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Hanauer Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Krers und Stadt Hanau
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vtr. 155. Donnerstag
Amtliches.
Die Herren Lokal-Schulinspektoren werden hierdurch an Erledigung der diesseitigen Circular-Verfügung vom 26. Mai cr. erinnert, betreffend die schematische Nachweisung über das aus Staats- oder Privatwaldungen zur Beheizung der Schulen gelieferte Holz rc.
Hanau, den 26. Juni 1882.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Dr. Klemm.
Johannes Bender 4r zu Hüttengesäß ist zum stellvertretenden Standesbeamten des dasigen Standesamtsbezirks bestellt.
Hanau, am 3. Juli 1882.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Dr. Klemm.
Ausschreiben.
Gestern Abend wurde im Rhein dahier eine z. Z. unbekannte männliche Leiche geländet, welche 10—14 Tage im Wasser gelegen haben mag.
Der Verlebte war 30—40 Jahre alt, 1,75 m groß, hatte dunkles, dünnes Haar, vorn Glatze, kleine Nase, dunkle Augen und kräftige Statur; bekleidet war derselbe mit dunklem Sackrock und Hose, schwarzer Weste, weißem Hemde, roth gez. J. B., einem blau-weiß-roth gestreiften baumwollenen Unterhemde, am Bund roth gez. H. L., Zugstiefeln mit herzförmigen Vorderblättern und einfachen Sohlen und hatte ein braun und weiß geblümtes Taschentuch und eine Messing-Uhrkette bei sich. Im Falle die Identität des Verlebten festgestellt werden kann, bitte ich um baldgefallige Nachricht.
Mainz, den 1. Juli 1882.
Großherzogl. Polizei-Commifsär.
Wird veröffentlicht.
Hanau, am 2. Juli 1832.
Der Landrath.
I. V: Dr. Klemm, Regierungs-Referendar.
Verloren: Ein Notizbuch über eingetragene Bierlieferungen.
Gefunden: v. Monat auf der Hanan-Friedberger-Landstraße ein altes Wagentuch. Auf der Straße in Bruchköbel eine lederne Pferdehalfter nebst Kette. Beide Gegenstände können bei dem Ortsvorstand zu Bruchköbel in Empfang genommen werden.
Hanau am 6. Juli 1882.
____________________Aus Königl. Landrathsamt. ____________________
Tagesschau.
Die bevorstehende Aktion in Egypten.
(A. d. Schw. Merk.)
Die Rüstungen in England nehmen einen Umfang an, der an ihrem Ernst nicht mehr zweifeln läßt. Für ein bloßes Mittel, auf Arabi Pascha, auf den Sultan, oder auf die Mitglieder der Konferenz einen Druck auszuüben, werden sie kaum mehr gelten können. Es ist eine fieberhafte Thätigkeit in allen Zweigen der Kriegsverwaltung, und sogar Gebirgsbatterien werden fertig gestellt, obwohl nicht recht ersichtlich ist, welche Gebirge die englische Armee im Pharaonenlande zu übersteigen im Sinne hat. Zugleich mit England aber rüstet, und das ist eine neue, bisher nicht eingestandene Thatsache, auch Frankreich. Aus Marseille sind 8 weitere Kriegsfahrzeuge abgegangen, die sich langsam den Nilmündungen nähern sollen, und in Toulon werden die Vorbereitungen für die Ueberfahrt eines Landungskorps von 20 000 Mann getroffen. Von Seiten der beiden Mächte geschieht also Alles, um sich für den Augenblick bereit zu halten, da der Ruf zur Aktion an sie ergehen wird. Diesem Augenblick aber scheinen wir uns mit verhängnißvoller Raschheit zu nähern. Daß eine Einmischung in Egypten überhaupt vonnölhen ist, darin sind offenbar alle Konferenzmächte einig. Wirklich sind auch die gegenwärtigen Zustände in Egypten auf die Länge unhaltbar. Der Auszug der Europäer fügt dem Lande unendlichen Schaden zu, in ihren Händen waren die Geldkräfte konzentrirt, jetzt stockt das ganze Geschäft in Kairo wie in Alexandria, unter den Eingeborenen selbst ist große
den 6. Juli 1882.
Noth eingerissen und das Ministerium Ragheb muß bereits Vorkehrungen für die Linderung des äußersten Elends treffen. Daß es auf die Dauer einer solchen Lage nicht gewachsen ist, liegt auf der Hand. Mit Arabi's Großsprechereien ist nichts gethan; wohl aber kann durch die Herausforderungen Arabi's, der die Küstenbefestigungen wieder ausgenommen hat, die Kanonen gegen die europ. Panzerschiffe richtet, der den Suezkanal zuschütten will und von einem Massenaufgebot der egyptischen Bevölkerung träumt, — durch all das kann der Augenblick, wo die Sprache der Kanonen beginnt, noch rascher und in ganz unvermutheter Weise herbeigeführt werden. Beruhigend ist bis jetzt noch immer der Umstand, daß man zu dem Glauben berechtigt ist, Frankreich und England rüsten nur deßhalb, weil sie voraussehen, daß ihnen von Europa ein Mandat zur Einmischung in Egypten ertheilt werden wird. Nichts weist auf ihre Absicht hin, auf eigene Faust, ohne oder gegen den Willen der Konferenz die Einmischung in Vollzug zu setzen. Aber sie werden bereit sein, wenn die Konferenz sie ruft und das wird sich voraussichtlich im Laufe dieser Woche entscheiden müssen. In der 5. Sitzung der Konferenz am Sonntag wurde die Einmischung des Sultans in Egypten berathen, denn noch immer sind die Mächte der Ansicht, daß dieser Vorschlag in erster Linie sich empfiehlt. Man wird also an den Sultan die förmliche Aufforderung richten, mit seinen Truppen einen regelmäßigen Zustand in Egypten wieder herzustellen. Im Falle der Sultan, wie man es für wahrscheinlich hält, auf feiner Weigerung beharrt, weil er ein europ. Mandat nicht anerkennt und eine Einmischung überhaupt für überflüssig hält, so werden, der allgemeinen Annahme nach, England und Frankreich, vielleicht in Begleitung einer dritten Macht, die dann gleichsam als Ehrendame dem liebenden Paare mitgegeben wird, die Amon übernehmen. Alles also im guten Einvernehmen der Mächte. Wie lange dies aber erhalten bleibt, wenn ein Theil derselben einmal auf den Kriegsfuß sich gesetzt hat, und wenn es vollends zur Anwendung von Gewalt kommt, das ist eine andere Frage.
— Ems, 5. Juli. Gestern fand die Vorstellung der hier zur Kur anwesenden aktiven Offiziere vor Sr. Majestät dem Kaiser im Hose des Kurhauses statt. Zum Diner waren geladen: der sächsische General von Rudorff, die Obersten von Fischer, von Sothen, von Natzmer, Oberstlieutenant Hering, Konsistorial-Präsident Dr. Snethlage und Generalsuperintendent Dr. Dieden. Se. Majestät machte nach dem Diner eine Spazierfahrt und besuchte Abends das Theater. Heute setzte der Kaiser die Kur fort und machte nach derselben einen Spaziergang. (Rh. K.)
— Berlin, 5. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt in einem gegen die „Germania" gerichteten Artikel: Die Gewinnung des Friedens mit der katholischen Kirche durch einseitiges Nachgeben sei für die preußische Regierung eine Unmöglichkeit. Am Schluffe heißt es: Die Staatsregierung würde es gewiß bedauern, wenn die weitere friedliche Gestaltung davon abhängig gemacht würde, wer am längsten zu warten vermag, Preußen oder Rom. Wir glauben nicht, daß die Kurie geneigt ist, diese Probe anzustellen, sind vielmehr überzeugt, daß bei ihr kein Zweifel darüber obwaltet, daß für die preußische Regierung es ebenso unmöglich ist, dem Könige die Begnadigung des Erzbischofs Melchers wie diejenige des Grafen Ledochowski anzuraten. Gerade die Herstellung diplomatischer Beziehungen mit dem päpstlichen Stuhle hat das Mittel geboten, über solche Fragen jedes Mißverständniß auszuschließen.
— S. M. S. „Luise", 8 Geschütze, Kommdt. Korv.-Kapitän Stempel, ist am 17. Juni er. in Halifax eingetroffen.
— Hann o v er, 4. Juli. Der Kriegsminister a. D. von Brandis auf Schloß Ricklingen feierte gestern das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Derselbe wurde 1790 in England geboren und ist auf dem Continent der einzige Ueberlebende von den Kriegern, welche die spanischen Feldzüge mitgemacht haben. Von seinen Kampfgenossen leben nur in England noch einige. (Fr. Ztg.)
— München, 3. Juli. Ueber den letzten altkath. Gottesdienst in der St. Nicolaikirche wird berichtet: Zum letzten Male waren am vergangenen Sonntag die Altkatholiken in der kleinen aber ihnen doch so lieb gewordenen Nicolaikirche auf dem Saftdg versammelt; es fand die gewöhnliche sonntägige Feier mit Predigt und gesungener Messe statt.
I Daß es für die altkatholische Gemeinde München ein bedeutungsvoller Act I sein müsse, merkte man schon an den ruhig ernsten Gesichtern vor wie nach