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Nr. 161.
Donnerstag den 13. Juli
1882.
Amtliches.
Seine Majestät der Kaiser und König haben mittelst Allerhöchsten Ordre vom 8. März d. J. den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten zu ermächtigen geruht, die bisher gewährte Vergünstigung freier Eisen- bahnfahrt für Theilnehmer des Berliner Kirchenfestes für Taubstumme aufzuheben und an Stelle derselben den unbemittelten Theilnehmern kleinerer Zusammenkünfte erwachsener Taubstummen au Taubstummen- Anstalten sowie solchen Taubstummen, welche behufs ihrer kirchlichen Versorgung einzeln die betreffenden Anstalten zu besuchen wünschen, auf den Staatsbahnen und den für Rechnung des Staates verwalteten Eisenbahnen eine Fahrpreisermäßigung dadurch zu gewähren, daß bei Benutzung der dritten Wagenklasse der Militairfahrpreis erhoben wird.
Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Königlichen Eisenbahn-Direktionen beauftragt, demgemäß vom 1. April d. I. an zu verfahren. Bezüglich der Ausführung find hierbei folgende Anordnungen getroffen worden:
„Die Billets zu Militair-Fahrpreisen sind den betreffenden Taubstummen von den Billet. Expeditionen auf Grund der von den Vorständen der Taubstummen-Anstalten zu ertheilenden Legitimationsscheine, in welchen Namen, Stand und Wohnort des Reisenden, Zweck und Ziel der Reise, die zu benutzende Route und die Gültigkeitsdauer des Legitimationsscheines anzugeben sind, zu verabfolgen und zuvor von den Expeditionen mit handschriftlichem Vermerke zu versehen. Die Legitimationsscheine sind von den Billet-Expeditionen zum Zeichen der stattgehabten Verwendung abzustempeln und verbleiben in den Händen der Eisenbahn- Verwaltung.
Auf den für Gesellschaftsrechnung vom Staate verwalteten Bahnen wird, die Zustimmung der Gesellschaftsvertretung zur Gewährung dieser Vergünstigung vorausgesetzt, in gleicher Weise verfahren werden.'
Ferner sind die Königlichen Eisenbahn-Commissariate beauftragt worden, den Verwaltungen der Privatbahnen ihres Bezirkes die Gewährung der gleichen Vergünstigungen anzuempfehlen. Es wird zweckmäßig fein, diejenigen Taubstummen, welche die Zusammenkünfte zu besuchen wünschen, mit ihren Anträgen auf Ertheilung eines Legitimationsscheines, wegen der dabei in Betracht kommenden Prüfung der persönlichen Verhältnisse, zunächst an die Landräthe bezw. Kreis- und Amtshauptleute der Kreise und Bezirke zu verweisen, in welchen die Antrag, steiler wohnen, und durch deren Vermittelung die Anträge an die Vorstände der Anstalten sowie die von den letzteren ausgefertigten Legitimationsscheine in die Hände der Antragsteller gelangen zu lassen. In Städten, welche einem landräthlichen Kreise nicht angehören, würden die Anträge an die Ortspolizeibehörde zu richten sein."
Berlin, am 31. Mai 1882.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten.
In Vertretung: gez. Lucanus.
Vorstehender Ministerial- Erlaß wird hiermit zur besonderen Kenntniß der Gemeindebehörden und der entsprechenden Anstaltsvorstände gebracht.
Hanau am 5. Juli 1882.
Der Landrath.
I. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.
Verloren: Eine Mutterschraube von einer Wagenaxe. Ein Leihhauszettel Nr. 15081.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Entlaufen: Ein Spitz.
Hanau am 13. Juli 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
Ueber den Angriff aus Alexandrien
veröffentlicht die „Frankf. Ztg." u. a. nachfolgende Depeschen:
London, 12. Juli, 1 Uhr 17 Min. Aus Alexandrien wird gemeldet : Eine Parlamentär.Flagge ist in der Stadt aufgezogen. Ein Schiff mit der Parlamentär-Flagge nähert sich der Flotte.
— London, 12. Juli, 3 Uhr 15 Min. Aus Alexandrien wird von heute Morgen 8 Uhr gemeldet: An Bord des Admiralschiffes wurde Kriegsrath über die Wiederaufnahme des Kampfes gehalten, an dem die Kapitäne sämmtlicher Panzerschiffe theilnahmen. In Folge heftiger Nordwestwinde ist die See sehr unruhig und würde den außerhalb des Hafens liegenden Kriegsschiffen das Feuern sehr erschweren. — Um 9 Uhr: Wind und Seegang nehmen zu, ebenso der Nebel. „Inflexible" und „Temeraire" recognosciren das verlassen scheinende Leuchtthurm- Fort und das Fort Aida. — Um 9 Vs Uhr: Das Feuer wurde wieder eröffnet. — Um 11 Uhr 40 Min.: „Temeraire" und „Inflexible" fechten lebhaft mit mehreren während der Nacht ausgebesserten Uferbatterien.
— London, 12. Juli, 3 Uhr 20 Min. Nachm. Aus Alexandrien von heute früh wird gemeldet: Der Erfolg der Engländer im gestrigen Kampfe war ein vollständiger, jedoch nicht leicht erkauft. Der Verlust der Flotte war zwar nur 5 Todte und 28 Verwundete, dagegen erlitten mehrere Schiffe beträchtlichen Schaden. Die äußeren Forts sind zerstört, mehrere innere Forts dagegen noch veriheidigungsfähig. Man glaubt, der Admiral erneuere den Angriff auf die Forts im innern Hafen. Die egyptischen Kanoniere hielten sich standhaft, ihr Feuer war jedoch meistens nicht gut gezielt; auch die vielen Geschütze alter Konstruktion machten ihr Feuer unwirksam. Der „Jnvincible", worauf Seymour sich befindet, richtete seinen Angriff auf das Fort Mex, welches so stark erwiderte, daß nach einer halben Stunde das Thurmschiff „Monarch", welches bisher eine neuausgeworfene kleine Uferbatterie bekämpft hatte, zum Schweigen gebracht wurde. Der „Jnvincible" eilte zu Hilfe, aber auch diese beiden konnten mit Mex nicht fertig werden, welches noch während des Feuers neue Geschütze, darunter zwei schwere gezogene, de- maskirte, die sehr gut schossen. Auch „Temeraire" wurde zur Unterstützung des Admirals heranbeordert; seiner Hilfe gelang es, das Fort allmälig zu überwältigen. Die Ansicht auf der Flotte ist: Hätten die Egypter lauter schwere gezogene Geschütze gehabt, so wäre der Ausgang ein zweifelhafter gewesen. Die Stadt hat wenig gelitten; nur einige Granaten sind hineingefallen. Ein hinter den Batterien gelegenes Palais des Khedive wurde durch einige über die Batterien hinweggeflogene Geschosse in Brand gesetzt und zerstört.
— London, 12. Juli, 5 Uhr 37 Min. Nachm. Vor Alexandrien, 11 Uhr 50 Min. Vorm., wird gemeldet: Die Batterien des inneren Hafens sind anscheinend verlassen. Vom Admiralsschiff weht das Signal, das Feuer ein zustellen. — Der zur Kanalflotte gehörende „Achilles" vereinigt sich mit der hiesigen Flotte.
— London, 12. Juli, 7 Uhr 44 Min. Abends. Es ist ungewiß, welcher Schaden in der Stadt Alexandria angerichtet ist. Einzelne Bomben des „Inflexible" platzten über derselben. Den besten Widerstand von Batterien der Forts hat die von Moncrieffe geleistet, deren Kanonen im gestrigen Gefecht nicht untauglich geworden sind, sondern deren Artilleristen von der Gewalt der Geschosse fortgetrieben wurden.
— London, 12. Juli, 8 Uhr 50 Min. Abends. In Alexandrien sind an verschiedenen Stellen große Feuer ausgebrochen.
— Berlin, 12. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König trafen, wie dem „R. u. St.-A." gemeldet wird, heute, Vormittag IOV2 Uhr von Coblenz kommend, auf dem Main-Neckar-Bahnhof in Darmstadt ein und wurden von dem Großherzog, der Großherzoglichen Familie und der Generalität empfangen. Das zahlreich anwesende Publikum begrüßte Se. Majestät mit enthusiastischen Kundgebungen. Nach halbstündigem Aufenthalte setzten Se. Majestät die Reise fort.
— Berlin, 12. Juli. In einem gegen die „Germania" gerichteten Artikel sagt die „Nordd. Allg. Ztg.": Zum ferneren Entgegenkommen bedarf die Regierung der Stärkung ihres Vertrauens in die Gegenseitigkeit der friedlichen Gesinnungen. Dieses Vertrauen ist bisher nur durch Versicherungen, nicht aber durch entgegenkommende Schritte gerechtfertigt worden. Die welfisch-polnische Presse thut natürlich was sie kann, um es im Keime zu ersticken. Wenn es wahr ist, daß der Papst wohl oder übel sich nach dem Centrum richten muß, so erscheinen die annähernden Schritte der Regierung um so mehr im richtigen Lichte