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Nr. 166. Mittwoch den 19. Juli * 1882.
Amtliches.
Durch das in der Revisions-Instanz ergangene Erkenntniß des Königlichen Kammergerichts zu Berlin vom 1. März d. I. ist ausgesprochen worden, daß das Ausschreiben des Kurhessischen Staatsministeriums vom 21. April 1830, betreffend die Versicherung von Mobilien gegen Feuersgefahr nicht blos auf ausländische Feuer. Versicherungsgesellschaften Anwendung findet, sondern daß nach den Bestimmungen desselben auch alle inländischen Feuer-Versicherungsgesellschaften und deren Agenten ihren Geschäftsbetrieb innerhalb des Bezirks des früheren Kurfürstenthums Hessen zu regeln haben.
Die nothwendige Folge dieser Entscheidung ist, daß auch der Erlaß vom 21. Oktober 1867 A. II. 255, welcher die Visirung der Policen von inländischen Feuerversicherungsgesellschaften auf die Ortsvorstände übertragen hat, außer Kraft zu treten hat und die Visirung sämmtlicher Policen in Zukunft wieder gemäß dem §. 2 des Kurhessischen Staatsmini st erial- Ausschreibens vom 21. April 1830 von dem Königlichen Polizei-Direktor bezw. den Königl. Landräthen zu bewirken ist. Indem wir deßhalb unseren Erlaß vom 22. Oktober 1867 hiermit außer Kraft setzen, beauftragen wir Ew. Hochwohlgeboren alsbald die nöthigen Weisungen an die Ortsvorstände zu erlassen.
Cassel am 7. Juli 1882.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
I. V.: gez. Althaus.
Vorstehendes Cirkular-Rescript wird hierdurch zur Kenntniß und Beachtung der Gemeindebehörden und des interessirten Publikums gebracht.
Hanau am 13. Juli 1882.
Der Landrath.
J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Gefunden: Ein gelbes Taschentuch. Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Zu Wilhelmsbad ein schwarzes Eiswolltuch; Empfangnahme bei Herrn Oberförster Link dortselbst.
Verloren: Eine silberne Cylinderuhr. Eine Brille mit und eine do. ohne Futteral.
Hanau am 19. Juli 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
— Berlin, 18. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König trafen, wie dem „R. u. St.-A." gemeldet wird, gestern Abend BDs Uhr von Lindau in München ein und setzten nach kurzem Aufenthalte die Reise nach Rosenheim fort. Der preußische Gesandte und der Militärbevollmächtigte waren Sr. Majestät bis Kempten entgegengefahren. — Aus Rosenheim wird weiter berichtet, daß Se. Majestät der Kaiser dort gestern wohlbehalten eingetroffen, im Bade - Hotel abgestiegen seien und heute früh 9 Uhr die Reise nach Gastein fortgesetzt hätten.
— Berlin, 18. Juli. Die „Nordd. Mg. Ztg." schreibt: Der deutsche Konsul Treskow ist laut Telegramm vom 16. d. Mts. mit 300 Deutschen und Oesterreichern wohlbehalten in Port Said angelangt.
— S. M. S. „Carola", 10 Geschütze, Kommdt. Korv. - Kapitän Karcher, ist Privatnachrichten zufolge in Auckland eingetroffen. — S. M. S. „Niobe", 10 Geschütze, Kommdt. Korv.-Kap. Mensing, ist am 17. Juli cr. in Christiansand eingetroffen.
— Die „Neue Preußische Zeitung" schreibt: Die Handelskammer zu Harburg, welche eine Gegnerin der Wirthschaftspolitik ist, macht folgendes interessante Geständniß: „Die Lage der arbeitenden Bevölkerung ist durch verhältnißmäßig billige Preise mancher Lebensbedürfnisse ungeachtet des auf einen Theil derselben gelegten Zolles, eine leidliche gewesen. wozu auch der milde Winter beigetragen hat. Größere Arbeitseinstellungen sind nicht vorgekommen, ebenso wenig Arbeitsentlassungen." Der Zoll hat also die Preise der Lebensbedürfnisse nicht erhöht!
Karlsruhe, 18. Juli. Die badische Landessynode wählte
anstatt des verstorbenen Professors Bluntschli den Kammerpräsidenten Lamey zum Vorsitzenden. Gegenstände der Berathung sind: Revision des Katechismus und Einführung eines neuen Gesangbuches.
— In Kreuz nach starb im Alter von 62 Jahren der königl. Steuerrath Breusing. Der Name des Verewigten ist auch weiteren Kreisen insofern bekannt geworden, als Breusing einer der Begründer und rührigsten Mitglieder der deutschen Gesellschaft zur Rettung Scheff- brüchiger war. In Anerkennung seiner großen Verdienste um die Sache dieser so segensreich wirkenden Gesellschaft trägt eines der Rettungsboote den Namen des Dahingeschiedenen. Breusing war Hannoveraner; nach 1866 wurde er in den Preuß. Staatsdienst übernommen.
— Wien, 18. Juli. Das „Fremdenblatt" erfährt von zuverlässiger Seite, daß für den Posten eines Civiladlatus bei der Landesregierung von Bosnien und der Herzegowina der Baron Feodor Nico- lics ausersehen sei, der der Familie eines der größten Grundbesitzer im Banat angehört und durch seine Mutter mit der Familie Obrenowitsch nahe verwandt ist.
— Wien, 18. Juli, 4 Uhr 58 Min. Nachm. Nach Konstantinopeler Telegrammen von heute wird eine Antwort der Pforte auf die identischen Noten in Kürze erwartet. Der Sultan dürfte darin erklären, daß er zur Herstellung der Ordnung in Egypten Vorkehrungen treffen werde, jedoch keine Bedingungen acceptiren könne, die seiner Souveränetat Abbruch thun würden. Es wird hier für sehr wahrscheinlich gehalten, daß der Sultan mit Lord Dufferin über eine Kooperation mit England allein oder mit England und Frankreich unterhandle. (Fr. Z.)
— Marseille, 17. Juli. Das soeben von einer. Fahrt in der Südsee zurückgekommene Schiff „Triomphante" wird ebenfalls armirt. 6 Transportschiffe haben heute Kohlenvorräthe eingeschifft und stehen zur Abfahrt bereit. — Nachrichten aus dem Süden von Oran besagen, daß die drei Marabouts Si-Kadour, Si-Sliman und Bou-Amema ihre Vorposten auf algerisches Gebiet vorgeschoben haben und gegen Mecheria vorzudringen beabsichtigen. Der französische Vorposten in El Galloul wurde angefallen.
— London, 18. Juli. Die Morgenblätter glauben, die Ernennung des Nachfolgers Brights dürfte zu erheblicher Aenderung innerhalb des Kabinets führen. — Ein Telegramm der „Daily News" aus Alexandrien meldet: Aus Kairo geflüchtete Personen berichten von Ermordungen von Europäern in Tantah, Mansuah und Zagazig. Ein Konsul in Zagazig wurde ermordet.
— Petersburg. Auf Befehl des Kaisers ist Großfürst Nikolai Nikolajewitsch (geb. 1831) seiner zerrütteten Verhältnisse halber unter Vormundschaft gestellt worden. Der Großfürst erhält nur noch 7000 Rubel monatlich und außerdem freie Wohnung, Wagen, Pferde, Heizung und Licht. Alles übrige muß von dem Monatsgeld bestritten werden. Schulden werden vom Kaiser für seinen Oheim nicht mehr bezahlt.
— New-Iork, 17. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Mosel" ist hier eingetroffen.
— New-Jork, 17. Juli. Der Hamburger Postdampfer „Sile- sia" ist hier eingetroffen.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Eine Vertragsurkunde enthielt unmittelbar vor den Unterschriften die Angabe des Orts der Vertragsschließung und des Jahres 1875, wogegen für den Monat und den Tag unausgefüllte Lücken ge* lassen waren, und zwar — nach Bekundung des konzipirenden Rechtsanwalts — auf Verlangen des Verkäufers, weil derselbe nicht sofort den Vertragsstempel habe verwenden wollen. Die Gerichte erster und zweiter Instanz hatten jene Lücke für einflußlos auf das Zustandekommen des Vertrages gehalten, und das Reichsgericht ist dieser Ansicht in einem Erkenntniß vom 25. Mai d. J. beigetreten; „nirgends in den Gesetzen ist die Angabe des Monats und Tages der Vertragsschließung für eine an sich wesentliche Vorbedingung für die Verbindlichkeit des den Vertrag fixirenden Schriftstücks erklärt. Zuzugeben ist nur, daß je nach den Umständen des Falles die genaue Angabe der Zeit des Abschlusses von Bedeutung sein kann."