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Hanauer Amn^er.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unv Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.
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Nr. 157.
Samstag den 8. Juli
1882
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Amtliches.
Für den Martin Schäfer von hier, Sohn des Metzgermeisters Lorenz Schäfer und dessen Ehefrau Katharine von hier, ist die Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behuss Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
Hanau am 4. Juli 1882.
Der Landrath.
J. V.: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.
Gefunden: Ein weißer Spazierstock (auf der Post stehen geblieben). Ein Hundemaulkorb. Ein goldener Ring.
Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.
Hanau am 8. Juli 1882.
_____________________Aus Königl. Landrathsamt. _______________
Bekanntmachung.
Die an der Poststraße zwischen Hanau und Marköbel belegene Fechenmühle wird zur Posthaltestelle bei der Personenpost zwischen den gedachten Orten bestimmt.
Es können deshalb von Hanau, Marköbel, Bruchköbel und den zwischenliegenden Unterwegsorten aus Personen nach der Fechenmühle eingeschrieben werden.
Der Postwagen darf an dieser Haltestelle nur so lange anhalten, als zum Ein- bezw. Aussteigen der Reisenden unbedingt erforderlich ist.
Hanau, 7. Juli 1882.
Kaiserliches Postamt.
Lins.
Tagesschau. Zeitbeteachtungen. (A. d. Schw. Merk.)
Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird bei fortdauerndem Widerstand der Pforte gegen die Beschlüsse der europäischen Konferenz die orientalische Frage in ihrer ganzen Ausdehnung wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden. Nach der Meinung der europ. Diplomatie sollte der Berliner Vertrag einen Stillstand bedeuten; man wollte den neuen selbstständigen Staatswesen Rumänien, Serbien und Montenegro, den neugeschaffenen Uebergangsformen Bulgarien und Ostrumelien Zeit lassen zur Entwicklung; man wollte der Pforte selbst Frist gewähren zur finanziellen und Verwaltungsreform. Dies alles geschah nicht allein im Interesse der Pforte, sondern noch mehr, um den europ. Frieden zu erhalten. Die Weltlage der Länder, welche der Pforte in Europa verblieben sind, macht es nöthig, mit solcher Behutsamkeit zu verfahren. Es hat schon einmal eine Macht, welche aus anderen Gründen unentbehrlich schien, die weltliche Regierung des Papstes, ihre Stellung verkannt und, auf ihre Unentbehrlichkeit trotzend, die Einmischungen zu ihren Gunsten angenommen, ohne je die daran geknüpfte Nothwendigkeit der Reformen anzuerkennen. Am Ende ist sie dennoch von der Landkarte weggewischt worden. So kann es auch der europ. Türkei ergehen, wenn sie den europ. Mächten die nach dem Frieden von San Stefano zu ihren Gunsten erfolgte Einmischung damit vergilt, daß sie den brutalen Glaubenseifer gegen ihre Retter entfesselt. Am 20. Jan. 1878 zogen die Russen in Adrianopel ein ; nicht die Türken haben sie am Vormarsch nach Konstantinopel verhindert, sondern Europa ist eingeschritten. Und nach 4 Jahren wird der Schlächter der europäischen Bevölkerung in Egypten durch den höchsten Orden des Sultans ausgezeich. net, erklärt die Pforte: die Ordnung herrscht in Kairo und Alexandrien und in die Verhältnisse meiner Provinz Egypten hat Niemand drein zu reden. Aber Egyptens Weltlage ist nicht weniger ausgezeichnet als die von Byzanz; für alle Mächte mit ostindischem Kolonialbesitz ist die Freiheit des Suezkanals eine Lebensfrage, und so wird die Pforte, wenn sie die Geschichte Egyptens im 19. Jahrhundert auslöschen will, nur dazu gelangen, es ganz zu verlieren, statt es in die frühere Abhängigkeit zurückzuführen. Wie weit der Stein dann rollen wird, wenn er erst einmal in Bewegung gekommen ist, das ist eine Frage, die Niemand noch beantworten kann.
— Berlin, 7. Juli. Se. Majestät der Kaiser und König setzten, wie der „R. u. St.-A." aus Ems meldet, heute die Kur fort. Zu dem gestrigen Diner bei Sr. Majestät war das Offizier - Corps des Königs-Husaren-Regiments geladen. Die Tafelmusik wurde von der Regimentskapelle ausgeführt. Abends besuchten Se. Majestät der Kaiser das Theater.
— Se. Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht den Direktor im Reichs-Schatzamt Burchard zum Staatssekretär des Reichs- Schatzamts unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat Excellenz zu ernennen.
— Berlin, 7. Juli, 3 Uhr 2 Min. Das Central-Comit^ der Hygieine-Ausstellung hielt heute Nachmittag im Bürgersaal des Rathhauses unter Vorsitz Hobrecht's eine Sitzung. Es wurde der Beschluß gefaßt, die Ausstellung 1883 auf dem alten Platze mit einem Hauptbau aus Glas und Eisen zu eröffnen. Hobrecht theilte mit, der Kaiser habe von Ems aus einen Bedürfniß-Zuschuß von 100 000 Mark bewilligt.
(Fr. Ztg.)
— Vor Kurzem ist in Spandau versuchsweise die Einstellung von Gewehren mit Repetirmechanismus angeordnet worden. Das Füsilierbat. des 3. Gardegren.-Reg. Königin Elisabeth daselbst wird zunächst mit diesen Gewehren ausgerüstet werden. Nach den von der k. Preuß. Militärschießschule vorgenommenen Versuchen ist der vom Erfinder des Gewehrs M/71, Gewehrfabrikant Maufer in Oberndorf, konstruirte Repetirmechanismus als der zweckmäßigste anerkannt worden; derselbe kaun auch ohne erhebliche Kosten an den Gewehren angebracht werden. Der ganze Apparat besteht aus einer im Schaft liegenden Röhre, in welcher eine Spiralfeder die in jener befindlichen Patronen nach den Schloßtheilen schiebt. Wird der Verschluß geöffnet, so hebt der heruntergedrückte Boden der Patroneneinlage des Gewehrs, auf welchen in Folge eines Druckes der Feder eine Patrone geschoben ist, diese in die Höhe der Oeffnung des Laufes, in welche nun der Verschluß sie einführt. Behufs Abgabe von Schüssen ist weiter nichts nöthig, als daß man den Knopf ergreift, den Verschluß zurück- und wieder vorschiebt. Um unnöthigen Munitionsverbrauch zu verhüten, ist an der Seite ein Hebel angebracht, der das in der Röhre befindliche Patronenmagazin absperrt, und in Folge dessen kann das Gewehr ebenso wie jetzt gehandhabt werden. Der Hebel wird entweder auf Kommando oder Signal zur Seite geschoben. Nur bei entscheidenden Momenten soll die im Magazin vorhandene Munition verschossen werden. Die Manipulation des Wiederladens nimmt nur wenige Sekunden in Anspruch. Ist die Munition im Magazin verschossen, so kann man das Gewehr wieder als Einzellader benutzen. (D. Tagebl.)
— Am 5. d. Mts. ist zu Brunn bei Stettin das Mitglied des Herrenhauses, Geheimer Regierungsrath a. D. von Ramin verstorben; aus besonderem Allerhöchsten Vertrauen durch Erlaß vom 20. November 1863 ins Herrenhaus berufen, war derselbe in das Haus am 14. Januar 1865 eingetreten.
— S. M. S. „Niobe", 10 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Mensing, ist am 5. Juli er. in Dartmouth eingetroffen.
— M arseill e, 7. Juli. Unter den 355 mit der „Sarthe" eingetroffenen Arabern befand sich ein gewisser Hussein Ben Hassan aus Tunis, welcher nach dort zurückkehren wollte, aber hierher gebracht und der Behörde überliefert wurde, weil er auf der Fahrt den Kapitän in- fultirt und mit dem Tode bedroht hatte, auch andere Araber aufzuwie- geln versuchte, so daß er gefesselt werden mußte. Das Gerücht bezeichnet Hussein als einen Agenten Arabi Paschas, der beauftragt sein soll, nach Tunis zu gehen und dort das Volk gegen die Franzosen aufzuwiegcln.
— Toulon, 6. Juli. Die Rüstungen behufs Bildung eines zweiten Verstärkungsgeschwaders werden eifrig betrieben; sobald ein Panzerschiff ausgerüstet ist, wird dasselbe nach den Hyörischen Inseln zu den Uebungsmanövern geschickt, bis das ganze Geschwader vollständig gebildet ist. Bisher wird nur bei Tage gearbeitet, obgleich der Marine- Minister auch die Nachtarbeit gestattet hat.
— London, 6. Juli. Wie verschiedene Blätter melden, haben die Behörden von Indien Befehl erhalten, Vorbereitungen zu treffen zur Entsendung eines indischen Truppenkontingents nach Egypten.