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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage und Samstags mit der Berliner Provinzial Correspondenz.

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Nir. 148.

Mittwoch den 28. Juni

Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des Reichsgeseches vom 21. Oktober 1878.

Nachdem durch die Bekanntmachung der Königlich sächsischen Kreishauptmannschaft zu Leizig vom 1sten d. Mts. (Reichs-Anzeiger Nr. 128) die vom 25. März d. J. datirte Nummer der in Pittsburg (Pennsylvanien) erscheinenden periodischen Druckschrift: „Der Freiheits.Freund" verboten worden ist, wird auf Grund der §§. 11 und 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die fernere Verbreitung des Blattes „Der Freiheits-Freund" im Reichsgebiete hierdurch verboten.

Berlin den 22. Juni 1882.

Der Reichskanzler. In Vertr.: Eck.

Auf Grund des §. 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird mit Genehmigung des Bundcsrathcs für die Dauer eines Jahres angeordnet, was folgt:

§. 1. Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu besorgen ist, kann der Aufenthalt in der Stadt Leipzig und im Bezirke der Amtshauptmannschaft Leipzig von der Landespolizeibehörde untersagt werden.

§. 2. Vorstehende Anordnung tritt mit dem 29sten dieses Mo­nats in Kraft.

Dresden, den 21. Juni 1882.

Königlich sächsisches Gesammt-Ministerium.

v. Fabrice, v. Rostitz-Wallwitz. v. Gerber.

_______________von Abeken, von Könneritz.

Bekanntmachung. Werthbriefe im Verkehr mit Spanien, Portugal und.den Portugiesischen Kolonien.

Zum 1. Juli tritt Spanien, einschließlich der Balearen und der Canarischen Inseln, dem Pariser Uebereinkommen vom 1. Juni 1878, betreffend den Austansch von Werthbriefen im inter. nationalen Verkehr, bei. Vom gleichen Zeitpunkt wird der Meistbe- trag der Werthangabe bei Werthbriefen nach Spanien auf 8000 Mark erhöht. Die Taxe setzt sich zusammen aus dem Porto und der festen Gebühr für einen Einschreibbrief von gleichem Gewicht und Bestim­mungsort, sowie aus einer Vcrsicherungsgebühr von 20 Pf. für je 160 Mark. Die Werthbriefe sind nach allen bedeutenderen Orten Spaniens zulässig; über die Namen dieser Orte wird auf Wuusch bei den Post- anstalten Auskunft ertheilt. In Folge des Beitritis von Spanien zu dem gedachten Uebereinkommen ermäßigt sich die Versicherungs­gebühr für Werthbriefe nach Portugal mit Einschluß von Madeira und den Azoren auf 20 Pf. für je 160 Mark, für Werthbriefe nach den Portugiesischen Kolonien, Santiago (Cap Verdische Inseln), San Thomä (Guinea-Inseln) und Loanda (Angola) auf 28 Pf. für je 160 Mark. Die Versicherungsgebühr kommt bei Werth- briefen nach Portugal und den Portugiesischen Kolonien ebenfalls neben dem Porto und der festen Gebühr für einen Einschreibbrief von gleichem Gewicht und Bestimmungsort in Ansatz.

Berlin W., 21. Juni 1882.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. Stephan.

Bekanntmachung. Postaufträge im Verkehr mit Frankreich.

Vom 1. Juli ab können den Postausträgen im Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich auch solche Papiere beigefügt werden, welche mangels Zahlung durch Vermittelung der Be- stimmungs-Postanstalt zur Aufnahme des Protestes weiter gege- ben werden sollen. Der Absender hat in solchem Falle auf der Rück­seite des Postauftrags-Formulars den Vermerk: „Sofort zum Protest“ eher „â Protesten“ nieberzuschreiben, auch ebendaselbst unter Hinzufügung

1882.

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von Datum und Namensunterschrift zu vermerken, „daß er sich ver­pflichte, den etwaigen Betrag der Protest kosten nach er­folgter unmittelbarer Aufforderung an den Berechtigten gelangen zu lassen" Die Namhaftmachung einer bestimmten, mit der Aufnahme des Protestes zu betrauenden Person ist statthaft, aber nicht erforderlich. Eintretendenfalls ist für solchen Vermerk vom Ab­sender ebenfalls die Rückseite des Postaustrags-Formulars zu benutzen.

Berlin W., 16. Juni 1882.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. Stephan.

Tagesschau.

— Berlin, 27. Juni. Se. Majestät der Kaiser und König erfreuen Sich, wie der „R. u. St.-A." aus Ems meldet, foitdauernd des besten Wohlbefindens, setzen die Kur regelmäßig fort und machen trotz des ungünstigen Wetters häufig, in Begleitung des Prinzen Nico­laus von Nassau, Promenaden im Kurgarten. — Heute, als am Jah­restage der von Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin im vorigen Jahre glücklich überstandenen Operation, begaben Sich Se. Majestät der Kaiser in offenem Wagen zum Besuche der Kaiserin nach Coblenz.

— Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs den Großherzoglich badischen Hofrath Professor Dr. Windelband zu Freiburg i. Bd. zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Kaiser-Wilhelms Universität Straßburg zu ernennen geruht.

— Berlin, 27. Juni. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Namen der Verfasser derjenigen Konkurrenz-Entwürfe für das Reichs­tagsgebäude, welche auf Vorfchlag der Jury angekauft werden, weil diese Entwürfe in bestimmten Beziehungen ein besonders werthvolles Material für die Aufstellung des zur Ausführung bestimmten Bauplanes darbieten. Die Namen lauten: Otto Wagner-Wien, Eisenlohr und Weigle-Stutt- gart, Bluntschli-Zürich, Hallier und Fitschen-Hamburg, Slammann und Zinnow-Hamburg, Gorgolewski-Berlin, Schmieden und Speer- Berlin, Hoßfeld und Hinckeldeyn-Berlin. Aus den von der Konkurrenz ausge­schlossen gebliebenen Entwürfen sind ferner angekauft worden diejenigen des Freiherrn Ferstel-Wien und Bühlmann's-Münchcn.

— Berlin, 27. Juni. Eine Landpartie im großartigsten Stile wurde, nach der „Sttsb.-Ztg.", am Sonnabend früh 7 Uhr von der vormals Eckert'schen Fabrik für landwirthschastliche Maschinen vor dem Frankfurter Thor unternommen. 500 Männer, 350 Frauen und über 1000 Kinder erschienen zur festgesetzten Stunde an der Jannowitzbrücke, empfangen von den Leitern und Beamten der Fabrik. Sechs große Dampfer nahmen die imposante Gesellschaft auf und unter Entfaltung der Fahnen und Banner, sowie unter den Klängen des auf dem dritten Dampfer stationirten Musikkorps nahm die Flotte ihren Curs nach Friedrichshagen, beziehungsweise dem Müggelsee. Von den Inhabern der Fabrik war für alles gesorgt, was der tausendköpfigen Versammlung den Tag angenehm machen konnte. Musik, Tanz, Spiele, Verloosungen, Angeln, Kahnfahren und noch viele andere Vergnügungen hielten die Familien ohne jede Störung so lange beisammen, daß die Letzten erst um 4 Uhr früh Berlin wieder sahen. Das ganze Fest gab ein glän­zendes Zeugniß für das treffliche Einvernehmen aller Faktoren, die in jener Fabrik wirken.

— Der „R. u. St.-A." veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Abän­derung des Zolltarifgesetzes vom 15. Juli 1879, vom 23. Juni 1882

— S. M. Kbt. „Wolf", 4 Geschütze, Kommdt. Korv.-Kapt. Strauch, ist am 30. April er. in Chefoo eingetroffen.

— Der Germ, wurde, wie seiner Zeit erwähnt, von ihrem römi­schen Korrespondenten gemeldet, der Papst habe bei der Audienz, welche er am 2. d. M. deutschen Pilgern ertheilte, einem derselben einen be­sonderen Gruß an Windthorst aufgetragen (mi io saluti in maniera speciali). Von unterrichteter Seite schreibt man nun der Nordd. A Z. aus Rom, daß der wahre Hergang folgender ist: Unter den Pilgern befand sich ein Geistlicher Namens Königstein, in dessen Parcchie im Bièthum Köln ein Badeort liegen soll, welchen Windthorst angeblich jeden Sommer besucht. Letzteren Umstand hat Königstein dem Papste vorgetragen mit der Bitte, ihm seinen Segen für den genannten Kurgast