Einzelbild herunterladen
 

ESontt emeetl« Preis:

Jährlich 9 M-H. Halbj.E. SOP»,.

Vierteljährlich 2 Mark 95 Ps» Für auswärtige

Abonnenten mit dem betregen» len Postaufschlag. Die einzelne Nm»- mer 10 Ptg.

mlaner Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

InsertiouS- PreiS:

Lis Ifpaltige Sarmondzeile *| deren Raum

10 Pfg.

Die Sspalt. Zeile 20 Pfg.

LièSspaltigeZeU« 30 Pfg.

Nr. 176. Montag den 31. Juli 1882.

Amtliches.

Wegen Umpflasterung der Fahrbahn der Römerstraße vom Hotel Adler ab in der Richtung nach der Post, ist die Absperrung auf ca. 14 Tage angeordnet.

Hanau am 31. Juli 1882.

Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.

Tagesschau.

S. M. Kbt.Albatroß", 4 Geschütze, Kommandant Korvetten- Kapitän von Pawelß, ist am 26. Juli er. in Montevideo eingetroffen.

Die deutschen und österreichischen Flüchtlinge, welche unter Lei­tung des deutschen Consuls v. Treskow von Kairo über Port Said nach Triest gereist sind, haben durch Vermittelung des Hrn. V. Treskow folgende Adresse an den Commandanten des deutschen Kanonenboots Möwe" gerichtet:Diejenigen Deutschen, Oesterreicher, sowie Mitglie­der anderer Rationen, welchen die Gastfreundschaft an Bord des Kano­nenbootsMöwe" bei ihrer Flucht aus Aegypten zu Theil wurde, er­achten es als ein Herzensbedürfniß, dem Herrn Commandanten, den Herren Offizieren, sowie der gestimmten Mannschaft nochmals ihren tief­gefühltesten Dank auszusprechen für die Thatkraft und Freundlichkeit, Aufopferung und Nächstenliebe, mit welcher sie alle beflissen waren, den niedergebeugten Flüchtlingen beizustehen und sichZmit schönem Erfolge bemühten, den Bedrängten einen Theil jenes Hochgefühls wieder einzu­flößen, welches sonst nur Heimath und Familie zu erwecken im Stande sind. Möge die Herzensbildung, welche sich hierbei in so liebenswürdig ger Weise bethätigt hat, der deutschen Marine neben dem Ansehen und der Hochachtung, welche dieselbe sich durch Pflichttreue und Thatkraft überall erworben hat, auch noch die Liebe hinzufügen, dieses schönste und festeste Band, welches Menschen, wie Nationen verbindet."

Danzig, 29. Juli. Regierungspräsident v. Salzwedel ist heute Nachmittag gestorben.

In Prenzlau hat ein Einjährig-Freiwilliger auf der Schwimm-Anstalt in sonderbarer Weise sein Leben eingebüßt. Derselbe sprang vom hohen Schwungbrett aus mit dem Kopf voran ins Wasser, nachdem kurz vorher ein anderer Musketier in derselben Weise herabge­sprungen war. Der Freiwillige flog hierbei so heftig und unglücklich auf den Kopf dieses gerade wieder emportauchenden Soldaten, daß sein sofortiger Tod durch einen Bruch der Wirbelsäule herbeigeführt wurde.

Kulmbach, 28. Juli. Der Bierexport Kulmbachs ist von 75 000 Hektoliter im Jahre 1872 auf 180 600 Hektoliter im Jahre 1881 gestiegen und hat hiervon allein die Erste Kulmbacher Aktien- Exportbierbrauerei 70 376 Hektoliter zum Versandt gebracht. (Fr. Ztg.)

Als Ergebnisse des ersten Monats der Bewegung auf den 650 km der Gotthardbahn werden derK. Z." mitgetheilt: Zahl der Passa­giere 79 700, mit einer Einnahme von 330 000 Fr., Waaren 23 025 Tonnen mit einer Einnahme von 271 000 Fr., zusammen 601 000 Fr., was auf den Kilometer einen Bruttoertrag von 2404 ergibt.

Marseille, 29. Juli. Die Abfahrt der nach Port Said beorderten Brigade ist auf Befehl der Regierung verschoben worden. Die PanzerschiffeHöroine" undRevanche" sind nach Goletta zum Evolutionsgeschwader abgegangen.

Paris, 29. Juli. Die Kammer der Dcputirten hat die Creditforderung für die Expedition nach Aegypten mit 450 gegen 75 Stimmen abgelehnt. Infolge dieses Beschlusses der Kammer begaben sich die Minister ins Elysöe, um ihre Entlassung einzureichen. Der Präsident Grövy bat dieselben, die Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Cabinets fortzuführen.

Madrid, 28. Juli. Für nächsten Montag ist ein Meeting einberufen, in welchem über das Projekt der Aufnahme einer Anleihe von 250 Mill. Pesetas zur Reorganisation der spanischen Marine be­rathen werden soll.

London, 29. Juli. DieTimes" sagt, sie habe Grund zu der Behauptung, daß die neuerliche Haltung der Pforte den Handgreif, lichen Zweck habe, zwischen England und die Konferenzmächte Unfrieden zu säen. Die Mächte seien indeß völlig überzeugt, daß die Intervention

Englands in Aegypten nunmehr absolut nothwendig sei, an eine Ver­hinderung derselben werde nicht gedacht, nicht einmal sei die Neigung vorhanden, dagegen zu protcstiren. Eine Cooperation mit der Türkei sei nur unter Bedingungen annehmbar, welche deren Aufrichtigkeit vorher garantiren würden.

Petersburg, 29. Juli. Die Stadt Solzy im Gouverne­ment Pskow, bekannt durch ihren großen Flachshandel, ist durch eine Feuersbrunst zerstört worden.

Petersburg, 30. Juli. DasJournal de St. Peters- bourg" meint, die englische Regierung stelle das Mandat, welches sie sich selbst ertheilt habe über das, welches der Pforte durch die Konferenz ertheilt sei. Es sei nicht wahrscheinlich, daß die Pforte diese Lage der Dinge acceptiren werde. Die Pforte werde Truppen entweder schicken kraft des europäischen Mandates oder als suzeräne Macht, oder sie werde auf die Intervention verzichten. Im Falle einer türkischen Expe­dition würden also zwei Armeen auf dasselbe Ziel hinarbeiten, sich aber ihre gegenseitige Berechtigung bestreiten, und das auf einem Gebiet, wo auch die Interessen der übrigen Mächte in Frage kämen. Die hieraus sich ergebende schwierige Situation erheische die Fortdauer der Verhand­lungen zwischen den Mächten im Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens im Orient.

DieDf-Ztg." schreibt: Es ist schon jetzt vorauszusehen, wo­rauf die ganze egyptische Angelegenheit hinausläuft: auf Verschleppung. Halbwegs ist sie es schon durch die Kopflosigkeit der Engländer. Jetzt, wo die Türkei erklärt hat, Truppen senden zu wollen, werden die Eng­länder erst recht nichts ernsthaftes unternehmen. Uebrigens hat Arabi Pascha inzwischen seine Kriegsmacht auf mindestens 50 000 Mann ge­bracht, die, in einem befestigten Lager untergebracht, nicht so leicht zu bewältigen sein dürften. Ungeheuere Eile werden die Türken im Ab­senden der Hilfstruppen auch nicht an den Tag legen, und so kommt dann der Monat August heran und mit ihm der höchste Wasserstand des Nils, der in der Hand Arabis eine Waffe bildet, der auch die stärkste Armee nicht gewachsen ist. Der Monat September bringt die Fieberkrankheiten, dann hält es Niemand, der nicht acclimatisirt ist, in Egypten aus. Eine mißlichere Lage für eine Exekutionsarmee läßt sich kaum denken.

Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

Wien, 30. Juli, 11 Uhr 10 Min. DieMontagsrevue" sagt: Die Aufgaben der Konferenz sind durch die praktische Entwickelung der Thatsachen wesentlich restringirt worden. Nunmehr wird eine ver­mittelnde und ausgleichende Thätigkeit mehr in den Vordergrund treten als eine entscheidende und imperative, umsomehr als das europäische Konzert nicht die individuelle Geltendmachung einzelner Staatsinteressen hindern, sondern nur auf das Ausmaß ihrer Vereinbarkeit mit den all­gemeinen europäischen Interessen zu reduziren gesonnen ist. Der Konfe­renz bleiben noch immer wichtige und bedeutende Fragen zur Prüfung unterworfen, namentlich seitdem in England angesichts der durch die Er­öffnung der Feindseligkeiten gegen die Truppen Aarabi Paschas hervor- gerufenen Aufregung sich Auffassungen zu entwickeln scheinen, welche mit dem konservativen Standpunkte, den das Gesammt-Europa in der egyp- tischen Frage bisher eingenommen, schlechterdings nicht in Einklang zu bringen wären.

Reichsgerichts-Entscheidungen.

Der §. 213 der deutschen Civilprozeßordnung bestimmt: Die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung einer Nothfrist ist der Partei auch dann zu ertheilen, wenn spätestens am 3. Tage vor Ablaus der Nothsrist das zur Wahrung derselben zuzustellende Schriftstück dem Gerichtsvollzieher zum Zwecke der Zustellung übergeben ist." In Bezug auch diese Bestimmung hat das Reichsgericht, III. Civilst, durch Urtheil vom 6. Juni d. I. folgenden Grundsatz ausge­sprochen:Als derjenige Zeitpunkt, von welchem der dritte Tag vorher zurückgerechnet werden soll, wird der Ablauf der Nothfrist angegeben. Damit kann nur der Tag gemeint sein, an welchem der Ablauf einge­treten ist, nicht der Tag, nach dessen Beendigung der Ablauf eintreten