Abonnements- Preis:
Jährlich 9 Mark. Halbj.E. 50Pfg.
Vierteljährlich
2 Mark 25 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer io Pfg.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis and Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und geierrage, mit belletristischer Benage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.
JnsertionS« Preis:
Die ispaltige , Garmondzeile Ms deren Raum
io Pfg-
Die Lspalt. Zeile 20 Pfg.
Die gspaltigeZcile 30 Pfg.
Nr. 181.
Samstag den 5. August
1882.
?B*E33gme5%^^g^
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Die unterfertigte Stelle hat durch Beschluß vom Heutigen die Nummern 1 und 2 der dahier ausgegebenen periodischen Druckschrift „Augsburger Chronik" vom 16. und 23. d. Mts. (Re- daktion und Verlag von Carl Habermalz, Druck von Hier. Mühlberger), sowie das fernere Erscheinen dieser Druckschrift — als eine Fortsetzung der mit Entschließung vom 1. d. Mts. verbotenen Druckschrift „Der lustige Vetter für Stadt und Land" — auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesktzes vom 21. Oktober 1878 gleichfalls verboten.
Augsburg den 24. Juli 1882.
Königliche Regierung von Schwaben und Neuburg, Kammer des Innern.
___________In Stellvertretung: Frhr. von Crailsheim.
Gefunden: Eine Tasche, darin ein Notizbuch nebst Portemonnaie mit Inhalt. Eine Peitsche.
Verloren: Eine schwarze Schürze.
Hanau am 5. August 1882.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
England und die Pforte.
(A. d. Schw. Merk.)
Um zwei Dinge handelt es sich zur Zeit in der egyptischen Angelegenheit, um die Sicherung der Schifffahrt im Suezkanal durch die gemeinsame Seepolizei aller betheiligten Mächte, und um die Verständigung zwischen England und der Pforte wegen der bewaffneten Intervention. Die erstgenannte Sache scheint bereits erreicht zu sein oder nahe daran zu stehen. Nach einer Meldung aus Rom hat Italien die Einladung zu dieser lediglich „maritimen Intervention", wonach nur die Schiffe der verschiedenen Mächte einen Wachedienst auf dem Kanal zu führen hätten, mit vorläufigem Ausschluß der Besetzung der Userstrecken, an die betheiligten Mächte ergehen lassen und wäre die Einladung von „allen Mächten" angenommen worden, also wohl auch von England, welches in diesem Punkte wieder glücklich in die gemeinsame Aktion hereingezogen worden wäre. Trotz allen Bedauerns des Sturzes Frey- cinets verdankt man diese rasche und günstige Lösung doch wesentlich der französischen Kammer, indem dieselbe den zum Zweck des einseitigen Vorgehens der Engländer und Franzosen bestimmten Kredit verwarf. Sache der französ. Abg. wird es nun sein, den Sinn ihrer letzten Abstimmung näher zu präzisiren dadurch, daß sich die Mehrheit für den Anschluß an die „gemeinsame" Sicherung des Suezkanals ausspricht. Der Kammer wird dazu durch eine Interpellation Gelegenheit gegeben werden. Dabei mag sich denn von Neuem die vollkommene Uebereinstimmung zwischen dem gestürzten Minister und der Kammer ergeben, so daß die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben wird, Freycinet wieder an die Spitze eines neuen Kabinets zu bringen. Ist so glücklich auf der einen Flanke der Erfolg der Konferenz erzielt, so ist das auf der andern Flanke, wo sich das mehr denn je isolirte England mit der Pforte um die Intervention streitet, weniger der Fall. Die Pforte, welche sich auf den Wunsch der Konferenz beruft, will als Souverän in Egypten erscheinen; England will die Unterordnung der türkischen Truppen unter den Beseht des englischen Generals. Aus diesem Gegensatz können die schlimmsten Verwicklungen her vorgehen, wenn nicht England andere Saiten aufzieht. Die Pforte hat ihren Standpunkt in einer Note an die Mächte in einer klugen und besonnenen Weise gekennzeichnet, welche von vornherein der Billigung der Konferenz sicher ist. Zugleich unterstützt die Pforte diese Note mit dem wirksamsten Argument gegen England: mit der Absendung einer Anzahl Bataillone nach Lle- xandria. Mit tiefem Unmuth würde man in England hinnehmen, daß die türkische Landmacht der englischen am Nildelta zuvorkommt; aber man wird sich vor der vollzogenen Thatsache schließlich beugen müssen, wen., man fidf nicht in einen unabsehbaren Kampf mit der muhameda- nischen Welt einlassen will. Bereits scheint die englische Diplomatie den Rückzug anzutreten. Ein Londoner Tel. meldet: „Lord Dufferin ist von
der neuerlichen Haltung der Pforte gegen Arabi befriedigt, wenn er auch nicht die Ansicht theilen könne, daß die Erklärung Arabi's zum Rebellen erst nach der Landung der türkischen Truppen erfolgen solle. Die bezüglichen Unterhandlungen mit der Pforte dauern fort und versprechen Erfolg." Unter diesen Umständen kann man im Interesse des Friedens das Verbleiben Gladstone's im Amt nur wünschen.
— Berlin, 4. August. Se. Majestät der Kaiser und König machten gestern der in Gastein angekommenen Großherzogin von Sachsen einen Besuch, und heute hatten Allerhöchstdieselben auf der Promenade eine lange Unterhaltung mit dem Botschafter Prinzen Reuß. Das Befinden Sr. Majestät ist fortgesetzt ein vorzügliches.
— Berlin, 4. August. Der Vize-Präsident des Staatsministeriums und Minister des Innern von Puttkammer ist hierselbst wieder angekommen.
— Kiel, 3. August. Die Schiffsjungen - Briggs „Undine" und „Musquito" trafen gestern Nachmittag in Neufahrwasser ein.
;— München, 4. August. Eine auf den Antrag des Magistrats, die Simultanschulen in konfessionelle Schulen umzuwandeln, erfolgte Entschließung der Regierung gibt den Gemeinde-Kollegien bekannt, daß dem Anträge nicht Folge gegeben werde. Zugleich wird der Magistrat beauftragt, einen Entwurf für die Neubildung der Schulbezirke auszuarbeiten und der Regierung bald einzureichen.
— Aus Württemberg. Die Maßnahmen des Schultheißen Bühl in Baltmannsweiler, O.-A. Schorndorf, zum Schutze gegen Hagelschaden, verdienen wohl die Beachtung weiterer Kreise und dürften da und dort Nachahmung finden. Derselbe trat nämlich, wenn auch unter harten Kämpfen mit einzelnen Bürgern, mit seiner ganzen Gemeinde in eine Hagelversicherung; der Versicherungsbetrag wurde aus den Erträgnissen der Schafweide bestritten. Heute, nachdem ein Gewitter die Gemarkung total verhagelt hat, weiß ihm Jedermann Dank, da nun doch eine größere Summe unter die meistentheils armen Bürger vertheilt werden kann.
— Bühl in Baden, 3. August. Gestern Abend wurde der Organist Seiter, Dirigent der hiesigen Sängergesellschaft „Harmonia", von dem Vereinsdiener C. Wagner erstochen. (Fr. Ztg.)
— Bellachini, der bekannte Zauberkünstler, ist in Pyrmont vom Schlage, getroffen worden. Der Berl. Presse wird von dort unter dem 30. Juli berichtet: Bellachini veranstaltete gestern Abend in unserem Kurtheater eine Vorstellung, welche einen sehr traurigen Abschluß dadurch sand, daß Bellachini plötzlich vom Schlag gerührt wurde und von der Bühne weggetragen werden mußte. Die Vorstellung wurde natürlich sofort eingestellt, da der Vorfall große Aufregung verursachte und Niemand Lust zeigte, sich den noch angekündigten Einakter anzusehen.
— Triest, 4. August. Gestern Nachmittag begaben sich die Mitglieder der Handelskammer zum Vertreter des Statthalters, um ihm den Beschluß der Handelskammer mitzutheilen, durch welchen der tiefste Abscheu über die gestrigen Vorkommnisse ausgedrückt wird. Heute Abend tritt der städtische Verwaltungsausschuß zusammen, um einen analogen Beschluß zu sassen.
— In Pest ist einer der hervorragendsten Männer der ungarischen Revolution, General Anton Vetter, am 27. Juli gestorben. Er war 1849 ungarischer Kriegsminister und Oberkommandant der ungarischen Truppen. Er hat stets fest an Kossuth gehalten und der ungarischen Sache große Dienste geleistet.
— Aus Lemberg wird der Pol. Korr, gemeldet: Die Wiederansiedlung der jüdischen Flüchtlinge in Rußland macht gute Fortschritte. Die Zahl der in der letzten Woche zurückgekehrten Auswanderer betrug 739, diejenige der gegenwärtig noch in Galizien befindlichen beziffert sich auf 6121. Die Pariser Alliance israelite beschloß, 300 Familien von beiläufig 1200 Köpfen nach Paris und Frankreich zu übersiedeln; doch werden nur solche Flüchtlinge ausgenommen, die sich mit der Kenntniß eines nützlichen Handwerks ausweisen können.
— Paris, 4. August. Wie verlautet, ist die neuerdings gemeldete Zusammensetzung des Kabinets noch nicht definitiv, Aenderungen der Kabinetsbildung sind vielmehr noch zu gewärtigen.