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des Bombardements von Alexandrien auszusprechen. Es ist unrichtig, daß Karolyi seine Befriedigung darüber ausdrückte. Oesterreich-Ungarn nahm das Vorgehen Seymours als einen leider unvermeidlichen, wenn auch erklärlichen Zwischenfall hin, gab aber darüber weder ein Urtheil ab, noch drückte er seine Befriedigung darüber aus.

— Wien, 16. Juli, 5 Uhr 10 Min. Englischerseits wurde hier offiziell angezeigt, daß die Fahrt durch den Suezkanal frei sei und daß englische Kanonenboote die Schiffe, auch nicht englische, der größeren Sicherheit wegen begleiten würden. — Der Sultan hat bezüglich der Intervention noch keine Entscheidung getroffen. Momentan soll in Iildiz Kiosk größere Verstimmung gegen Deutschland als gegen England herr­schen. Said Pascha befürwortet entschieden den Anschluß an die West­mächte und die Entsendung eines starken Corps nach Egypten, weil sonst Gefahr sei, daß sich dasselbe unter Arabi unabhängig erkläre. (Fr. Ztg.)

— Paris, 15. Juli. Das Nationalfest verlief bei günstigem Wetter ohne Störung. Abends fanden Illumination, Feuerwerk und Ballfeste statt. Nennenswerthe Zwischenfälle sind nicht vorgekommen. Ein Ballon platzte und stürzte aus einer Höhe von 700 Metern herab, die beiden Luftschiffer kamen indeß unversehrt davon, da die Hülle des Ballons sich zu einer Art Fallschirm gestaltete und die Geschwindigkeit des Niedergangs mäßigte. Auch in den Departements verlief die Feier ohne Störung.

— London, 15. Juli. Der Rücktritt des Kanzlers des Herzog- thums Lancaster, Bright, erfolgte, weil Bright mit der egyptischen Po­litik des Kabinets nicht einverstanden war. — Die „Daily News" er­fährt, Frankreich sei geneigt, sich an der Okkupation von Egypten zu betheiligen, wenn es von den übrigen Mächten dazu aufgefordert werde.

— London, 15. Juli, 3 Uhr 30 Min. Aus Alexandrien wird gemeldet, daß die Araber weiße Zeichen tragen und demüthig grüßen. Cafö's und Läden öffnen sich wieder, Ordnung und Vertrauen ist wieder hergestellt.

— London, 16. Juli, 6 Uhr Morgens. Arabi lagert zwanzig Meilen von Alexandrien. Der Rest der Armee ist ihm abge­neigt. Die Stadt brennt noch. Der deutsche und der italienische Konsul in Kairo mahnten die Europäer die Stadt zu verlassen und Schutz in Jsmailia zu suchen. (Fr. Ztg.)

— Konstantinopel, 15. Juli. Der Ministerrath hat be­schlossen, noch zu versuchen, ob die Lösung der egyptischen Angelegen­heit ohne eine eigentliche militärische Intervention geordnet werden könne, falls die Mächte aber hierauf nicht eingingen, sich zur Intervention be­reit zu erklären.

Spezial'Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

— Wien, 16. Juli, 12 Uhr 35 Min. Die „Montagsrevue" meldet, die militärische Aktion Englands dürfte nunmehr beendet sein und nur eine markante Provokation würde ein weiteres Fortschreiten über die zerstörten Forts von Alexandrien ohne ausdrückliches europäi­sches Mandat rechtfertigen. Hoffentlich aber wird England sich nicht von Europa trennen wollen und nachdem es seine berechtigten Interessen gewahrt, sich der Erkenntniß nicht verschließen, daß Egypten, wenn Ruhe und Ordnung wieder hergestellt sind, unter allen Umständen wieder an den Sultan zurückgegeben werden muß. Eine andere Lösung könnte leicht andere Gegner England gegenüberstellen und daraus ein Krieg entstehen, den England wie Europa vermieden wissen wollen.

— Rom, 16. Juli, 1 Uhr 30 Min. Der „Diritto" erklärt kategorisch, Italien beobachte strengstes Einverständniß mit Deutschland und Oesterreich. Gegentheilige Gerüchte seien böswillige Erfindungen. Die „Rassegna" versichert, der Gesandte v. Schlözer überbringe an Bis­marck einen eigenhändigen Brief Jacobinis.

— Wien, 16. Juli. Jnspirirte Communiquös der meisten hie­sigen Morgenblätter weisen die Behauptung des englischen Unterstaats- sekretärs Dilke, Oesterreich hätte das Bombardement Alexandrias als legitim bezeichnet, entschieden zurück und melden, daß der österreichische Botschafter Karolyi vielmehr sein Bedauern über das traurige Ereigniß ausdrückte. Hier wird noch bezweifelt, daß die Pforte die Intervention acceptiren werde. Wenn sodann die europäische Intervention aus die Tagesordnung gelangt, durften Deutschland und Oesterreich demjenigen Vorschläge zustimmen, welcher die meisten Mächte zur Theilnahme heran­zieht.

— Wien, 15. Juli. Der „Polit. Korresp." wird aus Konstan­tinopel'mitgetheilt, daß die von dem Khedive und Derwisch Pascha ein­gelaufenen Meldungen über die Haltung Arabi Paschas den Sultan erschüttert und ihn in seinen Entschlüssen schwankend gemacht hätten. Die Pforte treffe militärische und maritime Vorkehrungen.

— Tunis, 16. Juli. Zwischen Goulette und Marsa hat ein Zusammenstoß von Eisenbahnzügen stattgefunden, bei welchem 27 Personen verletzt worden sind, darunter der deutsche Vicekonsul und ein Sohn Ali Bey's.

Reichsgerichts-Entscheidungen.

— Dienstboten und untergeordnete Geschäftsgehülfen, welche mit Zustimmung des Dienstherrn von den Geschäftskunden desselben Bezah­lung für die von ihnen herumgetragenen Waaren in Empfang nehmen

(beispielsweise die Austräger von Backwaaren eines Bäckers an dessen Kunden), sind nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 27. April d. I., als Bevollmächtigte im Sinne des §. 266 Str.- G.-B. zu betrachten und im Falle der Unterschlagung der vereinnahmten Gelder nicht wegen Unterschlagung, sondern wegen des schweren Verge­hens der Untreue zu bestrafen.

Lokales.

Hanau, den 17. Juli 1882.

— Vorgestern Nachmittag zechten im „Hessischen Hof" hier einige Gäste (wie wir hören aus einem benachbarten bayerischen Orte). Als es an's Bezahlen ging entstanden Differenzen — die Gäste behaupteten einige Glas Bier weniger getrunken zu haben — welche dahin ausarte­ten, daß einer der Streitenden sich so weit vergaß, dem Gastwirthe, Herrn Wehr, einen eisernen Aschenbecher auf den Kopf zu schlagen, wo­durch eine klaffende glücklicherweise aber nicht lebensgefährliche Wunde entstand. Die schnell zur Stelle erschienenen Schutzleute führten die Burschen nach dem Bangert ab, wo dieselben jetzt Zeit genug finden werden über die Tragweite ihres ungeberdigen Benehmens nachzu­denken.

ff (Turnerisches.) Das gestrige Sommerfest der Turngemeinde erfreute sich einer regen Theilnahme Seitens der Mitglieder u. Freunde genannten Vereins. Wie alljährlich wurde dasselbe mit einem Wetttur­nen der Zöglinge eingeleitet, welches Vormittags 7 Uhr seinen Anfang nahm. 10 Turner im Alter von 16—18 Jahren und 8 im Alter von 14—16 Jahren betheiligten sich daran. Die Anforderungen waren ziem­lich hoch gestellt, in Anbetracht des jugendlichen Alters waren trotzdem die Leistungen ganz vorzüglich, so daß 9 Preise, bestehend in Kranz und Diplom, zur Vertheilung gelangen konnten. In der ersten Abtheilung errang den 1. Preis mit 36 Punkten Ernst Wolf; den 2. mit 27 Punkten zwei Turner gemeinschaftlich: Karl Hoppe und Justus P l a w e r. In der zweiten Abtheilung erhielt den 1. Preis mit 46 Punkten Louis Gottlieb; den 2. mit 4502 Punkten Konrad Eller; den 3. mit 41 Punkten Franz Zachmann; den 4. mit 39^4 Punkten Ferd. Hardt; den 5. mit 3902 Punkten Heinr. Schütz und den 6. mit 3702 Punk­ten Wilh. Wörner. Die Nachmittags im Walde vorgeführten Ue­bungen fanden, wie nicht anders zu erwarten, allseitigen Beifall, denn dieselben bewiesen aufs Neue, daß die Turngemeinde über eine große Anzahl tüchtig geschulter aktiver Mitglieder verfügt, und auf's eifrigste bestrebt ist dieselben zu tüchtigen kräftigen Männern heranzubilden.

— Gestern Abend versuchte ein alter Mann sich im Stadtgraben (vor dem Mühlthor) zu ertränken, das Vorhaben wurde aber noch recht­zeitig bemerkt und der Lebensmüde wieder auf's Trockene geschafft.

— Eins der Drillingskinder des Schreiners Bürkle ist vergangenen Samstag leider gestorben.

— Der „H. M." vom 15. ds. Mts. entnehmen wir folgenden Artikel:

Hanau, 12. Juli. Vor etwa 12 Jahren hat unsere Nachbar­stadt Frankfurt mit enormen Kosten eine Röhrenleitung aus dem Spessart und Vogelsgebirge angelegt, um ihre Bewohnerschaft in ausgiebigster Weise mit vorzüglichem Quellwasser zu versorgen. Damals schon erhoben sich gewichtige Stimmen gegen den Verkauf des fraglichen Quellenterrains, weil man mit Recht darin eine erhebliche und dauernde Schädigung namentlich der Landwirthschaft und des Mühlenbetriebs der hier in Betracht kommenden Gegenden erblickte. Um zunächst von dem Einfluß der Frankfurter Wasserleitung auf hiesige Verhältnisse zu reden, so ist nicht nur durch Sachverständige festgestellt, sondern jeder aufmerk­same Laie kann es bestätigen, daß der Wasservorrath der Kinzig als der Hauptwasserader zwischen Vogelsgebirg und Spessart in den letzten Jahren erheblich abgenommen hat. Das bedeutet aber für eine ganze Anzahl hiesiger Industrieller eine Beeinträchtigung der zu ihrem Betriebe ver­wendeten Wasserkraft und was am Ende noch viel mehr ist, eine Schä­digung der ganzen Stadt. Denn von der Höhe des Kinzigniveaus ist der Wasserstand sämmtlicher Brunnen in der Stadt, die nur filtrirtes Kinziwasser führen, abhängig und ebenso die Wassermenge der Stadt­gräben, deren Zweck und Wichtigkeit bei der zur Zeit noch bestehenden äußerst mangelhaften Kanalisation Jedem sofort einleuchtet. Man hegt auf Grund seitheriger Erfahrungen mit Recht Befürchtungen, daß in wasserarmen Zeiten ernstliche Kalamitäten eintreten können. So unei­gennützig und entgegenkommend sich die Stadt Hanau der bei weitem größeren und reicheren Schwester gegenüber bei der fraglichen ersten An­lage auch gezeigt hat, so dürfte sie doch jetzt, wo Frankfurt im Begriffe steht, neue Quellen anzukaufen, um sein Röhrennetz zu erweitern und den Wasserzufluß der rasch wachsenden Stadt noch zu vermehren, allen Ernstes die eigene Existenzfrage in Erwägung ziehen. Die Angelegen­heit ist bereits in das Staoium der Verhandlungen getreten und hat in jüngster Zeit in Gelnhausen eine Besprechung von Interessenten stattge­funden. Die Stadt Hanau war durch Herrn Oberbürgermeister Rauch vertreten, der in äußerst eingehender und überzeugender Weise die Nach­theile beleuchtete, die unserer Stadt von Neuem drohen, wenn der gegen­wärtige Plan Frankfurts sich verwirklichen sollte. Frankfurt ist für die Zwecke des Haushaltes durch die gegenwärtige Wasserzufuhr noch auf lange Zeit hinaus mehr als genügend mit gutem QueUwasser versorgt,