zweijährigen Dienstzeit, in einen Militärkonflikt schlimmster Art hineingetrieben worden und ständen den französischen und russischen Gelüsten mit einer als Zankapfel der Parteien dienenden, dadurch nothwendig desorganisirten Armee gegenüber. Es ist kaum zu begreifen, daß nach allen diesen niederreißenden Boten die Richter'sche Fortschrittspartei noch einen nicht zu bestreitenden Einfluß in einer großen Reihe von Wahlkreisen dieses so schwer geeinigten Reiches ausüben sann. Aber diesen Einfluß verdankt sie anderen Ursachen als der siegenden Kraft ihrer Ideen; sie verdankt ihn ausschließlich ihrer Agitation, ihrer Fähigkeit Furcht zu erregen und zu verbreiten. Die Organisation ist eine derart geschickte, daß in jedem Ort die kleinste Anzahl von Personen zum Be- stand einer Fortschrrtipartei genügt. Eigene Befährgnng zum Angriff gegen das Mitglied irgend einer andern, besonders aber der nationalliberalen Partei, ist nicht nöthig. Es ist nur nöthig, sich an die Berliner Leitung mit der Anfrage zu wenden, was sich gegen einen Politiker sagen läßt, und die Bedienung erfolgt prompt und kostenfrei, entweder als Notiz oder gleich als Flugblatt. Wenn Herr v. Bennigsen in seiner Kölner Rede sagte: „die Ernüchterung und Ermüdung ist durch die Leidenschaften, womit die Parteikämpse geführt wurden, noch in hohem Grade verstärkt worden, manche wackere Männer sind dadurch in hohem Maße von jeder politischen Thätigkeit abgezogen worden", so hat er damit einen der wundesten Flecke in unserm öffentlichen Leben berührt. Daher die vielfache Verlegenheit der gemäßigten Parteien um Candidaten, selbst in den bedeutendsten Wahlkreisen. Wir würden in Deutschland leicht zu dem Zustande kommen, daß das ganze parlamentarische Leben Vön einigen geschäftsmäßigen Politikern beherrscht würde, wenn nicht solche klärenden Ereignisse wie in Schleswig-Holstein endlich auch dem Blindesten die Augen öffneten und ihn zum Widerstand gegen die schlimmste der Tyranneien, derjenigen einer Partei befähigten.
— Berlin, 13. September. Die „Nordd. Allgem. Ztg." erklärt die von dem „Czas" unter dem Titel „Bismarck über die polnische Frage" gebrachten Mittheilungen ausdrücklich für die Eifindung eines urtl eilslosen Feuilletonschreibers. Der angebliche Besuch eines Polen in Varzin sowie die angebliche Unterredung hätten niemals stattgefunden; der angebliche Brief des Reichskanzlers wäre, wenn er vorgezeigt würde, ein Falsum, welches den Strafrichter interessiren könnte.
— S. M. S. „Gneisenau", 16 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Freiherr von der Goltz, ist telegraphischer Nachricht zufolge in Malta eingetroffen.
— Nürnberg, 10. September. Der Besuch unserer Landesausstellung bleibt anhaltend gut; heute ist die Zahl 700 000 bei den beim Eintritt abgegebenen Karten überschritten worden. Unter dieser Zahl sind die Saisonkarten, Karten für die Aussteller u. s. w. nicht mitinbegriffen. Am 1. Okt. beginnt die 14 Tage dauernde 3 temporäre Blumen-, Gemüse- und Obstausstellung. Nach den bisherigen Anmeldungen zu schließen, wird dieselbe sehr reichhaltig beschickt werden. — Am 30. d. M. hält der deutsche Hopfenbauverein dahier seine Generalversammlung.
— Augsburg, 12. September. Die „Postzeitung" veröffentlicht eine von Varzin 11. Sept, dat-rte Antwort des Fürsten Bismarck auf die Anzeige des Freiherrn von Thüngen von der Gründung eines fränkischen Bauernvereins, in welcher Füist Bismarck sagt, daß er in jedem Bauernvereine, der gegründet werde, ein neues Organ der bäuerlichen Selbstständigkeit erblicke.
— Die Amsterdamer vom Mai bis Oktober 1883 stattfindende internationale Ausstellung für Kolonien und Export, für welche in Re- gierungèkreisen sich anfänglich wenig Interesse zeigte, wird doch wohl von Deutschland stark beschickt werden. Heute, 8 Monate vor der Eröffnung, haben sich ca. 300 deutsche Industrielle angemeldet und etwa ebenso viele unterhandeln dieseihatb. Die Regierungen von England, Frankreich und Belgien, auch neuestens die spanische, haben Vertreter für diese Ausstellung ernannt, und die bisher angemeldeten deutschen Aussteller hoffen auf eine baldige zusagende Antwort von Seiten des Reichsamts des Innern, indem sie dieser Tage in etwa 300 Einzel Petitionen um Wahrung ihrer Interessen durch Ernennung einer offiziellen Vertretung einkommen werden.
— London, 13. Septbr. Wie die „Times" erfährt, dürfte die Bank von England, mit Rücksicht auf den Import französischen Goldes den Diskontosatz morgen auf 5 pCt. erhöhen.
— Lon don, 13. September. General Wolseley nahm Tel-el- Kebir heute Morgen ein. Er erbeutete 40 Geschütze und machte sehr viele Gefangene. Die Truppen Arabis scheinen gänzlich zersprengt zu sein; die Kavallerie verfolgt die Flüchtlinge. — Der Verlust der egyp- tischen Truppen bei Tel-el Kebir wird auf 2000 Mann geschätzt. Der britische Verlust beläuft sich auf 200 Mann, einschließlich der zahlreichen Offiziere. Die Armee Arabis ist vollständig demoralisirt. Die Infanterie flieht gegen die Wüste, von der englischen Kavallerie lebhaft verfolgt.
— Alexandrien, 13. September. Die Einnahme von Tel-el- Kebir verursachte hier großen Jubel bei der europäischen Kolonie. Die
selbe beabsichtigt, ihre Freude heute Abend durch einen Auszug mit Musik kundzugeben; an der Spitze stehen die Italiener und Griechen. (RH. K.)
— Port Said, 13. Sept. Der Gouverneur hat einen Berberscheik, der beschuldigt wird, das Gerücht von einem Siege Arabi's verbreitet zu haben, gefangen setzen lassen. Nachrichten aus Zagazig zufolge soll daselbst Befehl gegeben worden sein, im Falle einer Niederlage Arabi's bei Telelkebir alles Europäern gehörige Eigenthum in Brand zu stecken.
— New - Nork, 12. Septbr. Der vom landwirthschastlichen Departement pro Monat September erstattete Bericht konstatirt, daß der Frühjahrsweizen den im Augustbericht enthaltenen Angaben entspricht und von guter Qualität ist. Der Ertrag übersteigt den mittleren Durchschnitt. Der Durchschnittsstand von Frühjahrs- und Winterweizen ist 100.
— New-N ork, 12. Sept. Der Dampfer „Helvetia" von der Rational-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier ein- getroffen.
Lokales.
Hanau, den 14 September 1882.
— Vor einigen Wochen wurde einem Individuum ein Sack abgenommen, enthaltend 40 Pakete Tabak (schwarz AB mit Firma P. G. Hosse Wwe., runde Pakete), die aller Wahrscheinlichkeit nach gestohlen sind. Der Eigenthümer des Tabaks — vielleicht ein Spezereihändler irgend eines Ortes der Umgegend — möge sich zur Wiedererlangung des Objektes bei hiesigem Landrathsamt melden.
■— Zu dem gestern am hiesigen Gymnasium stattgehabten Maturitätsexamen waren acht Oberprimaner: 1) Julius B ode von Wächtersbach, 2) Carl Eberhard von hier, 3) Gustav Ganß von Niederrodenbach, 4) Karl Henß von Bieber, 5) Heinrich Herchenröder von Langendiebach, 6) Lorenz Kohlenbusch von hier, 7) Albert R ö- mer von hier und 8) Ludwig Stoppel von Eichen, sowie 9) der Externe Philipp Labes von Frankfurt a. M. zugelassen und erhielten sämmtlich das Zeugniß der Reife.
— Nicht am 15 September, wie uns s. Z. mitgetheilt wurde, sondern erst am 15. Oktober d. I. wird der Nordbahnhof hier dem öffentlichen Verkehre übergeben.
— (Jmmobilien-Umfätze.) Das Haus des Herrn Bäckermeister Franz Koch in der Krämerstraße ging um die Summe von nahezu 40000 Mk. an Herrn Bäckermeister Jean Schad in der Vorstadt über.
— Wie aus der Annonce vom vorigen Samstag ersichtlich, feiert das Gesangkränzchen „Tonblüthe" kommenden Samstag in den Sälen der „Centralhalle" sein Stiftungsfest. Dasselbe weicht von früheren ähnlichen Veranstaltungen darin ab, als diesmal ein Herrenabend stattfindet. Ein reichhaltiges Programm ist aufgestellt und werden Männerchöre und Soli's mit Instrumentalmusik und heitere Vorträge abwechseln, so daß allen Theilnehmern ein genußreicher Abend bevorsteht. Bemerkt sei noch, daß nur bis zum Freitag Eintrittskarten von Mitgliedern zu erhalten sind und spätere Gesuche nicht mehr berücksichtigt werden können.
— Heute Morgen überbrachte uns Herr Steindeckermeister Eller ein Ziegelstück, welches beim Umdecken des Kreis'schen Hauses in der Hammergasse vom Dache genommen wurde. Hieran ist nichts merkwürdiges, merkwürdig ist aber, daß das betr. 25 cm breite und 34 cm hohe Dachziegelstück die Jahreszahl 1687 trägt, also nahezu 200 Jahre alt und sehr gut erhalten ist, ein Zeichen der Vorzüglichkeit des verwendeten Materials und der Herstellungsweise.
— Für heute. Abends 9 Uhr: Rudergefellschast: Generalversammlung; — Spritze Nr. 2 im „König von Schweden"; Nr. 3 bei Beck.
Personal-Chronik (aus dem „Amtsblatt".)
Der zum Gerichtsassessor ernannte Referendar Hengsberger ist in den Oberlandesgerichtsbezirk Kassel versetzt.
Der etatsmäßige Gerichtsschreiber-Gehülfe Kästner in Hanau ist zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht in Windecken ernannt.
Der Ober > Postdirektions- Sekretair Wolff in Gelnhausen ist zum Postdirektor ernannt worden.
Der Schutzmann Göbel bei der Königlichen Polizeiverwaltung in der Stadt Hanau ist vom 1. k. M. ab in gleicher Eigenschaft zur Kgl. Polizeiverwaltung in der Stadt Fulda versetzt worden.
Der Schutzmann Franz bet der Köuigl. Polizeiverwaltung in der Stadt Fulda ist vom 1. k. M. ab in gleicher Eigenschaft zur Königl. Polizeiverwaltung in der Stadt Hanau versetzt worden.
— Die regierungsseitige Bestätigung des Herrn v. Carnap als Bürgermeister der Stadt Schlüchtern ist erfolgt.
— Dre Stelle eines oberen ständischen Beamten bei der kommunal- ständischen Verwaltung (Landesrath event. Landeèsyndicus) zu Kassel ist zu besetzen. Geeignete Bewerber, welche bereits eine etatsmäßige Stelle im höheren Justiz- oder Verwaltungsdienst bekleiden müssen, werden er-