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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.

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Nr. 227.

Freitag den 28. September

Amtliches.

Unter Bezugnahme auf die Kreisblattversügung vom 12. Sep­tember d. J. wird den Ortsvorständen hierdurch die rechtzeitige Ein­reichung der Urwähler- und der Abtheilungslisten in Erinnerung ge- bracht.

Nach Auslegung der Urwählerlisten sind für den Fall, daß keine Reklamationen gegen dieselben erhoben worden sind, sofort die Abthei­lungslisten auszustellen (ausgenommen in den Wahlbezirken, welche aus mehreren Ortschaften zusammengesetzt sind, deren Ortsvorstände die Ur­wählerlisten nach Auslegung sofort hierher zur Aufstellung der Abthei­lungslisten einzusenden haben), sodann ebenfalls drei Tage lang auszu­legen und, mit Bescheinigung entsprechend versehen, hierher und zwar bis spätestens 3. Oktober zur Feststellung einzusenden (§. 8, 10 d. Regl.), wobei dieselbe Ausnahme wie bei den Urwählerlisten stattfindet (confr. in Klamm.).

Hanau am 29. September 1882.

Der Landrath.

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Ein etwas frischerer Zug beginnt sich allmählich in unsern inneren Angelegenheiten bemerkbar zu machen, wenn man auch nicht behaupten kann, daß die politische Sommerstille gänzlich verschwunden sei Indessen kann man doch aus verschiedenen Anzeichen schließen, daß die seit der Vertagung des Reichstages einge­tretene große Ruhepause ihrem baldigen Ende entgegengeht. So ist in voriger Woche Herr v. Bötticher, der Staatssekretär im Reichsamte des Innern, von feiner rheinischen Reise nach Berlin zurückgekehrt, woraus man in unterrichteten Kreisen auf eine Beschleunigung der Arbeiten die­ses Ressorts, namentlich soweit sie sich auf den baldigen Wiederzusam­mentritt des Bundesrathes beziehen, schließt. Auch die Vorbereitungen zu den Landtagswahlen werden eifrigst fortgesetzt, obwohl über den Ter­min derselben noch allseitig Ungewißheit herrscht.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen sehr ausführlichen Be- richt des Ober-Regierungsrathes Streckert, welcher als Commissar vom Reichseisenbahnamte zur Untersuchung der Eisenbahnkatastrophe bei Hugstetten dorthin abgesandt worden war. Aus dem Bericht ist zu ent­nehmen, daß die Ursache des beklagenswerthen Ereignisses in der Hand­habung des Betriebs, resp, des Fahrdienstes zu suchen sein dürste. Der Commissar spricht die Ansicht aus, daß entweder der Lokomotivführer es unterlassen hat, die sehr große Geschwindigkeit, mit welcher der Zug im Augenblicke der Entgleisung fuhr, zu mindern oder zu regeln, oder daß das Bremserpersonal den ihm vom Maschinenführer etwa gegebenen Signalen gar nicht, resp, sehr mangelhaft nachgekommen ist. Doch spricht Herr Strecker weiter selbst die Ansicht aus, daß vorstehende An­nahmen noch nicht als durchaus begründet angesehen werden könnten und daß auch andere, bis jetzte unbekannte Ursachen, möglicherweise mit zur Entgleisung des Zuges beigetragen hätten; alles Nähere würde sich aber erst durch die eingeleitete gerichtliche Untersuchung feststellen lassen.

(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich hat mit Anfang dieser Woche das parlamentarische Concert der Einzellandtage wieder begonnen. Es sind die Landtage von Böhmen, Nieder. Oesterreich, Mähren, Gali­zien, Krain, Schlesien, Kärnthen und Vorarlberg, welche am Dienstag ihre Thätigkeit wieder eröffnet haben. Das meiste Interesse dürften, wie gewöhnlich, die Verhandlungen des böhmischen Landtages erregen, auf welchem der verfassungstreuen deutschen Majorität eine erbitterte czechische Minorität gegenübersteht und dürfte der nationale Hader in der Prager Landstube leicht zu heftigen Scenen führen, welche an die- sem Orte allerdings nicht- Neues sind. Die Landtage von Krain und Kärnthen werden sich zunächst mit der Linderung des großen Elends befassen müssen, welches in diesen Alpenländern durch die verheerenden Ueberschwemmungen verursacht worden ist. Hierbei wird indessen die Privatmildthätigkeit das Meiste thun müssen und schon ist Kaiser Franz Josef mit gutem Beispiel vorangegangen, indem er aus seiner Privat­schatulle 100 000 Gulden für die durch die Ueberschwemmungen in Tyrol und Kärnthen Heimgesuchten gespendet hat.

(Frankreich.) Auch in Frankreich wird das parlamentarische

1882.

Leben in nächster Zeit wieder beginnen, da dem Vernehmen nach die Kammern am 10. Oktober zusammentreten werden. Wahrscheinlich wer­den in der Deputirtenkammer die egyptischen Angelegenheiten eine her­vorragende Rolle spielen, da alle Parteien in Frankreich mit dem Gang der egyptischen Fragen mißvergnügt sind, namentlich deshalb, weil die Engländer beabsichtigen, Frankreich von der gemeinsamen Finanzkontrolle in Egypten auszuschließen. Der Ministerpräsident Duclerc wird hierbei Gelegenheit haben, zum ersten Male seine Ansichten über die egyptische Frage vor der Deputirtenkammer zu entwickeln und darf man begierig sein, ob Herr Duclerc in der That der Kammer so selbstständig gegen­übertreten wird, wie er wiederholt bestimmt versichert hat.

(Italien.) In Italien rüstet man sich eifrigst zu den Neu­wahlen zur Deputirtenkammer, welche voraussichtlich im Laufe des kom­menden Oktober stattfinden werden. Die italienischen Wahlen werden diesmal auch im Auslande erhöhtes Interesse erwecken, denn sie finden zum ersten Male auf Grund des neuen Wahlgesetzes statt, welches allen unbescholtenen, 25 Jahre alten und des Lesens und Schreibens kundigen Italienern die Theilnahme an den Wahlen gestattet. Die italienischen Wahlen werden demnach diesmal ein deutliches Zeichen von der politi­schen Reife dieser Nation ablegen müssen.

(Rußland.) Das russische Kaiserpaar ist Anfang dieser Woche von Moskau wieder nach seiner Sommerresidenz Peterhof bei Peters­burg zurückgekehrt, ohne daß die so vielfach besprochene Krönung in der alten Hauptstadt des Czarenreiches in Scene gefetzt worden wäre. Die Anwesenheit Alexanders III. mit seiner Gemahlin in Moskau scheint also wirklich keinen andern Zweck gehabt zu haben,. als den Besuch der dortigen Ausstellung. Vielleicht kann man aber die Moskauer Kaiser­tage auch als eine Sondirung betrachten, ob der Moskauer Boden nicht zu heiß für die geplante Krönungsceremonie sei; nach dieser Richtung hin dürfte das Kaiserpaar beliebig! nach Peterhof zurückgekehrt fein, denn der Jubel, mit welchem dasselbe von der Moskauer Bevölkerung überall empfangen wurde, war unverfälscht und auch die Nihilisten ließen nicht das Geringste von sich hören. Ob die Letzteren bei der Kröaungs- seier, mag dieselbe nun früher oder später stattfinden, sich wieder so passiv verhalten werden, ist freilich eine offene Frage.

(Scanbinatiien.) Von den in voriger Woche in Norwegen stattgefundenen Neuwahlen zum Storthing (Abgeordnetenhaus) sind bis jetzt die Resultate aus 61 Wahlkreisen bekannt. In denselben wurden 58 Vertreter der (radikalen) Linken und nur 3 der Rechten gewählt und haben die Radikalen im Vergleich zu den letzten Wahlen 8 neue Sitze gewonnen. Falls die noch ausstehenden Wahlen 53 keine wesentliche Verschiebung zu Gunsten der Rechten ergeben, so würden die Radikalen über 2/s der Stimmen im neuen norwegischen Storthing ver­fügen. Die jüngste Reise König Osca's nach Norwegen scheint also an dem größtentheils radikalen Sinne der norwegischen Bevölkerung nichts geändert zu haben.

(Türkei.) Der türkisch-griechische Grenzhader ist unerwartet be­seitigt worden, da die Pforte erklärt hat, die streitigen Punkte ohne jede Gegencorcession an Griechenland überlassen zu wollen. Den Großmäch­ten ist diese rasche Lösung des Grenzkonfliktes, welcher schon anfing, die Besorgniß der europäischen Cabinette zu erregen, natürlich sehr er­wünscht, denn sie werden hierdurch der unangenehmen Nothwendigkeit enthoben, ihre Botschafter in Konstantinopel zu einer neuen Conferenz zusammentreten zu lassen, auf welcher die griechisch-türkischen Grenzstrei­tigkeiten erledigt werden sollten. Abzuwarten bleibt aber, ob der grie­chische Länderhunger jetzt gestillt worden ist.

(Egypten.) Der thatsächliche Eintritt friedlicherer Verhältnisse im Pharaonenlande charakterisirt sich zunächst durch die am vergangenen Montag erfolgte Rückkehr des Khedive von Alexandrien nach Kairo. Nach dreizehnwöchentlicher gezwungener Abwesenheit hat Tewfik Pascha wieder seinen Einzug in die egyptische Hauptstadt gehalten, freutig be­grüßt von derselben Bevölkerung, welche auch Arabi zujauchM Der Khedive ist jedoch sehr entschieden aufgetreten; vielen an der Revolution beteiligt gewesenen Pascha'- und Bey's v-rweigerte er die von densel­ben nachgesuchte Audienz und die Ulemas ermahnte er, da sie Männer der Wissenschaft, nicht aber der Politik seien, sich nicht in politische