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Nr. 198. Freitag den
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Amtliches.
Ausschreiben.
Am 13. ds. M. entfernte sich der Schmied Wilhelm Geibel, gebürtig und wohnhaft zu Niederramstadt, dessen Signalement unten folgt, von zu Haus in der Absicht, nach Darmstadt zu gehen, ohne bis jetzt wieder zurückzukehren. — Um Anstellung von Recherchen nach dem- selben, Heimweisung und gefällige Nachricht von etwaigem Resultat wird ergebenst ersucht.
Darmstadt den 18. August 1882.
Großherzogliches Polizeiamt.
Signalement:
Alter: 28 Jahre; Haare: schwarz, kurz geschnitten; Bart: Schnurbart; Kleidung: grauer Bukskinanzug (Säckchen), entweder gleiche Mütze oder schwarzseidene.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 21. August 1882.
Der Landrath.
Der Kaufmann Joseph Hichenberg von hier hat einen Paß für sich nach Amerika beantragt.
Hanau am 22. August 1882.
Johannes Scharf II. in Wachenbuchen wurde als Sachverstän» diger zur mikroskopischen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für genannte Gemeinde widerruflich bestellt.
Hanau am 18. August 1882.
Der Landrath. __________________________
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) Unsere Politik liegt noch immer in ihrem Sommerschlafe, aus dem sie wohl erst erwachen wird, wenn die Vorbereitungen zu den Landtagswahlen in Preußen in lebhafteren Fluß gerathen sein werden. Dies dürfte aber nicht vor Bekanntmachung des Wahltermins geschehen, über welchen bis jetzt noch nichts Genaueres bekannt ist, wenn auch behauptet wirv, daß die Wahlen in der zweiten Hälfte des Oktober stattfinden würden. Das Centrum soll, wie versichert wird, auf Windthorst's Anrathen die Anbahnung eines Wahlbündnisses mit den Conservativen beabsichtigen, weil man im ultramontanen Lager fürchtet, die „isolirten" Conservativen möchten dem Anstürme der liberalen Parteien erliegen. Dem gegenüber ist man auch auf liberaler Seite mit den Wahlvorbereitungen nicht müßig, namentlich die Fortschrittspartei ist bestrebt, ihre in der letzten Landtags Campagne in Ost- und Wefipreußen an die Conservativen verloren gegangenen Mandate wieder zu erobern und Falls dies gelingen sollte, so würden die liberalen Parteien im neugewählten preußischen Abgeordnetenhause allerdings eine erhebliche Verstärkung erfahren. Ferner haben die Nationalliberalen Schleswig-Holsteins auf einem zu Neumünster am vergangenen Sonntag abgehaltenen Parteitage beschlossen, unter Aufrechterhaltung ihres nationalliberalen Standpunktes, für die bevorstehenden Landtagswahlen ein Zusammengehen mit den übrigen liberalen Parteien der Provinz anzubahnen. Oberlandesgerichtsrath Schütt wurde beauftragt, die Verhandlungen mit Hänel (Fortschritt) und dessen Parteigenossen weiterzuführen.
In der so lebhaft erörterten Frage der bayerischen und württem- bergischen Postwerthzeichen haben sich nunmehr gegen 50 Handelskammern dem hierauf bezüglichen Anträge der Frankfurter Handelskammer beim Bundesrathe angeschlossen. Der Frankfurter Antrag bezweckt bekanntlich die Beseitigung brr den Verkehr erschwerenden postalischen Verschiedenheiten im deutschen Reiche und erwartet namentlich die Beseitigung anerkannter Mißstände, welche sich aus der Belegung der mit unrichtigen Marken frankirten Briefe mit Strafporto, ferner aus der in Württemberg und Bayern beanstandeten Absendung der fremden Correspondenz- karten und endlich aus den Schwierigkeiten des Umtausches von Marken der verschiedenen Postgebiete ergeben. Die bayerischen Handels. und Gewerbekammein, welche ausgefordert worden waren, sich der Frankfurter Eingabe anzuschließen, haben ablehnend geantwortet.
(Oesterreich-Ungarn.) Die öffentliche Meinung in Oesterreich beschäftigt sich noch immer lebhaft mit der Entdeckung des Bombenkcffers in Triest, wodurch natürlich auch wieder die Erinnerung an das Bom-
25. August 1882.
benattentat vom 2. August geweckt wird. Welche Wichtigkeit das Wiener Cabinet der Auffindung des ominösen Koffers beimißt, geht daraus hervor, daß der Ministerpräsident Graf Taaffe selbst kürzlich in Triest anwesend war und sich über diesen Vorgang eingehend Bericht erstatten ließ. Von den Triester Polizeibehörden sind verschiedene Verhaftungen und Haussuchungen vorgenommen worden, über das Resultat der letzteren ist jedoch noch nichts bekannt. Die Polizei von Venedig, wo der Koffer ausgegeben wurde, ist von der Ausfindung desselben in Kenntniß gesetzt und ersucht worden, die umfassendsten Recherchen zur Entdeckung des Absenders einzuleiten. Die Aufregung in Triest gegen die Irredentisten ist durch diesen Zwischenfall aufs Neue hervorgerufen worden, so daß die Behörden Vorsichtsmaßregeln getroffen haben.
(Frankreich.) Die in Frankreich eingetretene parlamentarische Pause wird von den monarchistischen Parteien mit verschiedenen Demonstrationen ausgefüllt. Nachdem die Bonapartisten den Napoleonstag am 15. August in demonstrativer Weise feierten, haben auch die Legitimisten eine Kundgebung veranstaltet. Dieselbe bestand in einem glänzenden Banket, welches am 20. August zur Auffrischung der Sache des legiti- mistischen Thronprätendenten, des Grafen von Chambord, in dem Städtchen Challans (Bendöe) gegeben wurde. Das Banket war äußerst zahlreich besucht und die Reden und Toaste drückten alle die Zuversicht auf die baldige Wiederaufrichtung des Königthums in Frankreich unter Heinrich V. aus. — Die meisten größeren französischen Journale äußern sich anerkennend über das rasche Vorgehen Englands betreffs des Suez Canals; der „Temps" bringt einen langen Artikel, in welchem die Ueber- legenheit Englands zur See über alle übrigen Mächte zusammengenommen konstatirt wird.
(England.) Diè irische Frage ist durch den fünffachen Mord zu Mullaghadruma wieder in ihrer ganzen Entsetzlichkeit enthüllt worden. Zwangsbill und Pachtrückstandsbill, die eine das Princip der Strenge, die andere das der Milde repräsentirend, vermochten nicht, Irland der Ordnung ^wiederzugeben und die verhältnißmäßige Ruhe, welche auf der „grünen Insel" während der letzten Wochen eingetreten war, hat durch die Blutthat von Mullaghadruma eine nur zu nachdrückliche Unterbrechung erlitten. Die That soll deshalb erfolgt sein, weil der Ermordete, ein armer Pächter, und seine Frau vor Gericht Zeugniß gegen einige Mitglieder der irischen Landliga ablegten. Ueber den Thätern selbst aber ruht dasselbe tiefe Dunkel, wie über den Urhebern aller ähnlichen in Irland begangenen Frevelthaten und bevor es nicht gelingt, dieses Dunkel zu lichten, werden auch die anarchischen Zustande auf der unglücklichen Insel nicht enden.
(Rußland.) Vom Czarenreiche liegen in dieser Woche Nachrichten von Belang nicht vor. Die sür den 19. August angekündigte Reise Kaiser Alexander III. ins Ausland hat natürlich nichtstattgefunden und auch die Gerüchte über die angeblich noch in diesem Monate stattfindende Moskauer Krönungsfeier sind wieder verstummt. Die Maßregelungen der Juden scheinen auch unter Tolstoi fortgesetzt werden zu sollen, denn vom russischen Kriegsministerium ist verfügt worden, daß die Anzahl der jüdischen Militärärzte nicht mehr als 5 pCt. der sämmtlichen Militärärzte Rußlands betragen solle. Dieselbe Norm sei auch bei der Aufnahme jüdischer Studenten in die militärisch-medicinische Academie zu beobachten. Auch dürfte das Avancement der jüdischen Militärärzte nur bis zur fünften Rangklasse unter Beobachtung derselben Norm gestattet werden.
(Türkei.) Die Verhandlungen zwischen der Pforte und England wegen Abschlusses der Militär Convent.on gestalten sich immer schwieriger. Lord Dufferin, der englische Botschafter in Konstantinopel, hat gegen die türkischen Gegei Vorschläge zur Convention entschieden protestirt und obwohl die Pforte bereit ist, dieselben zu modificiren, so erscheint das Zustandekommen der Convention doch sehr fraglich.
(Egypten) Die egyptische Frage ist, wenigstens was die militärische Seite derselben anbelangt, durch die Besitzergreifung des Suez- Canals durch die Engländer plötzlich in eine neue Phase getreten. Mit dem Suez-Canal, auf dessen Fluthen sich jetzt die englischen Panzerkolosse wiegen, während die Landstreitmacht der Engländer bei Jsmailia, in der Mitte des Canals, concentrirt ist, hat General Wolseley eine vortreffliche Basis für seine weiteren Operationen gegen Arabi Pascha gewonnen, die darauf hinauslaufen, dem egyptischen Diktator den Rückzug von