, wie das Debüt des Ministerpräsidenten Duclerc vor der Deputirtenkammer ausfallen wird. Nach den Aeußerungen, welche Herr Duclerc in der jüngsten Zeit wiederholt hat fallen lassen, würde er, falls seine auswärtige Politik, namentlich in Bezug auf Egypten, nicht die Billigung der Deputirtenkammer erhielte, vor einer Auflösung der Kammer nicht zurückscheuen. In diesem Falle ist ihm die geheime, aber mächtige Unterstützung Gambettas sicher, welchem die Auflösung der De­putirtenkammer zur Durchführung seines Lieblingsprojekies, der Listen­wahl, sehr willkommen wäre. Herr Grevy, der Präsident der Republik, soll freilich einem derartigen Schritte seines Cabinetschefs durchaus ab­geneigt sein, so daß, wenn letzterer nicht nachgibt, eine abermalige Krisis im französischen Cabinet in sicherer Aussicht stünde.

(Rußland.) Ein jüngst erschienener Artikel des officiösenJour­nal de St. Pötersbourg", welcher eine Erwiderung des vonMorning- Post" gebrachten Artikels:Der Marsch Rußlands nach Indien" ist, erregt allerwärts großes Aufsehen. Das Petersburger Blatt bezeichnet die in dem Artikel derMorning-Post" hervortretenden Besorgnisse Englands wegen des Vordringens Rußlands nach Indien als Phan­tastereien, welche aber durch eine Schule von englischen Staatsmännern und Politikern, deren Steckenpferd die Sicherheit Indiens sei, immer wieder hervorgerusen würden und wodurch eine Annäherung zwischen Rußland und England sehr erschwert würde. Das russische Regierungs­organ führt dann weiter aus, daß Rußland absolut nichts gewinnen könne, wenn Indien der aufgeklärten englischen Herrschaft entzogen würde, um in hindo-muselmännische Barbarei und Anarchie zurückzufallen. Das Journal de St. Pötersbourg" weist schließlich auf die Gefahren und Opfer hin, denen sich Rußland in einem sich über alle Länder und Meere der Erdkugel hinziehendeu Kriege mit einer der größten Mächte der Welt aussetzen müßte. Die Ausführungen des russischen Blattes enthalten viel Wahres und dürften viel dazu beitragen, das an der Themse erklärlicher Weise noch immer gegen die russischen Bestrebungen in Asien herrschende Mißtrauen zu zerstreuen.

(Italien.) Die Theilnahme der italienischen Katholiken an den demnächst stattsindenden Neuwahlen zur italienischen Deputirtenkammer ist noch sehr fraglich. DerOsfervatore Romano", das osficiöse Organ des Vatikans, versichert auf das Bestimmteste, daß an dem bisherigen Verbote für die italienischen Katholiken bezüglich ihrer Betheiligung an den politischen Wahlen nichts geändert sei. Die Wahlenthaltung der Katholiken würde die Chancen der liberalen (regierungstreuen) Parteien in Italien bei den allgemeinen Wahlen erheblich steigern, doch ist es noch nicht gewiß, ob in letzter Stunde vom Vatikan für dessen Partei­gänger nicht Gegenordre ertheilt wird.

(Orient.) Die Fürsten im Donau-Balkan- Gebiete statten jetzt einander freundnachbarliche Besuche ab, denen eine politische Bedeutung nicht abzusprechen ist. Nachdem unlängst der Fürst von Bulgarien beim König von Rumänien zu Gaste war, wird in den nächsten Wochen Kö­nig Milan von Serbien den Fürsten von Bulgarien in Rustschuk be­suchen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auf diese Weise eine Tripel-