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Zugleich Amtliches Orga« für Kreis und Stadt Hanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Nr. 167.

Donnerstag den 20. Juli

1882.

Amtliches. .

Der Herr Minister des Innern, der Finanzen und der Land­wirthschaft haben mittels gemeinschaftlichen Erlasses vom 13. Juni d. I. wiederholt darauf hingewiesen, daß dem Treiben solcher Bureaus energisch entgegenzutreten sei, welche sich angeblich zu literarischen Zwecken, jedoch mehr im eigenen Interesse in Berlin etablirt haben und sich Titel beilegen und Siegelmarken benutzen, mit denen sie die Lokal­behörden täuschen und dadurch zu Arbeiten veranlassen, welche nur dazu beitragen können, die amtliche Statistik zu diskreditiren, sowie die Klagen über Häufung statistischer Aufnahmen zu vermehren.

In diesem Sinne empfehle ich den Herren Pfarrern, Bürger­meistern und Schullehrern dringend an, alle an sie gelangenden Anträge wegen Mittheilung von statistischem Material auf ihren amtlichen oder nichtamtlichen Charakter sorgfältig zu prüfen und Anträge nichtamtlichen Charakters unberücksichtigt zu lassen, sobald wegen der sachgemäßen Ver­wendung des empfangenen Materials genügende Garantien nicht gegeben sind.

Hanau, den 18. Juli 1882.

Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.

Tagesschau.

Die lib.Staatsb.-Ztg." schreibt: Ueber die politische Haltung Deutschlands zur ägyptischen Frage bringt ein, wie man annimmt, dem Reichskanzler nahestehender Correspondent der Köln. Ztg." eine bemerkenswerthe Auslassung. Zunächst wird die Presse ersucht, der Regierung nicht durch stürmische Aufforderungen, welche Beunruhigung in der Bevölkerung verbreiten würden, die Lösung einer schwierigen diplomatischen Lage unnütz zu erschweren. Das ge­flügelte Wort des Fürsten Bismarck von demKnochen des pommer- fchm Landwehrmanns" muß auch heute seine Anwendung finden. Deutschland ist ja glücklicherweise an den ägyptischen Wirren weniger interessirt als andere Großmächte, in erster Linie Frankreich; es darf nicht unnützerweise aus seiner Zurückhaltung heraustreten, die bei ihm nur ein Zeichen selbstbewußter Kraft ist. So allein wird Deutschland in der Lage bleiben, im geeigneten Zeitpunkt das entscheidende Wort zu sprechen.. Unsere Beziehungen zum Sultan sind und bleiben gut, wir haben keine Handlung für legitim erklärt, welche die Hoheitsrechte des uns befreundeten Monarchen beeinträchtigt, wir können ihn aber auch nicht thatsächlich in einer Politik der Unthätigkeit unterstützen, durch welche er sich mit ganz Europa in Widerspruch gesetzt hat, ohne uns selbst in unübersehbare politische Verwickelungen zu stürzen. Auf der andern Seite kommt es uns nicht zu, der englischen Regierung, mit der unsere Beziehungen gut sind, unaufgefordert Rath zu ertheilen oder Meinungsäußerungen abzugeben, die in London verstimmen müßten. Die englische Regierung ist in erster Linie dem englischen Volke gegen­über für das, was sie in Aegypten gethan hat, verantwortlich, sodann wird sie sich darüber mit der französischen Regierung auseinanderzusetzen haben. Wir unsererseits können versichert sein, daß das, was in der ägyptischen Frage die französischen Interessen be­friedigt, die unsrigen ebenfalls befriedigen wird. Schließlich werden aber die Westmächte, wenn sie sich untereinander ge- ' einigt haben, der europäischen Zustimmung bedürftig sein, um auf ge- sicherte Verhältnisse in Aegypten und auf dauerndes Einverständniß unter sich selbst rechnen zu können. Dann erst wird die schwebende Frage für Deutschland spruchreif sein. England fährt mit seinen Bemühungen fort, Einverständniß mit den anderen Mächten, in erster Linie mit Frankreich, herbeizuführen; bei dem allgemeinen Friedensbedürfniß Europas kann England auf allseitiges Entgegenkommen rechnen, besonders wenn es, wie wiederholt versichert worden ist, nicht beabsichtigt, aus der Rolle des Vertheidigers seiner berechtigten Interessen herauszutreten und die Stellung des Sultans unangetastet zu lassen. Es hat den Anschein, daß seine Bemühungen in kürzester Frist von Erfolg gekrönt sein werden.

In ähnlicher Weise spricht sich auch dieNordd. Allg. Ztg." an erster Stelle über die kaiserliche Politik aus. Dort heißt es unter an­derem:Es wäre eine große Thorheit, wenn Deutschland, ohne daß

seine Interessen oder seine Ehre es gebieten, seine guten Beziehungen zu irgend einer der europäischen Mächte muthwillig gefährden wollte, sei es durch Eingreifen, ohne daß ein eigenes Bedürfniß dafür vorliegt, sei es durch verletzende Parteinahme gegen andere Mächte und gegen die Art, wie diese ihre Interessen glauben wahrnehmen zu müssen. Die deutsche Politik hat sich durch keinen ihrer Erfolge zu Einmischungen in die Politik anderer Mächte verleiten, sondern sich stets warten lassen durch das Beispiel des Napoleonischen Frankreich, dessen verhängniß­vollster Fehler es war, in Europa eine Art Censoren- und Schulmeister­rolle anderen Mächten gegenüber üben zu wollen."

Die Ueberreichung der Einladung an die Pforte zur militärischen Intervention in Aegypten erfolgte am Sonn­abend-Nachmittag durch die Dragomans der sechs Großmächte. Die­selben fügten hinzu, angesichts der Dringlichkeit und der Schwere der Umstände rechneten die Repräsentanten der Großmächte darauf, von der Pforte baldigst eine Antwort zu erhalten. Wie es heißt, haben die Mächte die OccupationLdauer auf sechs Monate begrenzt. Für die Kosten der türkischen Occupation würden ein Vorschlag, der sich eher hören läßt die Mächte Vorschüsse leisten, die Kosten selbst hätte Aegypten zu übernehmen. Auch will man, daß bei dem Occupations- akte dem Khedive die Leitung zustehen solle. Nach einer arideren Version wollen die Mächte die Dauer der Occupation auf 3 Monate begrenzen. Weiter wird gemeldet, der Aufenthalt der Truppen solle nur auf Verlangen des Khedive und nach vorhergegangener neuer Verein­barung zwischen der Pforte und den Mächten verlängert werden können. Die Anwesenheit der Truppen darf die Entwickelung der politischen und namentlich der durch Firmans garantirten finanziellen Institutionen nicht behindern. Die Befugnisse der Militärkommandanten sollen vorher im Einverständniß mit den Mächten festgestcllt und ebenso die von Aegypten zu tragenden Kosten im Einvernehmen mit den Mächten be­stimmt werden. Im Falle die Türkei die Intervention ablehnt, behalten sich die Mächte vor, zu anderen Mitteln zu greifen.

Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Kaufmann Gustav Stein zum Konsul in Oajaca (Mexiko) zu ernennen geruht.

Berlin, 19. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König sind, wie demR. u. St.-A." gemeldet wird, gestern Nachmittag 5 Uhr im besten Wohlsein in Gastein eingetroffen und von der dichtgedrängten Volksmenge mit enthusiastischen Kundgebungen empfangen worden. Der Statthalter Graf von Thun-Hohenstein, der Landeshauptmann und die Spitzen der Behörden erwarteten Se. Majestät am Fuße der Schloß­treppe. Allerhöchstdieselben begrüßten die Anwesenden auf das Huld­reichste. Seitens der Damen wurden Sr. Majestät prachtvolle Blumen­bouquets überreicht. Vor dem festlich geschmückten Orte und auf dem Wege, welchen Se. Majestät passiren mußten, waren Triumphbogen er­richtet.

Berlin, 19. Juli. Se. Excellenz der Vize-Präsident des Kö­niglichen Staatsministeriums und Minister des Innern, von Puttkamer, ist nach Groß-Plauth in Westpreußen abgereist.

Berlin, 19. Juli. Das Londoner Kabinet ließ wegen des Zusammenstoßes zwischen englischen und deutschen Matrosen in Abxan- drien, wobei den Engländern die Schuld beizumessen ist, entsprechende Aufklärungen an das hiesige auswärtige Amt gelangen.

DerReichsanzeiger" publicirt das Kirchengesetz, betreffend Abänderung der Kirchengesetze vom 22. Dezember 1870 und vom 5. Juli 1876, betreffend die Wahlen der Pfarrer in der evangelisch­lutherischen Kirche der Provinz Hannover. (Vom 28. v. M), sowie das Kirchengesetz, betreffend Abänderung der Emeritirungsordnung für die evangelisch-lutherische Kirche der Provinz Hannover vom 16. Juli 1873. (Vom 30. v. M.)

Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten macht die Behörden und das Publikum darauf aufmerksam, daß bei dem günstigen Stand der Feldfrüchte im laufenden Jah e und bei der in erfreulichem Maße andauernden Steigerung des Verkehrs in den großen Jndustriebezirken des Landes in den kommenden Herbstmonaten eine erhebliche Verkehrs-