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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilag" und Samstags mtt der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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9èr. 173.

Donnerstag den 27. Juli

1882.

Amtliches.

Der am 1. Dezember 1858 zu Posen geborene Walther Carl Wilhelm Fedor von Gaffron hat um Entlassung aus dem Preußi­schen Unterthanen-Verbande behuss Niederlassung in Rußland nachgesucht. Hanau am 21. Juli 1882.

Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm.

Die Herren Bürgermeister der Stadt Windecken sowie der Land­gemeinden haben innerhalb 24 Stunden zu berichten:

1) Zahl der Posten an Schulgeld, welche in den Monaten April und Mai für jeden Monat gesondert fällig geworden sind;

2) Zahl der zur Zwangsvollstreckung in den beiden genannten Mo­naten überwiesenen Schulgeldposten;

3) Zahl der Schulgeldposten wegen deren Pfändung re. vollstreckt ist;

4) Zahl der Schulgeldposten, wegen deren Pfändung rc. fruchtlos ver­sucht ist.

Hanau am 27. Juli 1882. Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm.

Tagesschau.

Berlin, 26. Juli. Se. Majestät der Kaiser beehrten vor­gestern Abend den Grafen Lehndorff - Steinort auf der Villa Solitude mit einem Besuch und wohnten nach dem Thee einer daselbst veranstal­teten Theatervorstellung bei. Gestern unternahmen Allerhöchstdieselben nach dem Bade eine längere Promenade. Das Befinden Sr. Majestät ist ein vorzügliches.

Berlin, 24. Juli. Die freikonserv. Wochenkorresp. schreibt: Die Jahresabschlüsse für das Reich und Preußen liefern den Beweis, daß die schlimmste Zeit für die Staatswirthschast hinter uns liegt, jene Zeit, in der schon der Etat ein Defizit aufwies, das wirkliche Ergebniß aber noch hinter dem Voranschläge zurückblieb. Jetzt fließen die Ein­nahmen reichlicher, als der Etat sie ausgebracht. Preußen zwar hat einen Ueberschuß nicht oder so gut wie nicht erzielt. Die Ursache liegt aber wesentlich darin, daß die Matrikularbeiträge um etwa 14 Mill, den im Etat vorgesehenen Betrag übersteigen und die Kosten der Justiz­verwaltung wiederum erheblich gewachsen sind. Der Minderbetrag an Zöllen ist durch die Reichsstempelsteuer reichlich gedeckt, die Betriebs­verwaltungen, namentlich die Eisenbahn- und die Bergverwaltung, lie- serten ausreichende Mehrüberschüsse, um den Mehrbedarf für die Matri­kularumlagen und die Verwaltungsausgaben zu decken. Das Reich schließt, abgesehen von dem einmaligen rein formellen Einkommen von 9 Mill. Mk. in Folge der verlängerten Kreditfristen für die Zucker- steuer, mit Ueberschuß von rund 16 Mill. ab. Der Ausfall an den Zöllen und der Tabaksteuer mit 7,4 Mill, trifft nicht das Reich, dem nach der Klausel Franckenstein ein fester Betrag von im Ganzen 130 Mill, aus diesen Abgaben zufließt. Neben dem nicht erheblichen Stei­gen der Verbrauchsabgaben und des Wechselstempels ist der günstigste Abschluß zumeist den Mehrerträgen der Post und Telegraphie und der Reichsbahnen mit zusammen etwa 10 Mill, zu danken. Darf man sich hiernach der Hoffnung, daß die Periode des rechnungsmäßigen Defizits abgeschlossen sei, um so mehr hingeben, als die günstigen Ergebnisse der Betriebsverwaltung Zeugniß ablegen von der stetig fortschreitenden Ge­sundung unserer wirthschastlichen Zustände, so wäre es doch überaus ver­kehrt, unsere Finanzen bereits als völlig geordnet anzusehen. Denn der Preuß. Etat balancirt nur durch die Einstellung von 29 Mill. aus dem Ertrage der 1880/81 über Bedarf kontrahirten Anleihe. Von den Hanptfaktoren aber, welche an sich geeignet wären, dem Manko abzu- Helsen, dem Ueberschuß des Reichs und den Mehrerträgen der Eisen­bahnen, ist der weitaus größte Theil bereits anderweit festgelegt. Von dem Reichsüberschuß sind 6 Mill, bereits für 1882/83 in Anspruch ge­nommen, um die Matrikularbeiträge auf dem bisherigen Niveau zu er­halten; der gleiche Betrag wird zu demselben Zwecke für 1883/84 in Anspruch genommen, so daß also nur 4 Millionen im Ganzen zur Ent­lastung der Bundesstaaten, sür Preußen also 2^2 Millionen verfügbar

bleiben. Von den Ueberschüssen der Eisenbahnverwaltung also sind 3Aio/o der jetzt etwa 2 Milliarden betragenden Eisenbahnschuld nach dem Garantiegesetz zu Tilgungszwecken bestimmt und daher nicht mehr zu den laufenden Ausgaben verwendbar. Hiernach darf schon jetzt ange­nommen werden, daß, selbst wenn auf die Wiederholung des einmaligen Steuererlaffes verzichtet wird, die Einnahmen Preußens schwerlich voll­ständig zur Deckung der Ausgaben reichen werden. Die noch int natio­nalliberalen Programm vom Mai 1881 festgehaltene Behauptung, daß die vorhandenen Einnahmen zur Erleichterung der Klassensteuer und zur Ueberweisung der halben Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden ausreichen werde, erweist sich daher mehr und mehr als Fabel.

Berlin, 26. Juli. DieVoss. Ztg." erfährt, daß der Präsi­dent des Abgeordnetenhauses von Köller zum Nachfolger des verstorbe­nen Oberpräsidenten von Pommern designirt sei. Deckoffizier Mei­ling ist heute nach Rendsburg in das dortige Zuchthaus tranèportirt worden.

Bekanntmachung auf Grund des Reichsgefetzes vom 21. Oktober 1878. Rach demR.- u. St.-A." Nr. 173 wurde unterm 24. Juli verboten: die Nummern 1 und 2 der zu Augsburg ausgegebenen perio­dischen DruckschriftAugsburger Chronik" vom 16. und 23. d. Mts. (Redaktion und Verlag von Carl Habermalz, Druck von Hier. Mühl­berger), sowie das fernere Erscheinen dieser Druckschrift.

Nach Anordnung des Reichskanzlers wird der Stempelaufdruck der gestempelten Wechselblankets künftig nach Maßgabe des Musters der neuen Wechselstempelmarken (Bekanntmachung vom 22. November v. J. R.-G.-Bl S. 271) hergestellt werden. Mit der Ausgabe der in dieser Weise gestempelten Blankets wird Seitens der Reichsdruckerei erst nach Aufräumung der betreffenden Sorten der nach dem bisherigen Muster angefertigten Bestände vorgegangen werden.

(Aus der Reichshauptstadt.) Der Bau des neuen Ge­bäudes für die im nächsten Frühjahr zu veranstaltende Hygieine- Ausstellung wird am 1. Nov. beginnen und zwar werden die Hallen, von Eisen und Glas konstruirt, auf massiven Fundamenten errichtet werden. Die Dächer werden aus Wellblech bestehen und den Räumen Oberlicht zuführen. Direktor Anton V. Werner hat Namens des Senates der Akademie der Künste den Antrag gestellt, die Akademie für Bauwesen möge sich zu Gunsten des vom Baurath Heyden entworfenen Planes aussprechen, welcher die Umwandlung des Lehrter Bahn­hofs in ein permanentes Kunstausstellungsgebäude bezweckt. Nach langer und eingehender Erörterung hat die letztgenaunte Instanz sich zu Gunsten des Projektes mit großer Mehrheit ausgesprochen.

Nach den nunmehr ergangenen Ordres wird das Panzerge­schwader, bestehend aus den FregattenFriedrich Karl",Kronprinz", Friedrich der Große",Preußen", am 1. k. M. seine Kreuztour bis zur russischen Grenze beginnen und nach etwa acht Tagen wieder in die Danziger Bucht zurückkehren. (Sttsb.-Ztg )

Bremen, 22. Juli. Gestern ist das letzte der auf der Ak­tiengesellschaft Weser erbauten 7 Torpedoboote an die deutsche Marine abgeliefert worden. Trotz der bedungenen kurzen Bauzeit ist das letzte Boot noch um 4 Tage vor dem Termin geliefert worden. (Wes.-Z.)

Karlsruhe, 25. Juli. Die badische Generalsynode hat das neue Gesangbuch mit 49 gegen 2 Stimmen angenommen.

Bayreuth, 26. Juli. Heute Nachmittag um 4 Uhr begann die erste Aufführung von Richard WagnersParsifal" mit Winkelmann als Parsifal, Scaria als Gurnemanz, Frau Materna als Kundry. Der Vorstellung wohnten auch der Großherzog und die Frau Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin mit der Frau Großfürstin Wladimir von Rußland, sowie der Erbgroßherzog und die Frau Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar bei. Das Publikum, fast nur aus Mitgliedern des Patronatsvereins für die Bühnenfestspiele bestehend, nahm das Werk mit grenzenlosem Enthusiasmus auf, dem auch die Unparteiischen sich nicht entziehen konnten. Gleich nach dem Schlüsse des durchweg religiösen ersten Aktes folgten minutenlang fortwährende Beifalls- und Hervor­rufe; letzteren wurde jedoch keine Folge geleistet. (Rh. K.)

(Deutsche Markstücke in der Schweiz.) Das eidg. Finanzdepartement erläßt im Finanz- und Zollanzeiger folgende Be-