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Nr. 218.
Dienstag den 19. September
1882.
Amtliches.
Die Wittwe des Taglöhners Franz Kiefer, Dorothea, geborene Kalbfleisch, von hier, hat einen Paß für sich und ihr Kind David nach Amerika beantragt.
Hanau am 13. September 1882.
Die Ehefrau des Philipp Spindler III, Dorothea Elisabeth, geborene Tag, von Langendiebach, hat einen Paß für sich nach Amerika beantragt.
Hanau am 14. September 1882.
Der Landrath.
Gefunden: Ein Cigarren-Etui. Ein s. g. Brodbuch. Ein Regenschirm.
Verloren: Ein kleines schwarzledernes Portemonnaie mit 2 Markstücken.
Hanau am 19. September 1882.
____________________Aus Königl. Landrathsamt. ____________________
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Den glänzenden Kaisertagen an der Oder sind die nicht minder herrlichen Kaisertage an der Elbe gefolgt und dieselbe Begeisterung, welche unserm greisen Kaiser in der Hauptstadt Schlesiens entgegengetragen wurde, brachte ihm auch die Bevölkerung der schönen Königsstadt an der Elbe entgegen. Zum ersten Male seit beinahe zehn Jahren hielt der Kaiserliche Schirmherr des deutschen Reiches am vergangenen Donnerstag wieder seinen Einzug in die sächsische Residenz und schon deshalb wurde er von der Bevölkerung derselben mit brausendem Jubel empfangen. Da, gleichwie in Schlesien, so auch in Sachsen der Besuch des obersten Kriegsherrn zum überwiegenden Theil ernsten militärischen Angelegenheiten gilt, so beanspruchen dieselben auch in den sächsischen Kaisertagen das Hauptinteresse. Die Einleitung zu den Uebungen des sächsischen Armeecorps bildete die Parade desselben am 15. September bei Mergendorf, welche in gelungenster Weise verlief, begünstigt von einem wirklichen „Kaiserwetter". An die Parade schloß sich am Abend des genannten Tages das große Paradediner in den Räumen des königlichen Schlosses zu Dresden, bei welchem der Kaiser auf das Wohl des Königs von Sachsen und dasjenige der sächsischen Truppen trank. Am folgenden Tag begannen die Manöver im Armeecorps südlich Riesa, welche ebenfalls in glänzender Weise verliefen; dem Manöver folgte am Abend der in der Residenz von sämmtlichen Musikcorps der sächsischen Armee ausgeführte große Zapfenstreich. Die Reihe der von der Stadt Dresden zu Ehren der Anwesenheit des Kaisers veranstalteten Festlichkeiten eröffnete am Sonntag den 17. September das Albertfest rm Großen Garten, während am Montag die Feidmanöver beider Divisionen gegen einander ihren Anfang nahmen. Erfreulicher Weise hat der Kaiser bis jetzt allen Uebungen und Festlichkeiten im besten Wohlsein beiwohnen können.
In unseren innern politischen Angelegenheiten herrscht noch immer absoluter Mangel an Vorfällen von größerer Bedeutung. Der Streit über die gemischten Ehen ist glücklicherweise wieder eingeschlummert, auch die Wahlangelegenheiten bieten noch kein neues Moment zu eingehenderen Betrachtungen dar und auch der Sturm der Entgegnungen, welche der Steuerreformartikel der „Provinzial Correspondenz" in Blättern der verschiedensten Richtungen hervorgerufen hatte, beginnt sich wieder zu legen.
j In Lützen wurde am 15. September die Nachfeier zum 50jährigen Jubiläum des Gustav-Adolf-Vereins, welches in den Tagen des 12. bis 15. September in Leipzig gefeiert wurde, durch einen Festzug und Fest- akt am Gustav-Adolf-Denkmal begangen. Der Kaiser entbot der Lützener Festversammlung, gleichwie auch den Theilnehmern an der Leipziger Feier telegraphisch seinen Gruß.
Die allgemeine politische Lage wird vollständig durch den englischen Sieg bei Tel-el-Kebir und die sich hierauf Schlag auf Schlag folgenden ‘ Ereignisse in Epypèen beherrscht. Tür Einzug Wolseley's in Kairo, die ! Entwaffnung der hier stehenden Truppen Arabi Pascha'è, die Unterwerfungs-Ei klärungen der egyptischen Hauptstadt, der Garnisonen von , Damieète, Kafredowar u. s. w und als Krönung des englischen Erfolges die Gefangennahme Arabi Pascha's und Tulba Pascha's, der
Häupter der egyptischen Bewegung, durch den englischen Reitergenerae Lowe in der Nähe von Kairo, sind die Consequenzen der Katastrophe von Tel-el-Kebir. Der Krieg in Egypten ist hiermit thatsächlich been digt und die Engländer sind nun in jeder Beziehung die Herren am Nil- Die Frage, was jetzt geschehen soll, drängt sich von selbst auf, denn mit der Besiegung Arbi's ist die egyptische Frage noch keineswegs gelöst. England hat seinerzeit den Mächten versichert, es beabsichtige lediglich die Wiederherstellung der Ordnung und der Autorität des Khedive in Egypten; es muß sich jetzt zeigen, inwieweit England geneigt ist, dieses Versprechen einzulösen.
(Oesterreich-Ungarn.) Die Reise des österreichischen Kaisers nach den südlichen Provinzen Oesterreichs hat mit der am Sonntag den 17. b. M. in Triest erfolgten Ankunft Kaiser Franz Joses's ihr Ende erreicht. In Wien wird man von den vorläufigen Resultaten der Kaiserreise höchlichst befriedigt sein, denn der Monarch wurde nicht nur von der deutschen, sondern auch von der slovenische» und italienischen Bevölkerung aller von ihm berührten Landescheile auf das Herzlichste empfangen. Sehr glänzend gestaltete sich der Empfang des Kaisers in Triest, wo die ihrer Majorität nach italienisch gesinnte Stadtvertretung einmülhig die zur würdigen Ausschmückung der Stadt u. s. w. nöthigen Summen bewilligt hatte.
(Frankreich.) Die französischen Blätter beschäftigen sich begreiflicher Weise in erster Linie mit den jüngsten Erfolgen der Engländer in Egypten. Die gambettistischen Blätter besingen den englischen Sieg bei Tel-el-Kebir in überschwenglichen Jubelhymnen und streuen England Weihrauch und Myrrhen und dies ist auch erklärlich. Gambetta und sein Anhang haben dem Bündnisse Frankreichs mit England stets das Wort geredet und beweisen nun die Franzosen, wie wohl sie daran ge- than haben würden, sich mit den Engländern zu verbinden, denn jetzt könnte Frankreich an den Lorbern der Engländer mit Theil nehmen. Reservirter ist die Sprache der französischen Regierungsorgane; der „Temps", das specielle Organ des Ministerpräsidenten, erinnert England an seine Frankreich gegebenen Versprechungen und glaubt im Uebrig n, daß das „moderne Karthago" die Welt durch seine Selbstlosigkeit in Erstaunen setzen werde, eine optimistische Anschauung, welche gewiß nur Wenige theilen werden.
(England.) In England befindet man sich natürlich anläßlich der überraschend schnellen Beendigung des egyptischen Feldzuges in vollständigem Siegesräusche. Der Londoner Oberbürgermeister beglückwünschte den General Wolseley im Namen der hauptstädtischen Verwaltung telegraphisch zu seinen Erfolgen. In Balmoral, dem schottischen Landsitze der Königin, wo sich dieselbe gegenwärtig aushalt, wurden Freudenfeuer angezündet und saft in allen englischen Städten fanden Ovationen statt. — Wie die Londoner Morgenblätter melden, trifft das Kriegsamt bereits Anstalten für die Rückkehr des Gros der britischen Truppen aus Egypten. Betreffs der Frage, was mit dem gefangenen Arabi geschehen solle, meint die „Times", derselbe müsse als politischer Uebelthäter und nicht als gemeiner Verbrecher betrachtet werden. Das Blatt Plaidirt schließlich für eine Jnèernirung Arabi's in Konstantinopel.
(Italien.) Von Italien ist in der letzten Zeit sehr wenig in die Oeffentlichkeit gedrungen und namentlich den Vorgängen in Egypten gegenüber hat man in Italien eine geradezu überraschende Gleichgültigkeit zur Schau getragen. Indessen wird wenigstens in die innere italienische Politik demnächst etwas mehr Leben kommen, da die Wahlbewegung anläßlich der bevorstehenden Neuwahlen zur Deputirtenkammer allmählich in Fluß kommt und darf man, da das neue Wahlgesetz die Zahl der Wahlberechtigten nicht unbeträchtlich vermehrt, einem lebhaften Wahlkampfe entgegensetzen.
(Griechenland.) Der griechisch-türkische Grenzkonflikt ist trotz aller Bemühungen der Mächte noch nicht geschlichtet. Griechenland beharrt trotzig auf der Rückgabe von Nezeros, wozu sich jedoch die Pforte nicht im Geringsten bequemen will. Einstweilen hat König Georg befohlen, die griechischen Truppen an der Grenze zu verstärken, jedoch dem Oberbefehlshaber derselben, General Grivas, eingeschärft, sich aller Feindseligkeiten gegen die Türken zu enthalten. Da König Georg noch keine Anstalten trifft, von feiner Reise nach Athen zurückzukebren, so hält man auch die Lage an der griechisch-türkischen Grenze noch -cht für gefahrdrohend. ____