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Hanauer Auwei
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Nr. 195. Dienstag den
Amtliches.
Warnung.
In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor, Lotterie- Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Collekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinnabzüge für sich ausbedingen.
Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Ge- win nzahlung.
Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loosantheilschein- Verkäufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine ausgeben, als der Umfang ihres Loosebesitzes erlaubt, oder endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren Umschrift „Koen. Pr. Gen. Lotterie-Direktion" tragen.
Zur Unterscheidung zwischen den sich als „Lotterie- Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie- Einnahmen" oder „Lotterie-Komtor" bezeichnenden Privatverkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lotterie-Einnahmen" oder „Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.
Berlin am 8. Juli 1882.
Königliche General - Lotterie - Direktion.
________________Dammas. Liliental.________________
Die Kreiseingesessenen werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß ihre laufenden Mobiliar-Feuer-Versicherungsverträge, welche bisher noch nicht von dem Königlichen Landrathsamte visirt worden sind, z u ihrer Gültigkeit dieser Visirung bedürfen und daher zu diesem Zweck nachträglich noch vorzulegen sind. (cfr. Kreisblattverf. v. 13. Juli er.)
Hanau am 14. August 1882.
Für die Pferde der am 25. September c. in Bergen, Preungesheim und Seckbach einzuquartierenden Abtheilungen des Dragoner-Regiments Nr. 24 soll die Fourage Montag den 28. August e., Morgens 9 Uhr, auf dem landräthlichen Büreau verdungen werden. Die Bedingungen können auf demselben eingesehen werden.
Hanau am 21. August 1882. __Der Landrath.
Rundschau.
U. F. (Deutsches Reich.) Die Vorbereitungen zu den Landtagswahlen sind zwar in erster Linie für Preußen von Interesse, aber bei der führenden Rolle Preußens im deutschen Reiche kann der Ausfall dieser Wahlen auch für die anderen deutschen Bundesstaaten nicht gleichgültig sein, denn der Stand der inneren politischen Verhältnisse des leitenden Bundesstaates ist erklärlicherweise auch auf diejenigen des ganzen Reiches von Einfluß. Indessen ist die Wahlbewegung zur Zeit noch nicht derartig entwickelt und geklärt, um sich ein übersichtliches Bild von derselben verschaffen zu können.
Ueber die Haltung der Regierung in der „Staatspfarrerfrage" liegen noch keine bestimmten Nachrichten vor. Das Vorgehen des Breslauer Fürstbischofs gegen die Staatspfarrer hat allerdings in den leiten- een Berliner Kreisen peinlich berührt, doch deutet einstweilen nichts darauf hin, welche Schritte die Regierung in dieser Angelegenheit gegen den Fürstbischof zu thun gedenkt, dagegen soll man in Berlin über das Auftreten des genannten Kirchenfürsten in Sachen der gemischten Ehen
22. August 1882.
viel verstimmter sein, welches mit dem Stocken der Verhandlungen mit der Curie in Verbindung gebracht wird. Entscheidende Schritte in den kirchenpolitischen Angelegenheiten werden vor den allgemeinen Wahlen dieses Herbstes jedensalls Seitens der Regierung nicht erfolgen.
In der Vertretung Deutschlands im Auslande herrschen jetzt verschiedene Vakanzen, zum Theil sogar an wichtigen Punkten. Die deutschen Gesandtschaftsposten in Washington und im Haag sind schon seit längerer Zeit verwaist, aber bestimmte Persönlichkeiten für dieselben scheinen von der Reichsregierung noch nicht ins Auge gefaßt worden zu sein. Außerdem sind drei wichtige deutsche Konsulate, die zu Syra, Piräus und Athen, durch den Tod der bisherigen Inhaber dieser Posten erledigt. Ueber die Neubesetzung der Consulate in Syra und Piräus verlautet ebenfalls noch nichts, dagegen soll zum deutschen Generalconsul Dr. Oberg, Dollmetscher bei der deutschen Gesandtschaft in Athen, ernannt werden.
(Oesterreich-Ungarn.) In den österreichischen Nationalitätenstreit klingt als neue Dissonanz die zwischen Alt- und Jung-Czechen entstandene Fehde hinein. Den Anlaß zu derselben gab der Prüsungser- laß, welcher von den czechischen Candidaten der Prager Universität die Kenntniß der deutschen Sprache verlangt. In einem Briese Dr. Riegers, des Führers der Altczechen, an „Narodni Listy", des Organs der Jung- czechen, hatte derselbe seiner Meinung unverblümt Ausdruck gegeben, daß für jeden Gebildeten der czechischen Nation die Kenntniß des Deutschen unerläßlich sei, was im Lager der radikalen Jungczechen einen Sturm der Entrüstung gegen Dr. Rieger und dessen Gesinnungsgenossen entfesselte. Zwischen Alt- und Jungczechen ist infolge dessen eine merkbare Verstimmung eingetreten, die möglicherweise zu einem Bruche zwischen beiden Parteien führen kann. — Der ungarische Minister für Landesvertheidigung, Oberst Szende von Keresztes, ist am 18. August gestorben.
(Schluß in der Beilage.)
Tagesschau.
— Berlin, 21. August. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten gestern Vormittag 10 Uhr mit Ihren Königlichen Hoheiten den Prinzen Wilhelm, Alexander, Friedrich Leopold und einer glänzenden Suite dem Festgottesdienst in der Garnisonkirche zu Potsdam bei, welcher aus Anlaß des 150jährigen Bestehens derselben abgehalten wurde. Se. Majestät wurden am Eingänge des Gotteshauses von dem Ober- Präsidenten Staatsminister Dr. Achenbach und der gesammten Geistlichkeit empfangen und in das festlich und weihevoll dekorirte Gotteshaus geleitet. Nach feierlichem Glockengeläute begann der Gottesdienst, welchem Deputationen sämmtlicher Truppentheile der Garnison im Paradeanzuge beiwohnten. Das Schiff der Kirche und der Platz um dieselbe war vom Publikum dicht besetzt. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin war Ihres Befindens wegen verhindert, an der Feier theilzunehmen.
— Berlin, 21. August. Angekommen: Se. Excellenz der Staatsminister, Staatssekretär des Innern von Boetticher von Crawpas auf Rügen; Se. Excellenz der Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach von Heringsdorf; der Unter-Staatssekretär im Ministerium für Handel und Gewerbe Dr. von Moeller aus Sachsen.
— Berlin, 21. August. Der Königlich bayerische Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Graf von Lerchenfeld-Köfering, hat Berlin mit Urlaub verlassen. Während seiner Abwesenheit fungirt als interimistischer Geschäststräger der Legations-Sekretär Freiherr von Podewils.
— S. M. Kbt. „Cyclop", 4 Geschütze, Kommandant Kapitän- Lieutenant Kelch, ist am 19. August er. von Wilhelmshaven nach dem Mittelmeer in See gegangen.
— Die „Berliner Politischen Nachrichten" erfahren aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf, daß die Seidenindustrie einen ganz besonders erfreulichen Aufschwung nimmt, so daß nicht nur die Fabrikanten mit Aufträgen reichlich und die Arbeiter mit voller Beschäftigung versehen sind, sondern daß sogar mit Erfolg versucht werden konnte, die Hausindustrie der Seidenindustrie in die Kohlendistrikte Rheinland-Westfalens einzuführen, um den Frauen und Töchtern der Bergleute damit eine Erwerbsgelegenheit zu schaffen.