Wenn die Pforte allein im Stande sei, dies ohne Verzug zu bewirken, so möge ihr die Sorge dasür überlassen werden, wenn nicht, so werde sich die Konferenz damit zu befassen haben. Uebrigens würden die türkischen Delegirten alsbald in die Lage versetzt werden, sich über die Absichten der Pforte betreffs Wiederherstellung des Status quo in Egypten zu erklären.
— Die „Dorf-Ztg." schreibt: Ein aus Amerika zurückgekehrter Auswanderer theilt mit, daß zur Zeit Hunderte von Auswanderern, namentlich in New-Jork und anderen Hafenplätzen in traurigstem Zustande umherirren und nur das eine Verlangen haben, sich gegen Verrichtung jeglicher Arbeit auf den nach Europa gehenden Schiffen freie Ueberfahrt zu sichern, da ihnen die Mittel zur Rückfahrt fehlen. Auf den Straßen, in den Lazarethen und Spitälern finde man leider unzählige Auswanderer, die, vom bittersten Elend heimgesucht, diejenigen onklagen, durch die sie zur Auswanderung aus der Heimath veranlaßt worden sind, insbesondere die gewissenlosen Agenten. Bei allem Mitleid, das man mit diesen Unglücklichen empfindet, muß man sich doch wundern über das unmündige Verantwortlichmachen Anderer für eigenes Unglück und die Frage aufwerfen, warum denn so viele Leute sich immer mit „gewissenlosen" Agenten einlassen, da es doch so viele gewissenhafte und soviele solide Auswanderungsgesellschasten (drüben sogar schon verschiedene staatliche) gibt. Ein solcher Schritt wie Auswanderung ist doch ernstlich genug, um ausreichende, d. h. mehrseitige Erkundigungen einzuziehen!
Spezial'Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.
— Rom, 22. Suli. Der „Osservatore Romano" bestreitet, daß die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der preußischen Regierung in Folge der übertriebenen Ansprüche der Kurie, die sogar die Beibehaltung der preußischen Gesandtschaft beim heiligen Stuhle unmöglich machen könnten, abgebrochen seien. Das Blatt gibt zu, daß man zu einem vollständigen und dauerhaften Frieden zwar noch nicht gekommen fei, aber man habe doch einen großen Schritt auf dem Wege zur Anbahnung des Friedens gethan durch die Wiederherstellung der Gesandtschaft und durch die Wiederbesetzung mehrerer erledigter Bischofssitze. Man müsse die weiteren Resultate der Verhandlungen abwarten und bedenken, daß sie sich auf Fragen erstreckten, welche ebenso schwerwiegend als komplizirt seien. Der Vatikan wünsche nichts sehnlicher, als daß dieselben zu einer Verständigung führten.
— Wien, 23. Juli, 10 Uhr Morgens. Die offiziöse „Montags- Revue" scheint die vielgesürchtete Abschwenkung Englands von dem europäischen Konzerte nicht zu besorgen. Der englisch-französische Antrag wegen Sicherung des Suezkanals ist ordnungsgemäß vor die europäische Konserenz gebracht worden, und da die verhängnißvolle Zauderpolitik der Pforte dieselbe wiederum den günstigen Zeitpunkt versäumen ließ, dürfte die Konferenz kaum diesen mit den materiellen Interessen Europas eng verknüpften Vorschlag ablehnen, umsomehr, als auch mit den aufgeregten Gefühlen des britischen und französischen Volkes zu rechnen ist. An der Pforte wäre es gewesen, die Wirkungen des in Alexandrien vergossenen Blutes niemals erproben zu lassen. Nachdem die Pforte dies versäumt, können die Konsequenzen nicht ausbleiben ; allein noch immer ist der Pforte möglich, die Verhältnisse bis zu einem gewissen Grade zu beherrschen, wenn dieselbe, obwohl die Intervention zurückweisend, wenigstens unverzüglich in das europäische Konzert eintritt, wodurch ihr noch immer ein mäßigender berichtigender Einfluß gesichert ist. Die Hauptgefahr für die Pforte sind radikale Entscheidungen, aber hierin trifft ihre Sorge mit der Europas zusammen und jedenfalls darf sie von der Unterstützung Europas ein günstigeres Resultat erwarten, als von der Politik der Jsolirung, bei welcher das politische Wollen zum politischen Können in ebenso unverkennbarem als seltsamem Mißverhältnisse steht.
— Petersburg, 23. Juli, 1 Uhr 30 Min. Vorm. Hier herrscht große Besorgniß über das Schicksal des großen Kreuzers „Moskwa", der am 7. Juni mit 3300 Tonnen Thee und einigen Passagieren abge- gangeu aus Wladiwostok, seitdem aber spurlos verschwunden ist. Der zehn Tage später aus Wladiwostok abgedampfte Kreuzer „Petersburg" ist schon seit einiger Zeit in Odessa angekommen und hat auf der Fahrt die „Moskwa" nicht gesehen. Man vermuthet, der Kreuzer sei durch einen Orkan, Brand oder eine Kessel-Explosion untergegangen. Gerüchtweise verlautet, der Kessel sei schon bei Abfahrt des Kreuzers beschädigt gewesen, die Bemannung war über hundert Personen stark. „Moskwa" war eins der besten Schiffe der in Folge des letzten Orientkrieges gegründeten Gesellschaft der „Freiwilligen Flotte", und wurde seinerzeit mit VI4 Millionen Rubel bezahlt.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Wird von einem Hypothekengläubiger dem Schuldner das im Grundbuch eingetragene Recht eingeräumt, hinter seiner Hypothek eine Hypothek bis zu einem bestimmten Betrage mit dem Vorzugsrecht vor seiner Hypothek eintragen zu lassen, und werden sodann verschiedene Posten eingetragen, denen diejenige Post folgt, für welche die Priorität vor der zuerst eingetragenen Hypothek eingetragen wird, so werden nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Hülfsfenats, vom 5. Juni d. J.
die zwischen der ersten und letzten Hypothek eingetragenen Hypotheken durch die Prioritätsvermerke gar nicht berührt, sie haben ein Recht auf Befriedigung nach der Rangordnung ihrer Eintragungen, während der letzte Gläubiger von dem Liquidat des ersten Gläubigers soviel beanspruchen darf, als die von den Zwischengläubigern erhobenen Summen noch übrig lassen. Ist beispielsweise auf einem Grundstück unter Nr. 1 eine Hypothek von 12 000 M. eingetragen, mit dem Vermerk, daß der Grundstücksbesitzer hinter dieser Hypothek eine Hypothek von 6000 M. mit dem Vorzugsrecht vor Nr. 1 eintragen lassen darf, und wird sodann unter Nr. 2 eine Hypothek von 5000 M. und endlich unter Nr. 3 eine Hypothek von 6000 M. eingetragen, mit dem Vermerk, daß diese 6000 M. ein Vorzugsrecht vor den unter Nr. 1 eingetragenen 12 000 M. haben sollen, so stellt sich die Betheiligung der drei Hypothekengläubiger an den Kaufgeldern des später Schulden halber subhastirten Grundstücks, welche 16 000 M. betragen, folgendermaßen: Nr. 1 liquidirt an Kapital, Zinsen rc. 12 500 M. und erhält nur 9600 M., Nr. 2 liquidirt an Kapital, Zinsen rc. 5300 M. und erhält nur 3500 M. und Nr. 3 li- quidirt 6400 M. und erhält den Rest von 2900 M.
Lokales.
Hanau, den 24. Juli 1882.
— (Impfung.) Den 26. Juli, Nachm. 5 Uhr Revision zu Hochstadt.
— Vorgestern Abend verlor unsere Stadt einen ihrer besten Bürger, den am 18. Juli 1812 geborenen Herrn Cornelius Huber nach kurzem aber schweren Leiden durch den Tod. Viele Arme und Bedürftige, denen der Verstorbene jederzeit gerne mit Rath und That zur Seite stand, werden diesen Verlust mit betrauern.
Herr Cornelius Huber, seit dem Jahre 1851 in den städtischen Körperschaften wirkend — seit den letzten 8 Jahren Mitglied des Stadtraths — gehörte auch der Friedhofs- sowie der Armendeputation an und fungirte längere Zeit als erster Standesbeamter, alle diese Ehrenämter mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue bekleidend.
Vor einigen Jahren trat der Verblichene aus der Firma Huber u. Co., deren Mitbegründer er war und die aus kleinen Anfängen sich zu einem so umfangreichen Geschäfte gestaltete, daß viele Frauen und Mädchen lohnenden Verdienst in Filet-, Häckel- rc. Arbeiten gefunden, aus. Jetzt widmete er sich noch mehr wie früher der Privatarmenpflege — es wird allgemein bekannt fein, daß der Huber-Heräus'sche Armenverein schon viel Segen stiftete und manche Thräne trocknen half — und war, wie schon vorne erwähnt, jederzeit gern im Stillen zum Geben bereit, wenn die Bedürftigkeit Begründung fand. — Drum Ehre dem Andenken, dieses hervorragenden Mitbürgers, der nunmehr in ewigem Frieden ruhen möge.
— Von morgen ab bis zum 27. d. M. einschließlich, von Morgens 10 bis Nachm. 6 Uhr, ist im Atelier unseres Meister Cornelius ein von ihm hergestelltes lebensgroßes Portrait öffentlich ausgestellt.
— (Turnerisches.) Das gestrige 25. Stiftungsfest des Turnvereins Sachsenhausen erfreute sich überaus reger Theilnahme Seitens der Einwohnerschaft Sachsenhausens, sowie der umliegenden Turnvereine. Der Festzug verlief glänzend; die Theilnehmer wurden mit Blumen förmlich überschüttet.
Nachmittags im Walde entwickelte sich bald ein fröhliches Treiben, gesangliche, musikalische und turnerische Producktionen weckten bald die gemüthliche Stimmung, welche zu einem Volksfest nöthig ist. Gegen 5 Uhr begann das Wettturnen an Stabhochsprung, Weitsprung und Freihochsprung. Jeder Turner konnte sich nur an einer Uebungsart betheiligen; die 3 besten Leistungen erhielten Werthpreise. Im Hochspringen blieb Fritz Müller vom Turnverein Frankfurt erster Sieger mit 11% Punkten (Mtr. 1,63), im Stabhochspringen Chr. Riese vom gleichen Verein mit 12 Punkten (Mtr. 2,65) und im Weitspringen Gottfried Schnarr von der hiesigen Turngemeinde mit 15 Punkten (Mtr. 6,20!. Schnarr leistete nach beendetem Wettturnen bedeutend Besseres als die erstgenannten Sieger, 13 Punkte Freihochsprung und 14 Punkte Stabhochsprung, konnte sich jedoch, wie schon erwähnt, nur an einer Uebungsart betheiligen.
— Die Kinzig wuchs in der Nacht vom Samstag auf gestern derart, daß sie an verschiedenen Stellen aus den Ufern getreten ist und Aecker und Wiesen auch in hiesiger und Kesselstädter Gemarkung überschwemmt hat. Heute Morgen war ein ziemliches Fallen bemerkbar. — Der Main ist seit gestern ebenfalls wieder angeschwollen und sei deshalb beim Baden im freien Wasser größte Vorsicht angerathen; in den Anstalten wird sür gehörige Beaufsichtigung der Badegäste Sorge getragen.
— Auf mehrfache Anfragen die Notiz, daß sich die fragliche Kohlenkasse in der „weißen Taube" befindet und der mit den Geldern durchgegangene Kassier Goldarbeiter V......l ist.
— Für heute. Deutsches Haus: Abends 8 Uhr Extra Großes Militär-Concert, ausgeführt von der hiesigen Regimentskapelle. Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in den „3 Rindern" (oberes Sälchen); Nr. 5 im „goldenen Herz". — Zum „schwarzen Bären : musikalische Abendunterhaltung.