Einzelbild herunterladen
 

itoottttemteil» Preis:

Jährlich 9 Mark. Halbj.4M. SOPfg.

Bierteljährlich 2 Mark 35 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffen­den Postaufschlag. LteetnzelneSdw»- mer 10 Pfg.

tonnet linder.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis and Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feierwge, mit belletristischer Bèuage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

AnsertlonS» Preis:

Die ispaltige ;

Barmondzeile »6.

deren Raum 10 Psg?

Die 2spalt. Zelle

20 Psg.

DieSsPaltigeZeil« 30 Psg

Nr. 207. Mittwoch den

Amtliches.

Ausschreiben.

Am 30. l. Mts. wurde im Rheine dahier eine bis jetzt unbekannte männliche Leiche gelandet, welche höchstens 56 Tage im Wasser ge­legen haben mag. Dieselbe war im Alter von 3545 Jahren, ca. 1,70 in groß, hatte dünnes, dunkles melirtes Haar, dto. Kinnbart (Schnurr- u. Backenbart rasirt), gelbliche Zähne, untersetzte Statur und war bekleidet mit dunklem bläulichen Säckchen, dto. Weste, englisch-leder­nen Hose (grau), braunen Socken, Schaftenstiefeln mit Doppelsohlen, vorn Stücke aus den Sohlen und das Oberleder an beiden Ballenseiten geriestert, einem weißen leinenen Hemde mit schmalen Brustfalten und angenähtem Kragen und einem blau und roth gestreiftem halbwollenen Unterhemde.

In den Taschen trug die Leiche ein Taschenmesser mit einer Klinge, ein 5-Pt.-St. und ein s. g.Däumling" von braunem Leder nebst einem schmalen schwarzen Halsbindchen.

Um Auskunft über den Verlebten wird ergebens! ersucht.

Mainz, den 31. August 1882.

Großh. Hess. Polizei- Commissär.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 4. September 1882.

__Der Landrath. ___________________________

Am Abend des 18. d. Mts., wahrscheinlich zwischen 9 und 10 Uhr, wurde in der auf die Alte Mauergaffe mündenden Thorfahrt des Hauses Rind'sche Stiftsgasse Nr. 36 die schon stark in Verwesung über­gegangene mindestens 3 bis 4 Wochen alte Leiche eines ausgetragenen neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechtes aufgesunden.

Die Leiche lag in einen weißen Lappm gehüllt, in einem hell­blauen Carton mit Rand- und Kanten-Verzierungen in Golddruck; innen war der Carton hellzelb. Auf dem Deckel des Cartons war ein Zettel von weißem Papier geklebt, der die Bleifeder-Aufschrift trug, daß das Kind einem im Hause zur Miethe wohnenden jungen Mann ge­höre. (Dies Kind gehört im rc......folgt Namen des Mannes")

Da die angestellten Nachforschungen bis jetzt nicht zur Ermittelung der Mutter des Kindes geführt haben, so ergeht hiermit die öffentliche Aufforderung, Wahrnehmvngen, welche zur Entdeckung der Mutter, oder der Person, welche das Kind aussetzte, oder auch des Ursprunges des zur Einlegung der Leiche verwendeten Cartons rc. leiten könnten, als- bald hierher zur Anzeige bringen zu wollen.

Homburg den 28. August 1882.

Bürgermeister-Amt.

I. V.: Der Beigeordnete F. Lotz.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 5. September 1882.

__________________________Der Landrath. __________________________

Tagesschau.

Zum Eisenbahnunglück Freiburg-Hugstetten entnehmen wir demFrankf. Journal" Folgendes:

Freiburg, 5. Sept., 4 Uhr Morgens. Von den bis gestern Abend gefundenen 57 Leichen waren erst 27 von ihren Angehörigen oder Bekannten agnoscirt worden. Während der Nacht sollen weitere 3 Ver- wundete gestorben sein und da auch unter den noch nicht gehobenen Trümmern Menschen liegen, so dürfte die Ihnen gestern telegraphisch ausgesprochene Befürchtung von dem entsetzlichen Umfange des Unglücks leider nur zu bald ihre volle Bestätigung finden. Das großherzogliche Bahnamt sandte an die hiesigen Blätter einen officiellen Bericht, in welchem die Zahl der Verwundeten auf 104, die der Todten aber als noch nicht erurrt angegeben wird. Doch sind hier nur die in den hie­sigen Kliniken untergebrachten Verwundeten zu verstehen.

Die Verwundungen sind durchwegs sehr erhebliche, doch weigerten sich Viele ins Spital zu gehen; die Einen wollten zuerst über das Schicksal ihrer vermißten Zugehörigen unterrichtet sein, die Anderen wollten in ihre Heimath, um von den Ihrigen gepflegt zu werden. Man sah solche Verwundete wohl an Hundert durch die Straßen nach dem Bahnhof oder aber vor den Kliniken und der Anatomie umhergehen.

6. September 1882.

11111111 !im-.

Vor der Anatomie insbesondere gab es der Verwundeten, behufs Nachfrage nach den Ihrigen aber gleichwohl Erschienenen in Massen. Eine etwa 75 Jahre alte Frau war am rechten Auge derart verletzt, daß die Passanten ihre Verbringung ins Spital forderten. Eine 22jäh- rige Frau war von Morgens bis Mittags vor der Anatomie gestanden. Die Kleider waren der scheinbar dem besseren Stande angehörenden Frau vom Leibe gerissen; sie weinte und klagte bitter: mein Mann! mein Mann! Das Ehepaar war nebeneinander gesessen bei Eintritt des Un­glücks, die Frau wurde aus dem in Trümmer gegangenen Waggon ge­schleudert, der Mann blieb unter demselben mit vollständig eingedrücktem Schädel.

Und soll ich denn auch den Anblick schildern, der sich mir bei meinem Eintritt in den Secirsaal darbot? Eine unlösbare Aufgabe! Auch nur einen Theil des Elendes und Jammers zu schildern, den ich hier gewahr wurde, wäre unmöglich. Der Fußboden des langen Saales ist mit männlichen und weiblichen Leichen bedeckt. Die meisten dieser Opfer zerquetscht oder aufgeschlitzt; nur wenige liegen da, deren Ver­wundung nicht schon dem oberflächlichsten Blicke erkennbar. Rechts an der Thüre liegt eine 28jährige Frau; die verzerrten Gesichtszüge be­kunden, daß hier dem Tode Widerstand zu leisten versucht wurde. Ne­ben ihr liegt ihr Kind, ein etwa öjähriges Knäblein, das vermuthlich eine innere Verletzung erlitten. Wie zum Schutze ist noch jetzt die Mutterhand nach dem neben ihr liegenden Kinde ausgestreckt. Der Gatte und Vater harrt vor der Thüre der schrecklichen Aufgabe, Frau und Kind dem dienstthuenden Polizeibeamten als die ihm entrissene Fa­milie zu bezeichnen. Dort liegt ein Mann von 38 Jahren; Kleider und Gesicht verrathen, daß er dem niederen Stande nicht angchört; die Untersuchung ergibt, daß der so böse zugerichtete Beamte verlobt war und eben im Begriffe stand, ein Ehebündniß einzugeheu. Das auf der anderen Seite des Saales liegende 19jährige Mädchen mit ihren blut­durchtränkten, nun schlaff herabhängenden Zöpfen hat in ihm doppelt einen Schicksalsgenossen; weint um ihn eine Braut, die er nächstens zum Altare führen wollte, so wird sie von ihrem im Hofe stehenden, laut schluchzenden Bräutigam betrauert.

Doch das entsetzlichste aller Entsetzen! Mein Blick begegnet einem Paare, das bis vor wenigen Stunden noch glücklich war im Gedanken an ihre 5 kleinen Kinder, die der Rückkehr der Eltern aus Freiburg harren. Wie sie da neben einander liegen, Vater und Mutter, es ist, als ob sie händeringend zu den an ihnen Vorüberziehenden sprächen: Schauet her und sehet, ob ein Schmerz dem unseren gleicht." Dahin ist die Wonne der Eltern, dahin die Freude der sich ihres Unglücks noch nicht bewußten, unmündigen Kinder!

Ich übergehe die lange Reihe jener hier liegenden Unglücklichen, deren Betrachtung mir so wenig möglich als ihre Schilderung. An ihnen thaten die Räder und andere kantigen Bestandtheile der Waggons ihre sürchterliche Arbeit. Nur noch einen raschen Blick über das ganze vor mir liegende Unheil. Es waren 48 Menschenleben noch vor weni­gen Stunden, jetzt liegen hier blutige, nur an einzelnen Theilen mit zerrissenen Kleidern bedeckte Körperstücke! Im Hospital sind mittlerweile zwei Schwerverwundete ihren Leiden erlegen und die noch Vermißten sind 5 an der Zahl Die Arbeiten an der Unglücksstätte werden nun­mehr, nachdem die Behörde an Ort und Stelle war, beschleunigt, so daß jedenfalls noch während des heutigen Tages die noch vermißten Leichen zu Tage gefördert werden dürften. Erst dann wird sich das Unheil ganz übersehen lassen, das die Katastrophe angerichtet.

Bedeutende Verdienste erwarb sich anläßlich deS Unglücks Herr Universitäts-Professor Maas, der mit unter den Ersten an Ort und Stelle war und mit seinen Assistenten unaufhörlich arbeitete. Auch die Freiburger Aerzte entwickelten eine sehr lobenswerthe Thätigkeit.

Berlin, 5. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind heute zu den Manövern nach Breslau abgereist.

Berlin, 5. Sept. Der hiesige Königlich italienische Botschaf­ter, Graf de Launay, hat einen ihm von seiner Regierung bewilligten Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit von Berlin fungirt als interimistischer Geschäftsträger der Erste Botschafts-Sekretär Herr Tugini.

Bei Erlaß des Bundesrathsbeschlusfes vom 20. Februar d. I.,