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Hanmer ^itKiyr.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis and Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Benage, und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

Josertionr-

Preis:

Die tspaltige Barmondzeile ob. deren Raum

10 Psg.

Die Sspalt. Seile 20 Pfg.

Die SspaltigeZeile 30 Pfg

Nr. 203.

Donnerstag den 31. August

1882.

SS9S

Amtliches.

Der Landwirth Johannes Döll 3r aus Langenselbold hat für sich und seine Familie um Ertheilung der Entlassungsurkunde behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 30. August 1882.

Der Landrath.

Verloren. Ein Privat Pfandschein Nr. 3128.

Gefunden. Ein Bernsteinkettchen mit goldenem Schloß. Ein abgetragenes seidenes Knöpftüchelchen.

Zugeflogen. Ein Blutfink (Weibchen). Ein Kanarienvogel.

Hanau am 31. August 1882.

____________________Aus Königl. Landrathsamt. ___________________

Bekanntmachn» g.

Austausch von Postpacketen mit Portugal.

Vom 1. September ab findet im Verkehr mit Lissabon ein Austausch von Postpacketen ohne Werthangabe bis 3 kg durch Vermittelung der Reichspost und der Königlich Portugiesischen Posten statt. Der einheitliche Portosatz beträgt 1 Mark 80 Pfennig. Die Sendungen müssen frankirt und von drei Zoll-Inhaltserklärungen in Französischer Sprache begleitet sein. Für alle Packetsendungen nach Lissabon, welche den Bedingungen für Postpackete nicht entsprechen, im- gleichen für Packetsendungen jeder Art nach den übrigen Orten Portu­gals bleiben die bisherigen Versendungsvorschriften in Kraft.

Berlin W., 25. August 1882.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. __Stephan._____________________

Tagesschau.

Die Deutschen in Paris.

Schon der Artikel der Nordd. Allg. Ztg, der gegen die aufrei­zende, mit Fälschungen gespickte Trocadero-Rede des gambettistischen Un­terrichtsministers Bert gerichtet war, hat ein auffälliges Streiflicht auf die Beziehung n zwischen Deutschland und Frankreich geworfen. Jetzt kommen aus Paris Nachrichten, welche leider nur allzusehr den Beweis liefern, wie angebracht jene Warnung an unsere heißblütigen Nachbarn war. Seitdem Gambetta wieder hinter den Kulissen arbeitet, greift von Neuem eine den Deutschen höchst feindselige Stimmung um sich, man betreibt wieder systematisch die Spionenhetze, und neuestens hat man unter nichtigen Vorwänden einen wüsten Sari gegen die deutsche Kolonie in Paris erhoben, der die Gesinnungen unserer Nachbarn im übelsten Lichte zeigt. Das Thatsächliche ist nach Briefen der Köln. Ztg. u. anderer Bl Folgendes: Zwei verdienstvolle Mitglieder des seit dem Jahr 1863 bestehenden deutschen Turnvereins, die in Paris ein Kommissions­geschäft hatten, darunter Herr Gras, der langjährige Musikdirektor des Vereins, gaben dieses Geschäft auf, um sich nach ihrer Heimath zurück- zubegeben; der Verein hatte deshalb für dm Abend des 26. ein kleines Fest in seinem gewöhnlichen Lokal Rue Saint Marc 8 veranstaltet, um den beiden Abgehenden ein Geschenk zu überreichen. Er kündigte dies feinen Mitgliedern in einem Rundschreiben an, worin aufgesordert wurde, sich an der Zeichnung für das Geschenk zu betheiligen. Das Schrist- stück war so abgefaßt, daß jeder sofort erkennen mußte, daß es nur für Vereinsmitglieder bestimmt sei. Am letzten Mittwoch oder Donnerstag erhielt nun der Vorstand von der Polizeipräfektur den Befehl, daß das Fest nicht stattfinden dürfe. Zwei Mitglieder des Vorstandes begaben sich nach der Polizeipräfektur, um dieses Verbot rückgängig zu machen, wurden aber ziemlich kalt empfangen. Man theilte ihnen mit, daß die Ligue patriotique (eine chauvinistische Brutanstalt, an deren Spitze der bekannte Revanchedichter Döroulöde, die Straßburger Reinach und Zmgerle (Seingnerlet) u. dergl. stehen), eine Einladung zu ihrem Feste erhalten und beschlossen hätten, eine Kundgebung gegen sie zu machen. D e beiden Vorstandsmitglieder erklärten, daß diese Einladung von ihnen Nicht den Herren zugesandt worden sei und gaben die schriftliche Erklärung ab, d ß sie keine Einladung an die Ligue gesandt hätten un^ falls die­selbe eine solche erhalten, sie nur von einem Feinde der Gesellschaft oder

einem Spaßvogel könnte abgesandt worden sein. Später klärte es sich auf, wie die Einladung in Döroulödes Hände gekommen ist. Döroulöde wohnt nämlich in einem Hause mit dem Redaktions-Sekretär desDra- peau" zusammen, der Meyer hieß, und mit einem andern Meyer, der Turnvereinsmitglied ist. Die an den zweiten Meyer gerichtete schrift­liche Einladung wurde bei dem ersten Meyer abgegeben, der sie dann sofort D^roulöve mittheilte. Der Vorstand des Deutschen Turnvereins wandte sich nun an den deutschen Botschafter Fürsten Hohenlohe, der ihm auch ein Schreiben an den Polizeipräfekten gab, worin er ihm mit­theilte, daß er die Gesellschaft genau kenne, diese eine äußerst harmlose sei und er ihn deshalb bitte, sein Verbot zurückzunehmen. Die beiden Vorstandsmitglieder brachten dieses Schreiben nach der Präfektur. Die­selben wurden aber nicht vom Polizeipräfekten, sondern von seinem Ge­neralsekretär empfangen, der versicherte, daß die Regierung nichts gegen sie habe und sie in ihrem Verein machen könnten, was sie wollten. Zu­gleich gab ihnen aber der Generalsekretär den Rath, ihr Fest nicht Samstag zu halten, sondern Sonntag, da sie sonst Unannehmlichkeiten haben könnten. Die beiden Vorstandsmitglieder hielten den Sonntag sür nicht geeignet und setzten die Abschiedsseier auf nächsten Mittwoch fest. Der Generalsekretär hatte sich vorher mit Düroulöde benommen, der schließlich versprach, alles aufzubieten, um unliebsame Kundgebungen zu vermeiden. Trotzdem aber Doroulède auf die Verhauung der Deutschen verzichtet hatte, erlaubte der Generalsekretär doch nicht, das deutsche Fest zu veranstalten, und schickte Abends um 7 Uhr den Polizeikomrmssär Clement nach der Rue St. Marc, um das Lokal gänzlich zu schließen und selbst das Anzünden von Licht zu verbieten. Auf die Vorstellung der Vorstandsmitglieder sprach Clement höflichst von einem Mißverstrnd- niß, im übrigen aber blieb es bei der Verordnung. Der deutsche Vor­stand traf nun alle Vorbereitungen, um seine Mitglieder vor dem Be­suche der Rue St. Marc zu warnen, und es gelang auch, fast alle recht­zeitig zu benachrichtigen. Dagegen fanden sich außer zahlreichen Poli­zeisoldaten ganze Trupps von Franzosen ein, die offenbar, aber vergeb­lich, auf die Ankunft der Deutschen warteten und dabei Drohungen gegen den Besitzer des Lokals ausstießen. Im Laufe des Nachmittags hatte bereits ein mit der Ehrenlegion dekorirter Herr auf der Straße erklärt, daß man das Haus plündern werde, wenn die Deutschen noch länger dort verkehrten". Döroulède behauptete, er habe durch die offenen Fenster des Vereinslokals gehört, daß man antisranzösische Lieder gesungen habe. Der Mann versteht aber, wie er selbst eingesteht, kein Deutsch, und man machte ihm daher wohl nur weis, daß das, was er, als er auf der Straße lauschte, singen hörte, gegen Frankreich gerichtete Lieder seien, da der Turnverein, der viele Franzosen zu seinen Mitgliedern zählt, es immer vermied, Lieder zu singen, welche die Franzosen hätten verletzen können. Nach dem vereitelten Ueberfall führte Döroulède seine Gesin­nungsgenossen (es waren nicht weniger als 6 patriotische Gesellschaften versammelt) nach dem französ. Turnlokal und hielt â la fin du puneh, wie die Republ. frany. berichtet, eine Anrede an sie, worin er offen er­klärte, daß seine Absicht gewesen sei, die Deutschen aus dem Lokal hin­auszuwerfen, und die damit schloß:die Regierung hat ihre Schuldigkeit gethan. Sie hat nicht Deutschen Recht gegen Franzosen gegeben. Das Fest der deutschen Turngesellschaft ist verboten worden. Beglückwünschen wir die Regierung dazu, m. H, daß sie auf diese Weise verstanden hat, die Würde Frankreichs zu wahren. Ich für meinen Theil danke Ihnen für Ihre Mitwirkung." WieParis" hinzufügt, stellte Düroulöde den Versammelten sodann den berühmten Sergeanten Hoff, jetzt Hüter des Triumphbogens, vor, von dem die Legende erzählt, daß er 1870 jeden Abend ein DutzendPreußen"-Köpfe abgeschnitten und nach Paris ge­bracht und vor dem Triumphbogen einen Graben angelegt habe, damit die feindliche Armee bei ihrem Einmarsch nach Paris darüber hi: weg­hüpfen mußte u. s. w. (Schw. Merk )

Berlin, 30. August. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den General der Kavallerie Hann von Weyhern, hielten von 11 Uhr an auf dem Tempclbofer Felde trotz der sehr ungünstigen Witterung die Herbstparade über das vereinigte Garde Corps ab und nahmen darauf militärische Meldungen entgegen.