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Montag den 2. Oktober

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1882.

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Tagesschau.

Berlin, 30. Sept. An dem heutigen Allerhöchsten Geburts­tage Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin haben die Palais, die öffentlichen und viele Privatgebäude der Hauptstadt geflaggt. Die Vor­stellungen in den Theatern werden durch Festprologe eingeleitet. Wie W. T. B" aus Baden-Baden meldet, sand heute Vormittag IOV2 Uhr daselbst eine große Gratulationscour statt, welche Ihre Majestät im Sessel sitzend abhielt.

Dem Reichskanzler sind soeben von hervorragenden Spritfa­brikanten Petitionen zugegangen, welche um Abstellung eines angeblich sehr großen und die inländische blühende Spritfabrikation aufs empfind­lichste schädigenden Mißstandes bitten. Wie bekannt, ist Spanien ein Hauptabnahmeland sür deutsche Sprite, welche dort auf Grund des deutsch-spanischen Meistbegünstigungsvertrages eine Zollermäßigung von 15 pCt. genießen, wenn in beglaubigter Form der deutsche Ursprung der ach Spanien eingeführten Sprite nachgewiesen wird. Nun werden aber von Hamburg aus also aus Fabriken, welche zur Zeit noch außer­halb der deutschen Zolllinie liegen Sprite nach Spanien exportirt, deren Spiritus besonders aus Rußland und Polen, aber auch aus Dänemark, Schweden und Norwegen stammt. Trotzdem wird in Ham­burg bei Spritversendungen nach Spanien in oben erwähnten Certifi- katen, welche von jeder Ortsbehörde, die zur Führung eines Amtssiegels berechtigt ist, ausgestellt werden können, bescheinigt, daß die Sprite deutscher Provenienz seien. Das Petitum der Eingabe an den Reichs­kanzler geht nun dahin, daß die Hamburger Behörden angewiesen wer­den, Ursprungszeugnisse für nach Spanien zu versendende Sprite nur dann auszufertigen, wenn nachgewiesen wird, daß der zur Rektifikation gebrachte Spiritus deutscher Herstammung sei.

Den Volksschullehrern und Candidaten des Volksschulamts, welche ihre Befähigung für das Schulamt in vorschriftsmäßiger Prü­fung nachgewiesen haben, ist es bekanntlich gestattet, nach sechswöchiger Ausbildung mit den Waffen von den Truppentheilen zur Reserve ent­lassen zu werden. Wenn jedoch ein in dieser Weise Beurlaubter seinen Lehrerberus gänzlich ausgibt oder für immer aus dem Schulamte ent« lassen wird, so kann er vor Ablauf des Jahres, in welchem derselbe das 25. Lebensjahr vollendet, zum aktiven Dienst wieder eingezogen werden.

Preßburg, 29. Sept. In Folge der gestern Abend in einzelnen von Juden bewohnten Gassen vorgekommenen Excesse, denen durch das Einschreiten von Militärpatrouillen Einhalt gethan wurde, sind 40 Personen verhaftet worden. Der Magistrat hat sich in Per­manenz erklärt und einen Beruhigungsaufruf erlassen. Das Militär ist in den Kasernen konsignirt. Der auf den 2. Oktober anberaumt gewesene Jahrmarkt findet nicht statt. 30. Sept. Heute Nacht wieder- holten sich die Excesse gegen die Juden. Das Militär schritt ein, mehrere Personen wurden verhastet. Wie verlautet, stände die Publi- zirung des Standrechts bevor.

Dublin, 30. September. Richter Lawson verfügte heute die Freilassung des Deputirten Gray, welcher am 15. August wegen eines Artikels inFreemans Journal" verhastet worden war.

Kairo, 30. September. Die Spezialkommission zur Prüfung der Anklagen wider die Rebellen beginnt ihre Arbeiten heute. Die Rückkehr der Gardebrigade nach England ist auf den 30. Oktober fest­gesetzt. Das Okkupationskorps soll 10 000 Mann zählen. Die Eisen­bahnverbindungen mit Alexandrien sind wieder hergestellt.

Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

Wien, 1. Oktober, 10 Uhr 25 Min. In Preßburg wurde gestern nach dreitägigen Unruhen thatsächlich der Ausnahmezustand ein- gesührt. Die Garnison ist verdreifacht, alle vom Lande nach der Stadt führenden Wege sind militärisch besetzt, Niemand kann ohne genügende Legitimation nach der Stadt gelangen, in welcher jede Ansammlung an öffentlichen Orten verboten und amtliche Ankündigung sofortige Anwen- dung von Waffengewalt bei der geringsten Ausschreitung androht. Dank diesen Maßnahmen, welche der von der ungarischen Regierung entsandte Chef der Staatspolizei, Jekelfalussy, getroffen, wurde seit gestern die Ruhe nicht mehr gestört. Allerdings versuchten letzte Nacht einige In­dividuen neue Krawalle, die Ruhestörer wurden jedoch sofort verhaftet.

Die Unruhen konnten nur deshalb drei Tage andauern, weil die Stadt­behörde anstatt energisch einzuschreiten, dieselben verheimlichte, und die Regierung die Vorgänge erst aus Pester Journalen erfuhr. Die Unter­suchung ergab, wie hiesige Blätter melden, daß bedeutende Geldmittel vertheilt worden waren, um die Krawalle heivorzurufen. Aus der Um­gebung Preßburgs werden zwei Brandstiftungen gemeldet, welche muth- maßlich von diesen Ruhestörern ausgehen.

Wie verlautet, will demnächst der König von Bayern die Moskauer Ausstellung incognito besuchen. Wie dieDeutsche Peters­burger Zeitung" erfährt, gedenkt sich der König alsdann nach Peters­burg zu begeben, um dort einige Tage der Besichtigung der Eremitage und dem Besuche der Theater, speziell der russischen Oper zu widmen. Der Zoll auf russische im Auslande gedruckte Bücher soll, wie ver­lautet, nächstens einige Veränderungen erfahren.

New-Aork, 30. September. Der DampferRobert E. Lee" ist in der verflossenen Nacht bei einer Fahrt auf dem Mississippi unge­fähr dreißig englische Meilen unterhalb Vicksburg durch eine auf dem­selben ausgebrochene Feuersbrunst vollständig zerstört worden und unter­gegangen. Der Verlust an Menschenleben ist ein sehr bedeutender, die Zahl der Umgekommenen, unter denen sich viele Frauen befinden sollen, hat indeß noch nicht festgestellt werden können.

Lokales.

Hanau, den 2. Oktober 1882.

Aus Anlaß des Geburtsfestes Ihrer Majestät der Kaiserin war vorgestern die hiesige Kaserne beflaggt.

Seit gestern sind dahier wieder 204 Mann Ersatzreservisten zu sechswöchentlicher Uebung in Dienst gestellt.

Von heute ab werden die Postschalter erst Morgens um-8 Uhr^ zum Verkehr mit dem Publikum geöffnet.

Frequenz der städtischen Badeanstalt pro Monat September 1882.

Abgegeben wurden:

208 Bäder I. Cl.

574 II. Cl., darunter 216 Zusatzbäder.

164 III Cl.

9 Douchebäder.

60-Römisch-Jrische Bäder.

Sa. 1015 Bäder.

sohin im Durchschnitt pro Tag: 33,ss Bäder.

Höchste Abgabe: 61 Bäder am 1. Septbr.

Kleinste 14 10. Septbr.

(Ausstellung. Der Ausstellungssaal der Gewerbeschule für Frauen und Mädchen von Fräul. L. v Saltz Wedell und Frl. Ida Langer, in welchem Handarbeiten der verschiedensten Art, welche von den Schülerinnen in dem Institute erlernt und auch angefertigt wurden, zur Ansicht der geehrten Besucher bereit liegen, war gestern vom Zeit­punkt der Eröffnung bis zum späten Abend recht erfreulich frequentirt und sprachen sich die Beschauer sehr lobend aus über die ausgestell­ten Objekte der Kunststickerei, Putzmacherei, Blumenfabrikation, Glanz­bügelei, Damenschneiderei rc. Indem wir hiervon gerne Akt nehmen und dem Institute ein ferneres recht gedeihliches Prosperiren im Inte­resse unserer Frauenwelt wünschen, sei bemerkt, daß die Ausstellung über­morgen Abend geschlossen wird und der Besuch derselben nur wiederholt auf's Wärmste empfohlen werden kann.

Heute Morgen 9 Uhr wurden die sterblichen Ueberreste des Herrn Provinzialrabbiuer Felsenstein zu Grabe getragen. Außer zahlreichen hiesigen und auswärtigen Glaubensgenossen gaben der Stadt­vorstand, Mitglieder der Armenkommission, welch letzterer der Verstorbene seit 1837 angehörte, sowie eine weitere Anzahl hiesiger Einwohner dem ehrenwerthen Dahingeschiedenen das Geleite zur letzten Ruhestätte, wo­selbst Herr Rabbiner Horowitz von Frankfurt a. M. die Grabrede hielt.

(K u nstn 0 ti z.) Wie wir vernehmen, wird Frl. Nachtigall unter gefl. Mitwirkung des Frl. Müller aus Hannover, sowie der Herren M. Schwarz und Bassermann, Lehrer am Conservatorium I zu Frankfurt a. M. in der letzten Woche d. Mts. im Saale derCen- I tralhalle" dahier ein Concert veranstalten.