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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- uns Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mtt der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Nr. 174.

Freitag den 28. Juli

1882.

OK

Amtliches.

Gefunden: Ein Notizbuch mit der Aufschrift:Diarium für Elisabeth Matthäus". Ein Hundemaulkorb.

Verloren: Eine schwere s. g. Drahtkette vom Central- bis Lud- wigèb.chnhof.

Hanau am 28. Juli 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser setzt seine Badekur in Gastein mit dem besten Erfolge fort und unternimmt fast täglich kleinere und größere Spazierfahrten. Ueber die Rückkehr des Kaisers nach Berlin verlautet, daß dieselbe in der zweiten Augustwoche erfolgen werde; bezüglich der projektirten Begegnung mit dem österreichischen Herrscher ist noch nichts Näheres bekannt.

Auf dem Gebiete der hohen Politik concentrirt sich das Interesse noch immer ausschließlich auf die egyptische Krisis und die hiermit zu­sammenhängenden Fragen. Niemand verhehlt sich, daß sich seit dem Bombardement von Alexandrien die Lage am Nil ungemein verschärft hat; Arabi Pascha, der Diktator Egyptens, ist durch dieses Ereigniß nicht im Geringsten eingeschüchtert worden, er entfaltet im Gegentheil eine fanatische Energie, er schreibt Kriegssteuern aus, ordnet neue Aus­hebungen an und predigt offen den Glaubenskrieg gegen die verhaßten Engländer und deren etwaige Verbündete. Vom Vicekönig ist zwar Arabi Pascha in Acht und Bann erklärt worden, aber dieses hat wenig zu bedeuten, wenn man bedenkt, daß Arabi Pascha jetzt thatsächlich in Egypten herrscht, während der Khedive, Tewsik Pascha, umgeben in sei­nem Palast zu Alexandrien von englischen Soldaten, mne wahrhaft kläg­liche Rolle spielt. Unter diesen Umständen darf England nicht länger zögern, den Krieg gegen Arabi Pascha in entschiedener Weise als bisher zu führen, aber ehe die englische Hauptmacht an der egyptischen Küste landet, werden noch Wochen vergehen und während dieser Zeit können sich in Egypten abermals verhängnißvolle Ereignisse und Wendungen vollziehen.

In unseren inneren Angelegenheiten sind im Allgemeinen keinerlei Ereignisse von größerer Bedeutung zu verzeichnen. Der schon seit län­gerer Zeit zwischen der Centrumspartei und ihren welfischen Freunden entbrannte häusliche Streit wird einstweilen von den Organen beider Fraktionen mit unverkennbarer Erbitterung weitergeführt, doch steht es noch dahin, ob dieser Streit zu einer Trennung der Welfen vom Cen­trum im Reichstage führen wird. Die bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen beschäftigen die verschiedenen Parteien bereits auf das Leb­hafteste und sieht mau deshalb einem heftigen Wahlkampfe entgegen. Von Interesse ist hierbei der Beschluß der schlesischen Centrumspartei, nationalliberale und freiconservative Candidaten absolut nicht zu unter, stützen. Ueber den Stand der kirchenpolitischen Angelegenheiten herrscht gegenwärtig einigermaßen Unklarheit; während von einer Seite behauptet wird, daß die Verhandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan gänz­lich ruhten, wird dem von päpstlichen Organen widersprochen und hierbei der Hoffnung des Vatikans auf baldige Verständigung mit der Preuß. Regierung erneuter Ausdruck verliehen. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, daß Herr v. Schlözer, der Gesandte beim Vatikan, welcher zur Zeit auf Urlaub in Deutschland weilt, seiner Regierung neue Ver- mittelungsvorschlüge des heiligen Stuhles überbracht hat und darf man nach dieser Richtung hin woyl baldigen Aeußerungen entgegensetzen.

Das Urtheil in der bekannten Meiling'schen Affaire ist nun ge­fällt. Durch kriegsgerichtliches Urtheil vom 12. Juli c., bestätigt vom Ehef der Admiralität unterm 23. Juli, ist der Obersteuermann Meiling wegen Landesverraths unter Entfernung aus der Marine zu einer Zuchthausstrafe von 6 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer verurtheilt worden. Meiling war, wie erinnerlich, beschuldigt worden, verschiedene wichtige Dokumente und Pläne aus den geheimen Archiven der kaiserlichen Admiralität entwendet und der russi­schen Regierung gegen eine bedeutende Summe überliefert zu haben, so daß seine strenge Bestrafung allerdings gerechtfertigt erscheint.

.(Oesterreich- Ungarn.) In den von Oesterreich occupirten Provinzen glimmt die insurreklionelle Gluth noch immer fort. In der Herzegowina, an der montenegrinischen Grenze, haben in der letzten Zeit

wiederholte Zusammenstöße zwischen den österreichischen Truppen und starken Jnsurgentenbanden stattgefunden, bei denen es auf beiden Seiten Todte und Verwundete gegeben hat. Es geht hieraus klar hervor, daß die Säuberung der Herzegowina von den Insurgenten noch immer nicht gelungen ist und darnach läßt sich auch der Werth der osficiösen Mit­theilungen aus den occupirten Provinzen, welche immer nur zu melden wissen, daß die Ruhe nirgends gestört sei und daß die Rekrutirung unter gehobener Stimmung der Bevölkerung vor sich gehe, ermessen. Hoffentlich wird die Reise, welche der gemeinsame Reichsfinanzmimster, Herr v. Kallay, nächste Woche nach Bosnien und der Herzegowina an­tritt, einiges Licht in die dortigen Zustände bringen und vor Allem dem Vertuschungssystem der österreichischen Behörden ein Ende machen.

(Frankreich.) In Frankreich wird das Interesse an der bevor­stehenden französischen Expedition zur Occupation des Suez-Canals leb­haft in Anspruch genommen. Während man sich im Senat mit der von der Deputirtenkammer bereits genehmigten Creditvorlage von 7 800 000 Frcs. für Flottenrüstungen beschäftigt, wurde in der Mon­tagssitzung der Deputirtenkammer vom Marineminister Jaureguiberg eine zweite Creditvorlage von 9^2 Millionen Frcs. zum Schutze des Suez­kanals eingebracht. Diese Summe erscheint ziemlich gering, aber Ange­sichts der in der Deputirtenkammer wie im Lande herrschenden gereizten Stimmung, die der französischen Expedition nach Egypten gerade nicht sonderlich geneigt ist, dürfte es das Cabinet Freycinet nicht wagen, mit einer größeren Forderung vor die Kammer zu treten. Dementsprechend werden von Frankreich etwa nur 6000 Mann nach Egypten gesandt werden, die vermuthlich nur die Ausgabe erhalten, den Suezkanal zu decken, sich aber an den militärischen Operationen der Engländer gegen Arabi Pascha nicht zu betheiligen. '

(England.) Die Verhandlungen des englischen Parlaments waren in den letzten Tagen der Hauptsache nach den egyptischen Ange­legenheiten gewidmet. Die Debatten bewegten sich vornehmlich um den Kostenpunkt der englischen Expedition nach Egypten. Im Unterhause hatte der Premier Gladstone am Montag eine Creditforderung von 23 Millionen Pfund Sterling eingebracht und erklärt, er wolle diesen Be­trag durch eine Erhöhung der Einkommensteuer um drei Pence per Pfund Sterling für das letzte Halbjahr aufbringen, so daß sich diese Erhöhung auf P/2 Pence per Jahr belaufen werde. Die Debatte hier­über wurde am Dienstag fortgesetzt und dürfte vermuthlich erst am Mittwoch beendigt worden sein, an der Bewilligung der Regierungs­forderung kann nicht gezweifelt werden. Zur gleichen Zeit wurde im Oberhause über den Regierungsantrag, die Kosten für die Verwendung indischer Truppen in Egypten aus den Einkünften Indiens zu bestreiten, verhandelt. Der Antrag wurde schließlich am Dienstag ohne Abstim­mung angenommen und erklärte hierbei der Unter-Staatssekretair für Indien, Enfield, die Zahl der nach Egypten zu sendenden indischen Truppen werde 6000 Mann nicht übersteigen. Aus der Montags- Sitzung des Unterhauses ist noch zu erwähnen, daß Herr Gladstone energischen Tones erklärte, wenn es nicht gelingen sollte, eine Coopera­tion in Egypten zu erlangen, England nicht davor zurückschrecken werde, seine Pflicht allein zu thun, welche Erklärung lebhaften Beifall im Hause fand.

(Italien.) Italien zeigt durchaus keine Geneigtheit, sich der englisch französischen Expedition nach Egypten anzuschließen. Die hierauf bezügliche Einladung Englands ist vom italienischen Minister des Aeußeren, Mancini, ziemlich unverhüllt abgelehnt worden und hat der­selbe zugleich erklärt, Italien werde sich in der egyptischen Frage nicht von den drei Kaisermächten trennen. Die Aeußerung desDiritto", daß es erfreulich sei, daß Italien sich auf diese Angelegenheit nicht wei­ter eingelassen habe und daß es der Gruppe der Ostmächte treu bleiben werde, kennzeichnet deshalb klar die egyptische Politik der italien.schen Regierung.

(Türkei.) In dem langweiligen Schauspiele, welches die Kon- stantiuopelkr Botschafter-Conferenz der Welt darbietet, ist durch den Ein­tritt der Türkei in die Conserenz ein kleiner Fortschritt der H ndlung zu verzeichnen. Am Montag nahmen die türkischen Commissare, Said Pascha und Assim Pascha zum ersten Male an den Verhandlungen der Conferenz Theil. Die Vertreter der Pforte erklärten, dre Pfcrte sei im Prinzip" bereit, Truppen nach Egypten zu schicken. Angesichts der