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Nr. 192. Freitag den

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Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Die Sommerstille ist in unserer innern Politik noch immer vorherrschend, wenn auch einige leichte Brisen die Oberfläche unseres politischen Lebens zu kräuseln beginnen. Nament­lich die Wahlkampagne in Preußen bringt allmälich einen frischeren Zug in die öffentlichen Angelegenheiten, doch ist die Wahlagitation in keiner Weise mit jener zu den letzten Reichstagswahlen zu vergleichen, es geht jetzt verhältnißmäßig viel ruhiger und sachlicher zu. Daß zu Wahlzeiten wieder die Wahlbündnisse eine hervorragende Rolle spielen, ist sehr na­türlich und so hören wir denn nach verschiedenen Richtungen von Wahl- bündniffen, welche theils schon vollzogen sind, wie der Kompromiß zwi­schen Nationalliberalen und Fortschrittlern in Elberfeld. Barmen, oder die sich in Vorbereitung befinden. Von nationalliberaler Seite ist der bemerkenswerthe Vorschlag gemacht worden, daß eine starke Mittelpartei angestrebt werden möge, welche nicht nur die Nationalliberalen und Freiconservativen, sondern auch die gemäßigten Elemente der Secessionisten und Fortschrittler umfassen und gegen dieRichtungen Stöcker und Richter" entschieden Front machen soll. Ob aber schon jetzt die Zeit für eine derartige Mittelpartei gekommen ist, möchten wir bezweifeln, denn zur Gründung einer Partei, welche alle gemäßigten Elemente von den Freiconservativen bis zu den Fortschrittlern der Hänel'schen Richtung umfassen soll, treten die Widersprüche in den Anschauungen der einzelnen Parteien noch zu stark hervor.

In derStaatspfarrer-Frage" ist von der Regierung noch keine Entscheidung getroffen worden. Bekanntlich hat der Fürstbischof Robert von Breslau an die sogenannten Staatspfarrer die Aufforoerung gerichtet, sofort ihre Aemter niederzulegen, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, daß die Staatspfarrer von der Regierung eingesetzt worden sind und daß er sich demnach durch diesen Schritt in einen schroffen Gegensatz zur Re­gierung setzt. Wie verlautet, wollen die Staatspfarrer an den Cultus­minister, Herrn v. Goßler, eine Eingabe richten, in welcher sie sich über die ihnen zugegangene Aufforderung des Herrn Robert beschweren.

Die Anwesenheit des Herzogs von Edinburg, des zweiten Sohnes der Königin von England, in Gotha hat zu den verschiedensten Gerüchten über die Nachfolge des Herzogs in Coburg-Gotha Anlaß gegeben. Bald heißt es, es werde eine Ablösung der Erbansprüche des Herzogs geplant, bald wird versichert, daß die Coburg-Gothaische Erbfolge-Angelegenheit im Reichstage zur Sprache gebracht werden solle und was dergleichen Gerüchte mehr sind. Indessen handelt es sich hierbei wohl nur um Erzeugnisse derSaison morte, denn die Coburgische Successionsfrage ist bereits durch das von sämmtlichen sächsischen Fürstenhäusern Ernesti- nischer und Albertinischer Linie angenommene Hausgesetz geregelt.

(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich wird die leidige Na­tionalitätenfrage durch das provocirende Auftreten der Czechen, Slovenen u. s. w. immer wieder in Fluß gebracht. Nachdem es den Czechen ge­lungen ist, das deutsche Element in Böhmen gänzlich in die Defensive zu drängen, gehen sie nun daran, auch Mähren, wo bis jetzt das Deutsch­thum entschieden das Uebergewicht hatte, für das Czechenthum zu er­obern. Klugerweise setzen die Czechen, um zu diesem Ziele zu gelangen, ihre Hebel bei der Schule an. Schon haben es die Czechen durchgesetzt, daß der bisherige deutsche Landes-Schul-Inspektor für Mähren einen slavisch gesinnten Nachfolger erhalten hat und auch die Bezirks-Schul- Jnspektoren werden nur noch aus den Reihen derNationalen" genom­men. Da bei der bekanntenVersöhnungspolitik" des Cabinets Taaffe nicht zu befürchten steht, daß den czechischen Agitationen wirksam ent­gegengetreten werde, so erscheint die gänzliche Slavisirung des Verwal­tungs-Organismus in Mähren nur als eine Frage der Zeit.

(Frankreich.) Seit der Neubildung des Cabinets Duclerc und dem hierauf unmittelbar erfolgten Schluffe der französischen Kammern ist endlich auch in Frankreich die Zeit der politischen Stille eingetreten. Das Ministerium Duclerc hat während derselben hinreichend Muße, seine Stellung so zu befestigen, daß es nicht gleich wieder von dem ersten parlamentarischen Sturme über den Haufen geworfen wird und der neue Ministerpräsident hat denn auch einem Reporter gegenüber die Ueber­zeugung ausgesprochen, daß sein Ministerium kein sogenanntes Geschäfts­oder gar Verlegenheits-Ministerium sein werde. Nach den vielen Mi- msterkrisen der letzten Jahre wäre es allerdings zu wünschen, daß in I Frankreich einmal ein Ministerium festen Halt fände, aber bei der un-

18. August 1882.

»»«,»» w -^e^p um........ berechenbaren Stimmung der französischen Deputirtenkammer beruht diese Hoffnung nur auf schwachen Füßen.

(England.) Die zwischen England und der Pforte schwebenden Verhandlungen wegen Abschlusses einer Militair- Convention haben immer noch zu keinem Resultate geführt. England verlangt vor Allem die Unterordnung der an der türkischen Expedition nach Egypten theilneh­menden Truppen unter englisches Commando, wogegen sich die Türken sträuben, die außerdem ihrerseits verlangen, daß nach Wiederherstellung der Ordnung in Egypten die englischen Truppen zugleich mit den Tür­ken das Land verlassen sollen. Hierauf will aber wiederum England nicht eingehen, da es beabsichtigt, seine Truppen noch längere Zeit in Egypten zu belassen; trotzdem zweifelt man aber nicht an dem schließ­lichen Zustandekommen der Convention. Die englische Regierung beschäftigt sich ernstlich mit dem Gedanken, Cetewayo, den gegenwärtig in England weilenden Ex-König der Zulus, unter gewissen Bedingungen wieder auf seinen Thron zurückzuführen. Nach Mittheilungen, welche die Regierung in dieser Angelegenheit dem Unterhause kürzlich machte, werde ein Distrikt des Zululandes für denjenigen Theil der Häuptlinge und des Volkes reservirt werden, welcher nicht mehr unter die Herrfchaft Cetewayo's zurückkehren will. Ferner wird im Zululande ein britischer Resident wohnen; die Wiederherstellung des früheren militairifchen Sy­stems der Zulus soll nicht mehr gestattet werden.

(Türkei.) Nach wochenlangen Verhandlungen hat endlich die Conferenz wenigstens eine Frucht gezeitigt, nämlich die am vergangenen Montag erfolgte Annahme des italienischen Antrages auf gemeinsamen Schutz für den Suez-Canal. Es soll demnach die Polizei aus dem Ca­nal gemeinsam ausgeübt werden und werden zu diesem Behufe die Ge­schwader-Chefs oder Schiffs-Commandanten am Suez-Canal Seitens ihrer respektiven Regierungen angewiesen werden, sich wegen des Aus­führungsmodus mit einander ins Einvernehmen zu setzen. Eine prak­tische Bedeutung wird man aber der Annahme dieses Antrages nicht zusprechen können, da die Engländer thatsächlich Herren des Suez-Canals sind und sich schwerlich einer gemeinsamen europäischen Controle auf die­ser wichtigen Wasserstraße unterordnen würden. Die türkische Regie­rung hat die Gouverneure von Syrien angewiesen, auf das Strengste alle etwaigen Ausschreitungen gegen die syrischen Christen zu bestrafen; in Beirut ist die Ruhe nicht gestört worden, da die dortige christen- feindliche Stimmung sich wieder gebessert hat.

(Egypten.) Das kriegerische Drama in Egypten wird sich nun wohl bewegter gestalten, nachdem im Anfang dieser Woche auch der Oberbefehlshaber des englischen Expeditionskorps, General Wolseley, in Alexandrien eingetroffen ist. Da auch die englischen Verstärkungen zum größten Theil in Egypten gelandet sind, so kann man einer energischeren größeren Aktion der Engländer entgegensetzen, zu welcher allgemach auch Zeit wird, denn Arabi Pascha führt vor den Augen der Engländer, namentlich bei Ramleh, immer neue Verschanzungen auf und seine Truppen bedrohen sogar Jsmaila (in der Mitte des Suez-Canals). Arabi Pascha soll von einer Versammlung von Ulemas zwei Fetwas ausgewirkt haben, in denen der Sultan für abgesetzt erklärt und der Großscherif von Mekka zu seinem Nachfolger ernannt würde, doch muß man vorläufig diese Nachricht bezweifeln.________________________________

Tagesschau.

Berlin, 17. August. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin hat im Laufe dieser Woche mehrere Audienzen ertheilt, setzt aber die nöthige Schonung noch fort, um die gewünschte Genesung zu beschleuni­gen.

S. M. S.Stosch", 16 Geschütze, Kommandant Korv.-Kapt. Glomsda von Buchholtz, befand sich, eingegangener Privatnachricht zu­folge, am 13. August er. in Wladiwostok. Ebendaselbst war am 15. August S. M. S.Elisabeth", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Hollmann.

Durch Allerhöchste Ordre vom 15. d. Mts. sind die Torpedo­booteSchütze",Scharf",Kühn" undVorwärts" der Marinestation der Ostsee, und die TorpedobooteFlink",Tapfer",Sicher" und das noch im Bau begriffene TorpedobootErsatz Natter" der Marinestation der Nordsee zugetheilt worden.

Zur Zeit bestehen in drei deutschen Staaten Handelskammern in Verbindung mit Gewerbekammern, welchen die Vertretung der In-