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Nr. 206.

Dienstag den 5. September

1882.

Amtliches.

Gesunden: Ein schwarzer Sonnenschirm. Eine deutsche Gram­matik vonW. Jütting". Eine stählerne Uhrkette. Ein Cirkel mit Einsatz. Ein Hundemaulkorb. Ein Buch (neues Testament). Drei Mark baar. Eine Brille. Ein Weißes Taschentuch mit rothen Ringen.

Zugelaufen: Ein gelber dänischer Doggenhund.

Verloren: Ein schwarz-seidener Regenschirm.

Entlaufen: Ein gelber Doggen-Pinscher; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 5. September 1882.

_____________________Aus Königl. Landrathsamt. ____________________

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Se. Kgl. Hoheit Prinz Albrecht von Preußen hatte am vergangenen Sonnabend das Unglück, bei der Rückkehr vom Feldmanöver bei Remmelingen (Hannover) mit dem Pferde zu stürzen, wobei er eine Contusion an der rechten Schulter erlitt. Trotz dieses Unfalls begab sich der hohe Herr bereits am Abend des genannten Tages wieder zu den Manövern bei Verden.

Herr von Schlözer, der Vertreter Preußens beim Vatikan, hat Ende voriger Woche seine Rückreise nach Rom angetreten. Die Mei­nungen darüber, ob er in den Falten seiner Toga dem heiligen Stuhl Frieden oder aber Krieg mitbringt, sind getheilt, vorläufig glauben wir das Erstere, denn trotz der heftigen Artikel, welche dieNordd. Allg. Ztg." in der jüngsten Zeit gegen dieGermania" und somit gegen die Curie brachte, ist nicht anzunehmen, daß die Regierung sich wieder auf den Kriegsfuß mit dem Vatikan stellen sollte, zumal nach der Versiche­rung derGermania" die Unterhandlungen zwischen Preußen und Rom noch keinen Augenblick ins Stocken gekommen sind. Allerdings herrscht über die neuen Instruktionen, welche sich Herr von Schlözer in Varzin geholt hat, noch völlige Ungewißheit, doch werden wohl schon die nächsten Wochen hierüber Gewißheit bringen und hoffentlich wird dann auch der Mifchehen-Streit in das entscheidende Stadium treten.

Herr Eugen Richter erläßt imReichsfreund", dem neuen fort­schrittlichen Wochenblatt, eine Erklärung, welche sein Verhalten in der Wahlbewegung, namentlich gegenüber den Nationalliberalen, rechtfertigen soll. Bemerkenswerth ist aus dieser Erklärung die Versicherung, daß die Selbstständigkeit der Fortschrittspartei in den einzelnen Wahlkreisen als oberster Grundsatz gelten müsse und daß daher Niemand in der Partei berechtigt sei, ohne Wissen und Willen der Parteigenossen in den be­treffenden Wahlkreisen (d. h. in solchen, wo neben Fortschrittlern auch Nationalliberale kandidiren) Verbindlichkeiten einer andern Partei gegen­über einzugehen. Dieser Betonung des kategorischen Jmperaties in der Fortschrittspartei gegenüber bedarf es keinen weiteren Commentars zu der Richter'schen Candidatur in Pinneberg.

Der Rücktritt des Prinzen August von Württemberg vom Com- mando des Gardecorps hat mehrfache Veränderungen in den höheren Commandostellen des Gardecorps hervorgerufen. Zum Nachfolger des Prinzen ist bekanntlich Graf Brandenburg II., bisher Commandeur der Garde Cavallerie- Division, ernannt worden; Generalmajor Graf Winter­feld I, bisher Commandant von Berlin, ersetzt Graf Brandenburg II. im Commando der Garde-Cavallerie-Division. Zum Commandanten von Berlin wurde General v. Oppeln- Bronowski ernannt.

In München ist am Freitag das Urtheil in dem Hochverrathspro- zesse gegen den Journalisten Reeser alias Baron Graillet und den Baron Kreitmayr gesprochen worden. Beide Angeklagten wurden zu je 16 Mo­na e: Gefängniß, ersterer außerdem zur Stellung unter Polizeiaufsicht und letzterer zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ver- urtheilt.

(Oesterreich-Ungarn.) In Wien erwartet man in diesen Tagen das Eintreffen der türkischen Mission, welche Kaiser Franz Josef den Groß-Cordon des türkischen Nischan-Imtiaz. Ordens überbringt. Die Mission besteht dem Vernehmen nach aus dem Muschir (Feldmarschall) Fuad Pascha und den Generalstabsofficieren Nazim Bey und Zekim Bey. Wie erinnerlich, wurden die Insignien dieses höchsten türkischen Ordens vor einigen Monaten auch Kaiser Wilhelm durch einen Special­gesandten des Sultans überreicht; daß jetzt dem erlauchten Freund und Alliirten des deutschen Kaisers diese höchste Auszeichnung, welche der türkische Herrscher zu vergeben hat, zu Theil wird, ist sicher nicht ohne

Bedeutung für die zwischen Deutschland-Oesterreich und der Pforte ob­waltenden Beziehungen.

(Frankreich.) Der Feldzug, den dieRevanchepresse" von Paris im Verein mit derLiga der Patrioten" gegen den deutschen Turnverein in Paris und die Deutschen überhaupt eröffnet hat, sängt nun doch an, das Bedenken einiger Pariser Blätter zu erregen. So greifen z. B. das WitzblattFigaro" dieses in überaus sarkastischer Weise und einige radikale Organe, wie dieLanterne", die Liga und die gegen Deutschland eifernden Blätter an, hauptsächlich wohl, weil letztere meist im Sinne Gambetta's redigirt werden. Das Banket, wel­ches dieLiga der Patrioten" in dem bisherigen Lokale des deutschen Turnvereins in der Rue St. Marc vergangene Woche veranstaltete, wird von der gebildeteren Bevölkerung der sranzösischen Hauptstadt fast all­gemein verurtheilt.

(England.) Der in Irland ausgebrochene Constabler-Strike nimmt immer bedrohlichere Dimensionen an. Am vorigen Freitag wur­den in Dublin gegen 300 Offizianten der städtischen Polizei von der Behörde entlassen, weil dieselben an einem Meeting theilgenommen hatten, in welchem verschiedene das Verhalten der oberen Polizeiofficianten ta­delnde Resolutionen angenommen worden warrn. In Dublin herrscht deshalb große Erregung, so daß die Polizeistationen militärisch besetzt werden mußten. Wie dasWolff'sche Telegraphen-Bureau" meldet, bildet zwar die Dubliner städtische Polizei ein von den königlichen Con­stablern abgesondertes Corps, daß aber die Entlassung der Polizei Osfi- cianten und der Constabler-Strike im Zusammenhänge stehen, kann nicht bezweifelt werden und es ist sehr fraglich, ob die ersterwähnte Maßregel sich als eine glückliche erweisen wird. Der Vicekönig hat eine Prokla­mation erlassen, in welcher die Dubliner Bürger aufgefordert werden, zum Ersatz der entlassenen Polizeimannschaften sich als ein besonderes Polizeikorps zu organisiren.

(Griechenland.) Obwohl man in Griechenland wegen der blu­tigen Zusammenstöße zwischen den griechischen und türkischen Truppen an der griechisch türkischen Grenze gewaltig die Lärmtrommel rührt, scheinen diese Vorfälle doch zu keinem ernsteren Conflikte zwischen Grie­chenland und der Pforte führen zu wollen. Wenigstens sind von Athen wie von Konstantinopel aus an die beiderseitigen Commandanten an der Grenze die strengsten Befehle ergangen, die weiteren Feindseligkeiten einzustellen, und da auch die englische Regierung nach dieser Richtung beim Athener Cabinet Schritte gethan hat, so wird hoffentlich die ganze Rauferei keine ernstlicheren Folgen haben.

(Türkei.) Die Verhandlungen zwischen der Pforte und England bezüglich der Militär Convention stehen noch immer auf dem alten Flecke. Bekanntlich hat die Pforte die englischen Vorschlägeim Princip" an­genommen, das ist aber auch Alles. Von einer Unterzeichnung ist noch keine Rede, namentlich will sich die Türkei nicht die Orte vorschreiben lassen, an denen die türkischen Truppen in Egypten landen sollen. Neuerdings hat nun die Pforte wieder den Vorschlag gemacht, die Aus­schiffung ihrer Truppen in Alexandrien geschehen zu lassen, entweder unter der Bedingung, sofort nach Abukir zu marschiren, oder, im Falle schlechten Welters, dieselben einstweilen bei Alexandrien kampiren zu lassen; über letzteren Punkt drücken sich die Depeschen etwas undeutlich aus. Von England ist eine Antwort auf diesen Vorschlag noch nicht bekannt.

(Egypten.) Die Thatsache, daß General Wolseley zu seiner Verstärkung die schottische Brigade, welche bis jetzt in den Positionen von Ramleh, also bei Alexandrien, stand, nach Jsmailia beordert hat, beweist, wie dringend der englische Oberbefehlshaber der Verstärkungen bedarf. Der Marsch vom Suez Canal nach den Ufern des Nil bei Kairo erweist sich eben als keine militairische Promenade und sowohl die Verschanzungen von Tel-el-Kebir, wie auch die egyptische Sonne und der sich immer fühlbarer machende Mangel an Trinkwasser sind Hinder­nisse, welche den Vormarsch der Engländer gegen die egyptische Haupt­stadt immer schwieriger gestalten. Im Uebrigen leisten die englischen Depeschen vom Kriegsschauplätze an lügnerischen Berichten alles Mög­liche; so wurde gemeldet, daß Arabi Pascha bei General Wolseley um einen achttägigen Waffenstillstand nachgesucht habe; es ist hieran kein wahres Wort, wie an so manchen andern englischen Mittheilungen aus Egypten.