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Donnerstag den 3. August
Nr. 179
Tagesschau. Egypten. (A. d. Schw. Merk.)
Die Bildung eines neuen französischen Kabinets wird vor Ende dieser Woche nicht erwartet; man kann sich auch die Schwierigkeit der Lage für Grevy nicht groß genug vorstellen, da Niemand weiß, welche Politik die Kammer, die Nation, eigentlich in Egypten befolgt wissen will. So lange ruht also Frankreichs Antheil an der Lösung der Frage. Nichts spiegelt die Ohnmacht und den anarchischen Zustand Frankreichs bizarrer wieder, als die eigenmächtige Stellung, welche Herr v. Lesseps am Kanal von Suez einnimmt. Er macht die Politik der Nichtintervention auf eigene Faust, gibt dem französischen Admiral Befehle und droht, einen Beduinenstamm herbeizurufen, wenn die Engländer Truppen an demselben landen. Lesseps besorgt in so weit das Geschäft der europäischen Konferenz, als er durchaus nicht will, daß England allein den Suezkanal in Sicherheit bringt. Die Konferenz, unter deutscher Führung, sieht nunmehr den Augenblick gekommen, wo sie mit Aussicht auf Erfolg durch eine offenkundige That dem europäischen Karakter der egyptischen Frage einen sichtbaren Ausdruck verleihen kann: durch die gemeinsame Sicherung des Suezkanals. Ein Wiener Tel. der Frkf. Z. meldet: „Auf Anregung Deutschlands finden unter den Mächten Verhandlungen über Schaffung eines europäischen Organs zur Sicherung des Verkehrs auf dem Suezkanal statt. An diesem Organ würden sämmtliche Interessenten an der Suezkanalschifffahrt eingeladen werden, sich zu betheiligen; neben den Großmächten in erster Linie Spanien, die Niederlande und Griechenland. Die Konferenz dürfte sich schon in ihrer nächsten Sitzung mit dieser Frage beschäftigen. Man glaubt in Wien Grund zu der Annahme zu habeu^doß. eine Einigung über diesen Antrag leicht sein würde; namentlich hofft man auf Zustimmung der Pforte. Dagegen sind die Aussichten auf eine Einigung zwischen der Türkei und England über ein Zusammenwirken in Egypten augenblicklich weniger günstig als früher. Die englische Regierung stellt Forderungen an die Pforte, auf welche einzugehen dieser unmöglich ist, was auch von den Ostmächten und Italien anerkannt wird. England ist dadurch in direkten Widerspruch mit feiner auf der Konferenz befolgten Politik gerathen, indem es den Oberbefehl für die türkischen Truppen beansprucht, wovon in dem von England mitgefaßten Konferenzbeschluß keine Rede ist."
— Berlin, 2 August. Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs ist, wie dem „R. u. St.-A." aus Gastein gemeldet wird, ungeachtet des kalten und regnerischen Wetters ein befriedigendes. Se. Majestät haben jedoch während der letzten Tage des schlechten Wetters wegen die Ausfahrt unterlassen und auch die Promenaden beschränkt.
— Berlin, 2. August. Die „Provinzialkorrespondenz", auf die jüngste Rede Hänels hinweisend, sagt, das positive Ziel der Liberalen gehe darauf hinaus, die Leitung der Regierung in dre Hand zu bekommen; damit sei der Gegensatz zwischen den Liberalen und ihren Gegnern gegeben; dort die Erhöhung der Macht des Parlaments, die parlamentarische Herrschaft, — hier die Stärkung, die ungeschwächte Erhaltung des Königthums und der Rechte der Krone. Das Gewissen des preußischen Volks warne auf Grund der Erfahrungen der Geschichte eindringlichst vor der Verwirklichung der Ideen des Liberalismus und vor den Bestrebungen nach Stärkung der parlamentarischen Macht; es spreche ebenso eindringlich für die volle und uneingeschränkte Erhaltung des Wesens des Königthums, dem Preußen und Deutschland ihre großen Erfolge verdankten.
— Ueber den Aufenthalt Bismarcks in Varzin berichtet das D. Mont.-Bl.: Dem Fürsten bekommt der Aufenthalt auf seinem Tus- kulum ganz vorzüglich und er hat wiederholt zu seiner Umgebung geäußert, daß er sich freue, dem Rath seines neuesten allopatischen Arztes, Dr. Frerichs, nachgekommen zu sein und für diesen Sommer von einer Badereise nach Kissingen Abstand genommen zu haben. Dahin geht er unter keinen Umständen, denn zu Mitte August hat er seinen Schwiegersohn, d n Legationsrath Grafen Cuno zu Rantzau, der gegenwärtig mit seiner Familie auf der Seeburg bei Kiel weilt, mit Frau und Kindern nach Varzin eingeladen; Graf Rantzau soll dann den Chiffrirdienst beim
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Fürsten übernehmen, der bis dahin von Graf Herbert Bismarck versehen wird, nachdem Geheimrath Rottenburg vor einigen Tagen nach Berlin zurückgekehrt ist, der sich während seines Aufenthaltes in Varzin mit Graf Herbert in die Arbeit getheilt hatte. Glaubt man nun aber, daß Fürst Bismarck sich in Varzin der Ruhe gönne, so irrt man gewaltig, denn im Gegentheil widmet er sich mit großem Eifer der diplomatischen Arbeit. Zweimal täglich trifft von Berlin aus in Varzin eine mächtige verschlossene und versiegelte Mappe mit Aktenstücken und Briefen ein, die, wenn die Züge auf der Station Hammermühle nicht halten, während der Fahrt aus dem Postwagen herausgeworfen und in einem eigens für diesen Zweck hergerichteten Fangapparat aufgefangen werden. Auch der direkte Telegraphendraht von Varzin nach Berlin ist wohl selten in größerer Thätigkeit gewesen, wie gerade jetzt, wo Bismarck scharf von den Türken um seinen gewichtigen Rath in der egyptischen Frage angegangen wird. Der Fürst erscheint in Varzin spätestens um 10 Uhr Vorm, im Parke vor dem Herrenhause, wo ihn sein alter treuer Oberförster Westphal gewöhnlich schon erwartet und dann einen Rundgang mit ihm macht.
— Das Panzer-Uebungsgeschwader ist am Sonnabend-Nachmittag in der Bucht von Gdingen von einem schweren Unglücksfall betroffen worden. Ein mit 5 Matrosen bemanntes Bot des Admiralschiffs „Friedrich Karl" hatte den Secretär des Geschwader-Commandss, Zahlmeister Rudolf Kleybolte, nach Gdingen übergesetzt, wo derselbe im Auftrage des Admirals v. Wickede dem Ortsschulzen die Ordre zum Festankern der schwimmenden Schußziele, welche der Marinedampfer „Mottlau" am folgenden Tage nach der kaiserl. Werft transportiren sollte, zu überbringen hatte. Bei der Rückfahrt wurde das Boot wahrscheinlich von der Brandung der an diesem Tage sehr hoch gehenden See auf eine Sandbank geworfen und kenterte. Alle sechs Insassen fielen ins Wasser und der Zahlmeister und zwei Matrosen fanden leider ihren Tod in den Wellen, während die anderen drei Matrosen, welchen es gelang, das gekenterte Bot zu erfassen, durch in See gehende Fischerböte gerettet wurden. Die Leichen der drei Verunglückten wurden ins Garnison- lazareth von Danzig gebracht und später auf dem Garnisonkirchhofe beerdigt. , (Staatsb.-Ztg.)
— Die diesjährige Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen wird sich auch mit der Frage der Einführung kombinirbarer Rundreise-Billete beschäftigen, worüber folgendes verlautet: „Das System ermöglicht mittels der bei den Debitstationen aufliegenden losen Streckenkoupons unter gewissen Bedingungen die Zusammenstellung jeder beliebigen Rundtour. Als Bedingungen wird die hierfür eingesetzte Commission für den Personenverkehr vorschlagen, daß derartige Billete nur in den Sommermonaten ausgegeben werden, die Gesammt- länge der Tour mindestens 600 km beträgt, die Giltigkeit auf 30 Tage beschränkt, sowie Freigepäck und Tarifermäßigung für Kinder nicht gewährt wird. Die Ausgabe soll für die 1., 2. und 3. Wagenklasse erfolgen. , (Sttsb.-Ztg)
— Die „Wiesbadener Zeitung" berichtet: Wie England den Freihandel auffaßt und ausübt, davon ein Beispiel zur Beherzigung sür unsere Freihändler. Eine Firma des Kreises Hagen machte den Versuch, sich an einer Submission in London für englisch-indische Bahnen zu betheiligen. Das Unternehmen scheiterte aber an der Lieferungsbedingung, wonach der Nachweis erbracht werden mußte, daß das verwendete Eisen auf bestimmten englischen Werken hergestellt war. Der Vortheil, daß event, die Waare zollfrei nach England einging, wurde durch diese Bedingung, insbesondere durch die event. Fracht sür den Bezug des Rohmaterials aus England mehr als aufgehoben. — Der Freihandel Englands ist — wie der Bericht der Handelskammer von Hagen bemerkt — unter solchen Verhältnissen illusorisch und wird geübt und empfohlen, so lange und so weit England für sich Vortheil darin findet. — Wie England, so bedingt auch Schweden die Verwendung einheimischen Eisens. Man wird hierin nur einen gerechtfertigten Schutz der nationalen Produktion erblicken dürfen; unsere Freihändler freilich wollen von einem solchen Schutz nichts wissen!
— Die „Dorf Ztg." schreibt: Merkwürdig! Wir Deutschen sind die friedlichsten Leute und denken an nichts weniger als an Ueberfall