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fjiiiiniirt Anzeiger.

Zugleich Amtliches Organ für Krers und Stadt Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Nr. 165.

Dienstag den 18. Juli

1882.

Amtliches.

Gefunden: Auf dem letzten Wochenmarkt ein schwarzledernes Portemonnaie mit Geld sowie ein Paar graue Glacehandschuhe Ein weißes Taschentuch mit einigen Pfennigen. Ein Hundemaulkorb. Ein Streifen rothes Futter.

Verloren: Ein Fünfmarkschein. Ein Notizbuch. Ein Porte­monnaie mit Geld. Zwei Kinder-Strohhüte.

Hanau am 18. Juli 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser weilte von Donners­tag bis Montag auf der Bodenseeinsel Mainau in dem Lustschlosse seines erlauchten Schwiegersohnes, des Großherzogs von Baden, und machte auch von Mainau aus verschiedene Abstecher zu Schiff nach den Ufern des Bodensees, bei welcher Gelegenheit sich die Gesundheit und Kräfte Sr. Majestät als vorzüglich zeigten. Am Montage reiste der Kaiser nach Gastein ab und wird daselbst am Dienstag von Salzburg kommend eintreffen. Die Dauer des kaiserlichen Aufenthaltes in Gastein ist auf drei Wochen berechnet.

Die Vorgänge in Egypten und zumal die Katastrophe in und um Alexandrien erregen begreiflicherweise im höchsten Maße auch unsere po­litischen Kreise, denn die furchtbaren Ereignisse von Alexandrien sind unter Umständen dazu angethan, für die egyptische Frage ganz neue I bedenkliche Perspektiven zu eröffnen, bei denen auch Deutschland in eine gewisse Mitleidenschaft gezogen werden kann, da in Egypten nicht nur englische und sranzösische, sondern auch europäische Interessen zu vertre­ten sind. Die in dieser Richtung drohenden Konflikte zu mildern, ist daher eine Hauptauf^be von Deutschlands Politik geworden. Auch hört man, daß zum Schutze deutscher Reichsangehöriger und zur Wahrung deutscher Interessen noch ein oder zwei unserer Kriegsschiffe sich nach Alexandrien begeben werden.

An das Scheitern der Einigungsversuche in den krrchenpolitischen Verhandlungen werden' von Seiten der beiden Parteien recht merkwür­dige Argumente geknüpft. Während die Regierung und wie es scheint nicht mit Unrecht der Centrumspartei die Schuld an den gescheiterten Verhandlungen beimißt, weil diese Partei es nicht ihren Zwecken ent­sprechend halte, dem Oberhaupte der katholischen Kirche eine Einigung mit dem preußischen Staate anzuempfehlen, will die klerikale Presse die Entdeckung gemacht haben, daß Gründe allgemein politischer Natur, wie u. A. auch die Stellung des deutschen Reiches zu Italien eine Versöh­nung mit dem Papste verhindert hätten.

Das Projekt, nach der Scheiterung des Tabakmonopols größere für die Reichèkasie erwünschte Einnahmen mit Hülfe einer erhöhten Branntwein- und Spiritussteuer zu erlangen, gewinnt an Wahrschein­lichkeit, da erwiesenermaßen die Branntweinsteuer in Deutschland sehr niedrig ist. Nach den Urtheilen von Fachkennern kann indessen von einer Verdoppelung der bis jetzt üblichen Maischraumsteuer für Branntwein und Spiritus keine Rede sein, da eine solche der Produktion des Brannt­weins, die in vielen Gegenden eine Haupteinnahmequelle der Landwirthe ist, zu'großen Eintrag thun würde, und empfiehlt man daher eine Fa­brikat- oder Consumsteuer für den Branntwein.

Zu der von der Frankfurter Handelskammer an den Bundesrath gerichteten Beschwerde wegen der besonderen Postwerthzeichen Bayerns und Württembergs, die im Postverkehr für das Publikum manche Nach­theile im Gefolge haben, erklärten bereits die Handelskammern zu Offen­bach, Mainz, Darmstadt, Bingen, Coblenz, Barmen, Münster, Bisch­weiler, Worms, Weimar und Hamburg ihre Zustimmung. Es wird behuss Beseitigung des allgemein anerkannten Uebelstandes darauf an­kommen, an Stelle der besonderen Postwerthzeichen der beiden Staaten ein anderes Mittel zur Wahrung des Reservatrechtes derselben auf die Posteinnahmen aus ihrem Gebiete zu ermitteln.

(Oester reich-Ungarn.) Aus Oesterreich sind wichtige politische Ereignisse zur Zeit gar nicht zu melden. Wir erwähnen daher nur, daß sich die Partei dèr Deutschösterreicher durch mehrere Parteiversamm­lungen in ihrem Kampfe gegen die slawischen Nationalitäten zu stärken sucht und daß in Prag die Czechen anläßlich der Verordnung des öster­reichischen Ministeriums, daß sie in deutscher Sprache das Staatsexamen

machen müssen, sich zu allerlei deutschfeindlichen Kundgebungen veranlaßt gefühlt haben.

(Frankreich.) So bedenklich auch die Ereignisse in Egypten für den Stand der französischen Interessen in Afrika sind und allerlei Verlegenheiten für die französische Regierung verursacht haben, so konnte dieser Umstand doch nicht die Freude der Franzoseu an ihrem National­feste wesentlich beeinträchtigen und man kann sagen, daß Paris und ganz Frankreich in den Tagen vom 13. bis 15. Juli wieder einmal in Wonne schwammen. Am 13. Juli fand die Vorfeier und in Paris unter der Theilnahme des Präsidenten der Republik, der Minister, des Municipal- raths, der Vertreter der Kammern, der Botschafter, Gesandten und aus­wärtigen Bürgermeister die Einweihung des neuen, im großartigen Style erbauten Rathhauses (Hotel de Ville) statt. Der Präsident des Pariser Gemeinderaths, Songeon, hielt die Begrüßungsrede an den Präsidenten der Republik, Grevy, ferner an die Spitzen der Behörden und die aus­wärtigen Vertreter. Dann hielt der Seinepräfekt Floquet die Weiherede für das vollendete Hotel de Ville, welches ein Asyl sein solle für ein freies Paris und ein starkes, geachtetes Frankreich und zum Schluß brachte der Präsident der Republik auf Paris ein begeistertes Hoch aus. Mit Banketten und anderen Feierlichkeiten beging man in Paris und ganz Frankreich dann das eigentliche Rationalfest, den 14. Juli. An diesem Tage fand auch im Longchamps bei Paris eine große Truppen­parade in Gegenwart einer ungeheuren Volksmenge statt, bei welcher Gelegenheit die Volksmenge ganz besonders den stattlich aussehenden Artilleristen, den Chasseurs und Pompiers zujubelte.

(Rußland.) In russischen Regierungskreisen schmeichelt man sich anläßlich der Entdeckungen nihilistischer Verschwörer in den Marine­kreisen und einigen Garderegimentern, sowie der Gefangennahme Priby- lows mit 18 Genossen der Hoffnung die nihilistische Hydra mit ihren Häuptern eingefangen zu haben. Der gefangene Pribylow und der Hu­sarenmajor Tychotzky sollen die Haupträdelsführer der Nihilisten sein und bei allen nihilistischen Mordplänen der letzten Jahre die Hand im Spiele gehabt haben. Wir wünschen der russischen Regierung von Herzen einen guten Erfolg gegen die Nihilisten, glauben aber noch lange nicht, daß in dem durch und durch korrumptrten Rußland das Unkraut des Nihilis­mus sich so bald ausrotten lassen wird. In Rußland hat sich ein ungeheueres Eisenbahnunglück zugetragen. Am 14. Juli entgleiste auf der Linie Moskau-Kursk infolge einer Dammunterspülung ein Eisen­bahnzug, wobei gegen 200 Menschen ihren Tod sanden.

(England.) Seit dem Bombardement von Alexandrien macht die englische Regierung die sichtlichsten Anstrengungen, um eineètheils selbst soviel als möglich die egyptischen Wirren zu lokalisiren und an- derntheils die fernere Lösung derselben dem europäischen Areopag an­heimzustellen. Der europäischen Conferenz hat England den von allen Großmächten angenommenen Antrag unterbreitet, daß nunmehr die Türkei zur Wiederherstellung der Ordnung in Egypten aufgefordert werden solle. . Doch macht sich auch England auf alle Eventualitäten gefaßt, um seine Aktion in Egypten nicht zu diskreditiren und sendet noch circa 20 000 Truppen nach Alexandrien und dem Suezkanale, denn der Ad­miral Seymour besitzt viel zu wenig Landungstruppen und kann mit den paar Tausend Mann, die ihm zu Gebote stehen, nicht viel wagen.

(Türkei.) Nach Nachrichten aus Konstantinopel beschloß der türkische Ministerrath, daß sich die Türkei zur Intervention bereit er­kläre, doch solle die Ordnung der egyptischen Angelegenheiten zunächst ohne türkische Militärmacht versucht werden.

(Egypten.) Alle Nachrichten aus Egypten concentriren sich um die Greuelthaten und Verwüstungen, die in und um Alexandrien statt­gefunden haben und traurig genug, wahrscheinlich noch stattfinden. Alexandrien, das große, schöne, blühende Alexandrien mit mehr als zehntausend Häusern und Palästen und über 200 000 Einwohner gleicht nur noch einem Schutthaufen, denn die weit über die Forts hinwegge­flogenen und in die Stadt hinein gefallenen Bomben der Engländer und die Zerstörungswuth der racheschnaubenden Egypter vernichteten Alexan­drien fast vollständig. Die arabischen Pöbelhaufen erwürgten gegen 5000 noch in Alexandrien befindliche Europäer, von denen sich nur einige Häuflein nach dem Hafen retteten, dann kamen räuberische Be­duinen in die Stadt und vollendeten Brand und Plünderung. Admiral Seymour hat so viel als möglich Marinetruppen gelandet, welche ver-