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Zugleich Amtliches Organ für Krers und Stadt Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unv Feiertage, mit belletristischer Beilag'' und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Nr. 159.

Dienstag den 11. Juli

1882.

Amtliches.

In Verfolg der gefälligen Zuschrift vom 18. v. Mts. theile ich dem verehrlichen Borstande ergebens! mit, daß der ständische Verwaltungs- Ausschuß unter dankender Annahme der gefälligen Zusicherung:den aus dem Regierungsbezirk Cassel zur Anmeldung gelangenden epilepti­schen Kindern unter 14 Jahren, ohne Beschränkung der Platzzahl Unter­kunft in der Anstalt gewähren zu wollen", Namens des kommunalstän­dischen Verbandes die Verpflichtung übernimmt, insofern wegen Mangels zureichenden Vermögens, weder von dem Kinde selbst und dessen ali­mentationspflichtigen Angehörigen Zahlung zu erlangen, noch die Hei- mathègemeinde zur Leistung eines entsprechenden Beitrags zu bestimmen sei, für die Entrichtung eines Kostensatzes von 100 M. für je ein Kind und Jahr dergestalt einzustehen, daß der anderweit nicht gedeckte Theil dieser Summe der Anstalt aus ständischen Fonds vergütet wird.

Cassel, den 29. Juni 1882.

Der Landes Direktor.

An den Vorstand der Colonie für EpileptischeBethel" bei Bielefeld.

Ergebenst Mittheilung unter dein Ersuchen, die Eltern und Vor­münder der in den betreffenden Bezirken vorhandenen epileptischen Kinder im Alter von 614 Jahren zur Unterbringung der letzteren in der Colonie für EpileptischeBethel", soweit dies ohne Zwang thunlich, anhalten, auch die Aufmerksamkeit der Ortsvorstände, Geistlichen und Lehrer in entsprechender Weise auf Beförderung der Angelegenheit hin­lenken, sowie dahin wirken zu wollen, daß in Fällen, wo die Aufnahme von Kindern, welche zur Zahlung von Verpflegungskosten nach ihren eigenen und den Vermögenèverhültnisfen der Ascendenten nicht im Stande sind, in Frage kommt, Seitens der Heimathsgemeinde die Leistung eines ihrer Prästatronsfähigkeit entsprechenden Beitrags zu den Unter­haltungskosten übernommmen werde.

Der Landes-Direktor, von Hundelshausen.

An sämmtliche Königlichen Herrn Landräthe des Regierungsbezirks Cassel.

Vorstehenden Erlaß des Herrn Landesdirektors bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß.

Die Herrn Bürgermeister wollen die heutige Nummer desHanauer Anzeiger" Den Herrn Pfarrern und Lehrern ihrer Gemeinden noch be­sonders zur Einsichtnahme bereitstellen, auf Wunsch auch zu dem Zwecke in die Wohnung derselben verabfolgen.

Hanau am 6. Juli 1882.

Der Landrath.

J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.

Von Dienstag den 11. d. M. ab bis Ende nächster Woche findet auf dem großen Exercierplatz hier gegen den Erd-Wall vor dem f. g. Puppenwald in der nordöstlichen Ecke des Exercierplatzes von Morgens 6V4 bis 11 Uhr und des Nachmittags von 3 bis 7 Uhr Schießen mit scharfer Munition statt.

Das Betreten der fraglichen Waldparzelle und der dadurch resp, unmittelbar dahinter sührenden Fußpfade während der angegebenen Ta­gesstunden wird hierdurch verboten. Den ausgestellten Sicherheitsposten ist unbedingt Folge zu geben.

Hanau am 10. Juli 1882.

Der Landrath.

I. V.: Dr. Kl emm, Regierungs-Referendar.

Gefunden: Ein weißes gerätseltes Retz.

Zugelaufen: Ein junger schwarzer Hund, m. Geschl.

Entlaufen: Ein gelber Spitz, m. Geschl.

Entflogen: Ein Kanarienvogel. Aufgefangen: Eine Taube mit lahmen Flügeln. Hanau am 11. Juli 1882.

Aus Königl. Landrathsamt.

Gruudstütksvttpachtllllg.

Die in der Gemarkung von Wachenbuchen gelegenen Acker- und Wiesengrundstücke des domainenfiskalffchen sog. Schönborn'schen Gutes, bestehend aus 115 Parzellen zum Flächengehalte von zusammen 40 lia 11 a 50 qm, sollen vom 1. Januar 1883 ab anderweit auf 9 Jahre im Einzelnen öffentlich meistbietend verpachtet werden.

Termin hierzu ist auf

Montag, den 17. dieses Monats,

Vormittags 9 Uhr, in das Rathhaus zu Wachenbuchen anberaumt. Auf angemessene Pachtgebote wird der Zuschlag alsbald im Termin ertheilt.

Hanau, am 10. Juli 1882.

Der Königliche Domainen-Rentmeister

Bell. 6314

Rundschau.

B. F. (Deutsches Reich.) Am Sonntag, den 9. Juli, hat die vom besten Erfolg begleitete Kur Kaiser Wilhelms in Ems ihr Ende erreicht. Unser Kaiser gedachte am Nachmittag des genannten Tages Ems zu verlassen und sich zu seiner erlauchten Gemahlin nach Coblenz zu begeben, von wo aus nach etwa zweitägigem Aufenthalte die Reise nach der Insel Mainau fortgesetzt werden soll.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Direktors im Reichsschatzamt?, Burchard, zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes, womit alle sonstigen Gerüchte über den Nachfolger des Heirn Scholz ihre Erledigung finden.

Das Central- Comitâ der Hygieine-Ausstellung in Berlin hat sich durch den Brand derselben nicht entmuthigen lassen. Wie Berliner Nachrichten melden, wurde von dem genannten Comitü der einstimmige Beschluß gefaßt, die Ausstellungsgebäude auf dem alten Platze in Glas und Eisen zu errichten und bis zum nächsten Frühjahre fertigzustellen.

(Oesterreich-Ung arn.) In dem vielsprachigen Oesterreich bil­det die Sprachenfrage schon seit längerer Zeit einen stehenden Gegenstand der Tagesordnung und hat die Regierung geglaubt, durch die Erlässe der verschiedenen Sprachenverordnungen den Wünschen der einzelnen Nationen entgegenkommen zu müssen. Bei jeder Sprachenverordnung handelt es sich aber weder um ein praktisches Bedürfniß, noch um die Gleichbe­rechtigung, sondern um politische und staatsrechtliche Ziele. Bei der Sprachenverordnung für Böhmen und Mähren sollte der Gedanke der böhmischen Krone zum Ausdruck gebracht werden, bei derjenigen für Steiermark, Krain und Kärnthen dagegen sollte der Boden für das schon lange in den Köpfen der Slovenen spukendeKönigreich Slavonien" vorbereitet werden und in Galizien handelt es sich darum, das polnische Element auf Kosten des ruthenischen zu stärken. Jetzt soll nun auch die Sprachenverordnung in Schlesien Eingang finden und haben die Polen und Czechen Schlesiens bereits ein Memorandum an zuständiger Stelle eingereicht, wonach in Schlesien neben der deutschen auch die polnische und die böhmische Sprache als Landessprachen zu gelten haben. Es ist dies der erste Schritt zur Slavisirung dieser noch überwiegend deutschen Provinz und bei dem gegenwärtig in Oesterreich herrschenden System erscheint die Slavisirung Schlesiens als durchaus im Bereich der Mög­lichkeit liegend.

(Frankreich.) In der französischen Hauptstadt werden die Vor­bereitungen zur Nationalfeier der Franzosen am 14. Juli, dem Jahres­tage der Erstürmung der Bastille, mit großem Eifer betrieben. Den Mittelpunkt der Feier wird diesmal ohne Zweifel die Einweihung des neuen Pariser Stadthauses bilden, wozu der Gemeinderath der Haupt­stadt außer den Bürgermeistern der europäischen Hauptstädte, von denen die meisten aber abgelehnt haben, auch die in Paris beglaubigten Ver­treter der Mächte, die französischen Minister, Senatoren, Deputirten, kommandirenden Generäle, Vertreter der Künste und Wissenschaften u. s. w. eingeladen hat. Auch Henri Rochefort hatte eine Einladung erhalten, doch lehnte der einstigeLaternenmann" dieselbe mit dem Bemerken ab, daß ihm dieGesellschaft nicht Passe." Die von clericalen französischen Blättern gebrachte Nachricht, die Nihilisten beabsichtigten, das Stadthaus