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Nr. 203a. Freitag den 1. September 1882.
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Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser hat dem Prinzen August von Württemberg, dem langjährigen Commandeur des Garde- korps, den Abschied, welchen der Prinz aus Gesundheitsrücksichten erbeten, bewilligt und dem verdienten Corpsführer hierbei den Schwarzen Adlerorden in Brillanten verliehen. Diese ehrende Anerkennung entspricht dem Schmerze des allerhöchsten Kriegsherrn, sich im Dienste von einem Generale zu trennen, welcher 24 Jahre die hervorragende Stellung an der Spitze des Gardekorps eingenommen und dasselbe in zwei Kriegen zu steten Siegen geführt hat.
Zum zwölften Male ist des deutschen Volkes schönster Ehrentag, der Tag von Sedan, herangenaht und abermals tritt darum an ganz Deutschland die Mahnung heran, in hergebracht würdiger Weise den 2. September zu feiern, als den Tag der eigentlichen nationalen Wieder- geburt Deutschlands. Soviel sich übersehen läßt, ist sich auch das deutsche Volk dieser seiner Ehrenpflicht lebendig bewußt, denn überall, im Süden wie im Norden, in den Gauen des Westens, wie in den Ostmarken des Reiches, schickt man sich in Dorf und Stadt an, den 2. September festlich zu begehen und hierdurch das Andenken an die, welche auf den Ge- silden von Sedan für des Vaterlandes Einigung kämpften und starben, wach zu erhalten. Möchte dies auch, zur Ehre unserer ganzen Nation, in Zukunft so bleiben!
Der Mischehen-Streit in Preußen und die Vorbereitungen zu den Landtagswahlen bilden für die deutschen Blätter noch immer die Gegenstände eingehender Erörterungen.
Der Feriensenat des Reichsgerichts hat die von dem bekannten Bankier Albert Sachs aus Frankfurt a/M. gegen das Urtheil des Frankfurter Schwurgerichtes eingelegte Revision verworfen. Das Urtheil, welches Sachs wegen betrügerischen Bankerotts, Betrugs und Unterschlagung von über 1 Mill. Mark zu 12jähriger Zuchthausstrafe ver- urtheilt, ist demnach rechtskräftig geworden.
(Oesterreich-Ungarn.) Der österreichischen Regierung ist es noch immer nicht gelungen, sich in Bosnien und der Herzegowina fest in den Sattel zu setzen. Ein Beweis hierfür ist die nunmehr beendigte Rekrutirung für die occupirten Provinzen. Die officiösen Berichte wußten stets zu melden, daß die Assentirung in dem und dem Bezirke ohne den geringsten Zwischenfall durchgeführt worden sei, daß sich die und die Zahl von Freiwilligen gestellt und die ganze Bevölkerung bei diesem Akte großen Enthusiasmus bewiesen habe. Die Wahrheit ist aber, daß in vielen Bezirken Serben und Mohamedaner von den Gendarmen mit Gewalt herbeigeführt werden mußten und daß von den Eingestellten, die nach Ablegung des Fahneneides nach Hause entlassen wurden, viele sofort in die Berge entflohen. Hier schlossen sie sich den Ueberresten der aufständischen Banden an und so hat denn der Aufstand in der Herzegowina und Bosnien erklärlicherweise wieder neue Nahrung gesunden.
(Frankreich.) Der französische Chauvinismus gegen Deutschland ist durch den Zwischenfall mit dem deutschen Turnverein in Paris wieder einmal in grelle Beleuchtung gesetzt worden. Als bereits bekannt dürfen wir wohl die Thatsachen vorausschicken, daß der deutsche Turnverein eine kleine Privatfestlichkeit veranstalten wollte, daß aber die Pariser Polizei die Abhaltung der Feier verbot, weil sie erfuhr, daß die „patriotische Liga", welche sich in erster Linie das Ziel gesetzt hat, den Revanchegedankm zu pflegen, diese Gelegenheit zu einer ernsten antideutschen Demonstration zu benutzen gedachte. Die „patriotische Liga" behauptet nun, daß der deutsche Turnverein Herrn Deroulede, dem Präsidenten der Liga, eine Einladung zur Feier zugeschickt habe, außerdem seien von den deutschen Turnern franzosenfeindliche Lieder gesungen worden. Beide Behauptungen haben sich längst als unwahr herausgestellt, trotzdem fallen die gambettistischen wie die ultramontanen Pariser Blätter mit seltener Einmüthigkeit in den gehässigsten Ausdrücken über die Deutschen her und selbst gemäßigt republikanische Organe stimmen in diesen wüsten Chorus ein. Allerdings hat das Cabinet Duclerc, die Tragweite dieser fcandalösen Vorgänge erkennend, den Journalen eine officiöse Note zugehen lassen, welche die gegen den Turnverein gerichteten Bejchuldigun- gen für unbegründet erklärt, aber hierdurch wird das gehässige Vorgehen
> n'.iiiinrii ■■rmnKiVoi ■ Hlllll ■■■ I I der Pariser Presse gegen den Turnverein im Speciellen und die Deutscheu im Allgemeinen weder gemildert noch entschuldigt.
(England.) Das Interesse Englands wird natürlich in erster Linie durch die Vorgänge in Egypten in Anspruch genommen, trotzdem taucht aber daneben auch die irische Frage von Zeit zu Zeit wieder auf. In den letzten Tagen sind nun die vielen Verlegenheiten des englischen Cabinets in Irland noch durch einen Strike der Constabler vermehrt worden. Seinen Anfang nahm derselbe in Limerick, wo etwa 60 Constabler „die Arbeit einstellten", weil einige ihrer Cameraden, die Führer bei einer kürzlich stattgefundenen Agitation zum Zwecke einer Gehaltserhöhung, entlassen worden sind. Von Limerick aus hat sich dieser eigenthümliche Strike auch nach andern Städten Irlands verbreitet und die strikenden Constabler wollen nur dann ihren Dienst wieder antreten, wenn auch die entlassenen Constabler wieder eingestellt werden. Da die englische Regierung in ihrem Kampfe gegen die Landliga die Constabler wegen ihrer Lokalkenntniß schwer entbehren kann, so wird sie wohl auf deren Forderungen eingehen müssen, obwohl sie sich hierdurch offenbar eine Blöße geben würde.
(Türkei.) Noch ist die türkisch-griechische Grenzsrage nicht definitiv erledigt und schon droht dieselbe durch einen ernsten Zwischenfall weiter verschleppt zu werden. Anläßlich der Besetzung des bisher türkischen Grenzortes Karaliderbend durch eine griechische Abtheilung kam es zwischen letzterer und türkischen Truppen am 28. August zu einem blutigen Zusammenstoß. Die Türken verloren 7 Todte und mehrere Verwundete, die Griechen hatten ebensalls 7 Todte und 12 Verwundete; schließlich wurden die griechischen Truppen wieder aus der von ihnen, wie es scheint widerrechtlich besetzten Position vertrieben, doch soll es schon am nächsten Tage zu einem neuen Kampfe gekommen sein. Infolge dieser Ereignisse findet nicht nur gegenwärtig ein gereizter Notenwechsel zwischen der Pforte und Griechenland statt, sondern letzteres concentrirt auch seine Truppen an der Grenze.
(Egypten.) Auf dem egyptischen Kriegsschauplätze ist zwar noch kein Hauptschlag gefallen, doch ist kein Zweifel, daß General Wolseley mit der englischen Hauptstreitmacht von Jsmaila zunächst gegen die stark verschanzte Stellung der Egypter bei Tel-el-Kebir erfolgreich vorwärts drängt. Am 28. August fand bei Gasfassin ein Gefecht statt, dem Arabi Pascha persönlich beiwohnte. Die Egypter wurden schließlich unter großen Verlusten zurückgeworfen, wobei sie ihre ganzen Munitionsvor- räthe verloren. Die Engländer beziffern ihren Verlust auf 8 Todte und 61 Verwundete. Doch wird gemeldet, daß die Engländer sehr durch Wassermangel zu leiden haben, da der von Tel-el-Kebir nach Jsmailia führende Süßwasser. Canal von den Leichen hineingeworfener Egypter, welche in den Kämpfen der vorigen Woche gefallen sind, verpestet ist. — Sultan Pascha, der ehemalige Präsident der egyptischen Notabeln- kammer, ist vom Khedive zum Kommissar bei den englischen Truppen ernannt worden und soll die Autorität des Khedive in den von den Engländern allmälig besetzten Provinzen wieder zur Geltung bringen.
Tagesschau.
— Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem General-Obersten von der Kavallerie Prinzen August von Württemberg, Königliche Hoheit, bisherigen kommandirenden General des Garde-Corps, den Schwarzen Adler-Orden in Brillanten zu verleihen.
— Der silberne Hochzeitstag Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin (25. Januar 1883) soll durch Gründung eines Waisenhauses für Kinder verstorbener Königlicher, kommunaler und privater Forstbeamten ein Gedenktag für ewige Zeiten bleiben, und sind demzufolge mittelst Aufrufs vom 6. Mai d. J. alle Wald- und Jagdfreunde zu Beiträgen aufgefordert worden, welche an den Geheimen Rechnungs-Rath Nitschke im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten (rteipziger-Platz Nr. 7, Berlin) erbeten werden. Obwohl inzwischen schon eine nicht geringe Summe gesammelt ist, so wird in Rücksicht darauf, daß ein bedeutendes Grundkapital erforderlich, die Bitte um weitere Beiträge erneut mit dem Wunsche, daß sich noch recht viele Wohlthäter finden möchten, welche durch Schenkungen, Legate, Vermächtnisse rc. das Waisenhauswerk zu fördern bereit wären.