«bonnem«» PrelS:
Jährlich 9 Morl. Halbj.E. SOPf«.
Lisrteljlhrltch S Marl 95 Ä». Für auswärtig
Adonnentrn mit dem betreffe», den Postaufschla,- LteetnzelneRm»» mer 10 Pf,.
Hanauer Amiwr.
Zugleich Amtliches Organ für Krers und Stadt Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mtt der Berliner Provinzial- Correspondenz.
, IusertiouS- Preis r
Pi« ifpaltige lärmend,eile *. deren Raum 10 Pfg.
Sie Slpalt. Seite 20 Pfg.
DieSsPaltigeZeil« 30 Pfg.
Nr. 171.
«»■»»■!, -««
Dienstag den 25. Juli
Amtliches.
Gefunden: Ein Cigarren-Etui mit einigen Cigarren. Ein Damen-Schirm, in einem Laden stehen geblieben. Ein Paar schwarze Glacehandschuhe.
Zugeflogen: Eine röthliche Taube.
Verloren: Ein goldener doppelter Manchettenknopf.
Hanau am 25. Juli 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Kaiser Wilhelm hat auch während seines diesjährigen Aufenthaltes in Gastein seine Lebensweise genau wie in den vorhergehenden Jahren geregelt. Täglich um 7 Uhr des Morgens nimmt der Kaiser sein Bad, nimmt hierauf den regelmäßigen Vortrag des Ober-Hof-MarschallS Grafen Pückler entgegen und promenirt dann ein wenig in den Cur-Anlagen. Um 11 Uhr empfängt der Kaiser den Cabinets-Chef und andere Herren zum Vortrage und nimmt sodann das Dejeuner ein. Der Nachmittag nach dem Diner ist bei schönem Wetter Spazierfahrten in die reizende Umgebung Gasteins gewidmet. Im Uebrigen ist der greise Monarch verhältnißmäßig wohl und munter und erfreut die in Gastein weilenden Kurgäste durch sein rüstiges Aussehen.
In unserer inneren Politik gewinnt die kirchenpolitische Frage durch verschiedene Vorfälle der jüngsten Zeit, wie durch den Zwist zwischen Centrum und Welfen, die Ablehnung der Bittschrift rheinischer Katholiken um Zurückberufung des Erzbischofs Melchers von Köln und die Reise des Gesandten beim Vatikan, Herrn V. Schlözer, von Rom nach Berlin wieder an Bedeutung. Wenn die ersterwähnte Angelegenheit vielleicht auch nicht die Bedeutung hat, welche ihr von mancher Seite beigemessen wird, so ist der häusliche Konflikt zwischen der Centrumspartei und deren welfischen Freunden doch nicht ohne Interesse und dürfte wahrscheinlich zu größeren Spaltungen im ultramontanen Lager führen. Von Wichtigkeit aber ist der ablehnende Bescheid, den das Gesuch um Rückberufung des Herrn Melchers an allerhöchster Stelle gefunden hat, denn die Regierung erklärt hierdurch, daß jetzt die Grenze ihrer Zugeständnisse an den Vatikan und die Curie erreicht sei und daß man auf letzterer Seite nichts mehr zu erwarten habe, wenn man noch länger zögere, die preußischen Gegenforderungen zu erfüllen. Daß die Rückkehr des Herrn von Schlözer aus Rom mit der neuesten Wendung der preußischen Kirchenpolitik zusammenhängt, ist unzweifelhaft, wenn aber manche Blätter annehmen, daß Herr von Schlözer gar nicht mehr auf seinen Posten beim Vatikan zurückkehren werde, so scheint uns diese Annahme über das Ziel hinauszuschießen. Der genannte Diplomat wird sich jedenfalls nur neue Instruktionen holen und dann vermuthlich nach Rom zurückreisen.
Die Reichseinnahmen erfreuen’ sich einer fortwährenden Steigerung. Der „Reichsanzeiger" meldet: Nach dem Endabschlusse der Reichshauptkasfe sind im Etatsjahre 1881/82 im Ganzen bei den ordentlichen Einnahmen 25 902 517 M. mehr eingekommen. Unter Berücksichtigung von 825 402 M. Mehrausgaben stellte sich ein Ueberschuß von 25 077 114 M. heraus, worin allerdings die nicht wiederkehrende Mehreinnahme von 9 065 000 M. bei der Rübensteuer enthalten ist. Nach Abrechnung derselben verbleibt ein Ueberschuß von rund 16 000 000 Mark. — Der Kniser hat den Staatssekretair im Reichsschatzamt, Burchard, mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in den Finanzangelegenheiten des Reiches, insoweit sie sich in der ausschließlichen Verwaltung desselben befinden, beauftragt.
Der bayerische Ministerpräsident und Cultusminister v. Lutz hat plötzlich eine befremdliche Schwenkung nach der ultramontanen Seite hin gemacht. Dieselbe tritt in verschiedenen Maßregeln gegen die drei bayerischen Landesuniversitäten hervor. Den altkatholischen Professor Friedrich an der Universität München versetzte Herr V. Lutz aus der theologischen in die philosophische Fakultät, trotz des Protestes des Senates der Universität. Die Universität Würzburg hatte für eine an ihr erledigte Profesforstelle einen freisinnigen Philosophen in Vorschlag gebracht, Herr v. Lutz aber will die Stelle mit einer ultramontan angehauchten Persönlichkeit besetzen und ein ähnlicher Fall spielt bezüglich der Universität Erlangen.
1882.
(Frankreich.) In Frankreich hat sich die Aufregung, welche die Rücktrittsdrohung des Cabinets Freycinet in den politischen und parlamentarischen Kreisen hervorgerufen hatte, rasch wieder gelegt. Das Ministerium bleibt auf seinem Posten, nachdem ihm die Kammer am Donnerstag in aller Eile mit 288 gegen 105 Stimmen ein Vertrauensvotum ertheilt hatte. Zu dem Vertrauensvotum für Herrn de Freycinet mag die Deputirtenkammer mit durch die Ueberzeugung veranlaßt worden sein, daß eine Ministerkrisis in einem Momente, wo die Ereignisse in Egypten zu einer nahen Entscheidung drängen, höchst unbequem käme, wogegen sich allerdings nichts einwenden läßt. Im Uebrigen hat die leidige Angelegenheit der Pariser Central-Mairie doch ein „Opfer" ge« fordert, indem der Seinepräfekt Floquet seine Demission einreichte, infolge des gegen die Errichtung einer Central-Mairie in Paris gerichteten Kammervotums.
(England.) England hat in der vergangenen Woche die Vorbereitungen zur Absendung des nach Egypten bestimmten Expeditionskorps zum Abschluß gebracht. Zum Oberstkommandirenden desselben wurde von der Königin General Wolseley, der Sieger im Zulukriege, und zu seinem Generalstabschef Generallieutenant Ady ernannt. Die Stärke der Expeditionstruppen wird sich einstweilen auf etwa 14 000 Mann belaufen, von denen ein Theil bereits am Sonnabend, den 22. d., eingeschifft worden sein soll. Ueber die Theilnahme Frankreichs an der Expedition verlautet noch nichts Näheres, dagegen tauchen ziemlich bestimmte Gerüchte über die eventuelle Theilnahme Italiens auf. Man glaubt, England werde sich der Einladung an eine dritte Macht (Italien) zur Betheiligung an dem Unternehmen bereitwillig anschließen. Von Indien, und zwar von Bombay aus, sind bereits am vergangenen Freitag zwei große Transportdampfer mit indischen Truppen nach Egypten abgegangen. Die Engländer werden sich demnach binnen kürzester Zeit in den Stand gesetzt sehen, gegen Arabi Pascha, der in den letzten Tagen bedeutende Verstärkungen an sich gezogen haben soll, die Offensive zu ergreifen. Die Position des egyptischen Diktators soll indessen eine äußerst starke sein, so daß die Engländer wahrscheinlich einem harten Strauße entgegengehen. — Das englische Unterhaus hat am vorigen Freitag die irische Pachtrückstandsbill mit 285 gegen 177 Stimmen in dritter Lesung angenommen, was man in Irland wohl mit Genugthuung begrüßen wird.
(Rußland.) Die russische Regierung ist nun endlich aus der Reserve, welche sie bis jetzt in den egyptischen Angelegenheiten einnahm, herausgetreten. Das osficiöse „Journal de St. Petersbourg" bemerkt bezüglich des neulichen Artikels der „Times" über die ablehnende Haltung der Pforte, wenn die Ablehnung der Einladung zur Intervention officiell konstatirt sei, dann werde die Conferenz andere Mittel ins Auge zu fassen haben. Die englische Regierung könne annebmen, daß man die englischen Truppen auffordern werde, an der Pacification Egyptens theilzunehmen. Die „Times" scheine aber andeuten zu wollen, daß das englische Cabinet aus eigener Initiative handeln und sich an Stelle der Mächte setzen wolle. Man hat wohl nicht mit Unrecht in dieser Aeußerung des russischen Regierungsblattes eine Mahnung an England zu erkennen, in Egypten nicht allzusehr auf eigene Faust zu handeln.
(Türkei.) Die nun endlich vorliegende Antwort der Pforte auf die Einladung der Conferenz zur Intervention in Egypten ist eine wahre Musterleistung orientalischen Diplomatenstyls. Die Conferenz hatte von der Pforte ein bündiges Ja oder Nein verlangt, statt dessen aber rücken die türkischen Staatsmänner unter allerlei schwülstigen Redewendungen mit der geradezu verblüffenden Erklärung heraus, daß die Türkei jetzt, in der elften Stunde, an der Conferenz theilnehmen wolle! Zugleich wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Pforte den Mächten Mgen- vorschläge machen wolle; entweder sollen türkische Commissare das west- mächtliche Expeditionskorps nach Egypten begleiten oder die Türken sollen Kairo und Alexandrien besetzen und die europäischen Truppen den Suezkanal decken. Hoffentlich lassen sich aber die Mächte der Türkei gegenüber auf nichts mehr ein.
(Egypten.) Arabi Pascha, der Diktator Egyptens, hat den „Krieg bis aufs Messer" gegen die Engländer proklamirt. Er versandte eine hierauf bezügliche Kundgebung an die Gouverneure der Provinzen und drohte allen denen, welche das Vaterla d verriethen, indem sie den Engländern Hilfe leisteten, die strengste Bestrafung an. Alle noch in