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Nr. 194. Montag den

Amtliches.

Das Schießen auf dem Schießstande zu Wilhelmsbad wird hier­durch bis nach erfolgter Erhöhung desselben verboten. — Auch nach Herstellung darf derselbe von Unbefugten nach Polizeiverordnung vom 26. Juli 1870 nicht benutzt werden.

Hanau am 18. August 1882.

Der Landrath.

Gefunden: Ein goldener Ring mit Stein. Ein Theil von einer weißen Kinderhose. Eine Rolle Hanfschnur. Eine schwarze Orlean- schürze. Eine Milchflasche für Kinder. Ein messingener Zollstock. Ein deutsches Lesebuch mit der Inschrift Sebastian Schlegel.

Verloren: Ein vergoldetes Plättchen von einem Medaillon.

Hanau am 21. August 1882.

____________________Aus König!. Landrathsamt. ____________________

Tagesschau.

Die Friedensströmung in Frankreich.

(A. b. Sttsb.-Ztg)

Die mit dem letzten Ministerwechsel in Frankreich verbundene Ueberraschung ließ die eigentlichen Ursachen desselben nicht klar genug durchschimmern, um ein richtiges Urtheil darüber gewinnen zu können. Heute ist das nicht mehr der Fall, heute weiß man bereits genau, daß es zwei fast einander diametral gegenüberstehende Gewalten waren, welche sich in einem Punkte berührten und den Blitz aus heiterm Himmel er­zeugten, der das Cabinet Freycinet zerschmetterte.

Die eine dieser Gewalten bildeten die Gambettesten, die abgesehen davon, daß Freycinet ihnen überhaupt schon längst ein Dorn im Auge war, kein Geld zu einer Aktion bewilligen wollten, die England den Löwenantheil an der egyptischen Expedition ließ, und die andere, welche überhaupt den Ausschlag gab, die gemäßigten Republikaner, die keine Politik unterstützen wollten, welche Frankreich möglicherweise in einen Krieg verwickeln konnte.

Freycinet, das kann man heute mit aller Sicherheit annehmen, stand in dem Augenblicke, in welchem er die Bewilligung des Credits für die egyptische Expedition forderte, genau auf dem Standpunkt der letzteren; auch er würde von dem Standpunkte eines Deputirten den Credit verweigert haben, wenn er der Ansicht gewesen wäre, daß die Aktion zu kriegerischen Verwickelungen sichren könne. Von seinem Stand­punkte als Ministerpräsident konnte er um so weniger an eine solche Eventualität glauben, als er bereits Kenntniß von dem Wunsche der übrigen Continentalmächte hatte, der dahin ging, in voller Einmüihigkeit die Rechte derselben auf die Freiheit des Suezkanals zu wahren und England zu veranlassen, sich in den diesem Wunsche entsprechenden Schranken zu halten. Freycinet hat den Fehler gemacht, daß er der Kammer der Deputirten über diese Lage der Dinge keinen reinen Wein eingeschenkt hat, daß er etwas verschwieg, was zu einem anderen Votum der Kammer der Deputirten geführt haben würde. Freycinet und die Kammer der Deputirten haben einander nicht verstanden, und der erstere trägt die Schuld an diesem Mißverständniß.

Fassen wir diese Thatsache bezüglich ihrer Folgen ins Auge, so ergibt sich daraus, daß die große Majorität der Kammer der französi­schen Deputirten kriegerischen Verwickelungen überhaupt abhold ist und alles vermieden haben will, was Frankreich in einen Krieg stürzen könnte. Neben dieser Majorität existirt in Frankreich eine Partei der Revanche­politik, die durch die Gambettisten repräsentirè wird. Dieselbe arbeitet auf einen Krieg gegen Deutschland hin, aber sie fühlt sehr wohl, daß der Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen ist. Ihre Friedenspolitik ist eine gezwungene, die sie in die Lage des Fuchses versetzt, der von den ihm zu hoch hängenden Trauben meint, daß sie sauer seien.

Allem Anschein nach befindet sich die Majorität der Kammer der französischen Deputirten im vollen Einvernehmen mit dem Volke, das die Leiden des Krieges zu tief empfunden hat, um sich noch einmal den Eventualitäten desselben auszusetzen. Diese Strömung aber ist es, die wir mit Freuden begrüßen würden, wenn wir an die Dauer derselben zu glauben vermöchten. Bei dem wankelmüthigen Charakter der franzö­sischen Nation müssen wir darauf gefaßt sein, daß die Partei der Re­vanchepolitik sich in dem Augenblick bedeutend verstärken würde, in wel­chem es jemandem gelänge, das Volk zu überzeugen, daß Frankreich aus

21. August 1882.

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einem Kampfe gegen Deutschland siegreich hervorgehen werde. Aus die­sem Grunde fassen wir die Lage der Dinge auch etwas kühler auf, als jene Enthusiasten, die Volkswillen und Völkerfrieden mit einander identi- ficiren. Ist in der Verweigerung der Mittel zur egyptischen Aktion der Volkswille zum Ausdruck gebracht worden, der auf die Erhaltung des Friedens dringt, so acceptiren wir dies als einen Anfang zum bessern, und in der Hoffnung, daß diese Strömung sich nach und nach im Volke derart befestigen möge, daß es den Krieg des Krieges wegen und nicht einer etwaigen Niederlage wegen vermieden wissen will. Würden uns diese Enthusiasten den Beweis dafür liefern, daß das französische Volk sich auf die Höhe der Humanität emporgeschwungen hätte, von welcher aus es den Krieg als solchen verabscheut, so würden wir ihnen Dank dafür wissen, aber diesen Beweis sind sie uns bis jetzt schuldig ge­blieben.

Es mag ja möglich sein, daß der Volkswille, wenn er in allen Culturländern der Erde voll und ganz zum Ausdruck gelangt, der Er- Haltung des Friedens für die Zukunft günstiger ist als die Cabinetspo- litik, aber bisher ist das durchaus nicht der Fall gewesen. So haben die südamerikanischen Republiken, in welchen der Volkswille zur Geltung gekommen ist, die hartnäckigsten und grausamsten Kriege geführt und nichts gethan, was zu der Annahme berechtigte, daß man in Republiken weniger kriegslustig ist, als in den Monarchien. Hoffen wir, daß wir an Frankreich das Gegentheil erleben mögen.

— S. M. S. „Gneisenau", 16 Geschütze, Kommandant Kapitän z. B. Frhr. von der Goltz und S. M. Aviso „Zielen", 4 Geschütze, Kommdt. Korv.-Kpt. Barandon, sind am 19. August cr. früh von Kiel nach dem Mittelmeer in See gegangen. — S. M. S. „Luise", 8 Ge­schütze, Kommdt. Korv.-Kpt. Stempel, ist am 15. August cr. in Ply­mouth eingetroffen.

— Straßburg, 18. August. Der Kaiserliche Statthalter hat durch Erlaß vom 7. August d. Js. auf Grund der von der Options­kommission in ihrer fünfzehnten Sitzung abgegebenen Gutachten, die Op­tion bezw. Auswanderung von 383 Personen als gütig anerkannt, deren Namen in der heutigen Nummer der „Els.-Lothr. Ztg." veröffentlicht sind.

— Triest, 19. August. Auf dem gestern von Venedig hier ein­gelangten Lloyddampfer wurde heute von der Polizei ein Koffer mit Proklamationen und Geschossen mit Beschlag belegt, welche zur Störung der gestrigen Feier bestimmt gewesen sein dürften. Der Koffer gelangte nicht an seine bestimmte Adresse, weil das Individuum, für welches er bestimmt war, von der Polizei in diesen Tagen wegen verdächtiger Umtriebe verhaftet worden war. Der Steuermann, welchem der Koffer in Venedig übergeben worden war, scheint von dem Inhalte nichts ge­wußt zu haben.

— Paris, 19. August. Infolge des Geständnisses eines in Montceaules-Mines verhafteten Ruhestörers ist es gelungen, sämmtliche Papiere der sogenannten schwarzen Bande, von welcher die Unruhen ausgegangen sind, sammt den Statuten und den Listen der Affiliirten in Beschlag zu nehmen. Der Führer der Bande, namens Demay, ist entflohen, dagegen ist ein untergeordneter Anführer festgenommen worden. Weitere Unordnungen sind nicht vorgekommen.

— Petersburg, 19. August. Bei der gestrigen Kirchenparade des Preobraschenskischen Garderegiments beschied der Kaiser bte an der Parade theilnehmenden österreichischen Offiziere vor die Front und drückte dem Feldmarschalllieutenant Ramberg seine Glückwünsche zum Geburts­feste des österreichischen Kaisers in herzlicher Weise aus. Die Kaiserin, die Königin von Griechenland, sowie sämmtliche Großfürsten und Groß­fürstinnen schloffen sich diesen Glückwünschen an. Anläßlich des Ge­burtstages sand Mittags ein großes militärisches Dejeuner im Lager von Krasmoeselo statt, zu welchem der österreichische Botschafter zuge­zogen war. Der Kaiser brachte in französischer und russischer Sprache einen Toast auf den österreichischen Kaiser aus.

— Odessa, 19. August. Die Polizei entdeckte gestern hier eine Werkstatt zur Fabrikation salscher Münzen und Kreditscheine. Ein Frauenzimmer und ein Tscherkesse wurden in Hast genommen. Der Haupturheber soll sich nach Sebastopol geflüchtet haben. — Große Mehl- vorräthe gehen von hier aus Lloyd-Dampfern nach Alexandrien. (Fr. Z)

— Alexandrien, 19. August. Es verlautet, her Khedtve habe